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Politik

Bayern will Arbeitsbedingungen für Hebammen verbessern

Mittwoch, 8. Januar 2020

/nasimi, stock.adobe.com

Nürnberg – Schwangere auf verzweifelter Suche nach einer Hebamme, geschlossene Kreißsäle und überlastete Geburtshelferinnen – das soll in Bayern der Vergangenheit angehören. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium will die Arbeitsbedingungen, die Ausbildung und die Vermittlung von Hebammen verbessern. Ein entsprechendes Aktionsprogramm wurde nach einem runden Tisch mit Hebammenverband, Ärztekammer, Krankenhausgesellschaft und anderen betroffenen Institutionen heute in Nürnberg beschlossen.

Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) sagte, Bayern befinde sich auf einem guten Weg, eine gute Versorgung von Mutter und Kind rund um die Geburt bieten zu können. Über Weihnachten hatten zwei Kliniken in Schweinfurt und Eichstätt ihre Kreißsäle vorübergehend schließen müssen, weil Hebammen fehlten. In den vergangenen vier Jahren machten in Bayern nach einer Karte des Deutschen Hebammenverbandes mindestens zehn Geburtshilfeabteilungen vorübergehend oder komplett dicht.

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Arbeitsbelastung gestiegen, Bezahlung aber nicht

„Es fehlen Hebammen in der Geburtshilfe und der Betreuung rund um die Geburt“, sagte die Vorsitzende des Bayerischen Hebammen Landesverbands, Mechthild Hofner. Gleichzeitig gebe es in Bayern in absoluten Zahlen so viele ausgebildete Hebammen wie nie zuvor. Die Arbeitsbelastung sei aber gestiegen, die Bezahlung dagegen nicht, so dass viele Hebammen ausgebrannt aus dem Job ausgestiegen seien. Hofner begrüßte das Aktionsprogramm grundsätzlich. „Jetzt kommt es darauf an, die einzelnen verabschiedeten Punkte mit Leben und Energie zu füllen.“

Nach einer Studie des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums leiden viele Hebammen auch unter dem großen Verwaltungsaufwand. Diese Situation will das Aktionsprogramm unter anderem mit Hilfe von regionalen Hebammenzentralen – wie es sie beispielsweise bereits in Erlangen gibt – erreichen. Diese sollen Schwangeren und Müttern helfen, frei berufliche Hebammen zu finden. „Das erspart beiden Seiten Mühe“, sagte Huml. Die Hebammen müssten nicht länger viele Schwangere abweisen, weil sie keine Kapazitäten mehr hätten. Die Zentralen könnten außerdem Bereitschaftsdienste und Vertretungen organisieren.

Eine bessere Ausbildung soll den Beruf ebenfalls attraktiver machen. Im Herbst 2019 hatte der Bundestag entschieden, dass Hebammen und Entbindungshelfer künftig ein duales Studium von sechs bis acht Semestern absolvieren müssen. Die neuen Regeln will Bayern zügig umsetzen. Entsprechende Studiengänge gibt es bereits in Regensburg und München. Die TH Nürnberg, die Universitäten Würzburg und Erlangen-Nürnberg sowie die Hochschule Coburg in Zusammenarbeit mit der Sozialstiftung Bamberg sollen folgen. Damit der Übergang klappe, werde die Ausbildung an den Berufsfachschulen einige Zeit weiterlaufen, sagte Huml.

In den vergangenen Jahren hat sich nach Ansicht Hofners angesichts des Hebammen­mangels einiges getan. Seit Herbst 2018 erhalten Hebammen, die in Bayern mindestens vier Geburten pro Jahr betreuen, einen Bonus von 1.000 Euro. Mehr als 1.800 Anträge sind nach Angaben des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums bisher eingegangen. Seit vergangenem Herbst zahlt der Freistaat freiberuflichen Geburtshelferinnen außerdem eine Niederlassungsprämie von 5.000 Euro. Bisher habe es 89 Anträge gegeben, sagte Huml. „Die Hebammen sind wieder bereit, in die Geburtshilfe zu gehen, in die Freiberuflichkeit.“

Wie das Aktionsprogramm vorankommt, will das Ministerium nach der Sommerpause überprüfen. Dann soll es einen weiteren runden Tisch geben. © dpa/aerzteblatt.de

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