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Medizin

Tabak- und E-Zigaretten erhöhen bei jungen Menschen das Schlaganfallrisiko

Dienstag, 7. Januar 2020

/Schlierner - stock.adobe.com

Fairfax – Konsumenten von E-Zigaretten hatten in einer Querschnittstudie zwar seltener einen Schlaganfall erlitten als Tabakraucher. Die kombinierte Aufnahme von Nikotin durch Rauchen und Dampfen könnte laut der Publikation im American Journal of Preventive Medicine (2020; DOI: 10.1016/j.amepre.2019.10.008) das Risiko jedoch gegenüber einem alleinigen Tabakrauchen erhöhen.

Die USA erlebt derzeit eine Mode von E-Zigaretten. Vor allem jüngere Menschen greifen zu den Inhalatoren, die an einer erhitzten Wendel ein Liquid verdampfen, das häufig mehr Nikotin enthält als eine Tabakzigarette. Dass der Konsum von E-Zigaretten eine Nikotin­abhängigkeit erzeugt, dürfte kaum bezweifelt werden. Umstritten ist derzeit, ob E-Zigaretten das geringere Übel sind, da das Dampfen die Nutzer vor den schädlichen Verbrennungs­produkte aus dem Tabak bewahrt.

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Die Ergebnisse der telefonischen BRFSS-Umfrage („Behavioral Risk Factor Surveillance System“), die die Centers for Disease Control and Prevention regelmäßig in einer repräsentativen Stichprobe durchführen, zeigen jedoch, dass für Viele Tabak- und E-Zigaretten keine Alternative sind, sondern sich eher ergänzen. Von den 161.539 Befragten der BRFSS-Umfrage von 2016/2017 gaben 7,77 Prozent an, dass sie ausschließlich Tabak rauchen. Insgesamt 5,29 Prozent waren ausschließliche “Vaper“ (die Hälfte davon Ex-Raucher). Insgesamt 4,79 Prozent der Befragten gaben an, dass sie beide Systeme benutzen.

Damit stellt sich die Frage nach den gesundheitlichen Konsequenzen des doppelten Nikotin-Konsums. Nikotin verengt die Gefäße und erhöht den Blutdruck. Beides könnte mitverantwortlich sein für das erhöhte Schlaganfallrisiko, das für Tabakraucher seit langem erwiesen ist. Für E-Zigaretten fehlen derzeit Erkenntnisse aus Langzeitbeobachtungen, da sie erst seit einigen Jahren auf dem Markt sind.

Erste Hinweise könnten Querschnittuntersuchungen liefern, in denen die Anwender gefragt werden, ob sie bereits einmal einen Schlaganfall erlitten hatten. Das war in der BRFSS-Umfrage bei den meist jüngeren Nutzern von E-Zigaretten selten der Fall. Die von Tarang Parekh von der George Mason University in Fairfax/Virginia vorgestellte Analyse ergab, dass die meisten zwischen 18 und 24 Jahre alten Nutzer von E-Zigaretten nicht häufiger als gleichaltrige Nichtnutzer schon einmal einen Schlaganfall erlitten hatten. Ihr Risiko war sogar niedriger als das von Tabakrauchern, die meist zwischen 35 und 44 Jahre alt waren. Die adjustierte Odds Ratio, die unter anderem den Altersunterschied berücksichtigt, betrug 0,43 und war mit einem 95-Prozent-Konfidenzintervall von 0,20 bis 0,93 sogar signifikant.

Für die Gruppe der Doppelnutzer von Tabak- und E-Zigaretten ermittelt Parekh dagegen ein gegenüber Nichtrauchern dreifach erhöhtes Schlaganfallrisiko (adjustierte Odds Ratio 2,91; 1,62 bis 5,25). Das Risiko war auch zu 83 Prozent höher als das von alleinigen Tabak­rauchern (adjustierte Odds Ratio 1,83; 1,06 bis 3,17), was sich durch die höhere Zufuhr von Nikotin erklären ließe. Genaue Zahlen zur Nikotin-Dosis erlauben die von Parekh vorgestellten Daten jedoch nicht. Die Beweiskraft von Querschnittstudien ist insgesamt gering. Genaueres wird sich erst in einigen Jahren zeigen, wenn die Ergebnisse aus Beobachtungsstudien vorliegen, die derzeit unter anderem von der US-Arzneimittelbehörde durchgeführt werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #804736
sunnymarie32
am Freitag, 10. Januar 2020, 02:08

Dicht daneben ist auch vorbei!

