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Brandenburger sind häufiger krankgeschrieben als Berliner

Mittwoch, 22. Januar 2020

/dpa

Berlin – Der Krankenstand unter Beschäftigten in Berlin ist 2018 auf das Bundesniveau von 5,1 Prozent gesunken. In Brandenburg stiegen die Arbeitsausfälle leicht auf 5,9 Pro­zent an. Das geht aus dem heute vorgestellten, fünften landesübergreifenden Gesund­heits­bericht für Berlin und Brandenburg hervor, der Daten von gesetzlich Krankenver­sicherten aus den Jahren 2017 und 2018 analysiert.

So fielen Erwerbstätige der Region Berlin-Brandenburg im Durchschnitt an rund 20 Arbeitstagen (5,4 Prozent) des Jahres 2018 krankheitsbedingt aus. In den vergangenen zwei Jahren hatten sich die Ausfalltage in Berlin schrittweise dem Bundesdurchschnitt angeglichen. Bis 2016 war eine steigende Tendenz der Krankheitstage unter Berliner Beschäftigten zu beobachten gewesen.

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Für Brandenburg verzeichnet der Report demgegenüber weiter eine Steigerung: von 5,7 Prozent im Jahr 2016 auf 6,2 Prozent der Arbeitszeit 2018. Daniela Teichert, Vorstands­vorsitzende der AOK Nordost, erklärte sich dies bei der Vorstellung des Berichts heute in Berlin mit häufigeren chronischen Erkrankungen der Brandenburger.

Wie auch in den vergangenen Berichten stehen in beiden Regionen die Muskel-Skelett-Erkrankungen als Ursache für Arbeitsunfähigkeit an erster Stelle. In Berlin waren sie mit 363 Fehltagen pro 100 Beschäftigten häufiger als psychische Krankheiten (339 Krankmel­dungen pro 100 Erwerbstätige) und Krankheiten des Atmungssystems (324).

In Brandenburg sind muskuloskelettale Probleme deutlich häufiger für die Ausfälle ver­ant­wortlich: Im Jahr 2018 kamen auf 100 Beschäftigte 534 Fehltage aufgrund dieser Er­krankungsgruppe. Mit 394 Tagen lagen Krankheiten des Atmungssystems an zweiter Stelle. Psychische Erkrankungen bedingten 345 Krankschreibungen pro 100 Beschäftigte.

Krankenstand in einigen Branchen besonders hoch

Im Branchenvergleich der Krankentage belegten Mitarbeiter des „Gesundheits- und Sozial­wesens“, wie bereits in Statistiken der vergangenen Jahre, den vierten Platz. Mit 5,7 Prozent lagen sie dabei oberhalb des Landesdurchschnitts. Berufe in der „Wasserver­sorgung, Abwasser und Abfallentsorgung“ vermerkten die höchsten Krankenstände (8,5 Prozent), gefolgt von Beschäftigten der „Öffentlichen Verwaltung, Verteidigung und Sozialversicherung“ (7,6 Prozent) sowie von „Verkehr und Lagerei“ (6,3 Prozent).

Besonderes Augenmerk widmete der diesjährige Bericht der psychischen Gesundheit von Beschäftigten. Laut der Analyse waren 2018 psychische Erkrankungen ursächlich für über 50 Prozent der Erwerbsminderungsrenten (siehe Grafik) in Berlin. In Brandenburg waren sie mit fast 40 Prozent ebenfalls häufigster Grund.

Als Diagnosen dominierten depressive Episoden (in Berlin 85 Krankentage pro 100 Be­schäftige, in Brandenburg 98 Tage) sowie Belastungs- und Anpassungsstörungen (79 Aus­falltage in Berlin auf 100 Erwerbstätige, in Branden­burg 94 Arbeitstage). Auffällig war, dass besonders Frühverrentungen auf psychische Belastungen und Verhaltensstörungen zurückgeführt werden konnten.

Auch gab es in den Berufsgruppen im „Gesundheits- und Sozialwesen“ mehr Fehltage auf­grund psychischer Erkrankungen als in vielen anderen Branchen. Pro 100 Beschäftig­ten wurden in Berlin an 425 Tagen Krankmeldungen dieser Gruppe verzeichnet, in Bran­denburg an 467 Tagen. Nach „Öffentlicher Verwaltung, Verteidigung und Sozialversiche­rung“ (mit 651 Krankentagen in Berlin und 567 Tagen in Brandenburg) belegten die Gesundheits- und sozialen Berufe hier den zweiten Platz.

Eine Balance aus Leistung und Gesundheit

Betriebliche Gesund­heits­förder­ung fokussiere sich bisher auf die Prävention körperlicher Erkrankungen, meinte die Berliner Senatorin für Gesundheit, Dilek Kalayci (SPD), bei der Präsentation heute.

Sie wünschte sich, dass besonders in der Pflegebranche Betriebe Arbeits- und Gesund­heits­schutz zusammen denken und weiterentwickeln würden. „Die Arbeitgeber müssen offene Augen und Ohren haben, wenn es um die Belastung ihrer Mitarbeiter geht“, sagte die Senatorin.

Dem pflichtete Teichert von der AOK Nordost bei. Sie forderte die Führungskräfte von Be­trieben dazu auf, frühzeitig die Angebote der Versicherungen und Koordinierungs­stellen der Länder zu nutzen. Betriebliches Gesundheitsmanagement sei keine Selbstverständ­lichkeit, sagte sie. Es gebe jedoch Modelle, die psychische Belastung zu erfassen um kon­krete Hilfestellungen bieten zu können. Davon profitieren letztlich alle, sagte Teichert.

Dass Frauen häufiger aufgrund von psychischen Erkrankungen der Arbeit fernblieben als Männer, stellte Kai Uwe Bindseil heraus, einer der Herausgeber der Studie. Der Manager vom Cluster Gesundheitswirtschaft Berlin-Brandenburg sah hier einen möglichen Ansatz für präventive Maßnahmen. Im Hinblick auf die betriebliche Gesund­heits­förder­ung sagte er: „Jeder Arbeitgeber muss an der Verbesserung interessiert sein“. Denn: „Der Wirt­schafts­­region geht es immer nur so gut wie den Beschäftigten, die hier leben und arbeiten“.

Versicherte der Barmer diesmal nicht miterfasst

Der zweijährlich erscheinende Gesundheitsbericht wird vom Cluster Gesundheits­wirt­schaft Berlin-Brandenburg herausgegeben. In deren Auftrag hatte das Forschungs­institut IGES die Daten von fünf Krankenkassen sowie der Deutschen gesetzlichen Unfallversi­che­rung und der Deutschen Rentenversicherung für die Jahre 2017 und 2018 untersucht.

Damit wurden für den Report 68 Prozent der gesetzlich Versicherten statistisch erfasst. Der letzte Bericht aus dem Jahr 2017 hatte noch 87 Prozent mit einbezogen. Die Daten der Barmer standen für die aktuelle Analyse nicht zur Verfügung. © jff/aerzteblatt.de

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