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Medizin

Gentherapie der Hämophilie A zeigt Langzeitwirkung

Dienstag, 7. Januar 2020

Adenoassoziierte Viren (AAV) werden in der Gentherapie als Genfähren eingesetzt. /Kateryna_Kon, stock.adobe.com

London – Eine einzelne Infusion mit einem Adenovirus, das eine korrekte Version des F8-Gens in Leberzellen ablegt, hat 13 Patienten mit Hämophilie A über mittlerweile 3 Jahre vor schweren Blutungen bewahrt. Die Patienten konnten laut dem Bericht im New England Journal of Medicine (2020; 382: 29-40) weitgehend auf prophylaktische Faktor-VIII-Infusionen verzichten. Es ist zu keinen schweren Leberschäden gekommen und auch eine Hemmkörperbildung wurde bisher nicht beobachtet.

Seit 2015 wurden an mehreren britischen Kliniken 15 Patienten mit Hämophilie A mit einer Gentherapie behandelt, die die US-Firma BioMarin Pharmaceutical aus San Rafael in Kalifornien entwickelt hat. Sie besteht aus der einmaligen Infusion des Adeno-assoziierten Virus AAV5, das das F8-Gen in die Leberzellen transportieren soll, der natürlichen Produktionsstätte für Gerinnungsfaktoren.

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Da die Ladekapazität von AAV5 zu gering ist, musste das F8-Gen verkürzt werden, was aber den Erfolg der Gentherapie nicht geschmälert hat. Bei allen 15 Patienten kam es nach der Behandlung zu einem Anstieg der Faktor VIII-Werte im Blut. Bei den ersten beiden Patienten, die zu Beginn der Studie die geringste Dosis erhalten hatten, reichte die Produktion nicht aus, um sie vor Blutungen zu schützen.

Wirkung lässt im 3. Jahr nur leicht nach

Die übrigen 13 Patienten sind nach den jetzt von Jon Pasi von der Barts and The London School of Medicine and Dentistry und Mitarbeitern vorgestellten Ergebnissen seit nunmehr 3 Jahren ohne größere Blutungen geblieben. 7 Patienten, die mit 6 x 1013 Vektorgenomen pro Kilogramm Körpergewicht behandelt wurden, konnten seit der Gentherapie völlig auf prophylaktische Infusionen von Gerinnungsfaktoren verzichten. Bei allen haben sich die Gelenkblutungen zurückgebildet.

Bei den übrigen 6 Patienten, die eine Dosis von 4 x 1013 Vektorgenomen pro Kilogramm Körpergewicht erhalten hatten, sind ebenfalls größere Blutungsereignisse ausgeblieben. Die Zahl der prophylaktischen Faktor-VIII-Behandlungen konnte von 155,5 auf 0,5 Infusionen pro Jahr reduziert werden. In dieser Gruppe haben sich die Gelenkblutungen bei 5 von 6 Teilnehmern zurückgebildet.

Die Faktor-VIII-Spiegel sind zwar im 3. Jahr nach der Behandlung leicht zurückgegangen, sie reichten nach Einschätzung von Pasi jedoch aus, um die Patienten weiter vor schweren Blutungen zu schützen.

Die anfänglichen Sicherheitsbedenken haben sich nicht bestätigt. Nach der Behandlung kam es zwar bei den meisten Patienten zu einem temporären Anstieg der Alanin-Aminotransferase, dem mittlerweile durch eine Behandlung mit Glukokortikoiden begegnet wird. Ernsthafte Leberschäden wurden jedoch nicht beobachtet, versichert Pasi. Auch die Bildung von Antikörpern gegen Faktor VIII wurde bisher nicht beobachtet. Sie ist möglich, da das Immunsystem den nach der Gentherapie neu gebildeten Faktor VIII als fremd einstufen kann. Diese Gefahr besteht vor allem bei Patienten, die zuvor keine Restproduktion von Faktor VIII hatten.

Der Hersteller hat mittlerweile mit einer Phase 3-Studie begonnen, die im September 2023 abgeschlossen sein soll. Bei einem günstigen Ausgang ist mit einer Zulassung der Gentherapie zu rechnen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #806899
HBesir
am Mittwoch, 8. Januar 2020, 12:21

Adenovirus ist nicht adeno-assoziiertes Virus!

Bitte etwas vorsichtiger bei der Verwendung der Bezeichnung! Adenoviren sind ebenfalls Viren, die für die Gentherapie eingesetzt werden. Trotz ähnlichem Namen sind adeno-assoziierte Viren jedoch unterschiedliche Viren! Im Text werden irrtümlich Adenoviren erwähnt.
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