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Vermischtes

Krankenhaus in Parsberg schließt vorzeitig

Donnerstag, 16. Januar 2020

/dpa

Parsberg – Das Kreiskrankenhaus in Parsberg soll überraschend Ende Januar schließen. Grund seien wenig Patienten und Personalmangel, wie ein Kliniksprecher heute mitteilte. Die Schlie­ßung erfolgt zwei Jahre früher als geplant. Ursprünglich sollte der Betrieb bis Ende 2021 eingestellt werden.

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Die Kreisklinik in Parsberg (Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz) hatte bereits in den ver­gangenen Jahren regelmäßig Verluste erwirtschaftet. Im Dezember waren laut Sprecher durchschnittlich sieben der 30 Betten belegt.

In relativ kurzer Zeit hätten zudem mehrere Ärzte gekündigt. Parsberger Patienten können künftig auf die Kliniken in Neumarkt oder Regensburg ausweichen. © dpa/aerzteblatt.de

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Dr. Peter Pommer
am Freitag, 17. Januar 2020, 11:11

Manipulation der Belegung des KKH Parsberg

Wie wir alle im Leben erfahren mussten sind Halbwahrheiten geeignet, die eigentlichen Wahrheiten ins Gegenteil zu kehren. Als berufsbedingt profunder Kenner der Parsberger Interna möchte ich die verschwiegenen, eigentlich bedeutsamen Fakten hinzufügen.

Dem Rettungsdienst wurde vor mehreren Wochen schon untersagt das KKH Parsberg überhaupt noch anzufahren, auch nicht wenn vom Notarzt eine lebensbedrohliche Erkrankung sicher ausgeschlossen werden konnte. Der neue Chefarzt hat nach persönlicher Mitteilung eines niedergelassenen ärztlichen Kollegen ebenfalls seit Wochen jegliche Aufnahme von Patienten unter fadenscheinigen Begründungen abgelehnt, die ich hier aus Kollegialität zum Chefarzt-Kollegen nicht zitieren möchte.
Somit hat die Führung der Kliniken des Landkreises Neumarkt die Belegung des KKH Parsberg willkürlich verhindert um scheinbar einen guten Grund zur vorzeitigen Schliessung zu haben.

Diese Entwicklungen hat das Personal des KKH Parsberg natürlich hautnah erlebt und zu interpretieren gewußt. Kündigungen sind hier logisch. Übrigens erstreckt sich diese Kündigungswelle auch auf die vom selben Chef geführte nun nach Neumarkt verlegte Geriatrie. Es könnte also auch ein Führungsproblem mit ursächlich sein.

Das KKH Parsberg war vom alten Chefarzt und seinem Verwaltungsleiter auch wirtschaftlich hervorragend geführt worden, was gerade bei so kleinen Kliniken besonders schwierig ist.
Es gab – anders als im Klinikum Neumarkt – sogar Jahre mit ausgeglichener Bilanz. Das Defizit des Klinikums Neumarkt war bezogen auf die Patientenzahl in allen Jahren deutlich höher als im KKH Parsberg.

Verschwiegen wird auch, dass die Medizinischen Einrichtungen des Bezirks Oberpfalz (medbo) im KKH Parsberg eine Abteilung für Akut-Psychosomatik einrichten wollten und somit bereit waren das finanzielle Betreiber-Risiko des KKH Parsberg mit zu tragen. Voraussetzung dafür wäre aber der Fortbestand der Internistischen Akutabteilung des KKH Parsberg gewesen, da die Psychosomatik sich immer absichern muss, keine organischen Diagnosen zu übersehen. Ausserdem existiert im KKH Parsberg als weiterer Baustein eine Psychiatrische Institutsambulanz der medbo.

Als Ärztlicher Direktor des BKH I in Parsberg bin ich Mitglied in einigen Leitungsgremien der medbo und weiss aus erster Hand, dass der Vertragsabschluss über die Kooperation der neu im KKH Parsberg einzurichtenden Akut-Psychosomatik mit der Internistischen Akutklinik im KKH Parsberg von Seiten der Führung der Kliniken des Landkreises Neumarkt seit über 2 Jahren immer wieder unter schwer nachvollziehbaren Begründungen und unerfüllbaren Vertragsbedingungen verzögert und behindert wurde.
Daraus wurde für uns schon früher erkennbar, dass vermutliche eine Schliessung des KKH Parsberg intendiert ist, aber natürlich so lange wie möglich bestritten wurde.

Persönlich hatte ich als Lungenfacharzt angeboten, bei der Einrichtung einer Station für langzeitbeatmete Patienten mitzuwirken. Für maschinell beatmete Patienten gibt es hohe Erlöse, die eine gute Finanzierungslage selbst dann garantieren, wenn man mit gut qualifiziertem und zahlenmäßig ausreichendem Personal arbeitet.

Aus diesen Informationen wird klar, dass der Fortbestand des KKH Parsberg bei entsprechendem Willen der Führung auch wirtschaftlich sinnvoll möglich gewesen wäre. Die Neumarkter Klinikführung erhoffte sich aber von der Schliessung des KKH Parsberg eine bessere Belegung des Klinikums Neumarkt und damit eine bessere Wirtschaftlichkeit.

Ich könnte mir aber vorstellen, dass die zu Recht verärgerten Parsberger Bürger nun die Spitzenmedizin der kaum weiter entfernten Regensburger Kliniken oder das dem KKH Parsberg ähnliche, familiäre Krankenhaus Burglengenfeld vorziehen.


Dr. med. Peter Pommer
Internist und Pneumologe
Fachjournalist DFJV
Gesundheitsredaktion LORA München

Ärztlicher Direktor
Bezirkskrankenhaus Parsberg I
Robert-Koch-Str. 2
92331 Parsberg

privat:

09965-801941
0151-42249749


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