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Politik

Weiter Diskussion um Reform der Notfallversorgung

Dienstag, 14. Januar 2020

/dpa

Berlin – Die Pläne zur Reform der Notfallversorgung kommen bei den Notfallmedizinern nicht gut an. Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und die Deutsche Gesellschaft für Interdisziplinäre Notfall- und Akutmedizin (DGINA) äußerten heute scharfe Kritik. Auch die Arbeitsgemeinschaft kommunaler Groß­krankenhäuser (AKG) sieht Mängel.

Im Zentrum der Kritik steht die vom Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium vorgesehene Struk­tur der Integrierten Notfallversorgungszentren (INZ). Nach den Plänen von Bundesge­sund­­heitsminister Jens Spahn (CDU) soll es diese an etwa jedem zweiten an der Notfall­versorgung teilnehmenden Krankenhaus geben.

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Sie dienen als zentraler Anlaufpunkt für den Patienten. Hier wird entschieden, ob die Pa­tienten im ambulanten Bereich weiterversorgt werden oder in die zentrale Notaufnahme des Krankenhauses kommen.

Eine an sich gute Idee, die aber inakzeptabel sei, weil die INZ unter der fachlichen Lei­tung der Kassenärztlichen Ver­ei­nigungen stehen sollen, sagte DIVI-Experte André Gries, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme/ Notaufnahmestation am Universitätskli­ni­kum Leipzig.

Affront gegen Klinik­ärzte

„Der Entwurf verfolgt vor allem ökonomische Steuerungsziele, die Patientenperspektive ist nicht ausreichend berücksichtigt“, sagte der DGINA-Präsident Martin Pin. Auch diese Fachgesellschaft kritisiert vor allem die Pläne zu den geplanten INZ. „Das, was das BMG jetzt mit den INZ vorhat, ist ein klarer Affront gegenüber den Klinik­ärzten“, sagte Pin.

Die AKG betonte, bei der Reform der Notfallversorgung „dürfen Krankenhäuser nicht zu reinen Vermietern degradiert werden“. „Bei den Plänen für das INZ geht es in weiten Tei­len nur ums Geld – nicht um eine qualitativ hochwertige Versorgung aller Patienten“, kritisierte DIVI-Präsident Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Inter­nistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler.

Die KVen sollten durch diese Regelung die Steuerungshoheit behalten und wollten damit einen wesentlichen Teil der Erlöse für die Versorgung der Notfallpatienten weiterhin in den ambulanten Sektor umlenken.

„Ein Milliardengeschäft“, so Janssen. Bereits heute nähmen diese Patienten aber häufig doppelt Ressourcen in Anspruch: Nach primärer Beratung in der KV-Praxis erfolge die medizinische Notfallversorgung dann häufig doch in der zentralen Notaufnahme des Krankenhauses. „Integrierte Notfallzentren – ja, aber bitte unter gemeinsamer Leitung“, lautet daher die Forderung der DIVI.

Die DGINA lehnt ebenfalls ab, die INZ allein unter die fachliche Leitung der KVen zu stellen. „Die medizinisch fachliche Leitung des INZ muss von einem Facharzt mit der Weiterbildung Notfallmedizin übernommen werden und nicht von einer Körperschaft des öffentlichen Rechts ohne jede Fachqualifikation“, sagte Pin.

Die AKG schlägt unterdessen vor, die Sicherstellungsverantwortung in die Hand der Länder oder Kommunen zu übertragen: Dies ermögliche eine sinnvolle gestalterische Offenheit in der Leistungserbringung, hieß es. © hil/aerzteblatt.de

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