NewsAuslandVirus in China verbreitet sich von Mensch zu Mensch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Virus in China verbreitet sich von Mensch zu Mensch

Montag, 20. Januar 2020

/picture alliance, Ke Wei, Imaginechina

Peking – Die neuartige Lungenkrankheit in China kann auch von Mensch zu Mensch übertragen werden. Zudem seien Infektionen bei medizinischem Personal bestätigt, teilte ein Expertenteam der chinesischen Gesundheitskommission heute nach Angaben der Nachrichtenagentur Xinhua mit. Für zwei Fälle in der Provinz Guangdong sei eine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen, sagte der Chef des Teams, Zhong Nanshan.

Für Experten ist es ein wichtiger Indikator, ob Ärzte und Pfleger von einer neuen Erkrankung betroffen sind: Infizieren sich viele von ihnen, ist das ein deutlicher Hinweis auf eine leichte Übertragbarkeit von Mensch zu Mensch. Für die neue, wahrscheinlich von Wildtieren auf den Menschen übergesprungene Sars-Virus-Variante war anfangs angenommen worden, dass es keine oder kaum Übertragungen von Mensch zu Mensch gibt.

Anzeige

Die Zahl bestätigter Infektionen in China stieg sprunghaft auf rund 220. Ein weiterer Patient starb. Damit sind drei Todesfälle bekannt, wie die Gesundheitsbehörde der zentral­chinesischen Metropole Wuhan berichtete. Dort hatte der Ausbruch begonnen. Erstmals wurden Infektionen mit dem Coronavirus an mehreren anderen Orten sowohl im Norden wie auch im Süden Chinas nachgewiesen. Zudem gibt es Nachweise bei Menschen in Thailand, Japan und Südkorea, die zuvor in Wuhan waren. In Europa wurden bisher keine von Reisenden eingeschleppten Fälle bekannt.

Fieberkontrollen an Flughäfen

Mit der gerade laufenden Reisewelle zum chinesischen Neujahrsfest am kommenden Samstag wächst die Gefahr einer Übertragung des Virus. Bei der größten jährlichen Völkerwanderung sind einige Hundert Millionen Chinesen unterwegs. Asiatische Nachbarn und mehrere Flughäfen in anderen Ländern weltweit haben Fieberkontrollen bei der Einreise aus Wuhan eingeführt.

Heute zog auch Italien nach: Verdachtsfälle an Bord in Rom-Fiumicino landender Flugzeuge aus Wuhan würden künftig überprüft, teilte das Ge­sund­heits­mi­nis­terium mit. Piloten sollen demnach Passagiere mit entsprechenden Symptomen melden. Diese würden dann sofort in das nationale Institut für Infektionskrankheiten in Rom gebracht, hieß es.

Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping schaltete sich am Montag erstmals in die Gesundheitskrise ein und gab Anweisung, die Ausbreitung der Krankheit energisch einzudämmen. Die Sicherheit der Menschen und ihre körperliche Gesundheit habe „absoluten Vorrang“, zitierte ihn das Staatsfernsehen.

Außer in der Stadt Wuhan, wo es die meisten bestätigten Fälle gibt, wurde von Patienten in der Südprovinz Guangdong sowie in Peking im Norden und in Shanghai berichtet. Zudem wurden Verdachtsfälle in mehreren anderen Städten gemeldet. Von den bisher erfassten Patienten in der 11-Millionen-Metropole Wuhan waren 35 schwer erkrankt, davon neun in kritischem Zustand.

Analysen des Erbguts hatten dem Berliner Virusforscher Christian Drosten zufolge ergeben, dass es sich bei dem Erreger um eine Sars-Variante handelt. Ein Sars-Virus hatte von China ausgehend 2002/2003 eine weltweite Pandemie mit 8.000 Infizierten zur Folge, etwa 800 Menschen starben.

Experten des Imperial College London gehen davon aus, dass die neue Krankheit schon wesentlich weiter verbreitet ist als bisher bekannt.

Nach ihrer Hochrechnung könnte es bereits mehr als 1.700 Infizierte geben. „Solche Schätzungen sind immer mit großen Unsicherheiten behaftet“, sagte Drosten dazu. „Im Kern glaube ich aber an diese Zahlen.“

Die ersten Infektionen werden mit einem inzwischen geschlossenen Fischmarkt in Wuhan in Verbindung gebracht, auf dem auch Wildtiere verkauft wurden. Auch der Sars-Erreger von 2002/2003 war höchstwahrscheinlich von einem Wildtier auf den Menschen übergesprungen, angenommene Quelle sind Schleichkatzen.

Die chinesischen Behörden hätten bereits eine Hypothese, von welcher Tierart der neue Erreger auf den Menschen übergesprungen sein könnte, hatte Virusforscher Drosten kürzlich erklärt. „Das wird aber erst offiziell verkündet, wenn es als gesichert gilt.“

Coronaviren verursachen oft harmlose Erkrankungen wie Erkältungen – allerdings gehören auch Erreger gefährlicher Atemwegskrankheiten wie Sars und Mers dazu. Sars steht für „Severe Acute Respiratory Syndrome“, also Schweres Akutes Atemwegssyndrom. Bei der Sars-Pandemie 2002/2003 war der Ausbruch anfangs vertuscht worden, was eine schnelle Reaktion verhindert und die Verbreitung begünstigt hatte.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation hat bisher keine Reisewarnung für Touristen ausge­sprochen. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC riet Reisenden nach Wuhan lediglich, Tiermärkte und den Kontakt mit Tieren oder mit kranken Personen zu meiden. © dpa/aerzteblatt.de

Themen:

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

28. Februar 2020
Berlin – Das neuartige Coronavirus SARS-CoV-2 breitet sich aus. Experten gehen von einem dauerhaften Verbleib des Virus aus. Es zeichnet sich ab, dass Deutschland und die Welt mit dem neuen
SARS-CoV-2: Zahl der Infizierten in Deutschland erhöht sich weiter
28. Februar 2020
Berlin – Das Coronavirus SARS-CoV-2 breitet sich in Deutschland weiter aus. Um das Ansteckungsrisiko zu verringern, wurden jetzt die Indikationskriterien zur Testung auf das Virus ausgeweitet, wie die
Test auf SARS-CoV-2: Ärzte entscheiden, Kassen übernehmen die Kosten
28. Februar 2020
Wuhan – Eine Untersuchung der Lungenresektate von 2 Lungenkrebspatienten, bei denen später COVID-19 diagnostiziert wurde, liefert im Journal of Thoracic Oncology (2020; doi:
COVID-19: Wie die Viren die Lunge frühzeitig schädigen
28. Februar 2020
Silver Spring/Maryland – Die US-Zulassungsbehörde FDA befürchtet, dass es bei einer anhaltenden COVID-19-Epidemie zu Engpässen bei Medikamenten und Medizinprodukten kommen könnte, die in China
COVID-19: Drohen Engpässe bei Medikamenten und Medizinprodukten?
28. Februar 2020
Berlin – Von importierten Lebensmitteln aus China oder anderen belasteten Gebieten geht offenbar keine Gefahr einer Übertragung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 aus. Nach vermehrten
SARS-CoV-2-Übertragung durch importierte Lebensmittel unwahrscheinlich
28. Februar 2020
Edmonton/Alberta – Das Virustatikum Remdesivir, das ursprünglich zur Behandlung von Infektionen mit Ebola- und dem Marburg-Virus entwickelt wurde, wird derzeit in 4 klinischen Studien an Patienten mit
COVID-19: Virologen hoffen auf gute Wirkung von Remdesivir
28. Februar 2020
Braunschweig – Die weitere Ausweitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Deutschland hat nach Angaben von Bundegesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine „neue Qualität“. So sei die
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER