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Medizin

20 neue Virusgattungen in Insekten entdeckt

Mittwoch, 8. Januar 2020

diverse Viren /sdecoret, stock.adobe.com
Neue Viren, die Krankheiten auslösen, stammen oft von Tieren. Bekannte Beispiele sind das aus Mücken stammende Zika-Virus, die Vogelgrippe-Viren sowie das Kamel-assoziierte MERS-Virus. /sdecoret, stock.adobe.com

Berlin – In Proben aus 1.243 Insektenarten entdeckten Berliner Wissenschaftler mindestens 20 neue Virusgattungen. Bei einigen stehen noch die letzten Prüfungen aus. Die neuen Insektenviren wurden bereits in Suchdatenbanken eingespeist. Die Ergebnisse sind in PLOS Pathogens veröffentlicht (2019; DOI: 10.1371/journal.ppat.1008224).

Um neu auftretende virale Erkrankungen schnell zu erkennen und mögliche Epidemien zu verhindern, suchen Wissenschaftler des Deutschen des Zentrums für Infektionsforschung (DZIF) an der Charité – Universitätsmedizin Berlin nach Viren im Tierreich. „Jedes neue Virus, das wir finden, könnte eine bisher unerkannte Ursache von Erkrankungen sein, sowohl beim Menschen als auch bei Nutztieren“, erklärt Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie am Campus Charité Mitte.

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Das Forschungsteam hat daher Virusgenome in der größten internationalen Transkriptom-Datenbank zu Insekten untersucht. Während sich die Wissenschaft bislang vor allem auf Moskitos und andere blutsaugende Insekten konzentriert hat, umfasst diese Studie alle Ordnungen von Insekten.

Systematisch untersucht wurden Viren mit negativer einzelsträngiger Ribonukleinsäure (RNA). Diese Gruppe von RNA-Viren umfasst wichtige krankheitsverursachende Viren; Ebola und Masern werden ebenso durch sie ausgelöst wie Tollwut und Lungeninfektionen.

Die Sequenzen selektierten die Forscher nach Länge, Qualität und Eindeutigkeit – übrig blieben 234 Sequenzen für die Analyse, die Ähnlichkeit mit Genomen von Viren zeigten, die in Bunyavirales (n = 86), Articulavirales (n = 54) und mehreren Ordnungen innerhalb von Haploviricotina (n = 94) klassifiziert wurden. In 61 Fällen konnte das Autorenteam vollständige oder nahezu vollständige Genome finden. Sie schätzen, dass daraus mindestens 20 neue virale Gattungen in 7 Familien definiert werden müssen. „Das ist wohl die bisher größte Einzelstudie in der Entdeckung neuer Viren“, vermutet Drosten.

Mit der Erweiterung der Datenbank um die neuen Insektenviren steigen die Erfolgschancen bei der Aufklärung ungewöhnlicher Erkrankungen. „Wir benutzen Hochdurchsatz-Sequenziermethoden, um nach allen Viren zu fahnden, die in den Patientenproben vorkommen“, erklärt Drosten.

Im Rahmen des DZIF-Projektes „Virusnachweis und Pandemieprävention“ werden sich die Wissenschaftler an der Charité auch in den kommenden Jahren weiter auf neu auftretende Viren vorbereiten. © gie/idw/aerzteblatt.de

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