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Medizinstudierende protestieren gegen Unterfinanzierung

Freitag, 10. Januar 2020

/picture alliance, Christian Schultz

Mainz – Lautstarker Protest in weißen Kitteln: Mehrere hundert Studierende der Human-und Zahnmedizin haben in Mainz gegen den Kurs der rheinland-pfälzischen Landesregie­rung protestiert und mehr Geld für ihre Ausbildung verlangt.

Sie zogen heute vom Haupteingang der Mainzer Unimedizin, der einzigen medizinischen Fakultät im Land, bis in die Innenstadt. „Lehre am Limit – RLP handle jetzt“ oder „Wo ist das S in der SPD“ war auf Schildern zu lesen. Die Organisatoren der Demo unter dem Motto #LehreAmLimit hatten sich zuvor auch schon in einem Brief an die Landesregie­rung gewandt.

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Das Studium der Human- und Zahnmedizin sei unterfinanziert, kritisierte der 24-jährige Medizinstudent Vincent Bock, der zum Organisationsteam der Kundgebung gehört. An der Unimedizin gebe es zu wenig Ärzte, und da die Versorgung der Patienten Vorrang habe, komme die Ausbildung oft zu kurz. Untersuchungskurse seien zu voll, auch die me­diale Ausstattung an der Unimedizin sei mangelhaft. Es gebe auf dem Gelände beispiels­weise kein WLAN.

Die Zahnmedizinstudentin Julia Quintus (30) beklagte ein schlechtes Betreuungsverhält­nis im Studium. Auch kämen zu wenige Patienten zu zahnmedizinischen Behandlungen durch Studenten in die Unimedizin. Das mache es schwierig, im Studium verlangte Leis­tungen zu erbringen.

Das Wissenschaftsministerium erklärte den Patientenrückgang bei diesen Behandlungen mit einem ausreichenden Angebot an niedergelassenen Zahnärzten im Umfeld. WLAN werde es bis März 2020 in Vorlesungs- und Studienräumen für Studierende und Lehrende geben.

Staatssekretär sieht Unimedizin gut aufgestellt

Wissenschaftsstaatssekretär Denis Alt (SPD) betonte, mit Blick auf die Studienanfänger sei Mainz der bundesweit drittgrößte Studienort für Medizin. Zum Beispiel bei den Pro­fessuren sei die Unimedizin gut ausgestattet, um Studenten auszubilden.

Mit mehr als 140 Köpfen verfüge sie im Vergleich zu den Unikliniken Tübingen, Köln, Göttingen und Freiburg über die meisten Professoren, wobei andere Hochschulstandorte mit weniger professoralem Personal absolut mehr Studierende betreuen müssten. Auch das Zahnmedizinstudium in Mainz werde von der Landesregierung unterstützt. Mit der neuen Zahn-, Mund- und Kieferklinik entstehe eine „hoch attraktive Ausbildungsstätte“.

Alt erklärte weiter, für zusätzliche Studienplätze in der Humanmedizin würden im Doppelhaushalt 2019/20 rund 950.000 Euro zur Verfügung gestellt. Damit könne die Unimedizin Lehrpersonal einstellen. In der Zahnmedizin sei keine Steigerung der Stu­dienplätze vorgesehen und auch nicht erforderlich.

Mit dem Demonstrationszug unterwegs war der Generalsekretär der rheinland-pfälzi­schen CDU, Gerd Schreiner. Er sagte: „Wer Ärzte möchte, muss auch Ärzte ausbilden.“ Um auch künftig in der Fläche Mediziner zu haben, müsse die Landesregierung ihrer Verant­wortung gerecht werden.

Die Ärzte-Gewerkschaft Marburger Bund (MB) Nordrhein-Westfalen/Rheinland-Pfalz rechnete vor, pro Medizinstudienplatz werde in Rheinland-Pfalz gut 6.000 Euro weniger gezahlt, als andere Fakultäten in Deutschland bekämen. Den mehr als 3.400 Studenten der Human- und Zahnmedizin an der Mainzer Unimedizin fehlten pro Jahr gut 20 Millio­nen Euro.

Es mangele an Lehrpersonal und es bestehe die Gefahr, dass Studenten einzelne Fächer in ihrem Studiengang nicht mehr belegen könnten. Das könne dazu führen, dass die Regelstudienzeit überschritten werde. Die prinzipiell zu begrüßende geplante Erhöhung der Studentenzahl in Mainz werde die Situation weiter verschärfen.

Lan­des­ärz­te­kam­merpräsident Günther Matheis sagte: „Es darf nicht sein, dass die der­zeitige Unterfinanzierung der Universitätsmedizin Mainz die Lehre in Mainz ans Limit bringt.“

Der Wissenschaftliche Vorstand der Unimedizin, Ulrich Förstermann, teilte mit, die Klinik sei in konstruktiven Gesprächen mit der Regierung. Alle Beteiligten wollten die Zukunft der Unimedizin sichern. Indem das Land im Doppelhaushalt 2019/20 mehr Geld für For­schung Lehre bereitstelle, sei ein Anfang gemacht.

„Die Universitätsmedizin hat allerdings wiederholt darauf hingewiesen, dass das kon­sumtive Budget für Forschung und Lehre als noch nicht auskömmlich anzusehen ist“, ergänzte Förstermann. Bei den Studienbedingungen gebe es mit Sicherheit Verbesse­rungsbedarf, die regelmäßig ausgezeichneten Examensnoten sprächen aber auch dafür, „dass die Ausbildungsqualität an der Universitätsmedizin Mainz nach wie vor hoch ist“. © dpa/aerzteblatt.de

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