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Medizin

US-Studie: Höherer Mindestlohn könnte Suizidrate senken

Donnerstag, 9. Januar 2020

Finanzielle Sorgen sind eine wichtige Motivation für einen Suizid. /Stanislaw Mikulski stock.adobe.com

Atlanta – Eine Erhöhung des Mindestlohns um einen US-Dollar könnte in den USA die Suizidrate bei Menschen mit geringer Schulbildung um 3,5 % bis 6 % senken, rechnen For­scher im Journal of Epidemiology & Community Health (2020; doi: 10.1136/jech-2019-212981) vor.

Suizide gehören in den USA zu den häufigen Todesursachen. 2017 gab es laut den Statis­ti­ken mehr als 47.000 vermeidbare Selbstmordfälle. In der Altersgruppe der 18- bis 24-Jährigen war fast jeder 5. Todesfall ein Suizid.

Zwischen 1999 und 2017 ist die Suizidrate in der Hälfte der US-Bundesstaaten um mehr als 30 % gestiegen. Suizide gelten als wichtige Ursache für die sinkende Lebenserwar­­tung in der Bevölkerung (sie sinkt derzeit nur im 1/5 der Bevölkerung mit dem niedrigs­ten Einkommen, während sie im 1/5 mit dem höchsten Einkommen weiter steigt).

Finanzielle Sorgen sind eine wichtige Motivation für einen Suizid. Der Epidemiologe John Kaufman von der Emory University in Atlanta hat deshalb in einer Studie untersucht, ob eine Erhöhung des Mindestlohns die Zahl der Suizide senken könnte.

Kaufman setzte dazu die Suizidrate in den einzelnen Staaten mit dem Mindestlohn in Beziehung. In den USA gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn, der von der Regierung in Washington festgelegt ist. Er ist relativ gering und einige Bundesstaaten legen deshalb einen höheren Mindestlohn fest. Diese Regelungen ändern sich häufig, beispielsweise bei einem Regierungswechsel. Zwischen 1990 und 2015 gab es in den 51 Staaten insgesamt 478 Veränderungen des Mindestlohns.

Der Forscher hat analysiert, wie sich diese Änderungen auf die Suizidrate auswirken. Als Methode verwendete er den von Wirtschaftswissenschaftlern entwickelten „Differenz-von-Differenzen“-Ansatz. Dabei werden 2 Gruppen in der Bevölkerung verglichen.

Dies waren einmal Erwachsene, die maximal einen Highschool-Abschluss erreicht hatten. Diese Gruppe ist erfahrungsgemäß am häufigsten auf einen Mindestlohn angewiesen und am stärksten von Arbeitslosigkeit betroffen.

Die andere Gruppe waren Erwachsene, die wenigstens einen College-Abschluss erreicht hatten. Diese Personen finden in der Regel einen gut bezahlten Arbeitsplatz und sind des­halb von einer Änderung des Mindestlohns nicht betroffen. Sie bildeten in der Studie gewissermaßen die Placebogruppe.

Wie erwartet hatten die Änderungen des Mindestlohns in der Placebogruppe keine Aus­wirkung auf die Suizidrate. In der Gruppe mit geringerer Bildung war er dagegen spürbar. Jede Erhöhung des Mindestlohns um einen US-Dollar war unter den 18- bis 64-Jährigen mit einem Rückgang der Suizidrate um 3,5 % bis 6 % verbunden.

Einen Einfluss hatte die Arbeitslosenrate. Wenn sie über 6,5 % lag, hatten Änderungen des Mindestlohns einen größeren Einfluss als bei einer Vollbeschäftigung.

Auf der Grundlage dieser Schätzungen errechneten die Forscher, dass in der Wirtschafts­krise nach dem Finanzcrash von 2009 bis zum Jahr 2015 eine Erhöhung des Mindestlohns um einen US-Dollar 13.800 Suizide unter den 18- bis 64-Jährigen mit geringer Schulbil­dung verhindert hätte. Eine Erhöhung um zwei US-Dollar hätte rechnerisch 25.900 Suizide verhindern können. © rme/aerzteblatt.de

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