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Politik

Länderchefs wollen flächendeckende Krankenhaus­versorgung erhalten

Montag, 6. Januar 2020

Der Bedarf an Veränderung wird in den Ländern unterschiedlich eingeschätzt. Gemeinsam ist vielen Länderchefs die Sorge um die Menschen auf dem Land. /upixa, stock.adobe.com
Der Bedarf an Veränderung wird in den Ländern unterschiedlich eingeschätzt. Gemeinsam ist vielen Länderchefs die Sorge um die Menschen auf dem Land. /upixa, stock.adobe.com

Berlin – In der Diskussion über die Zukunft kleinerer Krankenhäuser sehen einige Landes­regierungen nur bedingt einen Bedarf für Schließungen zugunsten spezialisierterer Krankenhäuser. In Gesprächen mit der Deutschen Presse-Agentur hoben mehrere Regierungschefs dagegen die Bedeutung einer guten Versorgung in der Fläche hervor.

„Wir wollen ganz bewusst in unserem großen Flächenland ein dezentrales Kranken­hausangebot aufrechterhalten“, sagte etwa Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Es gebe ein tiefes Bedürfnis nach guter medizinischer Versorgung in erreichbarer Nähe. Es brauche aber zukunftsfähige Konzepte, nicht jeder Standort sei optimal.

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Mit der Zukunft der medizinischen Versorgung in Niedersachsen auch im Kranken­hausbereich beschäftigt sich seit dem vergangenen Jahr eine Enquetekommission des Landtags. Ergebnisse sollen im Sommer vorliegen. „Die große Streichliste gibt es nicht“, sagte der Vize-Geschäftsführer der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft, Marten Bielefeld.

Umwandlung von Krankenhäusern in Pflegeeinrichtungen eine Möglichkeit

Konkret müsse vor Ort geschaut werden, wie sich die Zukunft der Kliniken gestalte. Eine Umwandlung kleiner Kliniken in Pflegeeinrichtungen, wie dies der Verband der Ersatzkassen (vdek) in Niedersachsen vor einigen Tagen forderte, ist aus Sicht der Krankenhausgesellschaft kein Allheilmittel, aber eine Möglichkeit.

Viele Experten halten es für sinnvoll, kleinere Kliniken zu größeren zusammenzulegen und stärker auf Spezialisierung zu setzen. Für Wirbel hatte im Sommer eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung gesorgt: Statt knapp 1.400 Kliniken bundesweit reichten deutlich unter 600 Krankenhäuser aus, hieß es dort. Das rief massive Kritik bei Ärzten und Kliniken hervor. Bundes­ärzte­kammerpräsident Klaus Reinhardt forderte kürzlich aber auch eine „Bereinigung der Kliniklandschaft“, in Ballungsgebieten gebe es zu viele Standorte. Fehlendes Personal sind im Gesundheitswesen ein großes Problem, gesucht werden sowohl Pfleger als auch Ärzte.

Überversorgung in Ballungsräumen

„Der Hinweis auf abstrakte Statistiken kann nicht das tiefsitzende Bedürfnis der Menschen ersetzen, für alle Fälle in der Nähe ein Krankenhaus zu haben“, sagte Weil. Sein nordrhein-westfälischer Amtskollege Armin Laschet (CDU) sagte, er wolle „eine Krankenhaus­landschaft, in der alle Patientinnen und Patienten innerhalb von 30 Minuten ein Kranken­haus erreichen“. Tendenziell gebe es aber eine Überversorgung in den Ballungsgebieten und eine Unterversorgung auf dem Land. Gleichzeitig gebe es Doppelangebote. Deshalb seien Konzentrationsprozesse und Spezialisierungen nötig.

NRW-Ge­sund­heits­mi­nis­ter Karl-Josef Laumann (CDU) hatte im Sommer ein Gutachten vorgestellt, wonach die städtischen Ballungszentren in NRW - vor allem im Rhein-Ruhr-Gebiet - mit Krankenhausleistungen wie Kardiologie, Orthopädie und Geburtshilfe überversorgt sind. Ländliche Gebiete, wie etwa Arnsberg, seien dagegen bei einigen medizinischen Leistungen teils unterversorgt.

