NewsMedizinLichttherapie hilft bei Herbst-Win­ter-Depression
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Lichttherapie hilft bei Herbst-Win­ter-Depression

Dienstag, 21. Januar 2020

/primipil, stock.adobe.com

Köln – Patienten, die unter einer Herbst-Winter-Depression leiden, können von einer Lichttherapie profitieren. Das ist das Ergebnis eines vorläufigen HTA-Berichtes des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Demnach ergab die Untersuchung einen Hinweis auf einen kurzfristigen Nutzen von Lichttherapie mittels Lichtlampen im Vergleich zu Placebo im Hinblick auf depressionsbezogene Symptome. Zur ebenfalls untersuchten Behandlung mit Vitamin D fanden die Wissenschaftler keine aussagekräftige Studie, sodass sie auch keine Aussagen zur Wirksamkeit und Sicherheit einer Vitamin-D-Behandlung bei Herbst-Winter-Depression treffen konnten.

Dem IQWiG zufolge kommt die Herbst-Winter-Depression in nördlichen Ländern häufiger vor als in südlichen. Allerdings gäbe es für Deutschland keine repräsentativen Daten zum Vorkommen. Erhebungen aus Österreich und der Schweiz zeigten, dass dort rund 2,5 % der Bevölkerung pro Jahr von einer Herbst-Winter-Depression betroffen sind. Diese ent­wickeln im Herbst und Winter depressive Symptome, die erst im Frühling meist wieder vollständig verschwinden. Zu den Symptomen gehören depressive, gedrückte Stimmung, fehlender Antrieb oder Interessenverlust und Freudlosigkeit, häufig auch Heißhunger auf Kohlenhydrate, erhöhtes Schlafbedürfnis oder Gewichtszunahme.

Da die depressiven Episoden im Herbst und Winter einsetzen, vermuten Experten einen Zusammenhang zwischen der Entstehung einer Herbst-Winter-Depression und dem Rückgang der Zahl der Sonnenstunden. Möglich sei auch ein Vitamin-D-Mangel als Ursache, denn nördlich des 40. Breitengrades sei die Vitamin-D-Synthese in der Haut durch die Sonne im Winter nicht ausreichend.

Für den Bericht werteten die Wissenschaftler 21 randomisierte kontrollierte Studien zur Lichttherapie mit insgesamt 1.441 untersuchten Erwachsenen aus und fanden – im Hinblick auf die Remission der Depression und den Schweregrad der depressiven Symptome – Hinweise auf einen kurzfristigen Nutzen von Lichttherapie mittels Lichtlampen im Vergleich zu Placebo. Für sogenannte Head-Mounted Units (am Kopf angebrachte Lichtvorrichtungen) konnten sie hingegen keinen Anhaltspunkt für einen Nutzen ableiteten.

Im direkten Vergleich zum untersuchten Antidepressivum oder zu einer kognitiven Verhaltenstherapie ergab sich zudem kein Hinweis auf einen höheren Nutzen der Lichttherapie mittels Lichtlampen bei der Behandlung der Herbst-Winter-Depression. Allerdings fanden die Wissenschaftler einen Anhaltspunkt dafür, dass das Antidepressivum während der Behandlung häufiger zu Nebenwirkungen führt als die Lichttherapie mittels Lichtlampen. Dieser Anhaltspunkt lag laut IQWiG für die kognitive Verhaltenstherapie nicht vor.

„Die langfristige Auswirkung von Lichttherapie im Vergleich zu Placebo bleibt unklar, weil die patientenrelevanten Endpunkte nur am Ende der 2- bis 8-wöchigen Intervention erhoben wurden und keine weiteren Nachbeobachtungen erfolgten“, heißt es in dem HTA-Bericht.

Das IQWiG bittet zu diesem vorläufigen HTA-Bericht bis zum 17. Februar um Stellungnahmen. Stellungnahmen können alle interessierten Personen, Institutionen und Gesellschaften abgeben. © hil/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.
Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #113003
Claus-F-Dieterle
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 00:11

Ein sinnvolles Ziel im Leben

Die Behandlung meiner Patienten mit einer Verhaltenstherapie zeigt:
wer sich ein sinnvolles Ziel für sein Leben setzt und Schritt für Schritt an der Verwirklichung arbeitet, lässt sich nicht durch die Jahreszeit beeinträchtigen.
Johann Gottfried von Herder: "Gebt mir eine große Idee, damit ich an ihr gesunde".
Ich möchte auch auf Logotherapie von Viktor Frankl hinweisen.
LNS

Nachrichten zum Thema

13. Februar 2020
London – Jugendliche, die sich körperlich wenig bewegen, entwickelten in einer prospektiven Beobachtungsstudie in Lancet Psychiatry (2020; doi: 10.1016/S2215-0366(20)30034-1) häufiger Depressionen.
Studie: Langes Sitzen erhöht bei Jugendlichen das Risiko von Depressionen
12. Februar 2020
Dallas – Eine computergestützte Analyse des Elektroenzephalogramms (EEG) könnte künftig vorhersagen, ob ein Patient mit Major-Depression auf eine medikamentöse Therapie anspricht. Grundlagen der
EEG-Signatur macht Wirksamkeit von Antidepressiva vorhersehbar
24. Januar 2020
York – Unter dem Titel „Are there effective medications for treating depression that does not improve with the first medication used?“ hat die Cochrane Common Mental Disorders Group die Möglichkeiten
Cochrane untersucht Zweitlinientherapie der Depression
16. Januar 2020
London – Der Verlust eines Kindes belastet viele Frauen auch dann, wenn er in der frühen Schwangerschaft erfolgt. In einer prospektiven Kohortenstudie im American Journal of Obstetrics and Gynecology
PTBS und Depressionen nach früher Fehlgeburt häufig
15. Januar 2020
Düsseldorf – Leiharbeitnehmer und befristet Beschäftigte sind häufiger von psychischen Erkrankungen wie Burn-Out oder Depressionen betroffen als regulär Beschäftigte. Das geht aus der Antwort der
Leiharbeiter und Befristete häufiger psychisch krank
19. Dezember 2019
Albany/New York – Die Ausstattung von Pflegeheimen mit taghellem Licht zur Synchronisierung des Tag-Nacht-Rhythmus hat in einer randomisierten Studie im Journal of Clinical Sleep Medicine (2019; 15:
Lichttherapie bessert Schlaf, Depressionen und Agitiertheit bei Alzheimer
11. Dezember 2019
Berlin – Jüngere Menschen haben in Deutschland häufiger eine depressive Symptomatik als der Durchschnitt der Bürger in der Europäischen Union (EU, 11,5 Prozent versus 5,2 Prozent), bei Älteren ist die
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER