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Medizin

Antikörper könnten HIV-Infektionen von Neugeborenen verhindern

Dienstag, 7. Januar 2020

/ras-slava, stock.adobe.com

Portland/Oregon. Eine einmalige Behandlung mit breitneutralisierenden Antikörpern kann bei Makaken eine HIV-Infektion unter der Geburt verhindern, wenn sie innerhalb von 30 Stunden erfolgt. Eine dreiwöchige medikamentöse antiretrovirale Therapie war laut dem Bericht in Nature Communications (2020; DOI: 10.1038/s41467-019-13972-y) auch dann noch wirksam, wenn sie 48 Stunden nach der Geburt begonnen wurde.

Weltweit werden jedes Jahr noch immer schätzungsweise 180.000 Kinder von ihrer Mutter mit HIV infiziert. Die Infektion erfolgt teilweise bereits transplazentar während der Spätschwangerschaft. Viele Kinder stecken sich jedoch erst während der Geburt oder in der Stillperiode an. Wenn die HIV-Infektion der Schwangeren bekannt ist, kann eine Übertra­gung auf das Kind heute durch die antiretrovirale Therapie der Mutter zu 99 Prozent verhindert werden. Bei einer dokumentierten Virusuppression kann dann auf eine postnatale Prophylaxe des Neugeborenen verzichtet werden.

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Ein HIV-Test in der Schwangerschaft hat dazu geführt, dass in Deutschland kaum noch Feten oder Neugeborene mit HIV infiziert werden. In ärmeren Ländern erfolgt ein Kontakt mit dem Gesundheitswesen oft erst bei der Geburt. Wenn die HIV-Infektion frühzeitig (innerhalb der ersten 48 Stunden) erkannt wird, kann eine antiretrovirale Behandlung das Neugeborenen noch schützen. Die Behandlung wird typischerweise über sechs Wochen durchgeführt.

Breitneutralisierende Antikörper könnten in Zukunft eine Alternative sein, wenn die jetzt von einem Team um Nancy Haigwood von der Oregon Health & Science University School of Medicine in Portland vorgestellten Ergebnisse sich in klinischen Studien bestätigen sollten. Breitneutralisierende Antikörper binden an Stellen der HI-Viren, die für die Infektion der T-Zellen unverzichtbar sind. Diese Epitope werden deshalb im Verlauf einer Infektion nicht verändert, wie dies bei den meisten anderen Epitopen der Fall ist.

Die Forscher haben verschiedene Strategien an Tieren untersucht, die nach der Geburt mit SHIV (dem HIV entsprechenden Virus bei Affen) infiziert wurden. Zwei Strategien erwiesen sich als wirksam. Die erste bestand in der Gabe der beiden breitneutralisierenden Antikörper PGT121 und VRC07-523, die einmalig 30 Stunden nach der Geburt erfolgte. Bei allen sechs Tieren wurde eine chronische Infektion verhindert. Die Viren wurden von den Antikörpern abgefangen, bevor sie ihre Reservoire erreicht hatten, aus denen sie dann auch durch eine hoch-dosierte antiretrovirale Therapie nicht mehr vertrieben werden können.

Die zweite erfolgreiche postnatale Therapie war eine dreiwöchige Behandlung mit Tenofovir, Emtricitabin und Dolutegravir, die 48 Stunden nach der Geburt begonnen wurde. Zu diesem Zeitpunkt war eine Behandlung mit den beiden breitneutralisierenden Antikörpern nicht mehr erfolgreich, die in einer dritten Gruppe versucht worden war. Haigwood führt dies auf die langsame Pharmakokinetik zurück. Bis die Antikörper aus den subkutanen Depots resorbiert werden, vergehen mehrere Stunden. Die oral verabreichten Wirkstoffe sind dagegen schon bald nach der Einnahme im Blut nachweisbar.

Die Antikörper hätten den Vorteil, dass die Therapie einfacher durchzuführen wäre. Antikörper sind in der Regel besser verträglich als Medikamente. Ob die von den US-Forschern vorgeschlagenen Behandlungen in klinischen Studien erprobt werden, bleibt abzuwarten. © rme/aerzteblatt.de

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