NewsMedizinPEPTIC-Trial: Studie verglich H2-Blocker und PPI in der Intensivmedizin
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

PEPTIC-Trial: Studie verglich H2-Blocker und PPI in der Intensivmedizin

Dienstag, 21. Januar 2020

/sudok1, stock.adobe.com

Wellington/Neuseeland –Ein H2-Rezeptor-Antagonist (H2RA) hat in einer internationalen Vergleichsstudie Stressulzera von maschinell beatmeten Intensivpatienten annähernd so häufig verhindert wie ein Protonenpumpen-Inhibitor (PPI). Die Sterblichkeit der Patienten war der Publikation im amerikanischen Ärzteblatt (JAMA 2020; doi: 10.1001/jama.2019.22190) zufolge sogar niedriger.

PPI sind im Vergleich zu H2RA die besseren Säureblocker. Die meisten Intensivmediziner bevorzugen PPI deshalb zur Prophylaxe von Stressulzera, die auf Intensivstationen eine häufige Ursache von oberen Magendarmblutungen sind. Die Überlegenheit der PPI, die niemals in einer größeren randomisierten Studie bewiesen wurde, ist in den letzten Jahren bezweifelt worden. So war in einer Kohortenstudie herausgekommen, dass Intensiv­patienten, die mit PPI behandelt wurden, häufiger eine Pneumonie oder eine Clostridium-difficile-Infektion (CDI) erlitten (JAMA Internal Medicine 2014; 174: 564-574).

Ein internationales Forscherteam um Paul Young vom Wellington Hospital in der neuseeländischen Hauptstadt hat deshalb in einer randomisierten Studie den Nutzen von PPI und H2RA in der Stressulkusprophylaxe von Intensivpatienten verglichen Einge­schlossen waren Patienten, die auf Intensivstation maschinell beatmet wurden. Diese Gruppe hat ein besonders hohes Risiko auf ein Stressulkus.

Um innerhalb kurzer Zeit möglichst viele Daten zu sammeln, entschieden sich die Forscher für ein pragmatisches „Cluster Crossover“-Design, bei dem die teilnehmenden Intensiv­stationen gebeten wurden, während einer Zeitphase PPI und während einer anderen H2RA zu verwenden. Die Studie war nicht verblindet, was die Durchführung weiter erleichterte, es den Ärzten aber auch erlaubte, sich im Einzelfall für ein PPI oder H2RA zu entscheiden.

Die Folge war, dass 1/5 der Patienten im H2RA-Arm (20,1 %) am Ende mit einem PPI behandelt wurde. Umgekehrt erhielten nur 4,1 % der Patienten im PPI-Arm ein H2RA. Diese Ungleichverteilung könnte zu einem Indikations-Bias geführt haben, bei dem schwer kranke Patienten eher einen PPI erhielten, was die Ergebnisse in dieser Gruppe künstlich verschlechtern würde.

Tatsächlich trat der primäre Endpunkt der Studie, ein Todesfall innerhalb von 90 Tagen, in der PPI-Gruppe häufiger auf. Dort starben 2.459 von 13.415 Patienten (18,3 %), während es in der H2RA-Gruppe nur 2.333 Todesfälle auf 13.356 Patienten (17,5 %) gab. Young ermittelte eine Risk Ratio von 1,05, die mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,00 bis 1,10 nur knapp das Signifikanzniveau verfehlte.

Andererseits kam es in der PPI-Gruppe seltener zu Blutungen im oberen Gastro­intestinaltrakt. Sie wurden bei 172 Patienten (1,3 %) diagnostiziert gegenüber bei 239 Patienten (1,8 %) in der H2RA-Gruppe. Die Risk Ratio von 0,73 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,57 bis 0,92 signifikant.

Es könnte also sein, dass die Verwendung von PPI mit einem etwas niedrigeren Risiko auf ein Stressulkus verbunden ist auf Kosten eines erhöhten Sterberisikos. Da die Endpunkte über ein Patientenregister recherchiert wurden, konnten die Forscher leider nicht ermitteln, ob es tatsächlich zu einem Anstieg der Pneumonien gekommen war.

Die Zahl der CDI war in beiden Gruppen niedrig. In der PPI-Gruppe erkrankten 40 Patienten (0,30 %) an der schwer zu behandelnden Darminfektion, in der H2RA-Gruppe waren es 57 Patienten (0,43 %). Entgegen den Erwartungen war das CDI-Risiko damit in der PPI-Gruppe niedriger, wenn auch nicht signifikant (Risk Ratio 0,74; 0,51 bis 1,09). © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Dienstag, 21. Januar 2020, 22:29

Signifikanzniveau verfehlt!

