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Politik

Patientenbeauftragte will Widerspruchslösung erneut vorbringen

Freitag, 17. Januar 2020

Claudia Schmidtke /dpa

Osnabrück – Nach der Ablehnung der doppelten Widerspruchslösung bei der Organ­spen­de in Deutschland durch den Bundestag könnte der Vorschlag in der nächsten Wahlpe­ri­ode erneut auf der Tagesordnung stehen.

Sie respektiere die Entscheidung des Parlaments, sei aber „sehr offen dafür, sie in der kommenden Wahlperiode erneut zu debattieren“, sagte die Patientenbeauftragte der Bundesregie­rung, Claudia Schmidtke (CDU) der Neuen Osnabrücker Zeitung.

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Schmidtke begründete ihren Vorstoß für eine Wiedervorlage damit, dass die jetzt vom Bundestag beschlossene Lösung keinen nennenswerten Effekt haben werde. „Ich gehe nicht davon aus, dass die Organspende-Zahlen signifikant zunehmen.“ Deshalb müsse Deutschland schon allein wegen der Zugehörigkeit zum Organspendeverbund Euro­transplant wirkungsvollere Maßnahmen einführen.

„Das ist derzeit ein sehr einseitiges Verhältnis: Wir lehnen die Widerspruchsregelung ab, profitieren aber von den Organen aus den Ländern, die sie eingeführt haben“, sagte Schmidtke. Es sei daher zu erwarten, dass „in ein, zwei Jahren der Druck aus dem Ausland zunimmt“. Würde Deutschland sich erst heute für eine Aufnahme in den Eurotransplant-Verbund bewerben, „würden wir mit unserer Regelung wahrscheinlich nicht aufge­nommen werden“.

Gestern hatte der Bundestag sich mit deutlicher Mehrheit dafür ausgesprochen, dass die ausdrückliche Einwilligung des Spenders weiter Voraussetzung für eine Organentnahme bleibt.

Mit 432 gegen 200 Stimmen entschied sich das Parlament für einen Gesetzentwurf, der von Grünen-Chefin Annalena Baerbock, Linken-Chefin Katja Kipping sowie Spahns Amts­vorgänger Hermann Gröhe (CDU) getragen wurde.

Dabei sollen die Bürger mindestens alle zehn Jahre beim Abholen von Ausweis oder Führerschein auf das Thema angesprochen werden. Jeder kann in einem Online-Register seine Entscheidung hinterlegen und jederzeit ändern. © kna/aerzteblatt.de

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Kommentare

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Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 18. Januar 2020, 21:36

@Zygis

Neben dem redaktionellen Teil und den Stellenanzeigen ist das Ärzteblatt leider das offizielle Mitteilungsorgan der Bundesärztekammer, wo alle wichtigen amtlichen Bekanntmachungen veröffentlicht werden. Die Zustellung des Ärzteblatts sorgt dafür, dass sich niemand auf Unkenntnis berufen kann.
Avatar #809524
kathrinschr
am Samstag, 18. Januar 2020, 11:30

Märchen über Riesenverdienste an Transplantation

Als Betroffene (Lebertransplantiert), die über ihre private Versicherung Einblick in die tatsächlichen Kosten der Transplantation hatte, muss ich immer schmunzeln, wenn in Kommentaren von den immensen Gewinnen die Rede ist, von denen die Spenderfamilie profitieren soll. Die eigentliche Transplantation (Organempfänger, Transport, Transplantation) in meinem Fall Leber eine OP von über 8 Stunden sind im Gesamtbereich Transplantation der deutlich kleinste Posten. Im Vergleich zu der intensivmedizinischen Betreuung und den Folgekosten für Medikamente ist der Betrag so gering, dass es mich überraschte. Die Einzige, die bei meiner Transplantation einen Riesengewinn gemacht hat, bin ich, weil ich weiterleben darf! Wenn da noch eine Bezahlung der Spenderfamilie einkalkuliert werden soll, wäre Transplantation nur noch für Reiche machbar und das ist keine tragbare Lösung.
Avatar #738234
Günther Binnewies
am Samstag, 18. Januar 2020, 11:17

Voreilender Gehorsam

Das ist wohl ein wenig voreilig. Aber es stehen ja Interessen der Medizin auf dem Spiel. Da ist das Patientengut nicht gefragt. Das sind die zu erwarten gewesenen Interessenkonflikte. Wie soll ein Arzt/Ärztin Patienteninteressen vertreten? Ärzte sind leider schon seit langem keine „Anwälte“ ihrer Kunden mehr.
Avatar #683229
Justinas Zygis
am Samstag, 18. Januar 2020, 10:26

Ich bitte um ein Recht das Ärzteblatt-Lieferung zu kündigen.

Das gesamte Konzept von Organspende ist an sich fehlerhaft. Sowohl der Donor (natürlich) als auch die Familie des Donors profitiert nach dem Tod des Donors nicht. Profitiert großenteils der Organempfänger. Profitieren auch die Kranakenkassen und die Krankenhäuser. Und die genaue Zahlen sagt jetzt hier keiner. Also großes Geschäft. Warum denn kann der Donor vor seinem Tod nicht entscheiden, dass ein Teil dieser Summe an seiner Familie nach Organspenden zurückgegeben werden muss? Aus ethischen Gründen darf mann so was nicht machen? Die Ethik ändert sich aber auch.
LNS
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