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Medizin

PTBS und Depressionen nach früher Fehlgeburt häufig

Donnerstag, 16. Januar 2020

/Andrzej Wilusz, stock.adobe.com

London – Der Verlust eines Kindes belastet viele Frauen auch dann, wenn er in der frü­hen Schwangerschaft erfolgt. In einer prospektiven Kohortenstudie im American Journal of Obstetrics and Gynecology (2020; doi: 10.1016/j.ajog.2019.10.102) waren bei vielen Frauen die Kriterien für eine posttraumatische Belastungsstörung (PTBS), Angststörungen oder eine Depression erfüllt.

Nur etwa die Hälfte aller Schwangerschaften endet mit der Geburt eines lebenden Kin­des. Die meisten Verluste treten in den ersten 4 bis 5 Wochen auf, wenn die meisten Frauen noch nicht ahnen, dass sie schwanger sind. Bis zur 12. Woche sprechen Gynäko­logen von einem frühen Abort. Sie trösten die Frauen damit, dass der Embryo nicht lebensfähig war und der Abort gewissermaßen ein „Schutzmechanismus“ der Natur sei.

Das verhindert allerdings nicht, dass viele Frauen nicht unter der Fehlgeburt leiden. Ein Team um Tom Bourne vom Imperial College London hat 737 Frauen interviewt, die ihr Kind in den ersten 12 Wochen verloren hatten. Darunter waren 537 Fehlgeburten und 116 Frauen, bei denen eine extrauterine Schwangerschaft beendet werden musste.

Die Interviews fanden 1, 3 und 9 Monate nach dem Verlust der Schwangerschaft statt. Zum Einsatz kamen die „Hospital Anxiety and Depression Scale“ und die „Post-traumatic stress Diagnostic Scale“. Die beiden Fragebögen werden zum Screening von Angstzu­stän­den/Depressionen und von posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) benutzt.

1 Monat nach dem Verlust der Schwangerschaft erfüllten 29 % der Frauen die Kriterien einer PTBS, bei 24 % wurden Hinweise auf eine Angststörung und bei 11 % Anzeichen einer Depression gefunden. Die meisten Frauen erholten sich in den kommenden Mona­ten. Doch auch 9 Monate nach dem Abort gaben 18 % noch Symptome einer PTBS an, 17 % litten unter Ängsten und 6 % möglicherweise noch unter einer Depression.

Wie zur erwarten, war die Belastung nach einer ektopischen Schwangerschaft am höchs­ten: 9 Monate danach fiel der PTBS-Test bei 21 % positiv aus. Ängste wurden bei 23 % und eine mögliche Depression bei 11 % gefunden. Die entsprechenden Häufigkeiten nach einer spontanen Fehlgeburt betrugen 17 % (PTBS), 17 % (Ängste) und 5 % (Depressivität).

Die Autoren weisen darauf hin, dass die Fragebögen nur einen ersten Hinweis auf die Stö­­rungen liefern. Zur Diagnose ist in der Regel eine genauere ärztliche Diagnose erfor­der­lich. Dennoch sei die Inzidenz der Störungen beachtlich. Ein möglicher Grund könnte sein, dass die Frauen ihre Schwangerschaft in den ersten 12 Wochen für sich behalten. Wenn es dann zum Verlust kommt, würden häufig geeignete Ansprechpartner in Familie und Freundeskreis fehlen. © rme/aerzteblatt.de

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