Es geht auch um die Grundversorgung auf dem Lande

Die Landesregierung werde die Reform der Krankenhauslandschaft auf Grundlage des Gutachtens anpacken, bekräftigte Laschet. Bislang hat die schwarz-gelbe Koalition offen gelassen, ob es dadurch zu den befürchteten massenhaften Krankenhausschließungen kommen könnte. Einen „Kahlschlag“ soll es laut Laumann jedoch nicht geben.

Die Regierungschefin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), verwies auf den Anspruch auf gleichwertige Lebensverhältnisse: Das heiße, „dass die Grundversorgung in der Fläche gewährleistet werden muss, auch in der Krankenhausversorgung.“ Es gehe um die Grundversorgung auf dem Land, nicht um hoch spezialisierte Leistungen.

Das sieht Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ähnlich. „In einem Flächenland wie Schleswig-Holstein haben wir ein großes Interesse daran, dass es in allen Teilen des Landes Klinik-Standorte gibt“, sagte er. „Es gab im Land ja bereits Schließungen einzelner Stationen, weil schlicht nicht genügend Personal da war.“ Deshalb müsse die Klinikstruktur überprüft werden.

Ziel der Jamaika-Koalition sei es, die medizinische Versorgung auf dem Land dauerhaft sicherzustellen, sagte Günther. „Das hat nicht nur was mit Kosten zu tun, sondern auch mit der Suche nach ausreichend Fachkräften.“ Das Problem stelle sich nicht nur bei niedergelassenen Ärzten im ländlichen Raum. „Das ist natürlich zunehmend auch an Kliniken ein Problem.“

Thüringen will das Modell der Gemeindeschwester stärken

In Thüringen hält Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) eine stärkere Spezialisierung der Krankenhäuser für angezeigt. „Die Landesregierung befürwortet eine flächendeckende Krankenhausversorgung mit spezialisierten Zentren mit hoher Fachkompetenz“, sagte er. Eine stärkere Spezialisierung bedeute jedoch nicht, dass Krankenhäuser schließen müssten. Sie seien gerade in ländlichen Regionen notwendig zur Absicherung einer ortsnahen Versorgung. „Zugleich wollen wir das Modell der für Hausbesuche qualifizierten Gemeinde­schwester stärken, mit dem gerade im ländlichen Raum die ärztliche Versorgung verbessert werden kann“, sagte Ramelow.

Von Bremens Regierungschef Andreas Bovenschulte (SPD) hieß es knapp, Pläne, Klinikstandorte zu schließen, gebe es nicht. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht die Krankenhausversorgung im Freistaat flächendeckend gewährleistet: „Wir wollen Spitzenmedizin auch vor Ort im ländlichen Raum. Beides ist wichtig in einem
Flächenland: Spitzenmedizin und regionale Erreichbarkeit“, sagte der CSU-Chef. In Bayern sei das erreicht worden, unter anderem mit Investitionen und einem Schutzschirm für kleine Häuser, damit diese den Transformationsprozess zu mehr Wirtschaftlichkeit schafften.

Sachsen sieht kaum Reformbedarf

Kaum mehr Reformbedarf sieht Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). „Ich sehe Sachsen da nicht an vorderster Stelle, Veränderungen zu leisten“, sagte er. Wenn es Probleme gebe, dann nur punktuell. „Wir haben eine Kliniklandschaft, die solide und konsolidiert ist“, betonte Kretschmer. Das sei der Unterschied zu vielen anderen Bundesländern, in denen solche schmerzlichen Schritte nicht gegangen wurden.

Gab es Anfang der 1990er Jahre noch rund 100 Kliniken in Sachsen, ist deren Zahl mittlerweile auf 78 geschrumpft. Von den Krankenhäusern befinden sich 34 in öffentlicher Trägerschaft, darunter auch die beiden Unikliniken in Dresden und Leipzig. Viele Häuser geraten zunehmend unter Druck. Sven U. Langner, Vorsitzender der Krankenhausgesellschaft Sachsen schätzt, dass mindestens 10 Prozent der Einrichtungen in einer schwierigen Lage sind. „Das wirtschaftliche Bedrohungspotenzial für die Häuser nimmt zu.“

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) sieht Konzentrationstendenzen in der stationären Krankenversorgung kritisch und hält ein flächendeckendes Netz an Klinikstandorten für unverzichtbar. „Es ist wichtig, dass wir gerade mit den Krankenhäusern auch im ländlichen Raum weiterhin eine gute medizinische Versorgung vor Ort gewährleisten“, betonte Schwesig in Schwerin. Diese Versorgung müsse auch möglichst umfassend sein. Im Nordosten gibt es derzeit 37 Krankenhäuser.

Private Klinikbetreiber in der Pflicht

Zuletzt hatte Schwesig ihr Veto gegen die geplante Schließung der Geburtenstation in Crivitz (Landkreis Ludwigslust-Parchim) eingelegt und Nachverhandlungen mit dem privaten Klinikbetreiber durchgesetzt. Bis Mitte des Jahres soll eine akzeptable Lösung gefunden werden. Schwesig sieht auch private Klinikbetreiber in der Pflicht, ein Angebot für möglichst alle Alters- und Patientengruppen vorzuhalten.

„Ich finde es nicht richtig, dass ein Träger, der Gewinne macht, sich von Abteilungen verabschiedet, die sich allein vielleicht nicht so rechnen“, betonte die Regierungschefin. Schließlich erhielten Kliniken auch dafür Zuschüsse. Sie sprach sich dafür aus, die Einflussmöglichkeiten der Politik wieder zu stärken. Wenn sich Träger nicht kompromissbereit zeigten, müsse in der Konsequenz geprüft werden, ob der zuständige Landkreis das Krankenhaus nicht kommunal führen sollte. © dpa/aerzteblatt.de

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Ethiksucher
am Montag, 6. Januar 2020, 21:43

Ehrliche Politik

Die Entwicklung der letzten Jahre mit einer so nie gesehenen Alterspyramide (dank unserer fortschrittlichen Therapie nur der Gipfel des Eisbergs) schlägt so langsam mit voller Wucht in der täglichen Praxis aller im deutschen Gesundheitssystem beteiligten Personen ein. Es gibt immer mehr multipelst vorerkrankte Patienten, die biologisch noch so fit sind (oder auch nicht), dass sie inzwischen in einigen Bereichen unser täglich Brot sind. Die Politik, die sich in diesem Artikel mal wieder plakativ vor die flächendeckende High-Tech Versorgung für alle stellt, hat aber weder realistische Antworten für diese Entwicklung, noch den Mut, der Bevölkerung zu sagen, dass es die Versorgung die hier versprochen wird so, mit den momentan zu zahlenden Kassenbeiträge nicht geben kann. Wenn man selbst nie im Gesundheitswesen gearbeitet hat (schon mal einen internistischen Vordergrunddienst in einem kleinen Krankenhaus in der Provinz nachts erlebt ?), häufig damit beschäftigt ist Wahlen zu gewinnnen und plakative, öffentlickeitswirksame Lösungen für seine Region ohne Wenn und Aber durchdrücken muss (im Nachbarkreis gibt es auch eine Gynäkologie ? Egal, ist ja der Nachbarkreis...), ist diese Erkenntnis vielleicht auch zu viel verlangt.
Auf die Art, wie medizinisches und pflegerisches Personal in den letzten 20 Jahren behandelt wurde (und auch jetzt noch wird ...) möchte ich gar nicht erst eingehen. Dem auf den Grund zu gehen und dies abzustellen ist sicher schwieriger als Pflegekräfte aus Südamerika oder Asien zu holen aber es wäre das, wonach wir täglich streben: eine kausale Therapie !
LNS

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