Wenn als primärer Endpunkt innerhalb von 90 Tagen in der PPI-Gruppe mit 2.459 Todesfällen bei 13.415 Patienten 18,3 % verstorben sind, während in der H2RA-Gruppe 2.333 Todesfälle auf 13.356 Patienten (17,5 %) zu verzeichnen waren, ist das Signifikanzniveau ohne Wenn und Aber verfehlt worden.
Eine Risk Ratio von 1,05 mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,00 bis 1,10 unterläuft das Signifikanzniveau, ob knapp oder nicht ist hier nicht relevant.
Dass es zugleich in der PPI-Gruppe signifikant seltener zu Blutungen im oberen Gastro­intestinaltrakt kam (172 Patienten entsprechend 1,3 %) gegenüber 239 Patienten entsprechend 1,8 % in der H2RA-Gruppe mit einer Risk Ratio von 0,73 wollte die Forschergruppe mit ihrer Veröffentlichung: "Effect of Stress Ulcer Prophylaxis With Proton Pump Inhibitors vs Histamine-2 Receptor Blockers on In-Hospital Mortality Among ICU Patients Receiving Invasive Mechanical Ventilation"
The PEPTIC Randomized Clinical Trial, am liebsten unter den Tisch fallen lassen.
Ihr Abstract lässt diese Information jedenfalls weg ["Conclusions and Relevance - Among ICU patients requiring mechanical ventilation, a strategy of stress ulcer prophylaxis with use of proton pump inhibitors vs histamine-2 receptor blockers resulted in hospital mortality rates of 18.3% vs 17.5%, respectively, a difference that did not reach the significance threshold. However, study interpretation may be limited by crossover in the use of the assigned medication"].

Die Quintessenz ist ein mittlerweile populistisches und trendiges PPI-"Bashing".

Das belegen m. E. als Beispiel die Schlussfolgerungen/Implikationen einer weiteren, manipulative Studie: "Conclusions/implications - PPI use may impair breast cancer survivors’ memory, concentration, and quality of life".
Die Disparität von Protonenpumpen-Inhibitoren (PPI)-Anwenderinnen bzw. deren Nicht-Anwendung sagen eigentlich schon Alles. "Cognitive problems of breast cancer survivors on proton pump inhibitors" von Annelise A. Madison et al. https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs11764-019-00815-4
war von vorneherein darauf angelegt, PPIs zu diskreditieren.
Dafür sprechen die geringen Zahlen von PPI-Anwenderinnen gegenüber ihrer Vergleichsgruppe ["Study 1...N= 209; n= 173 non-users, n= 36 PPI-users..."] und ["Study 2...N= 200; n= 169 non-users, n= 31 PPI-users..."].
Patientinnen mit Refluxösophagitis, Hiatushernie, Gastroduodenitis, GERD (Gastroösophageale Refluxkrankheit) und NERD ("non erosive reflux disease"), Dyspepsie oder symptomatischem Helicobacter pylori Befund, um die wichtigsten PPI-Indikationen zu nennen, sind kränker und nicht vergleichbar mit Brustkrebs-Betroffenen ohne entsprechende gastroenterologische Beschwerden.
Von daher ergibt sich der Verdacht auf eine manipulative Publikation, um PPIs ebenfalls populistisch und trendig in einem besonders schlechten Licht dastehen zu lassen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
LNS

Nachrichten zum Thema

18. Februar 2020
Odense/Dänemark – Die Nachteile einer Sedierung von mechanisch beatmeten Patienten, die in früheren Studien zu einer schwierigeren Entwöhnung, häufigeren Delirien und einer höheren Sterblichkeit
Intensivmedizin: Leichte Sedierung bei beatmeten Patienten sicher
12. Februar 2020
Berlin – Nach intensiven Protesten von Betroffenen hat das Bundeskabinett heute einen Gesetzentwurf beschlossen, der den Wünschen von Intensivpflegebedürftigen und ihren Angehörigen weit
Bundeskabinett verabschiedet Gesetzentwurf zur Intensivpflege
12. Februar 2020
Hannover – In mehreren Krankenhäusern im Nordwesten gibt es einem Bericht zufolge offenbar massive Personalnot auf den Intensivstationen – eine Folge sind demnach Aufnahmestopps für Patienten. Der NDR
Bericht: Intensivstationen an Kliniken oft überlastet
28. Januar 2020
Berlin – Bei der geplanten Reform der Reha- und Intensivpflege hat das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) eine Kehrtwende vollzogen. Versicherte, die künstlich beatmet werden müssen, sollen nun im
Ministerium streicht umstrittene Regelung bei Intensivpflege
22. Januar 2020
Berlin – Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat Nachbesserungen am in der vergangenen Woche beschlossene Gesetz zur Stärkung der
Intensivmediziner wollen Änderungen am Gesetz zur Organ- und Gewebespende
21. Januar 2020
Düsseldorf – Die Zusammenarbeit in einem sektorenübergreifenden telemedizinischen Netzwerk bei der Versorgung von Patienten in der Intensivmedizin und Infektiologie führt zu einer deutlichen
Patienten der Intensivmedizin und Infektiologie profitieren von Telemedizin
17. Dezember 2019
Berlin – Etwa 492.000 Menschen sind 2016 in Deutschland neu an Krebs erkrankt. Das geht aus einer Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) hervor, die heute in Berlin vorgestellt wurde. Die
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER