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Medizin

Ernährungsumstellung kann Prostatakrebs in Studie nicht aufhalten

Mittwoch, 15. Januar 2020

/freshidea, stock.adobe.com

La Jolla/Kalifornien – Der Wechsel auf eine gesunde Ernährung hat Männer mit einem Prostatakarzinom in einer der seltenen randomisierten Ernährungsstudien nicht vor dem Fortschreiten des Tumorleidens bewahrt. Die abschließenden Ergebnisse der „Men's Eating and Living“ (MEAL), die bereits vor 2 Jahren auf einer Urologentagung vorgestellt wurden, sind jetzt im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; 323: 140-148) publiziert worden.

Die Epidemiologie des Prostatakarzinoms legt einen Einfluss der Ernährung nahe. Der Tumor tritt in Ländern mit einem westlichen Lebensstil deutlich häufiger auf als in anderen Regionen. Die altersstandardisierte Inzidenzrate ist in Nordamerika und Europa mit 73,7 und 62,1 auf 100.000 Einwohner um ein Vielfaches höher als in Afrika oder Asien (26,6 und 11,5/100.000). Dass dies nicht auf genetische Faktoren zurückzuführen ist, zeigt sich darin, dass chinesische Männer in den USA 16-mal häufiger erkranken als in China.

Die Ansicht, dass eine gesunde Ernährung vor einem Prostatakrebs schützt, ist deshalb weit verbreitet. Auch medizinische Fachgesellschaften wie die American Society of Clinical Oncology (ASCO) raten den Patienten dazu, ihre Ernährungsgewohnheiten zu ändern. Die Diagnose eines Prostatakarzinoms ist ein beliebter Anlass. Wegen des langsamen Wachstums des Tumors bleiben häufig noch viele Jahre, um das Fortschreiten des Tumors aufzuhalten. Dies umso mehr, als vielen Patienten nach der Diagnose nicht gleich zu einer Behandlung geraten wird, sondern zu einer aktiven Surveillance, die den Zeitpunkt der Therapie auf die Zeit verschiebt, in der die PSA-Werte deutlicher ansteigen. Viele Patienten sind angesichts der schockierenden Diagnose bereit, ihrem Leben eine Wende zu geben.

Die Leitlinien konnten ihre Empfehlungen jedoch nur auf Expertenmeinungen, epidemio­logische Untersuchungen und kleinere präklinische Studien stützen, deren Evidenz begrenzt ist. Die „Men's Eating and Living“ oder MEAL-Studie sollte klinisch beweisen, dass eine Ernährungsumstellung den Tumor aufhalten kann.

An der Studie nahmen zwischen 2011 und 2015 an 91 US-Zentren 478 Patienten im Alter von 50 bis 80 Jahren teil, bei denen ein Prostatafrühkarzinom (Stadium bis cT2a) diagnostiziert worden war. Die Patienten wurden nach dem Zufallsprinzip auf 2 Gruppen randomisiert. Eine Gruppe erhielt eine telefonische Ernährungsberatung durch das Moores Comprehensive Cancer Center in La Jolla. Die anderen Patienten erhielten keine Empfehlungen.

Die Teilnehmer im Interventionsarm wurden motiviert, 7 Mal am Tag eine Portion Gemüse (2 Kreuzblütler, 2 Tomatenprodukte, 3 andere Gemüsesorten) zu verzehren. Hinzu kamen 2 Portionen Vollkornprodukte, 1 Portion Bohnen oder andere Hülsenfrüchte und 2 Portionen Obst. Gemüsesäfte wurden zur Steigerung der pflanzlichen Nährstoffe empfohlen. Obstsäfte, Eisbergsalat und Kartoffeln zählten nicht zu den empfohlenen Gemüsesorten. Kreuzblütler wie Rosenkohl oder Brokkoli wurden als „Antikrebs-Gemüse“ empfohlen, ebenso Zwiebeln und Knoblauch.

Die Telefonberatung beruhte auf Prinzipien der sozial-kognitiven Lerntheorie. Die Patienten wurden im ersten Monat sechsmal angerufen, um sie für die Ernährungs­umstellung zu gewinnen. In den folgenden beiden Monaten erfolgten 4 Anrufe zur Konsolidierung der neuen Diät. Die nächsten 4 Anrufe in den folgenden 4 Monaten sollten einen Rückfall in frühere Ernährungsgewohnheiten verhindern. Schließlich wurden die Teilnehmer über 16 Monate noch achtmal angerufen, um Auskünfte über die Ernährung einzuholen.

Die Beratung hat die Ernährung der Patienten tatsächlich verändert. Vor Beginn der Studie hatten die Teilnehmer im Durchschnitt 3,38 Portionen Gemüse am Tag verzehrt, nach 12 Monaten hatten sie die Zahl um 2,43 Portionen erhöht. Am Ende der Inter­vention waren es noch 2,01 Portionen mehr als vor der Studie. Die Teilnehmer der Kontroll­gruppe hatten nur 0,45 und 0,37 Portionen mehr verzehrt. Die Interventions­gruppe steigerte alle empfohlenen Gemüsearten und die Zufuhr von Carotinoiden und Lycopenen. Die Zufuhr von rotem Fleisch, Fetten und Gesamtkalorien war tendenziell niedriger als in der Kontrollgruppe.

Doch der erhoffte Erfolg stellte sich nicht ein. Primärer Endpunkt der Studie war eine erneute Tumorprogression definiert als ein PSA-Wert von mindestens 10 ng/ml oder eine PSA-Verdopplungszeit von weniger als 3 Jahren oder eine Zunahme des Tumorvolumens oder des Tumorgrades. Eines dieser Ereignisse trat im Interventionsarm bei 124 Patienten ein gegenüber 121 Patienten in der Kontrollgruppe.

J. Kellogg Parsons vom Moores Comprehensive Cancer Center und Mitarbeiter ermittelten eine adjustierte Hazard Ratio von 0,97, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,76 bis 1,25 nicht signifikant war. In der Kaplan-Meier-Analyse waren in der Interventions­gruppe nach 24 Monaten 43,5 % der Patienten ohne Progress gegenüber 41,4 % in der Kontrollgruppe. Die mittlere Differenz von 2,1 %-Punkten (-8,1 bis 12,2 %-Punkte) war ebenfalls nicht signifikant.

Warum die Studie ihr Ziel nicht erreichte, ist unklar. An der fehlenden Adhärenz der Patienten kann es nach Ansicht von Parsons nicht gelegen haben. Die Ernährungs­umstellung war substantiell und sie sollte eigentlich eine Veränderung bewirkt haben.

Es ist nicht das 1. Mal, dass sich die Beobachtungen in epidemiologischen Studien in einer klinischen Studie nicht erfüllten. Parsons erinnert an die Ergebnisse zu 2 randomi­sierten kontrollierten Studien, in denen auch Selen- und Vitamin C-Präparate einem Prostatakarzinom nicht vorbeugten, während Vitamin E-Präparate das Risiko sogar geringfügig erhöhten. Auch der Versuch, einem Prostatakarzinom durch die Einnahme von Vitamin D oder Omega-3-Fettsäuren entgegenzuwirken, sind in klinischen Studien gescheitert. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 16. Januar 2020, 23:43

Ungereimtheiten

Der Fallbericht von Albinalbin enthält aus meiner Sicht einige Ungereimtheiten, auf die ich hier hinweisen möchte:

1. Eine Diskrepanz zwischen Allgemein- und Lokalsymptomen. Fatigue und Nachtschweiß sprechen für eine ausgeprägte B-Symptomatik. Im Gegensatz z.B. zum kleinzelligen Bronchialkarzinom ist ein paraneoplatisches Syndrom beim Prostata-Ca eher untypisch. In dem Fall wäre für die Allgemeinsymptomatik eine Tumormasse erforderlich, die eine ausgeprägte Lokalsymptomatik mit sich bringen würde. Ein infiltratives Tumorwachstum in der Prostata würde zu Inkontinenz, zu Fistelbildung oder zum Harnstau führen, all dies würde den Patienten in eine Notaufnahme und zum Chirurgen führen. Auch würde ich bei einer derartigen Allgemeinsymptomatik Knochenmetastasen erwarten, in der Schilderung vermisse ich Knochenschmerzen oder pathologische Frakturen.

2. Eine unvollständige Diagnostik. Ein hohes PSA ist ein Marker für einen lokalen Prozess in der Prostata, nicht zwingend ein Beweis für ein Ca. In der aktuellen AWMF-Leitlinie steht, dass bei einem PSA von >10 nur in 50% der Fälle ein Karzinom die Ursache ist. Ohne eine Bestätigung durch die Histologie und eine Bildgebung (CT, Szintigrafie) steht die Diagnose Prostata-Ca auf tönernen Füßen.

3. Die beschriebene Symptomatik ist sehr wohl erklärbar durch eine Prostatitis, vielleicht durch einen Abszess. Nur vermisse ich in diesem Fall eine mikrobiologische Diagnostik und eine zielgerichtete Antibiotikatherapie. Eine Heilungsdauer von 5 Monaten wie hier geschildert ist mit einem unbehandeltem Abszeß durchaus vereinbar, hätte im Fall einer bakteriellen Infektion aber deutlich abgekürzt werden können.

Egal ob Spontanremission bei Ca (sehr unwahrscheinlich) oder unbehandelter Verlauf bei bakterieller Infektion (sehr wahrscheinlich), die Geschichte passt nicht zu einer leitliniengerechten Behandlung. Weitergehende Aussagen sind ohne Einblick in die Krankenakten nicht möglich.

PS: Die Budwig-Diät hat die zweifelhafte Ehre eines eigenen Psiram-Artikels:
https://www.psiram.com/de/index.php/Öl-Eiweißkost
Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 16. Januar 2020, 23:34

Bereits die EPIC Studie der EU

zum Einfluss der Ernährung auf Krebs - mit 500.000 Teilnehmern - hat ergeben, dass der Verzehr von Obst und Gemüse ÜBERHAUPT KEINEN Einfluss auf Krebserkrankungen hat, keinerlei Korrelation, 0.0!
Jetzt also die nächste Bestätigung - aber die Deutsche Gesellschaf für Ernährung hält unverdrossen an ihrem "5 am Tag " fest - alle Experten sind sich einig, dass das gesund sein muss, egal, was die Studien ergeben!
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 16. Januar 2020, 15:41

BUDWIG-DIÄT

Danke für den interessanten Beitrag. Frage: Wurde sonst etwas im Leben geändert (außer Umstellung auf Budwig-Diät)?
Sonst keine schulmedizinische Therapie? Mehr oder gleich viel Bewegung/Sport?
Avatar #96689
Albinalbin
am Donnerstag, 16. Januar 2020, 12:45

Ernährung

Nachdem mir mein Arzt sagte, dass ich in 1 Jahr sterbe, wenn ich mir nicht die Prostata entfernen lasse, habe ich sehr viel gelesen und Die Ernährung von Dr Budwig gefunden.
Ich hatte die klassischen Symptome: Fatigue, Nachtschweiß, PSA >12, 100% Impotenz.
Mit Dr Budwig war das nach 5 Monaten verschwunden. Das ist jetzt 20 Jahre her.
Allerdings sollte man diese Methode exakt anwenden.
In Studien werden of nur Fragmente eingesetzt; das Ergebnis ist dann natürlich unbefriedigend (oder tödlich).
LNS

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