Wieder einmal findet das Ärzteblatt Fakten, die die Studie partout nicht hergibt und bastelt daraus eine reißerische und irreführende Überschrift - muss das denn immer wieder sein??? Könnt ihr nicht einmal bei der Wahrheit bleiben? Da hift es auch nicht viel, das recht weit hinten im Text relativiert wird "Die Beweiskraft von Querschnittstudien ist insgesamt gering"

Und noch eines - im Artikel schreibt ihr "Dass der Konsum von E-Zigaretten eine Nikotin­abhängigkeit erzeugt, dürfte kaum bezweifelt werden. " NATÜRLICH darf das bezweifelt werden - sehr sogar!
1. gibt es keine Nikotinabhängigkeit, was Fagerström bereits vor vielen Jahren erkannt und des halb seinen Test in "Test zur TABAKABHÄNGIGKEIT" umbenannt hat
2. ist erwiesen, das reines Nikotin ohne Tabakrauch ein eher geringes Suchtpotential aufweist - das haben Studien der Pharmaindustrie zur Zulassung von Nikotinspray & eindeutig bewiesen
3. sprechen auch die Erfahrungen von zig Millionen aufs Dampfen umgestiegener Ex-Raucher sehr deutlich gegen die These, das Nikotin per se Abhängigkeit erzeugt und auch die Tatsache, das all die Nikotinersatzprodukte der Pharmaindustrie, die das gleiche Nikotin enthalten wie Liquids, es mehr oder weniger erfolgreich und dauerhaft schaffen, Raucher vom Rauchen zu entwöhnen!
Avatar #767798
Cryonix
am Donnerstag, 9. Januar 2020, 18:45

Gestern waren noch Tabak und E-Zigaretten

an der erhöhten Schlaganfallrate bei jugendlichen Nutzern Schuld.
Heute hingegen können wir bereits Marijuana dafür verantwortlich machen(1). Wie dieselben Autoren bei Ahajournals Vol.51 Nr.1 pulizierten.
Mal abwarten, was morgen noch kommt. Tippe auf Beer
-------------------------------------------------------
(1)https://www.ahajournals.org/doi/full/10.1161/STROKEAHA.119.027828
Avatar #767798
Cryonix
am Mittwoch, 8. Januar 2020, 21:39

Irreführender, bzw. völlig falscher Titel

in dieser Meldung. Liest man die ÄB-eigene Interpretation halbwegs genau, stehen dort die Kernaussagen richtig: “ […]ergab, dass die meisten zwischen 18 und 24 Jahre alten Nutzer von E-Zigaretten nicht häufiger als gleichaltrige Nichtnutzer schon einmal einen Schlaganfall erlitten hatten“

Heißt mit anderen Worten: keine nachweisbare Signifikanz bezüglich einer Risikoerhöhung auf Ausbildung eines Apoplex im Vergleich zu Nichtrauchern!

Da braucht dann auch die nachfolgende Feststellung kaum zu wundern: „Ihr Risiko war sogar niedriger als das von Tabakrauchern […]“

Finden sich Probanden mit stattgehabtem Apoplex in der Gruppe der Ex-Raucher, der Ex-Raucher die jetzt ausschließlich dampfen sowie in der Gruppe der Dual-User, ist deren Risikoerhöhung kaum etwas Anderem zuzuschreiben, als der längst bekannten Tatsache, dass Tabakrauchen arteriosklerotische Plaques verursacht.

Insofern kann der Part des Titels „…E-Zigaretten erhöhen bei jungen Menschen das Schlaganfallrisiko“ nicht ansatzweise aus der Studie abgeleitet werden.

Zum selben Ergebnis kommen die Kommentatoren auf Sciencemediacentre (UK), Prof. Britton,
Prof Peter Hajek und Dr Lion Shahab (1). Eingeschlossen die irreführende Pressedarstellung.

„Contrary to the authors’ claim, this study provides no evidence that vaping increases the risk of stroke accrued from smoking tobacco.”

„“While the paper itself is careful in interpreting the finding, the press release is grossly misleading. The study provides no justification for the claim that vaping increases the risk of stroke.”

Die Hypothese der doppelten Nikotinaufnahme ist insoweit unzutreffend, da eine derartige Überdosierung unmittelbar mit Übererregtheit, Schweißausbrüchen und Kopfschmerz einhergeht. Sie kann eigentlich nur von Nie-Rauchern stammen, denn Raucher kennen ihre persönlichen Level durch lange Selbsttitration sehr genau und überschreiten die im Regelfall selten.
-----------------------------------------------------------------------------------
(1) https://www.sciencemediacentre.org/expert-reaction-to-study-on-smoking-vaping-and-stroke-risk/
Avatar #797534
random4734
am Dienstag, 7. Januar 2020, 20:05

Korrelation und Kausalität

Ich hätte jetzt einfach mal angenommen dass man als Redakteur beim Ärzteblatt den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität kennen sollte.

Die Überschrift impliziert eine Kausalität, die aber nicht gegeben ist. Eventuell mal die Studie lesen, da wird es auch erwähnt:

"Second, the cross-sectional nature of this study may limit causal inferences with a potential of reverse causality; current combustible cigarette users with stroke are more likely to attempt cessation, with e-cigarettes being an alternative."

Es ist aus den Umfragedaten schlichtweg nicht ersichtlich was zuerst kam, Schlaganfall oder E-Zigarette. So furchtbar abwegig ist es nicht anzunehmen, dass Raucher mit schwerwiegenden Gesundheitsproblemen eher versuchen aufzuhören als Raucher ohne gesundheitliche Probleme.
LNS

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