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Medizin

Reiche Menschen bleiben länger gesund

Montag, 20. Januar 2020

/Hyejin Kang, adobe.stock.com

London – Die Chancen auf ein langes Leben in Gesundheit werden in den USA und in England stark durch Bildung und Wohlstand beeinflusst. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie in den Journals of Gerontology: Series A (2020; doi: 10.1093/gerona/glz266).

In den USA und in Großbritannien gibt es große Unterschiede im Vermögen und in der Bildung innerhalb der Bevölkerung. Beide Länder unterscheiden sich jedoch in der Krankenversorgung. In den USA sind die Menschen bis zum Alter von 65 Jahren zumeist auf eine private Kran­ken­ver­siche­rung angewiesen, die häufig vom Arbeitgeber vermittelt wird. In England gibt es einen egalitären, durch Steuern finanzierten Gesundheitsdienst. In beiden Ländern hat sich die Zunahme der Lebenserwartung abgeschwächt. In den USA sinkt sie seit einigen Jahren sogar leicht.

Ein Team um Paola Zaninotto vom University College London hat untersucht, wie sich Wohlstand und Bildung auf die Gesundheit im Alter auswirken. Grundlage waren 2 prospektive Kohortenstudien mit vergleichbaren Ansätzen. Die „US Health and Retirement Study“ begleitet seit 1992 eine Gruppe von 14.803 Erwachsenen ab dem Alter von 51 Jahren. In der "English Longitudinal Study of Ageing“ werden 10.754 Briten seit dem 50. Geburtstag regelmäßig befragt.

Die Lebenserwartung ist in beiden Ländern gleich. Im Alter von 50 Jahren haben Männer noch eine Lebenserwartung von 31 Jahren und Frauen von 35 Jahren, davon verbringen sie noch etwa 27 beziehungsweise 28,5 Jahre ohne chronische Erkrankungen. Im höheren Alter haben Männer in den USA einen leichten Überlebensvorteil (plus 1 Jahr). Die Unter­schiede im Gesundheitswesen scheinen sich kaum auf die Lebenserwartung in Gesund­heit auszuwirken.

Anders ist dies bei Vermögen und Einkommen. Menschen mit höherer Bildung haben in England eine 5 bis 6 Jahre längere Lebenserwartung in Gesundheit als Menschen mit niedrigem Bildungsniveau. In den USA betrug der Unterschied sogar 9 Jahre. Mit zuneh­men­dem Alter verringerte sich der Einfluss der Bildung auf die Lebenserwartung in Gesundheit. Sie blieb jedoch signifikant.

Deutlich war auch der Einfluss des Vermögens. Die wohlhabendste Schicht der 50-jährigen Männer hat in England noch eine Lebenserwartung ohne chronische Krankheiten von 31,0 Jahren und in den USA von 31,1 Jahren. In der ärmsten Gruppe sind es nur 22,8 und 22,2 Jahre, also 8,2 beziehungsweise 8,9 Jahre weniger. Bei den Frauen war der Unterschied mit 8,5 Jahren in England und 8,8 Jahren in den USA ähnlich.

Die Studie kann nicht klären, wie Bildung und Wohlstand sich auf die Gesundheit auswirken. Ein gesünderer Lebensstil wird häufig als Grund angeführt. Wohlstand könnte auch einen leichteren Zugang zu medizinischen Leistungen bedeuten. Diese Erklärung fällt jedoch in England weg, weil der National Health Service keine Unterscheidung zwischen arm und reich macht. Bildung und Vermögen könnten die Menschen jedoch motivieren, die angebotenen Leistungen häufiger in Anspruch zu nehmen. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #103488
KuhnJ
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 15:22

Systemvergleich

@ noke:

Ich bin nicht sicher, ob die Studie in Sachen Systemvergleich viel hergibt. In England hat man ein kaputtgespartes Beveridge-System, in den USA ein System mit Spitzenleistungen für wenige und Verarmungsgefahr im Krankheitsfall für viele.
Avatar #777313
nocke
am Dienstag, 21. Januar 2020, 17:26

Wie kann man daran etwas ändern?

dass es in Deutschland ebenfalls so ist, ist bekannt. Interessant ist aber der Aspekt, dass ein egalitäres Gesundheitssystem an der Spanne der Lebenserwartungen (leider) ebenfalls nichts ändern.
Avatar #103488
KuhnJ
am Montag, 20. Januar 2020, 20:11

Na so was ...

... als ob das in Deutschland anders wäre. Auch hierzulande hat die obere Einkommensklasse eine um mehrere Jahre höhere Lebenserwartung als die untere, nachzulesen beim RKI und andernorts, bekannt seit langem:

"Wohlstand und Bildung drücken sich zählbar - und dies ist eine amtliche Tatsache - in den Gesetzen der Sterblichkeit aus." Das ist nicht aus der neuen Studie, sondern so zitieren Mosse und Tugendreich 1913 (!) in der Einleitung ihres Buches "Krankheit und soziale Lage" den Sozialmediziner Salomon Neumann - mit einem Satz aus dem Jahr 1847 (!)

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