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Einweg in Kliniken: Tausende Tonnen Edelstahl landen im Müll

Freitag, 10. Januar 2020

/picture alliance

Freiburg/Berlin – Einweg statt Mehrweg. Seit einigen Jahren gibt es diesen Trend auch bei Instrumenten aus Edelstahl in Krankenhäusern und Arztpraxen. Das stößt zunehmend auf Kritik. „Wir würden Lösungen präferieren, bei denen Mehrweginstrumente in den Kliniken steri­lisiert werden“, sagte Recyclingexperte Rolf Buschmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND).

Die Herstellung sei nicht nachhaltig, betonte auch Peter Walger, Vorstandssprecher der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH). Diese Instrumente würden zu Hungerlöhnen und teilweise in Kinderarbeit in Sialkot in Pakistan produziert, sagte er.

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Darüber hinaus seien die Instrumente nicht gegen Rost geschützt. „Wenn sie versehent­lich doch einmal mit den Mehrweginstrumenten in die Aufbereitung gelangen, rostet potenziell der gesamte Inhalt des Reinigungs- und Desinfektionsgeräts, oder dann im Dampf­sterilisator das gesamte OP-Sieb“, sagte Walger. Da die Instrumente wie Mehrweg­instrumente aussähen, sei das nicht sicher zu verhindern.

„Wirtschaftswunder“ und „Spitzenkraft“ – so nennt zum Beispiel der Hersteller Fuhrmann seine Einmalscheren und -pinzetten und wirbt mit Kosteneinsparungen von bis zu 40 Pro­zent. „Die Reinigung und Sterilisation von Mehrweginstrumenten und die dabei entste­henden Logistikprozesse sind teuer und zeitintensiv“, erklärt eine Sprecherin.

Neben Kosteneinsparungen haben die Einweginstrumente einen weiteren Vorteil: Die Verantwortung für die Sterilisation liegt beim Hersteller. „Das zumindest macht die Ein­weg­instrumente verlockend, denn die Erfüllung der gesetzlichen Auflagen ist über die Jahre immer anspruchsvoller geworden“, sagt der Freiburger Klinikarzt Andreas Thomsen.

Er hält den Trend für ökologisch bedenklich: „Die Instrumente enthalten auch kostbares Chrom, das im Klinikmüll praktisch verloren geht“. Das bestätigt Sven Grieger von der Fraunhofer-Einrichtung für Wertstoffkreisläufe und Ressourcenstrategie IWKS. „Das nach der Müllverbrennung wiedergewonnene Metall wird häufig einfach nur als Baustahl ge­nutzt, da spielt die Legierung dann keine Rolle mehr“, sagte er.

Um den Chromstahl wiederzuverwerten, haben Grieger und weitere Experten ein separa­tes Rücknahmesystem entwickelt – im Auftrag der Scholz Labor- und Klinikversorgungs GmbH, einem der größeren Anbieter auf dem Markt. „Man kann doch nicht alles einfach wegschmeißen“, sagte Geschäftsführer Peter Boss. Das Ergebnis sind patentierte, ver­brennbare Beutel zum Sammeln der Geräte. „Der große Vorteil ist, dass die Legierungen dann auch als solche wieder genutzt werden können“, erläuterte Grieger.

„Doch warum überhaupt einschmelzen? Wenn ich die Geräte sammele, kann ich sie doch auch so produzieren lassen, dass man sie wieder sterilisieren kann“, sagt der Recycling-Experte Rolf Buschmann vom BUND. Das sei sicherlich ökologisch und energetisch die sinnvollere Variante.

Aus seiner Sicht werden die Einweginstrumente aus „reiner Bequemlichkeit und ökono­mischen Überlegungen“ genutzt. „Es ist wahrscheinlich einfacher, das Zeug einfach in die Tonne zu schmeißen, dann muss ich mich nicht mehr kümmern“, so Buschmann.

Eine Größenordnung des Problems gibt die Firma Scholz. „2015 lag der Verbrauch bun­des­weit bei etwa sieben Millionen Einweginstrumenten, jetzt sind es bereits etwa 15 Millio­nen Stück pro Jahr“, schätzt Geschäftsführer Boss. Mehrere Tausend Tonnen Weg­werf-Edelstahl kämen so pro Jahr bundesweit zusammen.

Laut Boss sind Einweginstrumente in Ambulanzen und auf Stationen, in Arztpraxen und auch in Pflegeheimen weit verbreitet: „Im OP haben sie aber nichts oder nur sehr wenig verloren“, so Boss. Die Feinheiten seien nicht ausgeprägt genug.

Von verschiedenen Universitätskliniken hieß es, Einweginstrumente würden nur sehr eingeschränkt genutzt. „Der Einsatz von Einweginstrumenten beschränkt sich auf nur wenige Instrumente, die auf den Stationen verwendet werden – beispielsweise Schere, Pinzette, Klemme oder ähnliches“, teilt ein Sprecher der Uniklinik Freiburg mit. Nach Schätzungen eines Mitarbeiters macht das eine Tonne Wegwerfedelstahl pro Jahr.

Auch an der Charité in Berlin heißt es, Einweginstrumente seien nur die „Ausnahme“. In der Neurochirurgie müsse vereinzelt aus medizinischen Gründen auf Edelstahl-Einmal­instrumente zurückgegriffen werden, sagt eine Sprecherin. © dpa/aerzteblatt.de

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