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Medizin

Sepsis weltweit für jeden 5. Todesfall verantwortlich

Montag, 20. Januar 2020

/Kateryna_Kon, stock.adobe.com

Seattle – Eine Sepsis ist weltweit für doppelt so viele Todesfälle verantwortlich wie bisher angenommen. Eine Studie im Lancet (2010; doi: 10.1016/S0140-6736(19)32989-7) schätzt, dass jährlich knapp 50 Millionen Menschen an einer Sepsis erkranken und 11 Millionen daran sterben. Die Sepsis wäre dann für 1/5 aller weltweiten Todesfälle verantwortlich.

In den bisherigen Veröffentlichungen der GBD-Studie („Global Burden of Disease“), die von der Weltbank initiiert wurde und von der Gates Foundation finanziert wird, tauchte die Sepsis nicht unter den weltweit führenden Krankheiten und Todesursachen auf. Die „systemische Reaktion des Organismus auf eine unkontrollierte Infektion“, so eine aktuelle Definition, wurde eher als Zwischenstufe, denn als Ursache für den Tod angesehen.

Da die Sepsis aber eine vermeidbare und häufig behandelbare Komplikation ist, verdient sie nach Ansicht von Mohsen Naghavi vom Institute for Health Metrics and Evaluation in Seattle (IHME), das die GBD-Analysen durchführt, jedoch eine stärkere Beachtung.

Die IHME-Forscher haben deshalb den Datenpool der GBD-Studie noch einmal analysiert, um die Beteiligung der Sepsis an schweren Erkrankungen und Todesfällen heraus­zustellen. Dies war nur beschränkt möglich, da die Todesbescheinigungen nur in 4 Ländern verwertbare Angaben zur Beteiligung einer Sepsis machten.

Bei den Krankenhausstatistiken konnten nur die Angaben aus 10 Ländern verwertet werden. Entsprechend unsicher sind die Schätzungen, zumal der Anteil der Sepsis an Morbidität und Mortalität in ärmeren Ländern, insbesondere Afrika, am höchsten ist. Von dort gab es überhaupt keine verlässlichen Daten. Mit diesen Abstrichen liefert die Studie jedoch interessante neue Erkenntnisse.

Sie zeigen, dass in 2017 mit 48,9 Millionen doppelt so viele Menschen an einer Sepsis erkrankt sind, als frühere Schätzungen vermuten ließen. Gleichwohl bedeuten diese Zahlen einen Rückgang um fast 1/5 gegenüber 1990, als weltweit noch 60,2 Millionen Menschen an einer Sepsis erkrankten.

Obwohl eine Infektion immer an einer Sepsis beteiligt ist, war sie nur in 33,1 Millionen Fällen der Auslöser. Bei den andern 15,8 Millionen entstand die Sepsis nach einer schweren Verletzung oder auf dem Boden einer nicht übertragbaren Krankheit. In den meisten Fällen ist dies ein Krebsleiden, in dessen Endstadium es häufig zu einer Sepsis kommt.

Unter den Infektionen dominieren weltweit Durchfallerkrankungen. In den reicheren Ländern führen sie relativ selten zu Sepsis und Tod. In Afrika und anderen Regionen mit niedrigem Einkommen sind Durchfallerkrankungen jedoch eine häufige Todesursache geblieben, vor allem bei Kleinkindern, die als Komplikation eine Sepsis erleiden und daran sterben.

Global gesehen gibt es deshalb einen ersten Erkrankungsgipfel im Kindesalter mit 20,3 Millionen Fällen. Der zweite Erkrankungsgipfel tritt im höheren Lebensalter auf.

Etwa 85 % aller Sepsisfälle treten in Ländern mit niedrigem oder mittlerem Einkommen auf. Die höchsten Inzidenzen ermittelt Naghavi für Mali, Niger, den Tschad und Nigeria mit jährlich über 2.500 Sepsis-Fällen auf 100.000 Einwohner. Die niedrigsten Inzidenzen haben die reichen Öl-/Gasförderländer am Arabischen Golf. In Katar erkranken jährlich weniger als 100 von 100.000 Einwohnern an einer Sepsis.

Weltweit endet jede 5. Sepsis mit dem Tod. Naghavi beziffert die weltweite Zahl der Todesfälle auf 11,0 Millionen. Fast die Hälfte dieser Todesfälle (5,11 Millionen) tritt bei Patienten mit nicht-übertragbaren Erkrankungen (etwa Krebs) auf, bei denen ein Tod auch ohne Sepsis meist nicht zu vermeiden ist.

Die höchste Todesrate ermittelt Naghavi erneut für Länder südlich der Sahara. Im Tschad, im Südsudan und in Lesotho sterben jedes Jahr mehr als 500 von 100.000 Menschen an einer Sepsis. In der Zentralafrikanischen Republik sind es der Studie zufolge sogar 771 von 100.000 Einwohnern.

Die gesundheitliche Bedeutung der Sepsis darf nach Ansicht von Naghavi deshalb nicht unterschätzt werden. Fortschritte könnten vor allem in den ärmeren Ländern gemacht werden, in denen die Sepsis vor allem im Rahmen von Infektionen auftritt, die in der Regel gut behandelt werden können. © rme/aerzteblatt.de

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