NewsÄrzteschaftBotzlar sieht keine Existenzberechtigung für Heilpraktiker
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ärzteschaft

Botzlar sieht keine Existenzberechtigung für Heilpraktiker

Mittwoch, 22. Januar 2020

Andreas Botzlar /picture alliance, Robert Schlesinger

München – In der Diskussion um die Zukunft des Heilpraktikerberufs hat der Vizepräsi­dent der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer, Andreas Botzlar, von der Politik klare Entschei­dungen gefordert. „Wenn man es genau nimmt, gibt es für Heilpraktiker keine wirkliche Existenzberechtigung“, sagte Botzlar.

Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, den Beruf auf den Prüfstand zu stellen. Nach Ansicht des Kammervize ist es nicht zeitgemäß, dass Heilpraktiker um­fangreiche Möglichkeiten haben, Patienten zu behandeln, ohne dass für diesen Beruf eine geregelte Ausbildung vorgeschrieben wäre.

Anzeige

Heilpraktiker müssen zwar eine Prüfung beim Gesundheitsamt ablegen, Voraussetzung für die Anmeldung ist aber nur das Mindestalter von 25 Jahren und ein Hauptschulab­schluss. Etliche Gesundheitspolitiker wollen die jetzigen Regeln ändern, die bis ins Jahr 1939 zu­rück­reichen. Union und SPD haben in ihrem Koalitionsvertrag festgelegt, sie wollten „das Spektrum der heilpraktischen Behandlung überprüfen“.

Als Grund nennen die Koalitionspartner die Patientensicherheit. Die hält auch eine Gruppe von Wissenschaftlern verschiedener Fachrichtungen namens Münsteraner Kreis für gefährdet, wenn sich an den Regeln für den Heilpraktikerberuf nichts ändert. Christian Weymayr, der zum Münsteraner Kreis gehört, hält es für eine „große Gefahr“, dass Patien­ten, die zu Heilpraktikern gehen, „auf sinnvolle Therapien verzichten“.

Aller Kritik zum Trotz erlebt der Heilpraktikerberuf aber geradezu einen Boom, gerade in Bayern. Nach Daten des Landesgesundheitsamtes hat sich die Zahl der Heilpraktiker im Freistaat in den vergangenen 15 Jahren mehr als verdoppelt, auf zuletzt 23.283.

Damit liegt ihre Zahl mehr als doppelt so hoch wie die der Hausärzte. Bundesweit gibt es keine genauen Zahlen, Berufsverbände gehen von 60.000 Beschäftigten in Heilpraktiker-Praxen aus. Private Schulen werben für eine Ausbildung in einem „Traumberuf“.

Die Berufsverbände sehen sich auch durch den Zuspruch vieler Patienten bestätigt. Nach einer Umfrage des Bunds Deutscher Heilpraktiker aus dem Jahr 2017 gehen jeden Tag rund 128.000 Deutsche in eine Heilpraktikerpraxis.

Viele private Krankenversicherer übernehmen die Behandlungshonorare. Bei einem Groß­teil der Beamten beteiligt sich auch die staatliche Beihilfe an den Kosten. Und auch eini­ge Krankenkassen erstatten Heilpraktikerrechnungen, obwohl das im Leistungskatalog der gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung (GKV) eigentlich nicht vorgesehen ist. Sie regeln das über die eigene Satzungsleistung.

Heilpraktiker weisen Kritik zurück

Der Vorsitzende des Heilpraktikerverbandes Bayern, Wolfgang Hegge, weist die Warnun­gen vor einer Gefährdung der Patientensicherheit zurück. Seiner Ansicht nach bemühen sich die Berufsverbände um möglichst hohe Qualität.

So betreibt sein Verband in München eine eigene Schule, die eine dreijährige Ausbildung mit 3.000 Stunden anbietet. Kostenpunkt: rund 12.000 Euro. Anders als bei anderen Ins­tituten würden Lehrpläne der Josef-Angerer-Schule vom bayerischen Kultusministerium kontrolliert, betont Hegge: „Das ist auch ein Qualitätskriterium der Ausbildung.“

Kritiker des Heilpraktikerberufs wie Weymayr vom Münsteraner Kreis halten es aber für abwegig, von Qualität zu reden, wenn Methoden wie die Iris-Diagnostik auf dem Stun­den­plan stehen, bei der aus der Netzhaut von Patienten Rückschlüsse auf die Gesundheit gezogen werden.

Weymayr kritisiert, die deutsche Gesundheitspolitik messe mit zweierlei Maß. Auf der einen Seite werde in der GKV bei Medikamenten und Therapien berechtigterweise immer stärker auf Wirksamkeitsnachweise gepocht, gleichzeitig werde der Alternativmedizin in solchen Fragen aber großer Spielraum gelassen. „Kein Wirtschaftspolitiker dürfte eine Wahrsagerin beschäftigen, um Entscheidungen zu treffen. Im Gesundheitswesen dürfen das Politiker aber schon“, ärgert sich Weymayr.

Und Botzlar von der Lan­des­ärz­te­kam­mer findet, Deutschland könnte sich beim Thema Heilpraktiker durchaus an Österreich orientieren: „Da ist das Kurpfuscherei und strafbar.“ Er erwartet aber keine einschneidenden Änderungen durch die Gesundheitspolitik. Denn die Angebote von Heilpraktikern seien bei vielen Patienten beliebt. „Und die Patienten sind ja auch Wähler, mit denen es sich Politiker nicht unbedingt verscherzen wollen“, sagt Botzlar.

Bayerns Ge­sund­heits­mi­nis­terin Melanie Huml (CSU) will sich nicht vorwerfen lassen, die Politik rede einzelnen Interessengruppen nach dem Mund. Die Vereinbarung des Koaliti­ons­vertrages, wonach der Rechtsrahmen des Heilpraktikerberufs auf den Prüfstand kom­men soll, werde umgesetzt, sagt sie. Aber sie ergänzt auch: „Ich erlebe viele Heilprakti­ker, die sehr verantwortungsvoll mit ihrem Beruf umgehen.“

Der Vorsitzende des Heilpraktikerverbandes Bayern, Wolfang Hegge, ist durch solche Aus­sagen der Ge­sund­heits­mi­nis­terin nur zum Teil beruhigt. „Der Druck hat zugenommen“, sagt er. Aber auch er ist sicher, dass die Heilpraktiker von ihren Patienten verteidigt wer­den. Er halte es da mit einem Kollegen, der ihm schon vor langer Zeit einen Rat mitgege­ben habe, erzählt Hegge: „Sie müssen sich keine Sorgen machen, es bestimmen letztlich die Füße des Patienten.“ © dpa/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 27. Februar 2020, 21:25

Überdosierungsfragen

"Niemand regt sich wegen Vitamin C auf - solange das nicht grammweise infundiert wird!"
Dazu: Erstens regt sich jemand auf, immer die Scientisten und Skeptiker im Ärzteblatt, die sich immer über Naturheilverfahren und Homöopathie etc. aufregen - und nie über Chemiepampe, die zu 1000en Mitmenschen umbringt. Wie sprach z.B. Prof. Götzsche (Cochrane): 100.000e Tote durch psychiatrische Drugs in den letzten Jahren weltweit?
Link zu einem Interview mit ihm:
"http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=20992

Zweitens braucht man sich da auch nicht aufzuregen, denn grammweise Vit. C i.V. ist eine feine Sache, hilft gut und ist relativ nebenwirkungsarm, wenn man einige Kleinigkeiten beachtet. Auch deshalb wird es jetzt punktuell gegen Corona-Infektionen eingesetzt.
Hier die entsprechenden Studien über die (Hoch)Wirksamkeit:
http://www.orthomolecular.org/resources/omns/v16n09.shtml
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 25. Februar 2020, 22:45

@Mitdenker

... und war der HP in der Lage, die Folgen seiner Überdosierung von 3-BP zu erkennen oder zu behandeln? Der hat nicht mal gewusst, wieviel von dem Zeug er seinen todkranken Patienten verabreicht hat!
Es ist ja der Skandal, dass sich HP in den Kreis der Erlaubnisträger nach §13b AMG "hineingemogelt haben. Wahrscheinlich mit Verweis auf Kräutertees und selbstgemixte Vitaminkombinationen... da dachte niemand daran, WIE sich HP die Teilhabe zurechtbiegen würden.
Es ist ja dummerweise legal - und saugefährlich.
Wie immer- selektive Wahrnehmung: Niemand regt sich wegen Vitamin C auf - solange das nicht grammweise infundiert wird!
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 25. Februar 2020, 07:59

S. Rex und sein Feldzug gegen die Heilpraktiker...

...wird aus seinem letzten Beitrag deutlich. Es ist immer wieder frappierend zu erkennen, um was es eigentlich geht. Schmähungen und die Vernichtung des Berufsbilds der Heilpraktiker als lästige Konkurrenz. "Danke" für den ehrlichen und offensichtlichen Beitrag.

Dazu: "Es ist kein Zufall, dass im Zusammenhang mit den Todesfällen bei der Anwendung von 3-BP der Heilpraktiker nur wegen der ungeeigneten Waage belangt wurde."
Nun, offenbar war kein anderer Rechtsverstoß im Raum, auch wenn das S. Rex unangenehm aufstösst; schade gell? 3-Bromopyruvat ist auch nicht auf seinem Mist gewachsen, sondern wurde vorher in kleineren Studien und anderweitig bereits verwendet und war nicht verschreibungspflichtig. Sogar die Staatsanwaltschaft hat betont, dass er die Substanz verwenden durfte.

"Heilungsversprechen"? "Betrug"? Aha, S.Rex überlegt schon, wie er der Heilpraktikerschaft weiterhin schaden kann und meint dies mit juristischen Winkelzügen erreichen zu können. Aber er liegt falsch, wenn ich z.B. jemand 400mg Vit. E gegen seine Schmerzen rezeptiere, ist das natürlich keinesfalls ein Heilversprechen, auch wenn man es gerne so hindrehen möchte. Und schon gar kein Betrug, denn es gibt Studien und wissenschaftliche Fachartikel, die eine Positivwirkung möglich bzw. wahrscheinlich erscheinen lassen. Auch Apotheker geben in ihren Apotheken entsprechende Hinweise und Empfehlungen, aber gegen diese Berufsgruppe würde S. Rex natürlich nicht so gerne vorgehen...
Achso, nur ein Facharzt soll z.B. 400 mg Vit. E verschreiben dürfen, das ich nicht lache. Dann möche ich S. Rex mal in einer Apotheke sehen und der Diskussion mit dem Pharmazeuten, dass er Betrug am Kunden durch seinen Verkauf begehen würde, zuschauen. Kabarett wäre nichts dagegen.

Zur Vitamin C-Therapie beim Coronavirus noch einige hochinteressante Hintergrund-Infos:
https://healthimpactnews.com/2020/more-vitamin-c-studies-approved-in-china-to-fight-coronavirus-therapy-censored-in-u-s/
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Sonntag, 23. Februar 2020, 13:29

§13 (2b) AMG und das Geschäftsprinzip der orthomolekularen Therapie

Zur Erklärung der entscheidende Satz aus dem AMG: „Einer Erlaubnis nach Absatz 1 bedarf ferner nicht eine Person, die Arzt oder Zahnarzt ist oder sonst zur Ausübung der Heilkunde bei Menschen befugt ist, soweit die Arzneimittel unter ihrer unmittelbaren fachlichen Verantwortung zum Zwecke der persönlichen Anwendung bei einem bestimmten Patienten hergestellt werden.“

Der §13 Abs. 2b des AMG ist ein Ermächtigungsparagraf, der es z.B. einem Arzt ermöglicht bei einem austherapierten Patienten oder einem Patienten mit einer seltenen Erkrankung eine individuelle Therapie jenseits der üblichen Leitlinien auszuprobieren. Außerdem hilft dieser Paragraf bei der Einführung neuer Therapien.

Wenn §13 (2b) zur Anwendung kommt, handelt es sich um off label Therapien. Wir Ärzte sind darauf konditioniert bei einer off label Therapie immer zu hinterfragen, wie belastbar ist die Indikation, wie riskant sind mögliche Kontraindikationen, welche Risiken und Wechselwirkungen müssen wir beachten? Zu einer off label Therapie gehören auch immer besondere Pflichten bei Aufklärung und Dokumentation. Beim Beispiel intravenöses Vitamin C wird z.B. in der Onkopedia explizit auf zwei Kontraindikationen hingewiesen: das Risiko einer Hämolyse bei Patienten mit Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenasemangel und das Risiko einer Oxalatnephropathie bei eingeschränkter Nierenfunktion. Das bedeutet eine gute Verträglichkeit bei Beachtung der Kontraindikationen ist nicht das Selbe wie das Fehlen von Risiken und Nebenwirkungen. Offensichtlich müssen einige Personen noch sehr an ihrem Sprachverständnis arbeiten.

Bei all den hier aufgeführten Beispielen zur orthomolekularen Therapie gibt es eine große Gemeinsamkeit. Nahrungsergänzungsmittel befinden sich außerhalb des Geltungsbereichs des AMG. Die Orthomolekulare Therapie verwischt die Grenzen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzeimitteln. In der Argumentation von MITDENKER werden Nahrungsergänzungsmittel zu Arzneimitteln umdeklariert. Bei Fertigarzneimitteln gilt §29 (2a), welcher die Neuzulassung regelt. Unter Missbrauch der Grauzone des §13 (2b) werden klassische Nahrungsergänzungsmittel ohne zusätzliche Prüfungen zu Arzneimitteln umdeklariert und Heilungsversprechen gegeben. In Einzelfällen mag dies sogar ohne Schaden für den Patienten funktionieren. Die Umgehung des sonst üblichen Zulassungsprozesses führt dazu, dass Indikation, Kontraindikation, Wechselwirkungen, NNT, NNH und Behandlungskosten für einen gewünschten Effekt nicht wirklich geklärt werden. Der Missbrauch des §13 (2b) führt zu Heilungsversprechen, die nicht oder ungenügend durch vorherige Überprüfungen gedeckt sind. Für Heilpraktiker ist dies ein neues und großes Geschäftsfeld ohne lästige Konkurrenz. In meinen Augen ist dies Betrug am Patienten. Es ist kein Zufall, dass im Zusammenhang mit den Todesfällen bei der Anwendung von 3-BP der Heilpraktiker nur wegen der ungeeigneten Waage belangt wurde.

Wenn sich die Koalition ernsthaft mit der Rolle der Heilpraktiker beschäftigen möchte, dann sollte sie sich unbedingt und zuallererst um §13 (2b) AMG kümmern. Die bisherige Formulierung ist das Ergebnis erfolgreicher Lobbyarbeit der Heilpraktiker und eines parlamentarischen Betriebsunfalls, wie er nun mal vorkommen kann. Wenn dieser Absatz des AMG überarbeitet wird, dann sollte er dahingehend verschärft werden, dass bei der Anwendung am Menschen ein Facharzt vorgeschrieben wird (die Aufklärungs- und Dokumentationspflichten bei einem off label use würde ich einem Assistenzarzt nicht zumuten). Angesichts der Heilpraktikerdichte in Bayern erwarte ich Widerstände von einigen Hinterbänklern aus der CSU. Andererseits ergibt sich aus dem regelhaften Missbrauchs des §13 (2b) auch die Möglichkeit einer Normenkontrollklage anderer Institutionen.

Ich möchte mich bei MITDENKER ausdrücklich dafür bedanken, dass er mit seinen Beiträgen so nachdrücklich auf dieses Defizit der bestehenden Gesetzeslage hingewiesen hat.
Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 23. Februar 2020, 01:18

@Mitdenker

Lesen hilft - aber bitte den ganzen Post und nicht nur die passenden Zeilen...
S. Rex bezog sich auf parenterales Vitamin C in mehrhundertfacher Standarddosis. Das ist wiederum mit möglichen Risiken verbunden, die nur unzureichend erforscht sind. Und mögliche unerwünschte Effekte zu erkennen und ggfs auch zu behandeln - das muss ein Ärzt machen, weil ein Heilpraktiker das nicht kann!
Wenn ein Arzt so etwas macht und Probleme nicht erkennt oder behandelt, haftet er - während Heilpraktiker nicht verpflichtet sind, über Risiken aufzuklären, die sie selbst nicht zu kennen brauchen (kurios - aber wo keine Kunst, da kein Kunstfehler - HP-Patienten sind im Zweifel selber schuld)
Der Wunderheiler aus Kleve wurde ja nicht etwa verurteilt, weil er eine gefährliche und unwirksame Behandlung durchführte, sondern weil er eine ungeeignete Waage(!) verwendet hat!
Avatar #759489
MITDENKER
am Samstag, 22. Februar 2020, 09:11

Seine Lobbyarbeit macht S. Rex...

... macht er ausführlich und sehr offensichtlich. Kernthese seines letzten Postings: "Eine Supplementierung ist nur bei Mangelzuständen erforderlich, was selten genug der Fall ist. Zusatzeffekte bei hoher Dosierung gehören in die Hand eines Pharmakologen und Facharztes und nicht in die Reichweite von Heilpraktikern."
Aha, und was was ist eine "hohe Dosierung"? Wenn ich z.B. wahrnehme, dass ein Facharzt gegen z.B. Arthrose-Schmerzen lediglich Diclo verordnet, der Patient damit unglücklich ist und ich ihm deshalb 500mg Vit. E empfehle, dann wäre das ausschließlich die Angelegenheit des Facharztes? Und unter - sagen wir mal - 100 mg nicht? Es darf gelacht werden, denn diese (und höhere) Dosierung kann man auch ohne Rezept von irgendjemand im Supermarkt und in der Apotheke kaufen. Nein, werter Rex, so etwas gehört "in die Reichweite" des Patienten und vor allem in die "Reichweite von Heilpraktikern". Der Gesetzgeber sieht das aus guten Grund anders als die lobbyarbeitenden Skeptiker und ärztliche HP-Gegner.

Also drehen wir das Argument mal um: Die orthomolekulare Therapie macht meistens (nicht immer) mehr Sinn und ist nebenwirkungsärmer als die ärztlichen Standardverschreibungen bei div. Indikationen. In unserem Beispiel kann diese therap. Vorgehensweise das vorzeitige Ableben unseres Patienten durch innere Blutungen verhindern und die Schmerzen lindern.
Und - wir Heilpraktiker sind ja nett und kollegial und fordern nicht, dass derartige Patienten ausschließlich in die Reichweite von Heilpraktikern gehören. Trotz Hundertausender Toter jährlich durch ärztliche Behandlung(sfehler), wie ein Arzt auf seiner Webseite offenherzig verdeutlicht:
http://www.praxiskuepper.de/content/politik-und-medizin/iatrogene-_-vom-arzt-verursachte-krankheiten/

Kleiner Auszug aus dem überaus interessanten Link:
"6/7 der 700 Millionen Behandlungen in Deutschland schaden nur oder es gibt bessere Alternativen, so Dr. Reuther (und er kennt die Homöopathie und Ernährungsmedizin nicht) 90% erhalten ein Medikament unbegründet für 3 von 9 besteht keine Indikation 37 % der über 65 jährigen schlucken Tabletten , die für Ältere ungeeignet sind. Alles hilf-und sinnlose Therapien einer vermeintlich wissenschaftlich begründeten Medizin."

Dem ist wenig hinzu zu fügen, ausser: "Wer im Glashaus sitzt, sollte das permanente Steinewerfen unterlassen".
Oder christlicher argumentiert:
"„Warum siehst du den Splitter im Auge deines Bruders, aber den Balken in deinem Auge bemerkst du nicht?“ (Matthäus)
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 20. Februar 2020, 00:14

Verstehendes Lesen und Zeit für das Kleingedruckte

sind notwendige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Literaturarbeit.

Fangen wir an mit der geplanten chinesischen Studie. Aufgrund der aktuellen Situation in China stehen dort die Ärzte mit dem Rücken zur Wand und versuchen Therapieoptionen, deren Evidenz noch lange nicht gesichert ist: „Among patients with sepsis and ARDS, patients in the high-dose vitamin group did not show a better prognosis and other clinical outcomes.“

Die Verwendung von hochdosiertem Vitamin C bei onkologischen Patienten ist zuallererst eine Umwidmung einer bekannten Substanz. Anstatt mit niedrigen Dosen einen Mangel auszugleichen, werden hier bei hoher Dosierung zusätzliche Wirkungseffekte genutzt. In diesem Kontext wird auch in der von MITDENKER zitierten Onkopedia auf Kontraindikationen und Interaktionen verwiesen. Das bedeutet aber auch, eine derartige Indikationserweiterung für eine spezielle Patientengruppe muss fachärztlich begleitet werden und hat nichts in den Händen von Heilpraktikern zu suchen. Dass Substanzen in unterschiedlichen Konzentrationen unterschiedliche Wirkungen haben, ist klassische Pharmakologie und hat mit orthomolekularer Therapie wenig Gemeinsamkeiten.

Der von MITDENKER zitierte PNAS-Artikel zum Thema Vitamin B12 und Alzheimer beschäftigt sich mit einer interessanten Fragestellung und präsentiert einen möglichen Wirkmechanismus. Bei diesem Artikel liegt der Pferdefuß im Interessenskonflikt des Letztautors (das ist in der Regel der Arbeitsgruppenleiter), dieser hält mehrere Patente für diese Indikation. Anderen Arbeitsgruppen war es jedenfalls nicht vergönnt, den Effekt in dieser Stärke zu reproduzieren, wie ein Reviewartikel zu dieser Thematik zeigt:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29255909
Und auch hier gilt, sollte sich ein belastbarer pharmakologischer Effekt zeigen, dann müssen Indikation, Kontraindikation, Wechselwirkungen und Nebenwirkungen abgewogen werden und dann gehört diese Therapie in die Hand eines Facharztes.

Was dagegen die spezielle Seite zu Vitamin B12 betrifft:
https://www.vitaminb12.de/mangel/demenz/
Hier reicht ein Blick in das Impressum (Verein zur Förderung ganzheitlicher Gesundheit) sowie die Äußerung: „Unsere Inhalte dienen rein informativen Zwecken und ersetzen nicht die Beratung / Behandlung durch einen Arzt oder Heilpraktiker.“ um zu erkennen, dass mit dem Begriff Doktoren nicht unbedingt Ärzte gemeint sind und dass es sich bestenfalls um eine sehr subjektive Sekundärquelle handelt.

Langer Rede kurzer Sinn, Orthomolekulare Therapie hört sich medizinisch an, ist es aber nicht. Eine Supplementierung ist nur bei Mangelzuständen erforderlich, was selten genug der Fall ist. Zusatzeffekte bei hoher Dosierung gehören in die Hand eines Pharmakologen und Facharztes und nicht in die Reichweite von Heilpraktikern.

Alle therapeutischen Interventionen kann man letztendlich mit wenigen Sätzen beschreiben: Man braucht die number needed to treat (NNT) für den gewünschten Effekt. Man braucht die number needed to harm (NNH) für unerwünschte Effekte. Und man kann in Abhängigkeit von der NNT die Kosten berechnen, um einen gewünschten Effekt zu erreichen (z.B. ein Jahr Überleben in der Krebstherapie). Dies dient einfach nur dazu, verschiedene Behandlungsoptionen vergleichbar zu machen und hat nichts mit Ideologie zu tun.

RCT’s sind aufwendig und nervig, sind aber bei allen Fragestellungen, wo Placeboeffekte eine Rolle spielen unvermeidbar. Überall, wo Störfaktoren eine wichtige Rolle spielen und NNT und NNH empirisch bestimmt werden sollen, geht es nicht ohne RCT. Es geht auch nicht darum, dass ich überall RCT einfordere, sondern es geht darum, dass ich eine strukturierte und logische Denkweise einfordere. Das beinhaltet, dass zur Klärung einer Fragestellung die dafür geeigneten Hilfsmittel verwendet werden. Ca. 90% meiner Argumentation hier zielt darauf ab, dass die Alternativmedizin sich wissenschaftlicher Hilfsmittel bedient, die für diese Fragestellung ungeeignet sind. Die restlichen 10% zielen auf die inneren Widersprüche der alternativmedizinischen Methoden und auf die methodischen Grundlagen der jeweiligen Verfahren.

Gerade was die Homöopathie betrifft, es müssen nicht hunderte RCT mit Tausenden Teilnehmern sein. Es gibt in Wissenschaftsgeschichte Einzelexperimente, die für Jahrzehnte wegweisend waren. Dazu gehörte z.B. das Michelson-Experiment. Danach war klar, dass die klassische Physik unvollständig ist und die Grundlage für die moderne Physik wurde gelegt:
https://de.wikipedia.org/wiki/Michelson-Morley-Experiment

In Analogie dazu wäre eine experimentelle Bestätigung einer Unterscheidbarkeit von Hochpotenzen so wie in der GWUP-Auslobung vorgeschlagen ein echter Beweis einer der beiden Säulen der Homöopathie, nämlich der Potenzierung:
https://www.gwup.org/ausschreibungsunterlagen
Obwohl die Ausschreibung seit knapp zwei Jahren läuft und nur noch 70 Tage für die Anmeldefrist verbleiben, hält sich das Interesse an Bewerbern in Grenzen und es hat noch niemand erfolgreich abgeschlossen. So lautstark die Vertreter der Alternativmedizin beim Anpreisen ihrer Methode sind, so leise werden sie, wenn sie die Möglichkeit hätten, dies in einem harten experimentellen Rahmen zu beweisen.

Was hat diese ganze Diskussion mit dem o.g. Artikel zu tun? Lt. Koalitionsvertrag ist es vorgesehen, den Beruf des Heilpraktikers auf den Prüfstand zu stellen. Für diese Überprüfung brauchen die Beteiligten Informationen, z.B. womit beschäftigen sich Heilpraktiker? Wie viel Heilkunde, wie viel Wellness und wie viel pseudoreligiöser esoterischer Unfug ist damit verbunden? Wie hoch ist die naturwissenschaftliche und medizinische Kompetenz der Heilpraktiker? Wie reformwillig und wie reformfähig ist der Berufsstand der Heilpraktiker? In dieser Diskussionsrunde gibt es zahlreiche Beiträge von Heilpraktikern, die deren Selbstbild klar verdeutlichen. Wer in der Lage ist, etwas zwischen den Zeilen zu lesen, kann sich für die o.g. Fragen ein einigermaßen rundes Gesamtbild erarbeiten.

PS: Die regionale Ungleichverteilung von Heilpraktikern hatte ich schon angesprochen. Das ist nur eine unbewiesene Hypothese, aber die Dichte der Heilpraktiker passt nicht nur zur finanziellen Situation in der jeweiligen Region, sondern auch zu konfessionellen Ungleichverteilungen. Die katholische Kirche hat wegen ungelöster Probleme (Pädophilie bei Priestern, Zölibat, Rolle der Frau etc.) mit einer Reihe von Kirchenaustritten zu kämpfen. Ist es vorstellbar, dass ein Teil der Klienten bei Heilpraktikern keine medizinische Behandlung braucht sondern nur eine Ersatzreligion? Dass psychosomatische Beschwerden nur Ausdruck einer Glaubenskrise sind? Wenn der Heilpraktiker die Rolle eines Ersatzpriesters übernehmen soll, ist eine naturwissenschaftliche Orientierung des Heilpraktikers kontraproduktiv. Schließlich gibt es neben den ca. 43 000 Heilpraktikern noch zusätzlich ca. 15 000 Geistheiler in Deutschland die alle ihre Kundschaft haben und offensichtlich von ihren Einnahmen ganz gut leben können. (Der folgende Artikel aus der Welt ist nicht nur als Quelle für diese beiden o.g. Zahlen sondern auch wegen des ganzen Artikels interessant):
https://www.welt.de/gesundheit/article154994909/Zum-Arzt-Viele-vertrauen-heute-ihrem-Heiler.html
Avatar #103488
KuhnJ
am Dienstag, 18. Februar 2020, 20:57

Die Mehrheit der Vitamin-C-Anwender ...

... sind keine ärztlich gut begleiteten Tumorpatienten, die an Studien teilnehmen, sondern gesunde Menschen, die präventiv etwas für sich tun wollen. Für diesen Personenkreis ist diese Metastudie einschlägig: https://academic.oup.com/advances/article/8/1/27/4566587
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 18. Februar 2020, 15:30

Gefahr?

@Wilhelm: Ok, nicht uninteressant, jedoch eine Einzelmeinung und noch dazu Forschung an Zellkulturen. Naja, da bekäme ich noch keine Angst, denn die Mehrheit der Vit.C-Anwender hat sehr gut Erfahrungen damit, man siehe auch hier:

Vitamin C
Selbst bei der Einnahme extrem hoher Dosen Vitamin C (z.B. 18 g/Tag, p.o.) steigt der Vitamin-C-Plasmaspiegel nur auf maximal 220 bis 240 µmol/l (3,9–4,2 mg/dl). Demgegenüber werden bei der intravenösen Applikation von 10 g oder 50 g Vitamin-C-Peakwerte von etwa 6.000 µmol/l bzw. 14.000 µmol/l erreicht. In-vitro-Studien haben gezeigt, dass Vitamin-C-Plasmaspiegel über 1000 µmol/l auf Tumorzellen zytotoxisch wirken, ohne normale Zellen zu schädigen. Dabei spielt das Wasserstoffperoxid (H2O2), dessen Synthese von Vitamin C induziert wird, eine zentrale Rolle, denn H2O2 ist in der Lage, Krebszellen selektiv zu vernichten [7–10].
Quelle:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2014/daz-13-2014/vitamine-c-und-d-selen-und-carnitin
Avatar #760158
wilhem
am Dienstag, 18. Februar 2020, 12:20

Oder man liest solch eine Studie!

https://www.welt.de/gesundheit/article4355556/Die-dunkle-Seite-des-Vitamin-C.html
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 18. Februar 2020, 12:12

Despektierlichkeiten

@Rollkragen: Die Anmerkung ist nicht ganz substanzlos. Ja, mich nerven Zeitgenossen, die die Realität auf die doppelblinde, randomisierte, prospektive, peer-reviewed Studie verkürzen.
Nichtsdestotrotz kommt man an Studie nicht vorbei und sie sind eine Möglichkeit des Erkenntnisgewinns. Aber eben nur eine u. mit dem Bewußtsein der Beschränkungen dieses Instruments.
Und Evidenzbasierte Wissenschaft ist mehr als die RCT's, das dürfte sich herum gesprochen haben.
Und wenn jemand - wie S.Rex - der sich überaus wissenschaftlich gibt, noch nicht mitbekommen hat, was mit Vit.C-Infusionen erreicht werden kann, dann zeigt das die realitätsverkürzende Einstellung der Skeptiker.
Hier noch einige Anwendungsbeispiele u. Studien dazu:
https://www.klinik-st-georg.de/vitamin-c-hochdosiert-hilft-bei-krebs/

und:
https://www.onkopedia.com/de/onkopedia/guidelines/vitamin-c-hochdosiert/@@guideline/html/index.html
Avatar #737432
Rollkragen
am Dienstag, 18. Februar 2020, 08:05

Coronavirus

@ Mitdenker
Seltsam, Sie schreiben stets despektierlich von "Scientisten" und "evidenzb(l)asiert", verweisen jedoch wie hier beim Coronavirus auf eine klinische Studie, die erst zeigen muss, ob die Vitamin C-Infusionen tatsächlich wirksam sind, ob es also Evidenz für diese Therapie gibt. Dafür gelten anerkannte wissenschaftliche Regeln und Prinzipien, so wie es sie auch für die von Ihnen angewandten Verfahren Homöopathie etc. geben muss. Binnenkonsens reicht dafür nicht aus..
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 18. Februar 2020, 00:42

Vitamin C in China - Corona-Virus

Tja, die Chinesen sehen vieles anders als unser evidenzb(l)asierter S. Rex. "Für den Notfall" reicht eben nicht die ausgewogene Mischkost:

Vitamin C Infusion for the Treatment of Severe 2019-nCoV Infected Pneumonia
https://clinicaltrials.gov/ct2/show/NCT04264533

Damit hat er Recht:
" Ich schreibe hier in meiner Freizeit und sehe keinen Sinn darin, für Denkfaule die Arbeit der Literaturrecherche zu erledigen."
Deshalb - selbst nachrecherchieren!

Trotzdem, für Interessierte einige Hinweise zur Wirksamkeit von B-Vitaminen bei Demenz/Alzheimer:

https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Vitamin-B12-beugt-moeglicherweise-Alzheimer-vor-282163.html

https://www.pnas.org/content/early/2013/05/16/1301816110

Und lassen wir weitere Doktoren zu Wort kommen:
https://www.vitaminb12.de/mangel/demenz/
(die Orig.-Quellen stehen dort unter dem Artikel, damit nicht wieder jemand meckert, weil er zu faul zum suchen ist)
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 18. Februar 2020, 00:33

Verschleiern, Verdrehen, Verleugnen...

... all dies ist man von MITDENKER mittlerweile gewohnt. Da ist sein letzter Beitrag keine Ausnahme.

Orthomolekulare Therapie hat nur auf den ersten Blick etwas mit Medizin zu tun. Ja, der menschliche Körper ist auf bestimmte Vitamine und Mineralstoffe angewiesen. Und ja, es gibt einige wenige Indikationen, wo eine Supplementierung notwendig ist. Wer sein Geld für Nahrungsergänzungsmittel zum Fenster hinauswerfen will, darf dies natürlich auf eigene Verantwortung tun. Aber ein echter Vitamin/Nährstoffmangel ist wesentlich seltener als die Verfechter der Orthomolekularen Therapie behaupten. Wenn eine Supplementierung erforderlich ist, sollte dies unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, um parallel die Ursache des Mangels zu ergründen, in der Regel erfordert dies diagnostische Ressourcen, über die ein Heilpraktiker nicht verfügt. Die hochdosierte Gabe von Vitamin C ist oral nicht möglich, deshalb auch in früheren Diskussionen der Aufschrei seitens der Heilpraktiker, wenn es um das Verbot von i.v.-Therapien für Heilpraktiker geht. Die Haltung der Schulmedizin dazu ist eindeutig. Für den Normalfall reicht eine ausgewogene Mischkost. Übrigens sind wir hier nicht bei der Bild-Zeitung, wenn anekdotisch Studien zu Alzheimer und Vitamin B12 in den Raum geworfen werden, gehört es zum guten Ton dies mit Originalquelle zu versehen. Ich schreibe hier in meiner Freizeit und sehe keinen Sinn darin, für Denkfaule die Arbeit der Literaturrecherche zu erledigen.

Und wieder versucht MITDENKER mit einer Metaanalyse eine spezifische Wirksamkeit der Homöopathie zu beweisen. Wenn die Anhänger der Homöopathie über einen Rest an Selbstreflektion verfügen würden, würden sie sehen, dass hier das Studiendesign der Metaanalyse zweckentfremdet wird, um erstens schnellstmöglich Abstand zu den zweifelhaften Rohdaten zu gewinnen und zweitens aus vielen kleinen Pseudoevidenzen eine große Pseudoevidenz zu berechnen. Weder sind es seltene Krankheiten, welche homöopathisch behandelt werden, noch sind die Globuli exorbitant teuer. Es gibt viele Einzelstudien mit Stichprobengrößen zwischen 20 und 40, und dann gibt es Metaanalysen. Was fehlt sind saubere Einzelstudien mit ordentlichen Stichproben oder ggf. für seltenere Fragestellungen Multizenterstudien.
Mit der Problematik des Studiendesigns bei Homöopathie hatte ich mich bereits in früheren Diskussionsrunden beschäftigt:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/104596/Koalitionspolitiker-uneinig-ueber-Erstattung-homoeopathischer-Mittel
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/107261/Bayerischer-Landtag-fuer-Homoeopathiestudie
Einer Frage geht Prof. Hahn übrigens komplett aus dem Weg: Gibt es bei der Frage der Wirksamkeit der Homöopathie Unterschiede zwischen Publikationen in konventionellen wissenschaftlichen Zeitschriften und alternativmedizinischen Zeitschriften? Wenn ja (was als sehr wahrscheinlich anzunehmen ist), dann zeigt dies ein erhebliches publication bias. Daraus folgt die nächste Frage, ist die Qualität in alternativmedizinischen Zeitschriften geringer, einfach weil die Reviewer aufgrund des Binnenkonsens innerhalb des Journals weniger streng bei Defiziten der eingereichten Arbeiten sind? Wird diese Frage mit Ja beantwortet, dann sind Metaanalysen automatisch vom Tisch, weil diese Methode nur bei Rohdaten ohne systematischen Fehler anwendbar ist.

