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Medizin

Neues Coronavirus aus China ist mit SARS-Virus verwandt – Keine Hinweise auf Ausbreitung

Montag, 13. Januar 2020

Eine erste Analyse ergab, dass das neue Coronavirus „WH-Human_1“ zu den nächsten Verwandten der SARS-Coronaviren gehört. /picture alliance

Shanghai – Chinesische Wissenschaftler haben am Wochenende die Gensequenz des neuen Coronavirus veröffentlicht, das für mittlerweile 41 Erkrankungen in Wuhan verant­wortlich gemacht wird.

Es ist mit dem Coronavirus verwandt, das 2002/3 die SARS-Epidemie mit 774 Todesfällen ausgelöst hat. Bislang gibt es allerdings keine Hinweise auf eine Übertragung unter Menschen, und keiner der Verdachtsfälle außerhalb der chinesischen Großstadt hat sich bestätigt. Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) sieht vorerst von einer Reisewarnung ab.

Experten gehen davon aus, dass alle 41 Patienten in Wuhan sich auf dem Fischmarkt der Stadt infiziert haben, den die Behörden bereits am 1. Januar geschlossen haben. Bislang sind offenbar weder unter Ärzten und beim Pflegepersonal Infektionen aufgetreten, die die Patienten betreuen, noch gibt es Hinweise auf eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Die chinesischen Behörden haben 763 Kontaktpersonen, zumeist Gesundheits­personal, identifiziert, die derzeit untersucht werden.

Die Gensequenz wurde gestern an die „Global Initiative on Sharing All Influenza Data“ übermittelt. Eine erste Analyse ergab, dass das neue Coronavirus „WH-Human_1“ zu den nächsten Verwandten der SARS-Coronaviren gehört. Eine phylogenetische Analyse sagt jedoch nichts über die Infektiosität aus. Diese wird durch einzelne Gene bestimmt, die den Eintritt in menschliche Zellen, Replikation und Ausscheidung ermöglichen.

Von den 41 Patienten sind 7 schwer erkrankt, einer ist am Wochenende verstorben. 6 Pa­tienten haben sich von der Erkrankung erholt. Sie wurden nach Hause entlassen.

Die 41 Patienten waren zwischen dem 8. Dezember 2019 und dem 2. Januar 2020 er­krankt. Seither sind keine Neuerkrankungen aufgetreten. Wegen einer Inkubationszeit für Coronaviren von 1 bis 2 Wochen sind weitere Erkrankungen aber nicht auszuschließen. Nach der vorläufigen epidemiologischen Untersuchung handelte es sich bei den meisten Patienten um Händler oder häufige Besucher des inzwischen geschlossenen Fischmark­tes.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) spricht von einer laufenden Untersuchung. Das genaue Ausmaß des Ausbruchs müsse noch ermittelt werden.

Die Millionenstadt Wuhan ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Nach Informationen des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) gibt es 6 wöchentliche Direktflüge nach Paris, 3 wöchentliche Direktflüge nach London und 5 wöchentliche Direktflüge nach Rom.

In Ostasien gibt es direkte Verbindungen unter anderem nach Singapur, Hongkong und Bangkok. Dort waren in den vergangenen Tagen mehrere Verdachtsfälle aufgetreten bei Personen, die nach der Einreise aus Wuhan Symptome entwickelt hatten. Bei keiner der Personen hat sich der Verdacht bestätigt. Keiner soll nach Recherchen der Plattform ProMED den Fischmarkt in Wuhan besucht haben.

In Hongkong konnten 2/3 der 46 Patienten, die nach ihrer Rückkehr aus Wuhan erkrankt waren, wieder entlassen werden. Die anderen sollen sich in einem stabilen Zustand be­finden. In Singapur fiel nach Mitteilung des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums vorgestern auch bei dem 2. Verdachtsfall ein Test auf Coronaviren negativ aus.

Die WHO empfiehlt derzeit keine spezifischen Gesundheitsmaßnahmen für Reisende. Reisende, die während oder nach der Reise nach Wuhan Symptome entwickeln, sollen einen Arzt aufsuchen und ihre Reiseanamnese mitteilen.

Ein gewisser Unsicherheitsfaktor ist das in diesem Jahr am 25. Januar beginnende chinesische Neujahrsfest, das mit einer erhöhten Reisetätigkeit verbunden ist. © rme/aerzteblatt.de

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