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Medizin

UV-Filter aus Sonnenmilch gelangen ins Blut

Donnerstag, 23. Januar 2020

/Aidman, stock.adobe.com

Silver Spring – Chemische UV-Filter aus Sonnenschutzmitteln gelangen über die Haut in relevanten Mengen in den Blutkreislauf – und dies bereits bei einmaliger Anwendung. Dies zeigt eine randomisierte Studie mit 48 gesunden Freiwilligen aus den USA. Einen Beweis dafür, dass die Aufnahme von chemischen UV-Filtern gesundheitsschädlich ist, liefert die Studie aber nicht. Und die Autoren der US-Arzneimittelbehörde FDA betonen in JAMA, dass die Ergebnisse kein Grund seien, auf Sonnenschutzmittel zu verzichten (DOI: 10.1001/jama.2019.20747).

Murali K. Matta und seine Kollegen, alle von der FDA, untersuchten die Aufnahme der 6 UV-Filter Avobenzon, Oxybenzon, Octocrylen, Homosalat, Octisalat und Octinoxat aus 4 verschiedenen Sonnenschutzmitteln (Lotion und Sprays) – sowohl bei 1-Mal-Anwendung als auch bei dauerhafter, starker Anwendung.

Die 48 Teilnehmer wurden auf eines der 4 Sonnenschutzmittel randomisiert. An Tag 1 trugen sie die Lotion oder das Spray nur einmal auf, in einer Dosierung von 2 mg/cm2 auf 75% der Körperoberfläche. An den Tagen 2 bis 4 schmierten sie sich in 2-stündigen Abständen insgesamt 4 Mal mit den Sonnenschutzmitteln ein. Von jedem Teilnehmer nahmen die Wissenschaftler über 21 Tage 34 Blutproben.

Es zeigte sich, dass alle 6 UV-Filter systemisch aufgenommen wurden. Und bei allen 6 Substanzen überstiegen die Konzentrationen im Blut einen von der FDA festgelegten Grenzwert. Demnach ist es möglich, bei systemischen Konzentrationen unter 0,5 ng/ml auf einige zusätzliche Sicherheitsprüfungen zu verzichten.

Bereits nach einmaliger Anwendung an Tag überschritten die maximalen Plasmakon­zentrationen aller 6 UV-Filter den Grenzwert. Die Konzentration an UV-Filtern im Blut habe von Tag zu Tag zugenommen, was für eine Akkumulation im Blut spreche, so die Autoren. Bei der Sonnenschutz-Lotion reichten die durchschnittlichen maximalen Plasma­konzentrationen zum Beispiel von 7,1 ng/ml für Avobenzon bis zu 258,1 ng/ml für Oxybenzon.

Die Halbwertszeit der UV-Filter im Blut rangierte zwischen 27 Stunden (Octisalat in Sprayform) und 157 Stunden (Octinoxat in Sprayform) und unterschied sich zwischen allen UV-Filtern. Die Plasmakonzentrationen von Homosalat und Oxybenzon über­schritten den Grenzwert sogar noch an Tag 21. Die Autoren vermuten, dass die Haut als eine Art Depot dient, aus dem auch nach Beendigung der Anwendung weiter UV-Filter ins Blut gelangen.

Die Wissenschaftler heben hervor, dass diese Ergebnisse keinesfalls so interpretiert werden dürften, dass man nun keine Sonnenschutzmittel mehr verwenden sollte. Diese seien zur Vermeidung von Sonnenbrand und Hautkrebs unverzichtbar, schreiben Matta und seine Kollegen. Doch die Studie mache deutlich, dass mehr Forschung notwendig sei, um herauszufinden, welche Auswirkungen die Exposition gegenüber UV-Filtern aus Sonnen­schutzmitteln habe.

Studie liefert keine Evidenz für gesundheitliche Risiken

In einem begleitenden Editorial betont auch der Onkologe Adewole S. Adamson vom Department of Internal Medicine der University of Texas in Austin: „Es ist entscheidend, anzuerkennen, dass diese Studie der FDA keinerlei Evidenz dafür liefert, dass chemische UV-Filter schädlich sind.“ Es gebe zwar Tierstudien und erste Daten an Menschen, die auf mögliche Gesundheitsrisiken hindeuteten, darunter endokrine Disruption und repro­duktive Schäden.

Doch „in Ermangelung eindeutiger Daten, die eine Schädigung beweisen, kann der Einsatz chemischer UV-Filter weiterhin als angemessen erachtet werde“. Dennoch fordert er die Hersteller von Sonnenschutzmitteln auf, mit den von der FDA empfohlenen Sicher­heit­s­studien zu beginnen. Denn bis diese vorlägen, bleibe völlig ungewiss, welche Schä­den die Absorption von UV-Filtern nach sich ziehen könnten. © nec/aerzteblatt.de

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Avatar #782353
McMrtn
am Freitag, 24. Januar 2020, 10:11

UV-Filter aus Sonnenmilch gelangen ins Blut.... und vorher ins Gewebe

Wie ist der Stofftransport nach transdermaler Applikation? Im Gegensatz zur oralen Aufnahme, gelangen die absorbierten Stoffe via Haut- und Lymphgefäße direkt in den Kreislauf und anschließend in das Kapillarsystem. Endokrine Disruptoren wie aus Sonnenschutzmitteln gelangen dort durch Diffusion in die Gewebe und erreichen letztlich auch multiple Hormonrezeptoren. Somit sollte zur Beurteilung der Stoffkonzentrationen nach transdermaler Anwendung nicht venöses Blut als Untersuchungsmaterial herangezogen werden, sondern Kapillarblut. Hier können bis zu 100-fach höhere Konzentrationen als im venösen Blut vorliegen. Darüber hinaus sollte bei der Diskussion um unerwünschte systemische Wirkungen von endokrinen Disruptoren nicht der Erwachsene im Mittelpunkt stehen, sondern ungeborenes Leben, Säuglinge und Kleinkinder. In diesen empfindlichen Lebensphasen sind negative Auswirkungen hormonwirksamer Stoffe ungleich höher und bei bereits extrem niedrigen Konzentrationen zu erwarten! Belastungen während kritischer Entwicklungsphasen können zu irreversiblen Schäden führen, die sich erst in späteren Lebensphasen manifestieren. Es ist höchste Zeit, dieses Thema intensiv und mich Nachdruck anzugehen.
LNS

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