Wenig überraschend ist der Versuch von MITDENKER das eigene Methodenspektrum schönzureden. Über Homöopathie wurde schon ausreichend gesprochen. Eine Fußreflextherapie mag für den Patienten eine kurzzeitige Linderung bringen, ist aber dem Wellnessbereich zuzuordnen. Überhaupt scheint MITDENKER in der Grauzone zwischen Physiotherapie, Wellness und Scharlatanerie (der Hinweis auf das Psiram-Gütesiegel war als deutlicher Hinweis gedacht) seine Nische gefunden zu haben. Solange die Kunden privat dafür zahlen, ist dagegen nicht einzuwenden, nur mit Heilkunde hat dies nicht mehr viel zu tun. Ich würde ja gern etwas mit MITDENKER lachen, aber wenn ich sehe, in welcher pseudowissenschaftlichen Blase er sich verbarrikadiert hat, bleibt mir das Lachen im Halse stecken...
Avatar #759489
MITDENKER
am Sonntag, 16. Februar 2020, 16:37

Gruselkabinett? Es darf gelacht werden

Das "Gruselkabinett" der Alternativmedizin animiert unseren übergroßen Saurier einmal mehr zum Rundumbiss auf alle bewährten alternativmedizinischen Methoden. Danke dafür, dass S. Rex nur die nebenwirkungsreichen u. oft genug unwirksamen Methoden der Schulmedizin gelten lässt. Nun könnte ich - mit etwas Aufwand - seine Ausführungen leicht auseinander nehmen, aber dann droht wieder der Vorwurf der Vielschreiberei. Also dann in aller Kürze und exemplarisch:

Prof. Hahn zeigt deutlich auf, was es mit den angeblichen Negativstudien zur Homöopathie auf sich hat:
https://www.narayana-verlag.de/spektrum-homoeopathie/wissenschaftlicher-beitrag-beweise-fuer-die-homoeopathie

Orthomolekulare Therapie als "pseudomed. Methode" zu bezeichnen zeigt eigentlich schon auf, was hier gespielt wird: Die Hochjubelung des Unwissens u. der Ignoranz in der Tarnung der Wissenschaftlichkeit. Orthomolekulare Therapie ist schon seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Schulmedizin, hier ein kleiner - offenbar nötiger - Nachilfeunterricht:
1. Folsäure und B12 (B-Vitamine) in der Schwangerschaft
2. Eisengaben bei Eisenmangel
3. Calcium und Vit.D bei Osteoporose
4. Magnesium....(man schaue selbst für was das gut ist)
5. Carotinoide bei Makula-Degeneration
etc. etc.
Nur ein kleines, aber typisches Beispiel:
"Vor wenigen Jahren publizierten Forscher der Universität Oxford eine Studie zu M. Alzheimer. Die Patienten erhielten hochdosiert Vitamin B12. Kernspintomographische Untersuchungen zeigten ein siebenfach langsameres Fortschreiten der Hirnatrophie im Vergleich zur Plazebogruppe. Erstaunlicherweise wird dieses sensationelle Ergebnis weder in der Fachpresse diskutiert, noch wird in der Laienpresse darüber berichtet."

Fussreflextherapie wirkt wunderbar schnell bei vielen Erkrankungen (v.a. Bewegungsapparat-Schmerzen), diese Erfahrung durfte ich seit Jahrzehnten immer wieder machen.
Die große deutsche GERAC-Studie hat für die Scheinakupunktur alleine eine doppelt so gute Wirkung ergeben wie Orthopäden-Behandlung PLUS Physiotherapie (korrekte Akupunktur war noch besser). Und da kommen immer wieder diese Scientisten und Pseudoskeptiker daher und wollen alles schlecht reden. Sollen die davon profitierenden Patienten stattdessen lieber "Chemie" schlucken? Offenbar. Da stellt sich mir die Frage: WER PROFITIERT DAVON?
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 13. Februar 2020, 22:27

Das Gruselkabinett der Alternativmedizin

Homöopathie: „eine pseudowissenschaftliche Methode“
https://www.psiram.com/de/index.php/Homöopathie

Orthomolekulare Therapie: „eine... pseudomedizinische Methode“
https://www.psiram.com/de/index.php/Orthomolekulare_Medizin

Fußreflextherapie: „eine pseudomedizinische Behandlungsmethode“
https://www.psiram.com/de/index.php/Fußreflexzonenmassage

Akupunktur: „eine Methode aus ... der TCM, ... obwohl keine über den Placeboeffekt hinausgehende Wirksamkeit nachgewiesen werden konnte.“
https://www.psiram.com/de/index.php/Akupunktur

Gerson: Gerson-Diät als Diät für Tuberkulose und Krebs
https://www.psiram.com/de/index.php/Gerson-Diät

Budwig: Budwig-Diät als Krebsdiät
https://www.psiram.com/de/index.php/Johanna_Budwig
https://www.psiram.com/de/index.php/Öl-Eiweißkost

Physio-Techniken, Massagen, Elektrotherapie sind ohne genauere Angaben der Methodik und der Indikation nicht beurteilbar, ob ihr Einsatz im Rahmen einer physiotherapeutischen Behandlung sinnvoll ist oder nicht. Bei allen anderen verwendeten Methoden und Vorbildern hat MITDENKER sich wirklich nur auf die beschränkt, welche das „Psiram-Gütesiegel“ besitzen.

Was die Literaturquelle zur Hömöopathie betrifft, bei genauerem Durchlesen bleibt nur etwas heiße Luft übrig. Von 71 RCT werden 62 ausgeschlossen, 9 bleiben übrig. Die RCT mit der höchsten statistischen Signifikanz ist die berüchtigte Frass-Studie zur Sepsis und dort ist P=0,043, also knapp unter der üblichen Irrtumswahrscheinlichkeit von 5%, und das bei jeweils 35 Patienten in der Verum- und Placebo-Gruppe. Jeder Statistiker würde hier einen Lachanfall bekommen...

Was die Quelle zu den Leitlinien betrifft, so habe ich Zweifel, ob MITDENKER seine eigene Quelle wirklich gelesen hat. Genau mit dem Ziel die Leitlinien zu objektivieren, wurde der Prozeß der Leitlinienentwicklung gestartet. Die Schulmedizin hat hier ihre Hausaufgaben gemacht, ganz im Gegensatz zur Alternativmedizin. Genau dafür, dass sich historische Ereignisse wie mit Semmelweis nicht wiederholen, dafür gibt es Leitlinien. Der Weg von der Eminenzbasierten Medizin zur Evidenzbasierten Medizin ist bisweilen schmerzhaft, deshalb führt an Leitlinien auch kein Weg vorbei.
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 13. Februar 2020, 15:19

S. Rex und der "Ritualtherapeut"

S. Rex ist wieder einmal bemüht, seine fantastische Idee vom "Ritualtherapeuten" unters Volk zu bringen. Nein, werter Rex, die Homöopathie wirkt nun einmal ÜBER PLACEBO, von daher gibt's da ständige Gegenwehr, auch wenn das die Scientisten-Gemeinde das fälschlicherweise immer wieder unters willige Journalistenvolk posaunt. Beleg:
https://www.homoeopathie-online.info/ergebnisse-von-original-rcts-mit-individueller-homoeopathie-und-hochpotenzen-im-vergleich-zu-placebo-und-standard-therapien/

Und die Heilpraktiker therapieren in der Regel nicht nur mit Homöopathie, sondern - wie auch ich - mit Physio-Techniken, orthomolekularer Therapie, Fußreflextherapie, Akupunktur, Massage, Elektrotherapie etc., wofür die Evidenzlage gut bis sehr gut ist. Da nützen S. Rex langatmigen Elaborate auch wenig.

Die Kritik an den Leitlinien stammt nicht von uns, sondern kommt sowohl von Ärzten als auch von anderen beteiligten Fachgruppen:
https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2016/05/10/wieviel-evidenz-steckt-in-leitlinien

Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 13. Februar 2020, 00:52

Sturm im Wasserglas

Ein Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer ist nicht die Person, welche über die Zukunft des Berufsstandes der Heilpraktiker entscheiden wird. Dafür ist der Gesetzgeber zuständig. Aber es ist ein Testballon zur aktuellen Stimmung und ein Versuch, die Protagonisten aus der Reserve zu locken. Die Reaktion der Wutbürger ließ nicht lange auf sich warten, dabei haben sich die Wutbürger wirklich die größte Mühe gegeben, alle bestehenden Vorurteile in Bezug auf den Berufsstand des Heilpraktikers zu bestätigen.

Ja, Ärzte tun sich schwer damit, Heilpraktiker als Teil des Gesundheitssystems zu akzeptieren. Das hat vor Allem damit zu tun, dass seitens der Heilpraktiker massiv Etikettenschwindel betrieben wird. Dort wo Heilkunde draufsteht, sollte auch Heilkunde drin sein. Wenn sich Heilpraktiker ausschließlich mit Naturheilkunde im engeren Sinn (Phytotherapie, milde Physiotherapien etc.) beschäftigen würden, wäre all dies kein Problem. Sehr wohl ein Problem ist das Sammelsurium an esoterischen alternativen Verfahren, die sich sowohl einer wissenschaftlichen Erklärung als auch einer Bestätigung ihrer klinischen Evidenz widersetzen. Das fängt schon mit der Ausbildung an, praktisch jede Heilpraktikerschule hat in ihrem Curriculum Angebote wie Irisdiagnostik, Schüsslersalze, Homöopathie etc. Das setzt sich fort mit der Weigerung der Heilpraktiker sich mit den naturwissenschaftlichen Grundlagen ihrer Tätigkeit auseinanderzusetzen. Das ist auch kein Problem der Neuzeit, bereits in einem DÄ-Artikel von 2011 wurde diese Problematik dargestellt:
https://www.aerzteblatt.de/archiv/85221/Schulmedizin-versus-Naturheilverfahren-Hauptsache-pflanzlich

Da ist es auch wenig hilfreich, wenn ein Nichtdenker mit geballtem Einsatz von Whataboutismen versucht, vom Kern des Problems abzulenken, dieser Forist zeigt eindringlich, wie wissenschaftsfern ein Großteil der Heilpraktiker in dieser Frage ist und dass eine eigene Auseinandersetzung der Heilpraktiker mit dem esoterischen Unfug im eigenen Tätigkeitsspektrum auch in zwanzig Jahren nicht zu erwarten ist.

Ein Vizepräsident der Bayerischen Landesärztekammer kann die Gesetze nicht ändern, aber er kann eine Diskussion anstoßen, die sich mit den rechtlichen Rahmenbedingungen der Berufsausübung der Heilpraktiker beschäftigt. Egal ob Homöopathie, Irisdiagnostik, Schüsslersalze oder Geistheilung, all dies sind verschiedene Varianten einer ritualisierten Zuwendung. Der Beruf des Heilpraktikers ist ein freier Beruf und kann nicht einfach abgeschafft werden, auch hier gelten die Prinzipien des Bestandsschutzes. Aber die Rahmenbedingungen können und müssen hinterfragt werden. Dies fängt an mit der Berufsbezeichnung, der ganze esoterische Hokuspokus ist keine Heilkunde, deshalb sollte der Berufsstand in Ritualtherapeut umbenannt werden. Nur dort wo ausschließlich echte Naturheilkunde drin ist, wäre die Bezeichnung Heilpraktiker weiterhin legitim. Und es geht weiter mit dem Tätigkeitsspektrum. Bisher gab es nur eine kurze Negativliste mit Verboten. Nach den Erfahrungen z.B. mit alternativen Krebstherapien wäre es sinnvoller, sich auf eine Positivliste mit erlaubten Behandlungen zu beschränken, wobei individuell das Tätigkeitsspektrum durch zertifizierte Zusatzausbildungen erweiterbar sein sollte.

Streng genommen schaden sich die Heilpraktiker mit ihrer Haltung selbst. Gerade beim Thema Homöopathie gibt es schon lange heftige Diskussionen. Wenn die Anhänger der Homöopathie dies als spezielles Ritual mit starker Placebowirkung akzeptieren würden, stünde einer Integration in die Schulmedizin nichts entgegen. Die Placebowirkung ist wissenschaftlich akzeptiert und bewiesen. Für die Berechnung der Wirksamkeit (numbers needed to treat=NNT) könnte man eine Interventionsgruppe mit einer Nichtinterventionsgruppe vergleichen. Dies entspricht sicher auch den Alltagserfahrungen der Hömöopathieanwender. In dem Augenblick, wo aber eine spezifische Wirksamkeit der Homöopathie postuliert wird, muss sich die Hömöopathiegruppe in einer verblindeten randomisierten placebokontrollierten Studie messen lassen, die NNT geht unter diesen Bedingungen gegen unendlich.

Warum also tun sich die Anhänger der Homöopathie (und all der anderen pseudowissenschaftlichen Therapien) so schwer damit, das Ritual als wirksames Agens anzuerkennen? Das hängt damit zusammen, dass ein Ritual bzw. Placebo am besten wirkt, wenn der Patient von der Wirkung überzeugt ist. Auch gibt es bei den Ritualtherapien einen kulturellen Aspekt, nicht jeder Patient ist für jedes Ritual empfänglich. Zusätzlich wird der Patient im Vorgespräch für das geplante Ritual konditioniert, deshalb benötigt eine homöopathische Anamnese auch relativ viel Zeit. Die Haltung des Behandlers zum Ritual erlaubt drei mögliche Kommunikationsstrategien. Erstens, der Behandler steht dem Ritual kritisch gegenüber und klärt den Patienten über die Rolle des Rituals auf, das wäre die sauberste Lösung, würde aber den Verzicht auf einen Teil des Placeboeffekts bedeuten. Zweitens, der Behandler steht dem Ritual kritisch gegenüber, verschweigt dies aber dem Patienten. Das wäre bei freundlicher Auslegung Beihilfe zum Selbstbetrug und bei unfreundlicher Auslegung eine Lüge. Dies würde das Vertrauensverhältnis zwischen Behandler und Patient gefährden und wäre deshalb nur für Ausnahmesituationen akzeptabel. Drittens, der Behandler belügt sich selbst und gibt all den Ritualen einen besonderen Sinn, indem ihnen ein bisher unverstandener spezifischer Wirkmechanismus angedichtet wird. Offensichtlich ist dies die einfachste und am häufigsten praktizierte Variante. Aus diesem Grund sollten auch Ärzte die Finger von der Homöopathie lassen, der Selbstbetrug ist gleichbedeutend mit Kontrollverlust in der Funktion als Lotse des Patienten und mit dem ärztlichen Berufsethos nicht vereinbar.

Noch ein paar Worte zum Thema Leitlinien. So abfällig wie sich einige Foristen aus der Heilpraktikerecke über Leitlinien äußern, zeigt dies, dass sie das Prinzip wissenschaftlicher Arbeitsweise nicht verstanden haben. Ich empfinde Leitlinien nicht als Gängelung, sondern als Bereicherung. Nur reproduzierbare und objektivierbare Daten können helfen, sich im Dschungel der verschiedenen Therapiemöglichkeiten nicht zu verirren. In den letzten Jahren haben Leitlinien in ihrer Struktur große Veränderungen durchgemacht. Moderne Leitlinien haben ein Verfallsdatum, damit neue Erkenntnisse regelmäßig integriert werden. Moderne Leitlinien machen Angaben zu den Interessenskonflikten ihrer Autoren, um die Einflussnahme der Industrie zu begrenzen. Moderne Leitlinien wichten ihre Aussagen in Abhängigkeit von der Belastbarkeit/Evidenz der zugrundeliegenden Daten. Die nächste Strukturänderung bei Leitlinien wird wahrscheinlich dahin gehen, dass dort die Einschlusskriterien der wichtigsten Studien thematisiert werden, damit besser sichtbar wird, für welche Patienten die Leitlinie anwendbar ist und für welche Patienten eine individualisierte Therapieentscheidung notwendig ist. Auch fehlt aktuell noch ein Hinweis, ob alle Bevölkerungsgruppen (Frauen, Kinder, bestimmte Ethnien, bestimmte Altersgruppen) in den zugrundeliegenden Studien hinreichend berücksichtigt wurden. Wie gesagt, Leitlinien sind noch nicht perfekt, auch werden sie zunehmend umfangreicher (eine Lang- und eine Kurzfassung ist fast überall üblich). Aber Leitlinien zeigen am deutlichsten den medizinischen Fortschritt der letzten Jahrzehnte.

Ich weiß, dass Psiram auf Heilpraktiker wie ein rotes Tuch wirkt, aber dort gibt es zwei Übersichtsartikel zum Thema Argumentationsweisen und Alternativmedizin, die aus meiner Sicht absolut lesenswert sind:
https://www.psiram.com/de/index.php/Rhetorik_der_Pseudomediziner_und_Vermarkter_zweifelhafter_Produkte
https://www.psiram.com/de/index.php/Alternativmedizin
Wenn sich Heilpraktiker mehr mit den methodischen und fachlichen Grundlagen ihres Berufs beschäftigen würden, dann müssten dies nicht andere für sie tun und dann könnte sich auch ein Herr Botzlar anderen Themen zuwenden.
Avatar #759489
MITDENKER
am Mittwoch, 12. Februar 2020, 11:40

Fortschritt ein Wert an sich?

Zu Strophantin habe ich eine überaus positive Einstellung, EGAL was irgendwelche Seiten dazu sagen. Meine Jugenderfahrung war: Ich hatte wochenlang heftiges Herzstechen, Hausarzt findet NICHTS, Heilpraktikerin (der ich anfangs misstraute, soll ja Hokuspokus sein) stellte klare Diagnose und gab mir Strophantus -, Problem innerhalb von 1-2 Tagen WEG. Jetzt bin ich über 60, NULL Herzprobleme, bei allerbester Gesundheit. Tja, jetzt wissen sie warum der junge Mitdenker auf die folgende Erkenntnis kam: DIE HEILPRAKTIKERIN WAR BESSER ALS DER NETTE HAUSARZT (sowohl diagnostisch als auch therapeutisch). Solche Schlüsselerlebnisse macht so manche(r).

Fortschritt:
Ist kein Wert an sich, warum soll man z.B. das Schröpfen neu erfinden, wenn es seit Jahrhunderten gut wirkt und einfach zu praktizieren ist? Schröpfglas-Vakuum erzeugen und draufsetzen. Fertig. Warum wirft da nie einer vor: "Da gab es keine Fortschritt!" (Naja, ok, die kleinen Pumpen an den Schröpfköpfen vielleicht)
Ausserdem gab es genug "Fortschritt" in der Hom. seit Hahnemann, wobei man da auch vermuten kann, dass das eine oder andere evtl. ein "Rückschritt" sei. Das erinnert an die verschiedenen Richtungen in der Psychotherapie, aber das ist wohl alles jetzt ein wenig "off topic".
Avatar #103488
KuhnJ
am Dienstag, 11. Februar 2020, 00:30

Strophanthin

@ Mitdenker:

Was genau wollen Sie mit dem Hinweis auf Strophanthin sagen? Ein verhindertes Wundermittel ist es nach derzeitigem Stand des Wissens nicht: https://www.medizin-transparent.at/strophanthin-das-verschwundene-herzmedikament/

Aber mehr würde mich interessieren, wie Sie den Hinweis von "Practicus" beurteilen, dass die Homöopathie "Schulmedizin" par exellence ist. Die Lehren von Hahnemann gelten bei klassischen Homöopathen bis heute, ebenso die von Kent bei spiritualistischen Vertretern der Homöopathie. Es gibt innerhalb dieser Schulen keinen Fortschritt. Sogar die Zahl der Schläge bei der Potenzierung wird einfach beibehalten, ohne dass Studien je verglichen hätten, wie oft man schlagen soll.

@ Naturfreund:

Wissenschaftliche Thesen werden nicht demokratisch entschieden, aber deswegegen gefährdet Wissenschaft nicht die Demokratie. Die korrekte Auskunft der Uhrzeit ist ja auch nicht "undemokratisch".
Avatar #759489
MITDENKER
am Sonntag, 9. Februar 2020, 17:59

"Schulmedizin" ?

Man mag die Verwendung des Begriffs kritisieren, jedoch drängt sich die Frage auf, welcher Begriff für die HOCHSCHULMedizin bzw. Mainstream-Medizin denn besser sei?
Die Anregung von Practicus nehme ich gerne an, denn das wäre eine wirklich spannende Diskussion wenn er sagt:
"Das suggeriert, die wissenschaftliche Medizin sei verschult, verknöchert, apodiktisch und fortschrittsfeindlich..."
VERSCHULUNG: Klar ist sie das, nennt sich Hochschule oder Universität; wer dort dem Herrn Professor widerspricht, dessen Karriere ist gefährdet. Weiß man doch alles.
APODIKTISCH: Auf jeden Fall, nennt sich Leitlinien. Wer daneben therapiert riskiert vor Gericht zu verlieren. Apodiktisch heisst "keinen Widerspruch duldend" - auf jeden Fall, merken wir hier bei den Kommentaren doch immer wieder, wenn die Scientisten aufjaulen, wenn man mal etwas neben den Mainstream argumentiert bzw. Kritik übt.
FORTSCHRITTSFEINDLICH: Naja, nicht durchgehend. Pharma-Innovationen sind ja gewünscht, wenn die Studienlage entsprechend ist (oder entsprechend gemacht wurde). Fortschrittsfeindlich war die Schulmedizin schon oft, siehe Bashing von Semmelweis, Gerson, Budwig, Dr. Kern; Bekämpfung von Homöopathie, Akupunktur, orthomolekularer Therapie und von Ärzten, die etwas neben dem Mainstream therapierten; knackiges Beispiel:
"1971 reiste Dr. Kern, der das orale Strophanthin 1947 entwickelt hatte, auf Einladung von Prof. Schettler nach Heidelberg - natürlich in der Hoffnung auf einen offenen Dialog mit einigen Fachkollegen. Obwohl im Interesse einer fairen Auseinandersetzung zwei Diskussionsleiter vereinbart worden waren, setzte Prof. Schettler den alleinigen Vorsitz von Prof. Wollheim durch. Dieser bügelte alle relevanten Wortmeldungen pro Strophanthin konsequent nieder.

Dr. Kern wurde schliesslich vor 150 Medizinern und der versammelten Presse als Scharlatan hingestellt. Kaum ein Mediziner traute sich danach noch, für das verpönte Strophantin einzutreten. Diese ungeheuerliche Veranstaltung ist Insidern bis heute als "Heidelberger Tribunal" bekannt."
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 8. Februar 2020, 02:21

"Schulmedizin"

allein diese Bezeichnung durch Anhänger der Homöopathie ist eigentlich ein genialer Werbetrick, genauso die "Erstverschlimmrung" als Beweis einer besonderen Wirksamkeit von "Hochpotenzen".
Das suggeriert, die wissenschaftliche Medizin sei verschult, verknöchert, apodiktisch und fortschrittsfeindlich... und "Hochpotenzen" auch besonders "hochpotent"!
Dabei ist wie schon mehrmals aufgeführt, besonders die Homöopathie eine "Schulmedizin", die Repertorsiation ist seit ihrer "Erfindung" unverändert, die "Arzneiprüfungen" oftmals geradezu bizarr und ausserordentlich subjektiv und halten selten der Nachprüfung stand, der Donner-Report enthält dazu viele Beispiele, die zwar 80 Jahre alt, aber - wen wundert das? - immer noch aktuell sind.
Wenn Sie, Naturfreund, sich darauf berufen, die "Schulmedizin" hätte Sie krank und die "Homöopathie" wieder gesund gemacht, dürfen Sie das ja gern glauben... aber ob Sie sich wirklich als Beispiel eignen, ist ohne nähere Kenntnis der Umstände nicht überprüfbar. Am Ende wird das ja der Pathologe klären...
Avatar #737432
Rollkragen
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 14:53

@B.Schmidt

Sie irren sich, HP dürfen mehr behandeln als Sie annehmen, zudem sollten Sie die Kommentare von Naturfreund und seinen Mitstreitern zu verschiedenen Artikeln, insbesondere auch Impfungen, lesen, um feststellen zu müssen, dass "Schulmedizin" und Ärzte verunglimpft werden. Es geht auch nicht um Naturheilkunde, die selbstverständlich einen Platz auch in der Medizin hat. Das Problem für Kommentatoren wie Mitdenker, Pro-Natur u.a. ist , dass Ihnen bei aerzteblatt.de überraschenderweise auch Ärzte widersprechen..
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 14:29

Dank auch B.Schmidt...

....für seine versöhnlichen Töne. Auch wenn Heilpraktiker natürlich Folgen von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Verletzungen behandeln dürfen und dabei gute Erfolge haben. Die Behandlungsverbote sind klar geregelt (Zahnbereich, Gynäkol. Erkrankungen, Geschl.-Krankheiten etc.).
Es fällt wohl auch vielen Ärzten nicht schwer zu kooperieren, jedoch den verbissenen Scientisten und Skeptikern hier im Forum geht es nur ums Schlecht-Machen/Diskreditieren; was zum Glück dem aufgeschlossenen Leser/in bereits aufgefallen sein dürfte.

Achja, zu Practicus: Freilich sind einige (nicht alle) von mir zitierten Studien etwas älter, aber das ist kein inhaltliches Argument gegen die Gültigkeit derselben. Viele große Studien sind immer noch gültig und bestimmen die heutige mediz. Sichtweise und Therapie (Framingham-Studie von 1948 etc.).

Zu KuhnJ:
Zu Kuhns Frage: "Aber was hat das alles damit zu tun, dass die alternative Krebsbehandlung im Vergleich mit seriöser Krebsbehandlung Menschenleben kostet?" die Antwort: Viel, denn wenn man ein bisserl logisch denkt, dann kommt man darauf, dass - wenn die Standardtherapie so wenig bringt (wie sie richtig ausführen) - das Scheinargument: DURCH HEILPRAKTIKER-THERAPIE WERDEN WICHTIGE UND RICHTIGE SCHULMED. THERAPIEN NICHT VORGENOMMEN deutlich weniger wiegt, wenn just diese Therapien nichts bringen und sogar extrem nebenwirkungsreich sind. Mit diesem volksverdummenden Skeptiker-Argument wird ja suggeriert, dass die "richtige schulmed. Therapie" stets hilfreich und gut sei. Abgesehen davon sind ca. 99% aller Schwerkranken vorher beim Schulmediziner bzw. parallel in Behandlung. Tja, viele fallen (noch) auf so einen argumentativen Unsinn herein.
Avatar #778771
B.Schmidt
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 13:47

@Rollkragen

Es geht doch gar nicht um Herzinfarkte, Schlaganfälle, Verletzungen, Infektionen u.v.m. Dies dürfen HPs ohnehin nicht behandeln! Warum fällt Ärzten das respektierende Miteinander so schwer? Es gibt doch sowohl für die Schulmedizin, als auch für Naturheilkunde eine Berechtigung - Nach mittlerweile 35 Jahren Schulmedizin in einer Klinik, weiß ich beide Seiten zu schätzen.
Avatar #737432
Rollkragen
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 11:09

Schulmedizin...

@Naturfreund
Werter Herr, schön, dass Sie mit alternativen Methoden so positive Erfahrungen gemacht haben. Sicherlich verzichten Sie gerne auf die "Schulmedizin" und die Behandlung durch "habsüchtige Mediziner" , wenn es bei Ihnen und Ihrer Familie um Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Verletzungen, Infektionen u.v.m. geht. Bleiben Sie einfach gesund!
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 00:16

Grundrechenarten

Wenn etwa die Hälfte aller Heilpraktiker in Bayern sitzen, dann passt dies nicht so recht zum Anspruch der Heilpraktiker versorgungsrelevant zu sein. Offensichtlich gibt es Gegenden in Deutschland, die hervorragend ohne oder mit wenigen Heilpraktikern auskommen. Im Gegensatz zum Ärztemangel war ein „Heilpraktikermangel“ noch nie Thema der öffentlichen Diskussion. Man muss kein Statistiker sein, um zu sehen, dass die Dichte der Heilpraktiker sehr wenig mit dem medizinischen Versorgungsbedarf zu tun hat, aber sehr viel mit der Schwere der Geldbörsen in der jeweiligen Region.
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 23:43

Ausgerechnet die UdSSR...

nicht ohne Grund begaben sich die "Granden" der Nomenklatura in westliche Krankenhäuser oder liessen die Spezialisten einfliegen (zB Cooley, deBakey)... Spezialität der Russen sind ja stets ganz geheime Therapien aus irgendwelchen geheimen Militärinstituten, die nur an einem einzigen Ort gegen unheimlich viel Geld durchgeführt werden können - gegen Krebs, Drogenabhängigkeit, Alkoholismus... dennoch gehören die Staaten der früheren SU zu den Staaten mit den meisten Drogentoten, Alkoholabhängigen, der kürzesten Lebenserwartung...
@Mitdenker: Ihnen ist aber schon aufgefallen, dass die von Ihnen zitierten Studien 23 bzw 28 Jahre alt sind?
Nur die Homöopathie und "Alternativmedizin" sind lernunfähig und verknöchert, die behandeln ihre Patienten noch genauso wie vor 50 oder 200 Jahren! Ich bin seit 40 Jahren Arzt, und in dieser Zeit haben sich 90% der Behandlungen erheblich verändert. Ich benutze Medikamente, Untersuchungs- und Behandlungsmethoden, die es vor 40 Jahren nicht mal als Idee gab, während Homöpathie und Akupunktur stolz darauf sind, seit 200 bzw 2000 Jahren nach den gleichen Methoden diagnostizieren und behandeln - und auch noch damit werben...
Avatar #103488
KuhnJ
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 22:05

Mitdenken!

@ Mitdenker:
Die 5-Jahresüberlebensraten bei Krebs liegen auch bei uns in ähnlicher Größenordnung. Dazu gäbe es viel zu sagen. Ebenso zur Chemotherapie. Hatte ich nicht gesagt, dass die Chemotherapie (übrigens nur eine von drei Standardbehandlungen bei Krebs, neben OP und Bestrahlung) nicht immer hilft und manchmal unnötig angewandt wird, z.B. am Lebensende? Halten Sie mir jetzt meine eigene Aussage vor?
Aber was hat das alles damit zu tun, dass die alternative Krebsbehandlung im Vergleich mit seriöser Krebsbehandlung Menschenleben kostet? Das interessiert Sie nicht, weil es nicht in Ihr Weltbild passt? Oder verstehen Sie nur nicht, dass das, was Sie sagen, damit nichts zu tun hat, weil das mit dem Mitdenken so schwer ist?

@ Naturfreund:
Ach Gott, was soll man dazu noch sagen?
Avatar #759489
MITDENKER
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 15:34

Sorry, hier das komplette Zitat

Im letzten Posting fehlte ein Satz, hier das komplette Zitat zur "Wirksamkeit" von Chemotherapie:

The 5-year relative survival rate for cancer patients
diagnosed in Australia between 1992 and 1997 was
63.4% (95% CI, 63.1e63.6) [30]. In this evidence-based
analysis, we have estimated that the contribution of
curative and adjuvant cytotoxic chemotherapy to 5-year
survival in adults is 2.3% in Australia and 2.1% in the USA
(Tables 1, 2).
These estimates of benefit should be regarded as the
upper limit of effectiveness, as some eligible patients do not
receive cytotoxic chemotherapy because of age, poor
performance status or patient choice. Also, as noted in
the text, the benefit of cytotoxic chemotherapy may have
been overestimated.
Avatar #759489
MITDENKER
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 15:31

Immer am lästern, aber leider keine Ahnung

Practicus ist zwar "gut" im Heilpraktiker-Bashing, aber ansonsten fehlt es doch an allen Ecken und Enden. Natürlich gibt es für den HP eine Aufklärungspflicht über mögliche Nebenwirkungen seiner Therapien. Selbstverständlich beachten Heilpraktiker das sog. Patientenrechtegesetz (Gesetz zur Wahrung der Rechte von Patientinnen und Patienten im BGB), aus dem sich eine ganze Reihe von Haupt- und Nebenpflichten ergeben. Hierzu gehören beispielsweise die gewissenhafte Behandlung und Sorgfaltspflicht, die Aufklärungspflicht, die Wahrung des Selbstbestimmungsrechtes der Patienten, die Dokumentationspflicht, die Aufbewahrungspflicht von Dokumenten sowie die Verschwiegenheitspflicht und der Datenschutz. Und das ist nur ein Auszug der gesetzlichen Pflichten.

Hier eine "Pflichtenauflistung":
http://heilpraktikerschule-schwerin-krampfer.de/gesetze-fuer-den-heilpraktiker/
und aus der Berufsordnung:
https://www.bdh-online.de/wp-content/uploads/2015/08/Berufsordnung-Heilpraktiker_2015_210x297_20150814.pdf

Lustig ist auch der Vorwurf, dass in HP-Praxen Sonografiegeräte stehen. Ja so ein Skandal!

Achja, das Rohrkrepiererthema schulmedizinische Krebstherapie hat sich schnell erledigt mit dieser Studie:
https://www.gesundheitsrebell.de/wp-content/uploads/2010/02/contribution-of-chemotherapy-to-five-year-survival-rate-morgan.pdf

Daraus zitiert:
The 5-year relative survival rate for cancer patients
diagnosed in Australia between 1992 and 1997 was
63.4% (95% CI, 63.1e63.6) [30]. In this evidence-based
analysis, we have estimated that the contribution of
curative and adjuvant cytotoxic chemotherapy to 5-year
survival in adults

Von daher könnte man zugespitzt vermuten, dass es vielleicht klug wäre mitunter die Standardtherapie zu vermeiden und zum HP zu gehen. (Womit ich mich nicht gegen die Tumor-Operation aussprechen will wie die Pfeifen von der Neuen Germanischen Medizin)

Wie sagt ein befreundeter Arzt von mir immer: "Klar hilft Chemotherapie - man lebt ca. 2-3 Monate länger und das schlechter".
(bezogen auf die Mehrzahl der Krebsarten)
Avatar #103488
KuhnJ
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 08:27

Der natürliche Tod

@ Naturfreund:

Sie mögen die medizinische Behandlung von Krebs als "Gift-Therapie" denunzieren. Richtig ist, dass Chemotherapie oft erhebliche Nebenwirkungen hat, nicht immer angezeigt ist und natürlich auch nicht immer hilft.

Aber man sollte auch sehen, dass die "natürlichen" Alternativen Menschenleben kosten. Wer bei Krebs auf Alternativmedizin setzt, hat ein höheres Sterberisiko: https://academic.oup.com/jnci/article/110/1/121/4064136 und https://jamanetwork.com/journals/jamaoncology/fullarticle/2687972. Das Sterberisiko ist dabei gerade bei den Krebsarten erhöht, bei denen medizinische Behandlungen erfolgversprechend gewesen wären.

Eine Analogie zum Verständnis: Bei schweren Verkehrsunfällen sterben dem Notarzt viele Unfallopfer unter der Hand weg. Auf die Idee, diese Verkehrstoten dem Notarzt in die Schuhe zu schieben und statt dessen Globuli zu empfehlen, ist gottseidank noch niemand gekommen. Das Ergebnis wäre gleich tödlich wie bei der alternativmedizinischen Krebsbehandlung.
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 4. Februar 2020, 23:15

@Naturfreund

Eine Untersuchung hat mal ergeben, dass Heilpraktiker*innen den aktuellen Stand der "Schulmedizin" meist nicht kennen und deren Wirksamkeit generell unterschätzen, während sie die Wirksamkeit der eigenen Therapien überschätzen.
Ich habe Patienten mit inoperablen Bronchialkarzinomen, die seit 2 bzw 5 Jahren in voller Remission sind, Darmkrebs im Stadium Dukes C mit Infiltration der Bauchmuskulatur, seit 10 Jahren ohne Rezidiv...
Klar, Chemotherapie ist die Kunst, den Tumor ganz und den Patienten möglichst nicht zu vergiften - und das funktioniert inzwischen ganz gut, jedenfalls viel besser als Sie glauben.
Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 4. Februar 2020, 20:47

@KuhnJ

Mitdenker schmeisst sich hier immer für seine Heilpraktikerkollegen in die Bresche. Beliebtes Argument: Wir machen keine Kunstfehler... das ist einer einfachen Tatsache geschuldet: Wo keine Kunst, da kein Kunstfehler... Gerichtlich festgestellt ist unter anderem: Einem HP kann kein Aufklärungsfehler vorgeworfen werden, weil er nicht über Umstände aufklären kann, die er nicht zu wissen braucht! Wer zu einem HP geht, tut das auf eigene Gefahr, HP haften nur in extremen Ausnahmefällen.
Ein HP muss lediglich die gesetzlichen Beschränkungen beachten - ansonsten dürfen HP praktisch alles: Irgendwelche Stoffe als Krebsmittel verabreichen (wenn sie eine geeignete Waage benützen), auch wenn die hochgefährlich sind, Honorare nach Gusto fordern (es gibt keine verbindliche Gebührenordnung), Laborwerte interpretieren ohne die Physiologie dahinter zu verstehen, EKGs schreiben und interpretieren, ohne zu wissen was sie da tun... Krebs anhand der Form der Leukozyten diagnostizieren und und und
Sogar Sonografiegeräte stehen in den Praxen...
Avatar #103488
KuhnJ
am Montag, 3. Februar 2020, 20:01

Mitdenken!

Ihr Vergleich mit dem Krankenpfleger hinkt auf drei Beinen. Krankenpfleger bekommen die Erlaubnis, diese Berufsbezeichnung zu führen, nur nach einer soliden dreijährigen Ausbildung. Diese Ausbildung vermittelt Kenntnisse, die sie für ihre Tätigkeit brauchen und was sie tun dürfen, was "Pflege" ist und was nicht, ist auch geregelt.

Heilpraktikter müssen keine Ausbildung haben, wenn sie sich eine Heilpraktikerschule gönnen, muss dort nicht vermittelt werden, was sie später tun und was sie tun, bleibt in weiten Bereichen ihnen überlassen.

Ein Fall wie der des Krankenpflegers, der seine Pfleglinge getötet hat, ist der Tatsache geschuldet, dass Menschen immer versagen können, egal wie gut ihre Tätigkeit reguliert ist. Die Fälle, in denen Heilpraktiker ihre Patienten getötet haben, sind meist der Tatsache geschuldet, dass sie nicht wissen, was sie tun.
Avatar #759489
MITDENKER
am Samstag, 1. Februar 2020, 23:15

Wirkungsloses Krebsmedikament

Oha, BG-Mun, noch nie gehört. Gleich mal ein wenig recherchieren. Hmm, hier kann man es offenbar noch beziehen (soll keine Aufforderung sein):
https://bg-health7.webnode.com/bg-mun/
Seltsame Geschichte, die Heilpraktikerin verkauft das Zeugs in ihrer Praxis, was m.E. sowieso nicht legal ist. Man hat Privatrezepte auszustellen u. den Patienten in eine Apotheke zu schicken. Wie man sieht, gibt es hier schon genügend beschränkende Gesetze, wenn sich jemand darüber hinweg setzt braucht es keine neuen, sondern eine entsprechende Verfolgung der Verstösse.
Eine "selbstkritische Reflexion" brauche ich hier nicht an den Tag zu legen, denn ich würde nie auf die Idee kommen so ein teueres Medikament zu verkaufen oder zu verordnen (das überlasse ich gerne der Schulmedizin und den finanzierenden Krankenkassen, eine zumeist wirkungslose Chemotherapie kostet um die 100.000 Euro).

Die Argumentation von KuhnJ & Co. ist nicht wirklich zielführend. Folgt man der Logik, müßte man z.B. Krankenpfleger "stärker regulieren", ich erinnere an den Typen, der unlängst ca. 100 Patienten absichtlich ins Jenseits befördert hat. Wo bleibt da der Aufschrei nach Einschränkung der Kompetenzen oder dem Verbieten von Krankenpflegern?
Avatar #103488
KuhnJ
am Samstag, 1. Februar 2020, 08:56

Gehaltsnachstellungen der Justiz

Im bayerischen Schrobenhausen geht in einem spektakulären Fall gerade der Staatsanwalt der Gehaltsfrage nach: https://www.donaukurier.de/lokales/schrobenhausen/wochennl052020-Auch-die-Heilpraktikerin-ist-in-U-Haft;art603,4474082. Dort wurde u.a. ein wirkungsloses Mittel gegen Krebs für 5.900 Euro pro Packung verkauft.

Zu solchen Fällen hört man von den Heilpraktiker-Verbänden in der Regel nichts, im Gegenteil, sie werden stets als "Einzelfälle" bagatellisiert. Ohne damit alle Heilpraktiker über einen Kamm scheren zu wollen - es gibt sicher auch viele, die ihre Grenzen kennen - die Zahl der schwarzen Schafe sollte nicht erst durch den Staatsanwalt reduziert werden. Es braucht andere Regularien und auch mehr selbstkritische Reflexion unter den Heilpraktikern.
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 22:08

Chris Göpferts Gehaltsvorstellungen

Toller Beitrag Herr Göpfert, das war ein erstklassiger Brüller. Heilpraktiker sollen mehr als Ärzte verdienen, wo haben sie denn das her? Und wenn dem so wäre - neidisch? Dann wäre das ein wirkliches LEISTUNGSGEHALT und keine Alimentierung durch die ges. Krankenkassen (egal obs hilft oder nicht), denn die allermeisten Patienten sind Selbstzahler.
Aber jetzt mal im Ernst: Die meisten HP-Praxen sind Nebenerwerbspraxen. Der Klassiker: Die Frau eines gut verdienenden Mannes möchte etwas dazu verdienen. Das geht, weil der Mann genug Kohle mit nach Hause bringt.
Bei den Ärzten schauts so aus:
https://www.spiegel.de/karriere/so-viel-verdienen-aerzte-rangliste-der-fachrichtungen-a-1162979.html
Bei den Heilpraktikern liegt das deutlich darunter:
https://www.gehaltsvergleich.com/gehalt/Heilpraktiker-Heilpraktikerin
Andere Info-Seiten sprechen von ca. 3000.- Brutto/mtl., das ist wirklich mager, also keinen Neid sondern bitte Schadenfreude.

Aber mit Fakten haben es die Heilpraktiker-Jäger ja nicht so...Trump lässt grüßen.
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 21:54

Unqualifizierter Bashing-Quatsch

Sorry, Herr Dr. Bertelsen, aber solche Aufrufe sind unqualifizerter Quatsch, zudem richtet sich ihr Angriff primär gegen einen ZahnARZT. Das war/ist er wohl primär.
Außerdem ist die Kritik wohl etwas lächerlich, was soll gegen "Amalgam herausbohren" so heftig zu sagen sein? Das machen inzwischen wohl die meisten Zahnärzte, hier ein Artikel dazu: https://www.gesund-vital.de/amalgam-fuellung-entfernen-oder-behalten
Und nicht vergessen: Offizielle Statistik für Deutschland (Weißbuch Patientensicherheit): ca. 20.000 Todesfälle pro Jahr durch Ärztepfusch in Krankenhäusern - Preisfrage: Wieviel kommen durch Fehlbehandlungen in den freien Praxen dazu?
Zu der kritisierten Frischzellenkur:
"Es wurde 1931 von dem Genfer Arzt und Sanatoriumsdirektor Paul Niehans (1882–1971) eingeführt. In den letzten Jahren hat diese Methode stark an Bedeutung verloren. In fast allen Ländern der Welt ist sie verboten." (Quelle Wikipedia)
Wir halten also fest: Diese Therapie wurde von einem Arzt "erfunden".
Weiterhin schreibt die Wiki dazu: "Im Jahr 2000 boten in Deutschland rund zehn Sanatorien diese Therapie an. Eine einwöchige Kur kostete damals bis zu 10.000 Mark. Die erhoffte Wirkung: Die jungen Zellen sollen im menschlichen Körper alte Zellen ersetzen und quasi Reparaturarbeiten übernehmen."
Aha, also in Sanatorien, da sind die Inhaber u. die dortigen Therapeuten wer? Richtig, fast nur Ärzte. Ich kenne auch keinen einzigen Heilpr.-Kollegen, der mit Frischzellen arbeitet (dürfte in D auch inzwischen verboten sein).
Fazit: Der kritische Dr. Bertelsen hat RECHT: STOPPT DEN IRRSINN! (leider hat er sich mit der richtigen Kritik in der Adresse geirrt)

Und DANKE an den Dr. Bertelsen, der einmal mehr aufzeigt, wie fundiert die Kritik an einem kollegialen Berufsstand im Gesundheitwesen ist...
Avatar #751406
Dr. Hans-Werner Bertelsen
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 16:27

Heilpraktiker-Irrsinn?

Ich habe in einer Zahnarztpraxis gearbeitet, dessen Inhaber auch die Lizenz zum heilpraktiken sein eigen nannte.

Es wurde viel gependelt, homöopathisch "behandelt", Knochen gefräst, Amalgam herausgebohrt (besonders bei Krebspatienten!) und nach Kräften injiziert.

Auch der alleinerziehenden Mutter von zwei Kindern, einer Asthmatikerin, wurde injiziert. Frischzellen - um eine "Immunantwort zu provozieren". Sie verstarb im Zahnarztstuhl.

Stoppt den Irrsinn:

https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/heilpraktiker-den-gegenwaertigen-irrsinn-nicht-laenger-hinnehmen-a-1163792.html
Avatar #810513
cthulhu
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 08:53

@ B.Schmidt

Mein abschließender Satz bezog sich auch nicht mehr direkt auf Ihren Kommentar, sondern auf den obigen Text. Haben Sie ihn gelesen?
Mit Weißdorn führen Sie ein schönes Beispiel für ein Phytopharmakon an, also klassische Naturheilkunde. Freilich: wo Sie Wirkung haben, ist auch Nebenwirkung garantiert. Diese muss ja nicht immer sicht- und spürbar sein. Auf die Gesamtverträglichkeit kommt es an.
Avatar #778771
B.Schmidt
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 14:25

@cthulhu

zu 1. Angst = beklemmendes, banges Gefühl, bedroht zu sein. So nehmen Heilpraktiker das Wettern lediglich einiger Ärzte( denn es gibt durchaus Ärzte, die das Wissen der Heilpraktiker nutzen) wahr. Kein Heilpraktiker will schwere Erkrankungen behandeln, die durch den Segen und die guten Methoden der Schulmedizin behandelt werden können. Auch da gibt es Richtlinien und Behandlungsverbote für HPs.
zu 2. Muss denn immer die neuste, nebenwirkungreiche Methode bei Beschwerden angewandt werden, die durch eine bewährte, nebenwirkungsfreie Therapie ebenso gut behandelt werden kann? (z. B. ist die Behandlung einer leichten Hypertonie z.B. mit Weißdorn genauso effektiv, wie der medikamentöse Eingriff in das RAAS)
zu 3. da kann ich gerade keinen Zusammenhang zu meinem Kommentar finden. Wieso reden Sie von Irisdiagnostik und Esoterik?
Avatar #810513
cthulhu
am Dienstag, 28. Januar 2020, 13:07

@B.Schmidt

1. Niemand hat Angst vor Heilpraktikern - wie kommen Sie darauf?
2. Das Wissen um historische Medizin mag ja vor alten Fehlern bewahren, anwenden sollte man jedoch lieber die neuesten und validierten Methoden. Schließlich wusste man "damals" noch nichts von Bakterien, Immunsystem, Säure-Basen-Haushalt oder Tumor-Antigene und musste sich auf Erfahrungen = Anekdoten verlassen.
3. Sie sprechen von Naturheilkunde. Diese gehört per Definition nicht zur Esoterik und wurde hier auch gar nicht kritisiert.
Irisdiagnostik dagegen, gehört natürlich nicht zur Naturheilkunde, sondern ist Esoterik = Fantasie.
Avatar #778771
B.Schmidt
am Dienstag, 28. Januar 2020, 12:32

Keine Angst vorm Heilpraktiker

Achje, diese Angst der Ärzte vor dem Heilpraktiker nimmt wohl kein Ende... Es wäre schön, wenn die Ärzte darüber nachdenken, woher sie kommen - nämlich aus der Erfahrungsmedizin, die über Jahrtausende weitergegeben wurde. Heute, in der evidenzbasierten Schulmedizin wissen die jungen Mediziner wohl gar nicht mehr, dass sich diese sich hieraus entwickelt hat.
Heilpraktiker WOLLEN gar keine Ärzte sein. Es gibt Regeln, an die sie sich halten müssen, auch wenn das immer wieder anders dargestellt wird. Die Naturheilkunde kann die Schulmedizin ergänzen und bereichern, warum wird es den Menschen nicht als ergänzende und unterstützende Therapie empfohlen??? Achja dafür gibt es ja keine DRG´s und ein OPS Code für Schröpfen ist mir auch nicht bekannt... Da kann die Abrechnung nicht erfolgen.
Avatar #808754
Pascal_Physiotherapeut
am Montag, 27. Januar 2020, 20:09

Heilpraktiker sind elementar

Wer war denn zuerst da, der Heilpraktiker oder die Schulmedizin? Die Antwort lautet übrigens der Heilpraktiker.
Wieso findet die Diskussion so eine Relevanz? Wissen die Mediziner denn nicht mehr was sie können? Der Heilpraktiker kann hervorragend als Komplementärmedizin angesehen werden. Wer sagt denn nicht, das eine schulmedizinisch austherapierte Rheumapatientin bei einem Heilpraktiker physikalische Anwendungen machen lassen kann, oder phytotherapie für die Aktivierung innerer Organe ? Kann das jemanden umbringen? Und zudem bietet der Heilpraktiker für Physiotherapeuten die Möglichkeit, eigenverantwortlicher zu arbeiten. Der Heilpraktiker gehört in das nichtstaatliche System, was bedeutet, das es für die Patienten das „i Tüpfelchen“ zur Hauptbehandlung ist. In der amtsärztlichen Überprüfung werden lebensbedrohliche Zustände geprüft. Es wäre absurd zu denken, das Heilpraktiker Patienten davon abhalten würden, sich bei Anzeichen einer Appendizitis nicht dem Arzt vorzustellen. Und achja irisdiagnostik; wieder schön verdreht, aber irisgranulome darf man diagnostizieren? Bitte überdenken
Avatar #43086
chris.goepfert
am Montag, 27. Januar 2020, 19:10

Wer braucht HeilpraktikerInnen?

Die Medizin gehört in ärztliche Hände, und diese müssen adäquat vergütet sein. Für HeilpraktikerInnen, die übrigens in der Gegend, in der ich arbeite ein Vielfaches eines Arztgehaltes verdienen, gibt es keine Existenzberechtigung. Alternative Behandlungen werden immer ihre Kunden finden. Aber es würde dann kein medizinisches Wissen vorgegaukelt. Bezeichnungen wie "Psychotherapie", "Zentrum", "Therapie" müssen klar definiert sein und medizinisch fachlich kompetenten Leuten vorbehalten bleiben. In Deutschland hat jeder die Möglichkeit Medizin zu studieren, wenn er oder sie die entsprechenden Voraussetzungen mitbringt und bereit ist, sich auf eine jahrelange qualifizierte Ausbildung einzulassen.
Avatar #810513
cthulhu
am Montag, 27. Januar 2020, 11:23

@Mitdenker

Ich bin etwas irritiert.
Zum einen schreiben Sie, "Neuskeptiker" (was ist das?) würden einem erzählen, man sei "auf einen Placebo-Effekt hereingefallen" und verlinken dann auf eben diese Skeptiker, die dort sehr schön zusammengefasst haben, was man derzeit darüber weiß.
Weder wird dort angedeutet, der Placebo-Effekt kann alles erklären (s. "Der natürliche Krankheitsverlauf selbst", "Regression zur Mitte", "Fluktuationen bei chronischen Beschwerden", "Andere Behandlungen und Veränderungen der Lebensumstände" und "Die innere Einstellung des Patienten zu den Beschwerden", noch empfinde ich es als "Dauerplattheit", nur auf dessen Existenz und Einfluß hinzuweisen.

"... ich bevorzuge Therapien die wirksamer sind als Placebos ..."
Nun, dann wären Sie der erste Heilpraktiker, von dem ich höre, daß er kein "Abrakadabra" anbietet.
Ich habe da so meine Zweifel.

PS: haben Sie denn schon mal einen Patienten mit Migräne geheilt? Also dauerhaft und zweifelsfrei von den Kopfschmerzattacken befreit?
Avatar #79783
Practicus
am Sonntag, 26. Januar 2020, 01:30

@Pro-Natur

Das machen Strahlentherapeuten tatsächlich: Die sogenannte "Radiosynoviorthese". Anstatt die Gelenkinnenhaut bei rheumaischen Fingergelenkentzündungen chirurgisch zu entfernen, wird diese durch eine lokale Bestrahlung zerstört. Das funktioniert auch bei Knie- Hüft- Schulter- und Sprunggelenken und kann Gelenkersatzoperationen um viele Jahre hinausschieben. Durch die Verödung der Gelenkinnenhaut wird der Patient schmerzfrei und die Gelenkfunktion bleibt erhalten.
Die Reichweite und die Dauer der Strahleneinwirkung läßt sich sehr genau steuern, die Nebenwirkungen sind gering, Spätfolgen der Strahlenexposition sind minimal.
Die Risiken einer langjährigen Behandlung mit NSAR sind tendenziell größer.
Natürlich ist Ihnen unbenommen, zur Befriedigung einer irrationalen "Strahlenangst" lieber Schmerzen und den Verlust der Greiffunktion Ihrer Hände hinzunehmen - aber die vorgeschlagene Behandlung ist durchaus rational und sicher.
Avatar #759489
MITDENKER
am Samstag, 25. Januar 2020, 23:49

cthulhu und Placebos

Mich absichtlich missverstanden? Offenbar. Natürlich ist der Placebo-Effekt bei einer Behandlung immer dabei, das ist banal. Vor allem bei einer schulmed. Behandlung von einem Autorität ausstrahlenden Arzt. Der Witz dabei ist: Die Therapie hilft trotzdem viel zu oft NICHT. Trotz nachgewiesener (mitunter getrickster) Wirksamkeit UND Placebo-Effekt. Sonst würden die Patienten nicht so oft bei einem Heilpraktiker vorsprechen; denn VORHER waren sie zu 95% bei einem Arzt.

Mit "egal" meinte ich ganz pragmatisch, dass es dem Patienten nicht so wichtig ist, was genau wie geholfen hat, der Placebo-Effekt oder die Therapie-Wirksamkeit (über Placebo). Intellektuell-Analytisch mag das interessant sein, auch für mich als Behandler, denn ich bevorzuge Therapien die wirksamer sind als Placebos, denn sonst liegen meine Therapieerfolge bei den üblichen ca. 30-35%, das ist mir zu wenig. Dazu kommt, dass es genug Krankheitsbilder gibt, bei denen Placebos wenig bis nichts helfen, aber das geht hier wohl etwas zu weit bzw. zu sehr ins Detail. Man bedient hier lieber von Skeptiker-Seite die Dauerplattheit vom Placeboeffekt, der anscheinend alles erklären soll. Das ist wissenschaftlich gesehen etwas mager. Hier einige tiefer gehende Erkenntnisse über den Placebo-Effekt:
https://www.homöopedia.eu/index.php/Artikel:Oft_geh%C3%B6rte_Argumente_-_Verbreitete_Vorstellungen_%C3%BCber_den_Placebo-Effekt
Avatar #759489
MITDENKER
am Samstag, 25. Januar 2020, 23:32

Schätzlers rabulistische Geschichtsverfälschung...

...ist entweder seiner Uninformiertheit anzulasten oder aber, dass er es absichtlich tut: Die Heilpraktiker und das HP-Gesetz in die Nazi-Ecke zu rücken. Billiger Versuch und leicht zu widerlegen:

https://www.heilpraktiker-fakten.de/heilpraktikerfakten/die-geschichte-der-heilpraktiker/

Des weiteren spannend:
Gegen den Heilpraktier-Beruf haben Ärzte auch schon im Dritten Reich lobbyiert. Die Folge war das Heilpraktikergesetz von 1939, mit dem die Nazis den Heilpraktiker-Beruf aussterben lassen wollten, indem sie ihm den Nachwuchs entzogen.

Wie es zum Gesetz kam, das zeigt die Geschichte. Ärzte sahen den Heilpraktiker-Beruf als Konkurrenz. Sie lobbyierten gegen Beruf:

https://heilpraktiker-newsblog.de/2019/02/12/wie-das-dritte-reich-den-heilpraktiker-beruf-abschaffen-wollte-und-dafuer-das-heilpraktiker-gesetz-von-1939-auf-aerztewunsch-schuf/

Die künstliche Aufregung ("würdelos", "schändlich" etc.) von Dr. Schätzler kann wieder einmal als Lobbyismus verstanden werden. Etwas anderes ist es nicht.

Oder anders herum gefragt: Dr. Schätzler, fahren sie grundsätzlich immer um die von Hitler gebauten Autobahnen herum?
Bei so viel - gespielter - Empörung muß man schon davon ausgehen.
Avatar #687997
Pro-Natur
am Samstag, 25. Januar 2020, 16:37

Warum der Hass auf HPs? Ärzte haben selber Schuld

Anscheinend fürchtet sich eine Fraktion der Ärzteschaft davor, dass die Patienten von der Schulmedizin abwandern könnten. Die Spitzen der Angriffe kommen zu einer Zeit, wo Patienten mit Ärzten desillusioniert sind. Viele Patienten sind austherapiert und gesundheitlich am Ende; auf sie haben Ärzte keinen Bock mehr. Hat man als Arzt keine Therapiefreiheit, muss man sie vergraulen, damit sie weggehen. Sie gehen dann zum Heilpraktiker. Viele HPs praktizieren eine alte Heilkunst. Es wird Wert auf Selbstverantwortung gelegt. Patienten werden in die Behandlung mit einbezogen und bemächtigt, ihre Gesundheit selber zu pflegen. Deshalb würde ich Patienten empfehlen, gleich zum Heilpraktiker zu gehen, anstatt ihre Gesundheit beim Arzt aufs Spiel zu setzen. Die Gesundheit ist viel wichtiger als das Geld, das man aus eigener Tasche für den HP bezahlen müsste. Nicht alle Ärzte sind schlecht aber sicherlich diejenigen, die HPs abschaffen wollen. Es gibt bestimmt Momente, wo ich dankbar für einen guten Arzt/gute Ärzte wäre. Aber mit vielen Sachen, die sie Leuten antun, bin ich nicht einverstanden. Als Beispiel: Wegen Schmerzen wollte ein Arzt dem Patienten eine radioaktive Substanz in die Fingergelenken injizieren. Also nein -- aber auf Krankenschein!
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Samstag, 25. Januar 2020, 15:16

Würdeloses Heilpraktikergesetz

Die Problematik der drei Todesfälle bei einem Heilpraktiker in einer alternativen Krebsklinik im Jahr 2016 nahe der niederländischen Grenze unter Anwendung des Präparates „3-Bromopyruvat“ als experimentelle allopathische Chemotherapie von Krebskranken war nicht – wie irrtümlich von medizin- und bildungsfremden Kreisen in Aufsichtsbehörden, Verwaltung, Gesundheitswesen und Jurisprudenz angenommen – die Homöopathie.
Die Homöopathie als Behandlungsmethode bezieht sich in der Regel auf Krankheiten, Gesundheits- und Befindlichkeitsstörungen, die mit oder ohne Therapie auch spontan von selbst ausheilen können. Unter diesem „Schutzschirm“ ist und bleibt diese „besondere Therapierichtung“ (SGB V) in der Bevölkerung beliebt und wird meist unproblematisch und unkritisch betrachtet.

Völlige Überschätzung der eigenen Fähigkeiten
Das Hauptproblem bei dem onkologischen Sterbedrama in NRW waren übermotivierte, in „illusionärer Verkennung“ ihrer Fähigkeiten und Begrenzungen ebenso invasiv und interventionell wie notfallmedizinisch inkompetent arbeitende Heilpraktiker gewesen. Dabei sollte eigentlich gelten: Alle – inklusive der Ärzteschaft – sollten ihre professionellen Grenzen kennen!
Geschützt werden hier Heilpraktiker-Scharlatane, die es im Übrigen unter Ärzten ebenfalls geben kann, durch eine weltweit einmalige juristische Fiktivkonstruktion: Akademisch grundlagen-orientiert, pathophysiologisch, klinisch und in der Praxis ausgebildete Ärzte werden mit „Erfahrungsheilern“ ohne wissenschaftlich fundierte Ausbildung nahezu gleichgestellt.

Entwertung der ärztlichen Ausbildung
Darum ist das Heilpraktikergesetz als „HeilprG“ einfach nur würdelos! Es entwertet Abitur und Vollstudium Humanmedizin, PJ und klinische Fachausbildung. Es zieht die Befähigung zur Ausübung der Heilkunde als sogenannte „Heilkunde-Erlaubnis“ und „Heilkunde-Privileg“ ins Lächerliche.
Das kann man auch billiger haben: Einfach den „Heilpraktiker“ ohne zusätzliche Berufsausbildung machen! Dann kann man sich nach Herzenslust an Patienten als freiwilligen Versuchskaninchen austoben; wird damit jedoch genauso entwertet.

Hilfe aus dem Ministerium
Und wer hilft einem dabei, ohne störende Ausbildungshürden, ohne lästiges Arztregister, Bundes- und Landesärztekammern, Weiterbildungs- und Fortbildungspflichten, Berufsordnungen bzw. weitere staatliche Kontroll- und Aufsichtsbehörden? Ein völlig unbedarftes „Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz“ mit einem geradezu „bahnbrechenden“ Heilpraktikergesetz von 1939, das auch noch auch noch weitschweifig und kommentarlos im Internet präsentiert wird:
„Gesetz über die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne Bestallung
(Heilpraktikergesetz), HeilprG, Ausfertigungsdatum: 17.02.1939
„Heilpraktikergesetz in der im Bundesgesetzblatt Teil III, Gliederungsnummer 2122-2, veröffentlichten bereinigten Fassung, das zuletzt durch Artikel 15 des Gesetzes vom 23. Oktober 2001 (BGBl. I S. 2702) geändert worden ist“.
[...]
Die Reichsregierung hat das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird:
§ 1 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, ausüben will, bedarf dazu der Erlaubnis.
(2) Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes ist jede berufs- oder gewerbsmäßig vorgenommene Tätigkeit zur Feststellung, Heilung oder Linderung von Krankheiten, Leiden oder Körperschäden bei Menschen, auch wenn sie im Dienste von anderen ausgeübt wird.
(3) Wer die Heilkunde bisher berufsmäßig ausgeübt hat und weiterhin ausüben will, erhält die Erlaubnis nach Maßgabe der Durchführungsbestimmungen; er führt die Berufsbezeichnung „Heilpraktiker“.
§ 2 (1) Wer die Heilkunde, ohne als Arzt bestallt zu sein, bisher berufsmäßig nicht ausgeübt hat, kann eine Erlaubnis nach § 1 in Zukunft ... erhalten.
(2) Wer durch besondere Leistungen seine Fähigkeit zur Ausübung der Heilkunde glaubhaft macht, wird auf Antrag des Reichsministers des Innern durch den Reichsminister für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung unter erleichterten Bedingungen zum Studium der Medizin zugelassen, sofern er seine Eignung für die Durchführung des Medizinstudiums nachweist.
§ 3 Die Erlaubnis nach § 1 berechtigt nicht zur Ausübung der Heilkunde im Umherziehen.
§ 4 und § 5 Wer, ohne zur Ausübung des ärztlichen Berufs berechtigt zu sein und ohne eine Erlaubnis nach § 1 zu besitzen, die Heilkunde ausübt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.
§ 5a (1) Ordnungswidrig handelt, wer als Inhaber einer Erlaubnis nach § 1 die Heilkunde im Umherziehen ausübt.
(2) Die Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße bis zu zweitausendfünfhundert Euro geahndet werden.
§ 6 (1) Die Ausübung der Zahnheilkunde fällt nicht unter die Bestimmungen dieses Gesetzes.
(2)Eingangsformel
§ 7 Der Reichsminister des Innern erläßt ... die zur Durchführung ... dieses Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften.
§ 8 (1) Dieses Gesetz tritt am Tag nach der Verkündung in Kraft.
(2) Gleichzeitig treten § 56a Abs. 1 Nr. 1 und § 148 Abs. 1 Nr. 7a der Reichsgewerbeordnung, soweit sie sich auf die Ausübung der Heilkunde im Sinne dieses Gesetzes beziehen, außer Kraft.“

Juristische Nazi-Propaganda im 21. Jahrhundert?
Das ist nicht nur übelste juristische Nazi-Propaganda einer demokratisch gewählten Deutschen Bundesregierung des 21. Jahrhunderts. Das ist auch ein Schlag ins Gesicht aller staatsexaminierten Ärzte, die auf hohem professionellen Standard ihre ärztliche Profession ausüben. Es entwertet ihre universitäre, theoretisch und praktisch orientierte, klinische und ambulante, wissenschaftliche und versorgungsmedizinische Ausbildung und beschädigt die rechtliche Bedeutung der Erteilung einer Heilkunde-Erlaubnis mit sogenannter „Bestallung“.
Und dies vor dem Hintergrund, dass ein HeilprG auch noch unter „Sieg Heil“-Rufen von Nazi-Schergen, die damit die Ausrottung und Vertreibung von jüdischen Ärzten und jüdischen Patienten bejubelten, verabschiedet wurde.
Der Deutschen Reichsregierung fehlten Ärzte an allen Ecken und Enden, die wenigen weiblichen wurden meistens gar nicht für voll genommen: An den Kriegsfronten, in den Lazaretten, in den Akutkliniken, in den Praxen in Stadt und Land.
Das ist die eigentliche Entstehungsgeschichte dieses würdelosen und schändlichen Heilpraktiker-Gesetzes!

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #810513
cthulhu
am Freitag, 24. Januar 2020, 14:46

Placebo - ein Segen

Lieber Mitdenker,
ist es "dem Patienten" wirklich egal, was genau hilfreich war? Ich denke, beim nächsten Migräne-Anfall ist es eben nicht egal, die Sache mit dem Fehlschluss habe ich schon erwähnt.
Also ich jedenfalls möchte wissen, ob mir eine Tablette, die Massage oder das Blut eines bei Vollmond geschlachteten Huhns weiterhilft. Denn nur dann kann ich den Erfolg (wenn es denn einen gibt) wiederholen.

Schließlich veranschaulichen Sie sehr schön das schiefe Bild, welches die meisten Menschen vom Placebo-Effekt haben. Niemand muss auf diesen Effekt "hereinfallen", er ist quasi bei jeder Behandlung vorhanden.
Leider besteht offenbar die Ansicht, dass dieser Mechanismus etwas von Täuschung oder Selbstbetrug inne hat.
Obwohl er noch nicht besonders gut verstanden ist, kann man ihn (auch klinisch) nachweisen und ist wahrscheinlich eines der besten Heilmittel überhaupt.
Und ich muss Ihnen wohl nicht erklären, dass echte Medikamente sehr wohl nachweisen müssen, dass sie besser als der reine Placeboeffekt sind - Meridiane und Miasmen stehen offenbar darüber.
Avatar #759489
MITDENKER
am Freitag, 24. Januar 2020, 13:28

Cthulus Denkfehler

Wenn er schreibt:
"All diesen Leuten ist anscheinend schon geholfen, wenn sich mal jemand richtig viel Zeit nimmt, zuzuhören und zu nicken. Dann ein bisschen Abrakadabra - und der Patient ist zufrieden (! - nicht geheilt)."
Sorry, das ist esoterischer Unsinn. Natürlich wird kein Migräne-Patient geheilt, und ist auch nicht zufrieden wenn man ihm mal ZUHÖRT und freundlich NICKT. Richtig gedacht lautet der logische Schluß: Migräne ist weg oder deutlich besser - die Heilpraktiker-Therapie HELFEN.

Dann zur Unterscheidung WER HEILT HAT RECHT VERSUS WER NACHWEIST DASS ER HEILT HAT RECHT. Das ist dem Patienten egal, wenn die Migräne weg ist, muß er nicht zu den Neuskeptikern rennen, sich erzählen lassen, dass er auf einen Placebo-Effekt herein gefallen ist und sich jetzt nachweisen lassen muß, dass er geheilt sei. Logisch?

Zu KuhnJ's Anmerkung:
"Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Psychotherapeuten usw. nicht als überflüssig erklärt, obwohl sie doch auch am Gesundheitsbudget teilhaben, also mit den Ärzten um knappe Ressourcen konkurrieren." So ist es freilich nicht, denn die Physios z.B. sind beileibe KEINE KONKURRENZ, denn die handeln auf Anweisung u. Rezept des Arztes, sind also unter geordnet, was dem Arzt natürlich besser gefällt, als ein HP, der mit seinen IGEL-Leistungen konkurriert und vielleicht noch zum Patienten sagt: "Lassen sie die verschriebene Ibu einfach mal weg u. machen sie lieber bei mir Akupunktur oder nehmen sie ....".
Psychotherapeuten und Ökotrophologen sind schon gar keine Konkurrenz, denn Hausarzt Dr. Mustermann macht keine Psychotherapie und Ernährungsberatung nur im Schnelldurchgang ("essen sie weniger Fett und FDH" oder "sie können essen was sie wollen, nur nicht zu viel") u. hätte auch keine Zeit dazu u. keine diesbez. Ausbildung.
Avatar #103488
KuhnJ
am Freitag, 24. Januar 2020, 12:08

Lobbyistenvorwurf unberechtigt

Einige Kommentare werfen Herrn Botzlar vor, er spreche als Lobbyist. Der Vorwurf soll seine Position delegitimieren, indem seine Person angegriffen wird.

Vielleicht sollte man sich einmal vergegenwärtigen, dass er z.B. Physiotherapeuten, Ernährungsberater, Psychotherapeuten usw. nicht als überflüssig erklärt, obwohl sie doch auch am Gesundheitsbudget teilhaben, also mit den Ärzten um knappe Ressourcen konkurrieren. Wie plausibel ist also der Lobbyistenvorwurf?
Avatar #810471
Elisabeth Schnakenberg
am Freitag, 24. Januar 2020, 10:42

Heilpraktiker*innen leisten einen hohen Beitrag für die Gesundheitsversorgung!

Wie kann es sein, dass einige wenige Menschen denken über 50% der Bevölkerung bevormunden und ihr Therapie- und Therapeut*innenwahl einschränken zu wollen? Echte mitmenschliche Sorge umeinander würde erst mal die Betroffenen fragen, statt über sie bestimmen zu wollen.
Im Besonderen frage ich mich wie die Ethikrichtlinien des Ärzteblattes sind, wenn Titel veröffentlicht werden, in denen ein Mensch ca 45.ooo anderen Menschen die Existenzberechtigung abschreibt? Selbst wenn Hr. Botzlar das so sagt, sollte die Überschrift wohl überlegt sein! Eine Berufsgruppe, die sich der EBM verschreibt, sollte besonders bei Hypothesen zu anderen Berufsgruppen wissenschaftlich vorgehen und erst eine umfängliche Untersuchung zur täglichen Praxis der Heilpraktiker*innen inklusive deren Anteil am Gesundheitssystem durchführen, bevor im aktuellen Hype ungeprüft vorverurteilt wird, nur weil es en vogue ist.
Fair wäre gewesen in der Umfrage zum Artikel auch die Möglichkeit anzubieten, sich für eine Behandlung bei einer/em Heilpraktiker*in zu entscheiden.
Avatar #810513
cthulhu
am Freitag, 24. Januar 2020, 09:58

Zusammenfassung

Ich fasse zusammen:
Ch.H.69:
- Ärzte arbeiten also symptomorientiert ...
- Heilpraktiker sollen dagegen auf Heilung ausgerichtet sein, obwohl sie kein Heilversprechen machen dürfen
- es wäre gut, wenn HPs, die im schlechtesten Fall ohne jegliche Ausbildung nur mit Glück beim achten mal den Test bestanden haben, ihre Grenzen kennen würden
- Ärzte sollen sich nicht nur ständig fortbilden und die neuesten Therapieentwicklungen kennen, nein sie sollen auch "jahrhunderte alte Medizinweisheiten", die Patienten zumeist schnellstens umgebracht haben, kennen und anerkennen (sic!)
- die Umwelt ist schädlich und es gibt Krankenhauskeime (ach...?)
- Ärzte und andere Berufsgruppen machen auch Fehler, aber bei HPs stirbt dabei meistens niemand
- Wer heilt hat Recht - äh, das ist übrigens Quatsch. Wer nachgewiesen hat, das er/sie geheilt hat, hat schon eher Recht
- Ärzte, mit ihren bildgebenden, mikrobiologischen, hämatologischen usw. Diagnoseverfahren "haushalten" Krankheiten nur
seetie:
- gegen HPs wird gehetzt
- jeder soll selbst entscheiden können (nicht wie bisher, wo es offenbar irgendeinen Zwang gibt), ob er zum jahrelang fachlich ausgebildeten Doktor mit den o.g. Verfahren geht, oder doch lieber zu jemanden, der irgendwann einen Multiple Choice Test bestanden hat, aber schon wenn er Akupunktur anwendet, von einer völlig falschen Physiologie und Anatomie ausgeht
- es gibt anscheinend Richtlinien und Kontrollen, die für HPs "streng gefordert" sind, die bei Ärzten aber wohl nicht durchgeführt werden
Julius Senegal:
- ich vertraue nur gut und fundiert ausgebildeten Profis in allen Bereichen, in denen es gefährlich werden kann
Gulderling:
- ... antibiotikaresistente Keime ... Antibiotika-Mißbrauch ... Ärzte und Tierärzte sind schuld ...
- über den einen(?) Toten, der durch einen HP verursacht wurde, wurde viel zu viel geschrieben
- (Anekdoten über Akupunktur und Homöopathie, in denen auch noch stolz davon berichtet wird, wie man Kindern die Leidenszeit verlängert)
- dieser "besessene Kampf" gegen Pseudomedizin macht mich so dermaßen mißtrauisch, dass ich lieber z.B. dutzende gute Argumente gegen Homöopathie nicht wahrnehme, sondern lieber so bauchgefühlsmäßig unterwegs bin
- wenn ich Krebs habe, gehe ich aber doch zum Arzt

Nun, die (echte, evidenzbasierte) Medizin wurde erfunden, um anekdotische Fehlschlüsse so gut es geht auszuschließen.
Dass man das heutige System kritisieren kann, steht außer Frage. Kapitalismus und Profitgier haben in der Vergangenheit einen unschönen drift verursacht, und jetzt haben wir die Situation, dass es zu wenig Zeit für den individuellen Patienten hat, der sich in der "Apparatemedizin", in der man von einem Verfahren zum nächsten geschoben wird, verloren fühlt.
Muss man deswegen zu einem Laien, der an "geistartige Kräfte" oder "Meridiane" glaubt, gehen?
Ich finde, so etwas sollte es in aufgeklärten Zeiten in dieser Form nicht geben.
Avatar #810566
Gulderling
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 21:35

Gute Gründe für alternative Heilverfahren

Wir haben jedes Jahr einige Tausend Tote, verstorben durch antibiotikaresistente Keime, erworben während eines Kranken­haus­auf­enthaltes und verursacht durch einen viel zu hohen Antibiotika-Mißbrauch, verschrieben von Ärzten (oder in der Landwirtschaft verschrieben von Tierärzten). Über dieses RIESIGE Problem reden Ärzte in der Öffentlichkeit nicht halb so viel wie über den einen Toten, den es mal gab, weil ein Heilpraktiker seiner Verantwortung nicht gerecht wurde. Warum bloß?
Ich bin jetzt über 60 Jahre alt und gehe - wenn ich mal gesundheitliche Probleme habe - zum Heilpraktiker (den ich selbst bezahlen muss) und war schon seit 25 Jahren nur noch äußerst selten beim Arzt. Habe also meiner Krankenkasse viel Geld erspart. Ein alter Kinderfreund von mir hatte jahrelang schreckliche Migräne und keine ärztliche Kunst hat ihm helfen können, seine Kranken­haus­auf­enthalte haben Hunderttausende gekostet. Eine Heilpraktikerin hat in 7 Sitzungen Akupunktur ihm eine jahrelange Besserung verschafft, dennoch wollte die Krankenkasse die 700.- DM nicht übernehmen. Mein Sohn ist fast die gesamte Kindheit nur mit homöopathischen Mitteln behandelt worden, und zwar erfolgreich (auch gegen Bronchitis, Krupphusten u.a.m.) - also mit genau der Therapieform, die nur ein Bruchteil von dem kostet, was die Schulmedizin kostet, und die von vielen Ärzten momentan mit aller Schärfe bekämpft und für wirkungslos erklärt wird. Jeder, der schon mal am eigenen Leib (oder an seinen Kindern erlebt hat), wie durchschlagend diese vermeintlich "wirkungslosen Zuckerkügelchen" eine nachhaltige Gesundung gebracht haben (während viele chemische Medikamente nicht ohne Nebenwirkungen sind), kommt spätestens dann ins Nachdenken darüber, wie unsere Gesundheit wirklich zusammenhängt und funktioniert. Der geradezu bessenene "Kampf" vieler Mediziner in der Öffentlichkeit gegen alle alternativen Heilmethoden macht mich ehrlich gesagt nur noch mißtrauischer gegen diese vermeintlichen Alleswisser.
Damit will ich keineswegs alle Schulmediziner verteufeln. Auch die Schulmedizin hat an bestimmten Stellen ihren Wert und ihren Platz.
Avatar #772524
Julius Senegal
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 20:39

Heilpraktiker sind sinnlos

Wenn ich den Bus nehme, soll ihn ein Busfahrer fahren - kein Buspraktiker.
Ein Pilot soll fliegen, kein Flugpraktiker.
Und wenn man ein gesundheitliches Problem hat, das nicht von selbst weggeht, geht man zum Arzt und nicht zu einem Nobody, der 75 % der Fragen in einem beliebig wiederholbaren Kreuzeltest richtig beantwortet hat.

Kein anderes Land der Welt ist so ignorant und hat Unheilpraktiker als Aushängeschild.

Entweder auf dem Müllhaufen der Geschichte, oder so beschränken, dass diese Möchtegerns kein Unheil mehr anrichten können.
Avatar #810553
seetie
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 20:03

Bevormundung des Patienten

Ich finde diese Hetzkampagnen gegen die Heilpraktiker unmöglich. Jeder soll selbst entscheiden können ,ob er zum Arzt oder lieber zum Heilpraktiker geht. Zentral im Raum stehend ist die Frage,warum der Zulauf zu Heilpraktikern stetig steigt. Ich selbst bevorzuge eine Kombination aus Arzt und Heilpraktiker und lasse mir das nicht von der Politik oder Ärzten vorschreiben. Es wird ja keiner gezwungen in eine Heilpraktikerpraxis zu gehen. Die streng geforderten Richtlinien und Kontrollen sollten bei Ärzten genauso durchgeführt werden. Es gibt dort auch viele schwarze Schafe. Wir brauchen gut ausgebildete Ärzte, aber ich schätze einen erfahren und verantwortungsvollen Heilpraktiker ebenso.
Avatar #810537
Ch.H.69
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 18:22

Die Aus- & Weiterbildung der Ärzte gehört auf den Prüfstand!

Wenn Ärzte tatsächlich syndromorientiert behandeln würden und nicht wie so oft symptomorientiert, bräuchte es die alternativen Heilverfahren bzw. Heilpraktiker wirklich nicht. Doch die weitgehendst pharmakologische Orientierung der Arztausbildung vernachlässigt den Patienten mit seinen Ressourcen bzgl. humoraler Abwehr und Selbstheilung. Arzt und Heilpraktiker unterscheiden sich schon grammatikalisch - einer ist auf Heilung ausgerichtet. Natürlich hat die Schulmedizin ihre Daseinsberechtigung und es wäre gut, wenn Heilpraktiker die Grenzen ihrer Therapiemöglichkeiten kennen würden. Doch genauso müssen Ärzte die Chancen guter und jahrhundertealter Medizinweisheit anerkennen. Mit unserer schädlichen Umwelt gibt es für alle genug zu tun. Ich finde das Thema, den Heilpraktikerberuf auf den Prüfstand zu stellen verfehlt. Geht es doch eher um Fehler, die Heilpraktikern vorgeworfen werden. Doch kommen unsere Politiker nicht auf die Idee, andere Berufsgruppen auf den Prüfstand zu stellen. Denn es sterben bestimmt weit mehr Menschen durch Ärztepfusch und akquirierte Krankenhauskeime (ich habe keine Zahlen, hier spricht mein Bauchgefühl und Erfahrung) als durch Behandlungen beim Heilpraktiker. Und vergessen wir doch nicht, wer hat es denn zu verantworten, dass das Vertrauen der Menschen in die Ärzteschaft mangelhaft ist? Musste doch der Gesetzgeber die Beweislastumkehr einführen, weil Ärzte nicht nur pfuschen, sondern ihren Pfusch auch noch vertuschen!
Ein Hinweis an die Politiker: WER HEILT, HAT RECHT. In diesem Sinne sollte man sich mal die Fakten ansehen, die sprechen ganz klar für die Notwendigkeit eines Therapeuten der heilt und nicht Symptome bzw. Krankeiten haushaltet, wie Ärzte es idR tun. Und was spricht dagegen, dass Hauptschüler sich in diese Richtung qualifizieren? Muss doch jeder die Prüfung vor einer qualifizierten öffentlichen Institution bestehen.
Avatar #810513
cthulhu
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 16:19

HPs brauchen eine neue Berufsbeschreibung

"... da kommen Leute mit jahrelang anhaltenden Rückenschmerzen, Allergiepatienten, Hautproblemen, depressiver Verstimmung, Migränepatienten, Schmerzpatienten, Reizdarm/Verdauungsprobleme etc."
Jo, sage ich doch. All diesen Leuten ist anscheinend schon geholfen, wenn sich mal jemand richtig viel Zeit nimmt, zuzuhören und zu nicken. Dann ein bisschen Abrakadabra - und der Patient ist zufrieden (! - nicht geheilt).
Dementsprechend müssten die Heilpraktiker eigentlich im Raum hinter dem Arzt sitzen und dann die Patienten bekommen, die noch ausführlich Gesprächsbedarf haben.
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 16:05

Warum zum Heilpraktiker?

Gute Frage, aber die Antwort ist einfach. Zu uns kommen zu ca. 95% schulmedizinisch austherapierte Patienten, die es jetzt alternativmedizinisch probieren wollen. Die restlichen 5% sind Weißkittel-Gegner, die gute oder schlechte Gründe haben nicht zum Arzt zu wollen.
Insofern ist das Ganze relativ anspruchsvoll, da kommen Leute mit jahrelang anhaltenden Rückenschmerzen, Allergiepatienten, Hautproblemen, depressiver Verstimmung, Migränepatienten, Schmerzpatienten, Reizdarm/Verdauungsprobleme etc., alles Krankheitsbilder bei denen die übliche schulmed. Vorgehensweise nicht allzu viel zu bieten hat. Und wenn sich nach ca. 2 bis 3 Sitzungen keine Besserung anbahnt, sieht man den Patienten nie wieder; warum auch, er zahlt ja in der Regel die Therapie aus seiner eigenen Tasche.
Richtig gut laufende Praxen werden fast immer von richtig guten Therapeuten betrieben, sonst würde der Laden nicht laufen. Blender sind selten, 80-90% des "Patientenguts" kommen aufgrund einer Empfehlung, da helfen keine Werbefeldzüge.

Noch etwas Herr Botzlar und werte Heilpraktiker-Jäger: Im Coburger Land fehlen allein in Coburg 10 Ärzte (stand in der Zeitung), im Landkreis ist es noch schlimmer. Heilpraktiker gibt es nicht allzu viele, aber nach dem Anruf eines Bekannten bei einer Land-Heilpraktikerin war er klüger: In ca. 2 Monaten sei mal ein Termin frei. Frage: Wenn die wenigen Heilpraktiker nicht mehr praktizieren, was passiert dann mit den Patienten?
Aber ist den Polit-Populisten und Neu-Skeptizisten egal, Hauptsache sie können auf die Homöopathie u. die Heilpraktiker eindreschen, um der guten Sache willen.
Avatar #810513
cthulhu
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 15:26

Warum zum Heilpraktiker?

Verstauchung, Nebenhöhlenentzündung, Magenverstimmung etc.
Da gehe ich doch nur zum Arzt, um mir eine Krankmeldung abzuholen, ansonsten kann man doch eh nur die Selbstheilung abwarten und Tee trinken.
Ok, Antibiotika gibt's auch nur über den Arzt, aber warum sollte ich zum Heilpraktiker gehen?
'rumjammern, wie schlecht es mir geht, kann ich auch bei meiner Frau.
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 15:08

Unklare Diagnostik mit der Irisdiagnostik?

Die Kritik der Neo-Skeptizisten und Heilpraktiker-Jäger gründet ihre Kritik auf den vermeintlich besseren und angeblich objektiven Methoden der Schulmedizin. Wie Fachleute wissen, ist da jedoch - auch - das meiste auf Sand gebaut. Nehmen wir doch mal die heilige Kuh der Diagnostik, das bildgebende Verfahren:

https://m.focus.de/gesundheit/ratgeber/ruecken/news/knochenbruch-roentgen-bringt-falsche-ergebnisse_aid_493003.html

Andere Arbeiten zeigen wiederum auf, dass das Röntgen auch keine schlechteren Ergebnisse als das MRT liefert.
Vor einigen Jahren kam mir mal eine Studie unter, da wurden x Ärzten die selben Röntgenbilder vorlegt. Ergebnis: Wie beim Kaffeesatzlesen, jeder sah etwas anderes. Von "Sofort operieren!" bis zu "Nicht so wild, a bisserl Arthrose" war alles dabei. Mein Hausarzt sagt übrigens ehrlich: "Diese Bilder kann ich nicht interpretieren, dass kann in erster Linie der Radiologe und die Zusammenfassung könne wir beide ja lesen".
Wenn man noch dazu davon ausgeht, das in der Orthopädie (Rücken-Röntgenbilder) ca. 80% unnötig sind u. man 100e Tote in D durch zu viel Röntgen hinzu rechnet, dann - kommt mir die Irisdiagnostik doch wieder ganz sympathisch vor; auch wenn sie vielleicht nicht so gut untersucht ist.
Interessant in diesem Zusammenhang:
https://www.sueddeutsche.de/gesundheit/rueckenschmerzen-50-000-unnoetige-roentgenaufnahmen-pro-jahr-1.2424688
Avatar #810476
seth2020
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 13:16

Ärztemangel und HP-Reform

Hallo,
dass das HPG von 1939 mit seinem Reichsadler gut, gerne und dringend mal "überarbeitet" werden könnte, steht bei vielen wohl ausser Frage. ABER was den Meinungs-Vorstoß einiger Mediziner zum Thema HP-Abschaffung angeht, so wäre es vielleicht ganz hilfreich, wenn diese doch mal darüber nachdenken, wer die ganzen HP-Patienten denn wohl auffängt. Der Hausarzt? Der Landarzt? Oder dass ost-europäische Mediziner-Outlet?
Wer behandelt zukünftig die oben im Text erwähnten 28.160.000 HP-Kunden jährlich? Und was geschieht mit den rund 60.000 Beschäftigten aus der HP-Branche? Ist nur ein "Bauchgefühl", aber es scheint sehr wohl eine "Existenzberechtigung" für den ein oder anderen Heilpraktiker zu geben?!

Vielleicht weiß die LÄK-Bayern mit ihren rund 9000 anscheinend von Langeweile geplagten (Kassen-)Hausärzten aber mehr?! Gesamt-Deutschland übrigens 44.903 Hausärzte (Stand 2020 laut Statista Research Department, 05.12.2019). Kann man googeln.

Man kann nur inständig hoffen, dass an dem Thema ein sachlicher und seriöser Kopf dran beteiligt ist. Dieses ewige und emotionale "Mimimi - ich finde Heilpraktiker blöd" - Gehabe darf jedenfalls nicht zu irgendeinem schädlichen Ergebnis für unser deutsches Gesundheitssystem führen! Denn merke: "Auch Ärzte können nicht über Wasser laufen!" Trotz jahrelangem Studium!

Danke und Gruß.

P.s.: Ach ja - man muss kein Heilpraktikerkunde für diese Meinung sein. Es reicht, wenn man mal im Arztwartezimmer gesessen hat!!
Avatar #704484
Dr. Eckhoff
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 13:10

Dr.Paul-Ulrich Eckhoff

Als Orthopäde in eigener Praxis, jetzt Ruhestand, hatte ich viele patienten, die mit "alternativen"Therapien behandelt worden sind . Und ich hatte etliche, die mal zu mir und mal zum Heilpraktiker gingen. Oder sie wurden mir direkt vom Heilpraktiker zugewiesen. Und mein Rsumee aus dieser Zeit: Der aufgeklärte Patient geht zum Doktor, weil dessen Unterschrift für die Bürokratie des sozialen NEtzes ( AU, Reha, Krankenhaus, Rente ) gebraucht wird und er geht zum Heilpraktiker für seine Gesundheit. An mancher Fortbildung traf man Heilpraktiker, die sich arg gewundert haben, dass ein Kassenarzt ( ich ) bis zu 100 Patienten am Tag behandeln konnte, während sie mit 10 Patienten am Tag voll ausgelastet waren. Solange die HEilpraktiker verantwortungsvoll den Patienten betreuen sind sie eine gute Ergänzung.
Laßt die Heilpraktiker doch leben. Macht es wie mit der Homöopathie. Wer es haben will bezahlt es selbst. Aber er darf es haben. Denkt bitte an den Alkohol: Im Übermaß schädlich, aber er wird auf Selbstzahlerbasis weiterhin abgegeben. Und die allerneueste Entwicklung: Glücksspiel im Internet.
Avatar #810479
Da schau..
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 12:49

Ja und?

Herr Botzlar ist Ärztefunktionär, vertritt also eine Lobby. Genausogut könnte man den Vorsitzenden des Automobilclubs fragen, ob er eine Existenzberechtigung für Fahrräder sieht - und das dann für eine objektive Beurteilung halten. Mit welchem Recht glaubt ein Funktionär den Bürgern vorzuschreiben, von wem sie sich behandeln lassen müssen? Jeder Patient hat das Recht sich so behandeln zu lassen, wie er das wünscht. Das entscheidet - Gott sei Dank - weder die Ärzteschaft, noch sonst ein Therapeut, sondern nur derjenige, den es wirklich betrifft - der Patient. Ihm dieses Selbstbestimmungsrecht durch die Hintertür entziehen zu wollen, ist der eigentliche Skandal.
Avatar #754654
Peter H.
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 11:14

Die Kampagne...GWUP, Münsteraner Kreis

Zur GWUP und deren "Pseudowissenschaftlichkeit" empfiehlt es sich, den Erfahrungsbericht des Gründungsmitgliedes und "Aussteigers" Edgar Wunder anzusehen:

https://swprs.org/das-skeptiker-syndrom/?fbclid=IwAR31S2KaQBiyWbxluo-wRgj8vKsUzrR289ergXOAXE0dyiXtqf7Oo1RS64U

Fakt ist, dass die "Kollegen" der Anti-Homöopathie-Kampagne auf Twitter/Facebook und in den Kommentarspalten(siehe hier) eine Meinungsmehrheit erzeugen, die mit realen Bevölkerungsmehrheiten nichts zu tun hat und die mit PSIRAM zudem ein rechtlich im Graubereich befindliches "Denunziationsportal" unterstützen. Dies nennt sich auch "Astroturfing" und ist heutzutage ein gängiges PR-Instrument.
Allerdings hat dies alles sehr wenig mit echten Bevölkerungsmehrheiten und damit Demokratie zu tun und sollte durch Staat und Justiz untersucht werden.
Avatar #810432
Erhalt Therapiefreiheit
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 10:28

Mündige Patient_innen?

Wie Herr Hegge schon sagte, sind Patient_innen mündige Bürger_innen und können mit „ihren Füßen“ abstimmen.
JedeR Patient_in hat ein Anrecht, sich frei für eine Therapierichtung oder Therapiemethode zu entscheiden.
Wie kann es sein, dass für mich fremde Menschen, wie Politiker_innen oder Sie Herr Botzlar, glaubt entscheiden zu dürfen, was für mich der richtige Weg zur Gesundung oder Gesunderhaltung sei.
Ich plädiere doch sehr dafür, dass es meine eigene Entscheidung bleibt, ob ich bei bestimmten Krankheiten lieber eineN Heilpraktiker_in oder eineN Ärzt-in aufsuche.
Sicherlich lassen sich Ausbildung und Fortbildungen standardisieren.
Halten wir uns doch lieber an die Schweiz. Hier es möglich das Heilpraktiker_innen durch eine Zusatzprüfung zu Naturärzt-innen werden, mit den gleichen Rechten und Pflichten.
Avatar #799946
info@heilpraxis-hege.de
am Donnerstag, 23. Januar 2020, 10:28

Wer die Konkurrenz fragt...

seit es Mediziner gibt würden diese die Volksheiler (heute Heilpraktiker) gerne los werden, auf dass der Patient sein Geld nur noch zum Doktor trägt. Daran hat sich über die Jahrhunderte nicht viel geändert. Dummerweise denken die Patienten weniger daran, dass der Doktor gut lebe, sondern es ihnen selbst gut geht. Und gehen daher (auch) zum Heilpraktiker...
Avatar #759489
MITDENKER
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 23:48

Unliebsame Heilpraktiker-Konkurrenten...

.... würde dieser Zeitgenosse (Vizepräsi­dent der Bayerischen Lan­des­ärz­te­kam­mer) natürlich gerne ausschalten u. die IGEL-Leistungen selbst für teuer Geld anbieten.
Angesichts der Tatsache, dass ärztliche Behandlung die dritthäufigste Todesursache ist, greift der müde Versuch sich hinter einem angeblichen "Patientenschutz" zu verstecken überhaupt nicht. Da nützt es auch wenig bis nichts, absolute Kunstfehler-Einzelfälle von Heilpraktikern immer wieder durch die Medien zu ziehen. Wenn man den häufigen Ärztepfusch (siehe Weißbuch Patientensicherheit) ebenso medial aufblasen würde, hätte man wohl eine 24-Stunden-Dauersendung im TV.
Sorry, über den Klartext, ich kenne viele Ärzte die ich sehr schätze.... aber keinem Heilpraktiker würde es einfallen, Ärzten ihre Existenzberechtigung abzusprechen (obwohl viele gar nicht zum Arzt gehen, da sie meinen das würde nur schaden und nur Naturheilverfahren u. Homöopathie etc. nutzen).
So wie Botzlar da diffamierend um sich holzt, kann es kein gutes Miteinander von Ärzteschaft und Heilpraktikerschaft geben. Leider.
Aber derartige Töne sind ja in Zeiten von Hassbotschaften und Schmähreden mega-in. Und seine Leute wird er mit so einer Tonart hinter sich versammeln, das funktioniert ja bei Trump auch sehr gut....
Avatar #734411
Bushin
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 23:41

Bitte Fragen zum Berufsstand der Heilpraktiker den eigentlichen Spezialisten überlassen, Herr Botzlar!

"„Wenn man es genau nimmt, gibt es für Heilpraktiker keine wirkliche Existenzberechtigung“, sagte Botzlar."

Wenn man es genau nimmt fehlt Botzlar hierzu vor allem jede Kompetenz, seine Meinung gefragt oder ungefragt abzugeben. Ein Medizinstudium absolviert zu haben ist weder autoamtische Legitimation, bei den Belangen einer ganz anderen Berufsgruppe mitzureden, noch besteht hierfür im Hinblick auf die Berufsaufgaben der Heilpraktiker eine automatische Qualifikation: Selbsterklärt gilt der Beruf des Heilpraktikers als der Spezialist der Naturheilkunde im vollständigsten Sinne schlechthin. Dieses Thema ist weder Bestandteil des Curriculums der medizinischen Hochschulen, noch ist es auch nur Aufgabe streng naturwissenschaftlich ausgerichteter Medizin, sich darüber den Kopf in mehr als kenntnisnehmenden Maß zu zerbrechen. Selbstverständlich braucht es gerade bei diesem Thema entschiedenerweise den Heilpraktikerberuf, der sich den Erhalt und die Weiterentwicklung der echten und vollständigen Naturheilkunde erlärt auf die Fahnen geschrieben hat.

Entscheidend ist bei dieser Botzlars Aussage jedoch der Blick aus einer ganz anderen, nämlich hier wirtschaftlichen und damit auch politisch relevanten Sicht. Die ERHEBLICHE Entlastungsleistung für das gesetzliche Kran­ken­ver­siche­rungssystem, die durch Heilpraktiker TAGTÄGLICH mit bundesweiten Konsultationszahlen von ca 128Tsd Patienten gemäß BDH-Umfrage von 2017 erbracht wird. Wer will denn das entstehende Versorgungsloch für die Patienten, die es nun mal vorziehen, mit bestimmten gesundheitlichen Problemen zum Heilpraktiker zu gehen, auffangen? Die Ärzteschaft? Und wer darf die Finanzen für das aufbringen, was genau durch die Heilpraktikerschaft, für die es angeblich "keine Existenzberechtigung" gäbe, geleistet wird, wenn diese nicht mehr leistet?

Herr Botzlar sollte sich um seine Aufgabengebiete kümmern, vor der Tür der eigenen Berufsgruppe gibt es mehr als genug zu kehren.

"Christian Weymayr, der zum Münsteraner Kreis gehört, hält es für eine „große Gefahr“, dass Patien­ten, die zu Heilpraktikern gehen, „auf sinnvolle Therapien verzichten“."

Christian Weymar tut das auf Grund seiner letztlich pseudoskeptischen Geisteshaltung, der auch viele der anderen "Spezialisten" im Münsteraner Kreises, solche wie zum Beispiel Dr. Natalie Grams, offen fröhnen. Er konstruiert hier einerseits in typischer Manier manipulierender Rhetorik, dass naturheilkundliche Therapien dann wohl im Vergleich "nicht sinnvoll wären" - was als absolutistische Aussage natürlich schon mal blanker Mumpitz ist. Zum Zweiten verkennt er die Tatsache, dass gerade durch das deutliche Mehr an Zeit für die Patienten oft erst durch genau diese Konsultation des Heilpraktikers notwendige medizinische Schritte eingeleitet werden. Indem Patienten bei entsprechender Notwendigkeit ordentlich und umfänglich über Hintergründe vorliegender Erkrankungen aufgeklärt werden und ihnen somit die tatsächliche Notwendigkeit ärztlicher Konsultation, etwa für umfassendere diagnostische Abklärungen, überhaupt erst nahe gebracht werden kann.

"Er (Botzlar) erwartet aber keine einschneidenden Änderungen durch die Gesundheitspolitik. Denn die Angebote von Heilpraktikern seien bei vielen Patienten beliebt."

Und über den Grund genau hierfür sollte Botzlar einmal in aller Ruhe nachdenken. Das liegt mit Sicherheit vor allem an der intensiven Zuwendung, den nahezu ausnahmslos verträglichen Therapien, und ebenso deren oft tatsächlich positiver Wirksamkeit. In der heutigen Zeit wird es kaum noch Menschen geben, die dauerhaft für Leistungen Geld bezahlen, von denen sie keinerlei Mehrwert für sich selbst ersehen können.

Es gäbe einiges mehr zu dem Artikel zu sagen. Ich schenke mir das aus gutem Grund: Weder Herr Botzlar, noch Herr Weymar, noch sonstige eingebildete Heilpraktikerspezialisten nehme ich hier ernst. Die echten Spezialisten - nicht nur für die Naturheilkunde, sondern ganz im Besonderen NATÜRLICH auch für den Heilpraktikerberuf - sind natürlich die Heilpraktiker selbst.

Nun, das vielleicht noch:

"Kritiker des Heilpraktikerberufs wie Weymayr vom Münsteraner Kreis halten es aber für abwegig, von Qualität zu reden, wenn Methoden wie die Iris-Diagnostik auf dem Stun­den­plan stehen, bei der aus der Netzhaut von Patienten Rückschlüsse auf die Gesundheit gezogen werden."

Wie der Name "Iris-Diagnostik" schon andeutet, geht es hierbei um die Beschaffenheit der Iris, nicht der Netzhaut. Ob das Sinn oder Unsinn ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Sicher ist aber, dass Herr Weymayr hier keinerlei Beurteilungskompetenz hat. Es handelt sich nämlich nicht um ein naturwissenschaftlich erfassbares Verfahren, sondern eine der Erfahrungsheilkunde entspringenden Annahme, die sich in der Praxis erstaunlicherweise immer wieder bestätigt. Dass zum Beispiel bestimmte Veränderungen im Stoffwechselprozess des menschlichen Organismus sich allmählich durch charakteristische Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes des Auges niederschlagen. Solche Methoden werden auch von zahlreichen Ärzten genutzt - deutschlandweit (genauer: weltweit). Nicht etwa, weil diese naturwissenschaftlich sichere Erklärungen für das Phänomen hätten. Sondern weil sie selbst entsprechende Erfahrungen gemacht haben, dass da wohl irgendwas dran ist. Aber abgesehen davon ist der Hauptinhaltsstoff des Grundausbildungscurriculums der Angerer-Schule den rein naturwissenschaftlichen Medizingrundlagen geschuldet, die zunächst und alleerst auch für den Heilpraktikerberuf notwendig sind. Anatomie, Physiologie, Pathophysiologie etc etc etc. Das verschweigt ein Weymayr natürlich. Das Warum kann sich der geneigte Leser nun einmal selbst an fünf Fingern ausrechnen.
Avatar #810360
SagtDirEhNichts
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 21:53

Die Iris ist nicht die Retina

Ich unterstütze den Vorstoß voll und ganz und wünsche mir auch die Abschaffung diverser "PSeudomedizinischer Behandlungsweisen", muss jedoch auf den Fehler bezüglich der Irisdiagnostik hinweisen. Die Iris ist die Regenbogenhaut und nicht die Netzhaut. An der Netzhaut sieht man bekanntlich schon so einige Pathologien. Die Irisdiagnostik hingegen ist sinnlos. ;)
Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 21:28

Naturheilverfahren

sind Teil der wissenschaftlichen Medizin und behandeln nach den Prinzipien der EBM.
"Komplementär-" oder "Alternativ-"Medizin dagegen ist gar keine Medizin! Akupunktur mag noch als "unspezifische Reiztherapie" durchgehen, aber Homöopathie, Elektroakupunktur, Kinesiologie, Bachlüten, Irisddiagnostik und Kirlianfotografie sind KEINE NATURHEILVERFAHREN!
Das sind eigenständige, erfundene Heilsysteme ohne den geringsten Beleg für eine Wirksamkeit, die über "eine Täuschung der Patnienten, verstärkt durch eine Selbsstäuschung der Beehandler" hinausgeht!
Avatar #557812
J. Aufgebauer
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 19:02

zu Peter H.

Die GWUP betreibt klassische ergebnisoffene Wissenschaft. Schauen Sie sich dazu Konzept und Durchführung der Psi-Tests an, die seit vielen Jahren sorgfältig und fair ablaufen. Ergebnisoffener geht es gar nicht.
Avatar #557812
J. Aufgebauer
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 18:59

Irisdiagnostik

Die Iris ist nicht die Netzhaut. Aber die Diagnostik ist Humbug.
Avatar #754654
Peter H.
am Mittwoch, 22. Januar 2020, 18:27

Die Kampagne

... gegen Naturmedizin geht weiter. Der "Münsteraner Kreis" ist hauptsächlich durch die GWUP initiiert worden, einer Organisation, die sich den Kampf gegen alles für sie "nicht-erklärbare" auf die Fahnen geschrieben hat. Dass sie damit eigentlich im Widerspruch zu ergebnisoffener Wissenschaft handeln, merken sie leider nicht. Man muss dazu nur mal die "faktischen" Berufshaftpflichtprämien von Heilpraktikern und Ärzten vergleichen, um zu sehen, wie gering die Gefahr durch Heilpraktiker ist. Schade dass Herr Botzlar hier Lobbyarbeit auf den Leim geht, anstatt den Patienten- und Bürgerwillen zu achten - denn ohne Grund finden Heilpraktiker keinen Zulauf!
LNS

Nachrichten zum Thema

24. Februar 2020
München – Krebs, Demenz und Schlaganfälle sind die drei Krankheiten, vor denen sich die Menschen in Bayern einer Befragung zufolge am meisten fürchten. Auch Herzinfarkte beunruhigen noch gut jeden
Bayern fürchten sich vor Krebs, gehen aber nur selten zur Vorsorge
21. Februar 2020
München – Immer mehr Krankenhäuser in Bayern machen Verlust. Bei einer Umfrage der Bayerischen Krankenhausgesellschaft (BKG) gaben 54 Prozent der Kliniken an, sie hätten im Jahr 2018 rote Zahlen
Bayerische Kliniken im Minus
17. Februar 2020
München – Am 28. Februar endet die Bewerbungsfrist für die neue Landarztquote in Bayern – und es sind bislang weniger Bewerbungen eingetrudelt, als es Plätze gibt. Am vergangenen Freitag zählte das
Medizinstudium: Bayern hat noch freie Plätze über die Landarztquote
14. Februar 2020
München – Ab Mitte 2022 sollen Telenotärzte in ganz Bayern die Behandlung von Notfallpatienten verbessern. Die Einführung sei auf einem guten Weg, sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) gestern in
Bayernweite „Telenotärzte“ sollen ab Mitte 2022 bei Notfällen helfen
24. Januar 2020
München – Das Arzt-Bewertungsportal Jameda ist nicht verpflichtet, gelistete Arztprofile vollständig zu löschen. Das hat das Landgericht München I entschieden und damit die Klage einer Ärztin
Landgericht München bestätigt vollständige Arztlistung auf Jameda
23. Januar 2020
München – Eine junge Frau, die nach Behandlungsfehlern infolge einer Rücken-OP querschnittsgelähmt ist, bekommt 500.000 Euro Schmerzensgeld von der Klinik. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) München
Querschnittsgelähmt: Schmerzensgeld nach Rückenoperation
20. Januar 2020
München – In Bayern fehlen Notärzte, besonders auf dem Land. Zahlen einer internen Umfrage des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) haben ergeben, dass zwischen dem 1. Dezember 2019 und dem 6. Januar
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER