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Medizin

Auszeichnung für Entdeckung der regulatorischen T-Zellen

Dienstag, 21. Januar 2020

Shimon Sakaguchi /dpa

Frankfurt am Main - Der japanische Immunologe Shimon Sakaguchi erhält in diesem Jahr den Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis. Ausgezeichnet werde der 69-Jährige für die Entdeckung der regulatorischen T-Zellen, die das Immunsystem im Gleichgewicht halten und ein wichtiger Garant für die Selbsttoleranz sind.

Fehler bei der Unterscheidung zwischen Fremdem und Körpereigenem führen zu Auto­immunerkrankungen, Allergien oder Abstoßungsreaktionen. Auch die Tatsache, dass nützliche Bakterien im Darm oder das Kind im Mutterleib geduldet werden, legte nahe, dass es eine Instanz geben muss, die diese Unterscheidungsfunktion wahrnimmt – ihr Nachweis aber war schwierig.

In den 1960er- und 1970er- Jahren überwog noch die Meinung, dass über die Selbst­toleranz ausschließlich im Thymus entschieden wird. Man ging davon aus, dass Immun­zellen den Thymus erst verlassen können, nachdem sie gelernt haben, zwischen fremd und körpereigen zu unterschieden. Auf diese Aufgabe spezialisierte Zellen außerhalb des Thymus schienen deshalb nicht mehr nötig zu sein.

Sakaguchi war anderer Ansicht: Mitte der 1990er-Jahre gelang es ihm zu zeigen, dass es eine eigene, eindeutig identifizierbare Klasse von T-Zellen gibt, die dafür sorgen, dass die T-Zellen, die ihre Lektion in Selbsttoleranz im Thymus nur unzureichend gelernt haben, nirgendwo im Körper Schaden anrichten.

Thomas Boehm, Vorsitzender des Stiftungsrates der Paul Ehrlich-Stiftung, betonte, dass Sakaguchi nicht nur für diese „bahnbrechende Entdeckung“ geehrt werde, sondern auch für seine „Weitsicht und Beharrlichkeit“ angesichts einer gegenläufigen gängigen Mei­nung. Der Paul Ehrlich- und Ludwig Darmstaedter-Preis ist mit 120.000 Euro dotiert und gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen für Grundlagenforscher.

Regulatorische T-Zellen sind vielseitige Zielmoleküle für Therapien

Der an der Universität Osaka lehrende und forschende Immunologe bewies allerdings nicht nur die Existenz regulatorischer T-Zellen – sondern auch deren klinische Relevanz. Er zeigte, dass Patienten mit dem seltenen, angeborenen IPEX-Syndrom (Immundysregulation-Polyendokrinopathie-Enteropathie-X-chromosomal) keine regulatorischen T-Zellen besitzen und deshalb schon früh schwere Autoimmunerkrankungen entwickeln.

Mittlerweile hat sich gezeigt, dass T-Zellen exzellente Zielmoleküle für die Therapie sind: Für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen, Allergien oder Abstoßungsreaktionen müssen die regulatorischen T-Zellen gestärkt werden, um die unerwünschten Immun­reaktionen zu beenden. Bei Krebs dagegen gilt es, ihre Aktivität zu dämpfen, damit das Immunsystem entfesselt wird und entschlossener gegen den Tumor vorgeht. Inzwischen prüfen zahlreiche klinische Studien diese neuartigen Konzepte. © nec/dpa/aerzteblatt.de

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