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Medizin

US-Kardiologen warnen Herzpatienten vor Marihuana

Mittwoch, 22. Januar 2020

/Richard-Villalon, stock.adobe.com

Boston – Die zunehmende Popularität von Marihuana bereitet US-Kardiologen Sorgen. Im Journal of the American College of Cardiology (2020; 75: 320-332) warnen sie vor den erst ansatzweise erforschten Auswirkungen auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mögliche Wechselwirkungen der Droge Tetrahydrocannabinol (THC) mit Medikamenten.

In vielen Regionen der USA rauchen mehr Menschen Marihuana als Zigaretten. Nicht wenige experimentieren mit dem „Dabbing“, bei dem die Droge mit dem Dampf von E-Zigaretten inhaliert wird. Die aufgenommene Menge ist dann höher als beim Rauchen eines „Joints“. Ohnehin ist der THC-Gehalt von Marihuana von 4 % Mitte der 1990er Jahre auf 12 % im Jahr 2014 gestiegen.

Unter den THC-Konsumenten sind auch viele Patienten mit Herzkrankheiten. Ein Team um Muthiah Vaduganathan vom Brigham and Women’s Hospital in Boston schätzt auf­grund einer Analyse der National Health and Nutrition Examination Survey (NHANES), die regelmäßig eine repräsentative Stichprobe der Bevölkerung befragt, dass mehr als 2 Millionen Herzkranke in den USA Marihuana konsumieren.

Die Kardiologen befürchten, dass die Droge ihren Patienten schadet. Beobachtungs­studien hätten gezeigt, dass Marihuana das Risiko auf eine Reihe von kardiovaskulären Erkran­kungen erhöht. So würden zerebrovaskuläre Erkrankungen unter Marihuana-Rauchern 3-mal häufiger beobachtet als im Rest der Bevölkerung, schreiben Vaduga­nathan und Mitarbeiter. Gefährdet seien vor allem junge Menschen.

In einer Studie mit 334 Patienten, die vor dem 45. Lebensjahr einen Schlaganfall erlitten, waren 17 % Cannabiskonsumenten. Die Ursache könnte laut Vaduganathan eine Dysfunk­tion des Endothels oder eine veränderte Hirndurchblutung sein.

Cannabis schädigt nach Einschätzung der Experten auch den Herzmuskel. Viele der kardiotoxischen Chemikalien, die in Zigaretten vorkommen, seien auch im Marihuana-Rauch enthalten, warnt Vaduganathan.

Zu den Folgen des Cannabis-Konsums gehören laut dem Experten auch Herzrhythmus­störungen, insbesondere Vorhofflimmern. Die Kardiologen verweisen auf eine kleine experimentelle Studie, in der das Rauchen von Marihuana bei Patienten mit koronarer Herzkrankheit bei geringerer Belastung eine Angina pectoris auslöste als in der Placebo-Gruppe.

Obwohl Endocannabinoid-Rezeptoren auch außerhalb des Gehirns weit verbreitet sind, ist der Pathomechanismus nicht bekannt. Vaduganathan vermutet, dass das Rauchen von Marihuana den zellulären Stress und Entzündungsreaktionen im Körper erhöht.

Problematisch für Herzkranke könnte sein, dass THC in der Leber über dieselben Cytochrom P450-Enzyme abgebaut wird wie Statine oder auch das Antikoagulans Warfarin. Bei Cannabis-Konsumenten muss laut Vaduganathan mit einem Anstieg der Wirkstoff­konzentrationen im Blut gerechnet werden. Bei Statinen könnte dies die Verträglichkeit herabsetzen, bei Warfarin könnte es auch zu einer lebensgefährlichen Blutung kommen.

Genau abschätzen lassen sich die Risiken für kardiale Patienten derzeit nicht. Da die Droge lange illegal war (und es in den meisten Bundesstaaten weiterhin ist), wurden in der Vergangenheit nur wenige Studien zum Einfluss von THC und anderen Cannabinoiden auf die Behandlung von Herzkrankheiten durchgeführt.

Vaduganathan rät seinen Kollegen Kardiologen, alle Patienten in der Anamnese nach einem Cannabis-Konsum zu befragen. In bestimmten Situationen, etwa bei Kandidaten, die für eine Herztransplantation in Betracht gezogen werden, oder bei solchen, die im jungen Alter an Herzinfarkt oder Herzinsuffizienz erkrankt sind, sollte auch in Urinproben nach der Droge gesucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #767798
Cryonix
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 19:57

Die E-Zigarette mal wieder...

Die jetzt auch schon für’s Dabben herhalten muss. Und hat damit soviel gemein, wie Milka-Schokolade durch Eindicken des Melkproduktes besonderer, lilafarbiger Milchkuhrassen gewonnen wird.

Gar Nichts!

Dabben ist das schlagartige Verdampfen eines hochkonzentrierten extrahierten Cannabisprodukts, WAX oder sogar von Kristallen (THC > 80…90%++) an einem glühend gemachten Metallplättchen in einer Art Wasserpfeife. Der entstehende Dampf wird unmittelbar tief inhaliert.

Wirkungseintritt wesentlich tiefer und schneller, als infundiertes Propofol Schlaf erzeugt!

E-Zigarette? Totale Fehlanzeige!
LNS

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