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Politik

Elektronischer Impfplan erster Baustein der Patientenakte

Mittwoch, 22. Januar 2020

/chombosan, stock.adobe.com

Berlin – Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) hat heute in Berlin ihr Konzept für die Entwicklung von medizinischen Informationsobjekten, kurz (MIOs), vorgestellt. MIOs sollen künftig dazu dienen, medizinische Inhalte zu standardisieren, maschinenlesbar zu machen und den interprofessionellen sektorenübergreifenden Datenaustausch im Ge­sund­­heitswesen zu vereinfachen. Mit dem elektronischen Impfpass liegt zudem das erste MIO zur öffentlichen Kommentierung vor.

Wichtig werden MIOs insbesondere als Bausteine für die geplante elektronische Patien­ten­akte (ePA), die ab 2021 als Angebot für alle gesetzlich Versicherten verfügbar sein soll.

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Zu den Patienteninformationen, die die Akte dann bereitstellen soll, zählen beispielswei­se Befunde, Medikationspläne, der Mutterpass und der Impfplan. Im Terminservice- und Versorgungsgesetz war die KBV damit beauftragt worden, die für die Inhalte der ePA not­wendigen Festlegungen hinsichtlich deren syntaktischer und semantischer Interoperabili­tät zu treffen.

Sektorenübergreifende Standardisierung

„Die KBV übernimmt damit eine Pionierrolle wohl nicht nur in Deutschland, denn eine sektorenübergreifende Standardisierung gab es in dieser Form bislang noch nicht“, erklär­te der Vorstandsvorsitzende der KBV, Andreas Gassen.

Als Vertreter des größten Bereichs im Gesundheitswesen, nämlich der ambulanten Ver­sorgung, sei das nötige medizinische, organisatorische und digitale Know-how dafür vor­handen.

Gleichwohl werden ihm zufolge in die Erarbeitung der Austauschformate für medizini­sche Daten und Dokumente alle relevanten Akteure einbezogen. Dazu gehören die Ge­sell­schaft für Telematik (gematik) und deren Gesellschafter, die Hersteller von Praxis- und Kranken­haus­software, ärztliche Berufsverbände und Fachgesellschaften, Pflegeverbände sowie die Forschung.

„Der Impfpass ist das erste medizinische Informationsobjekt, das wir entwickelt haben“, erläuterte KBV-Vorstand Stephan Hofmeister. Er ermögliche einen schnellen Überblick über den Impfstatus und die Impfhistorie, zeige bestehende Impflücken und die Dauer von Immunisierungen.

Ärzte könnten zudem erkennen, welcher Impfstoff wann verwendet wurde. „Man sieht nicht nur, dass, sondern was genau – welche Charge – geimpft worden ist“, betonte er. Dies sei etwa bei einem Chargen-Rückruf von Bedeutung.

Auch für die Patienten ergibt sich Hofmeister zufolge ein Mehrwert: Sie können in ihrer ePA den Impfpass aufrufen und sich über abgelaufene oder demnächst fällige Impfungen informieren. In einem weiteren Schritt lassen sich aus den Informationen künftig zudem Erinnerungsfunktionen generieren, sodass Praxen ihre Patienten rechtzeitig über eine fällige Impfung informieren könnten.

Webseite für die Kommentierung

Seit Mitte Januar ist die Spezifikation für den Impfpass auf der eigens dafür geschaffenen Webseite https://mio.kbv.de zur Kommentierung freigegeben. Das öffentliche Verfahren dauert sechs Wochen. In dieser Zeit können interessierte Experten, Fachgesellschaften und Organisationen Hinweise zu den definierten Standards abgeben.

Mitte 2020 sollen dann die ersten MIO-Definitionen fertiggstellt und im Vesta-Verzeich­nis der gematik abrufbar sein. Auch der jeweilige Arbeitsstand der einzelnen MIOs und die groben Zeit­pläne für neue MIOs sind über die Plattform einsehbar.

Medizinische Informationsobjekte sind klar definierte medizinische Informations­einheiten, die als digitale Bausteine universell verwendbar und kombinierbar sind. Aus kleineren Informationseinheiten können dabei komplexere zusammengesetzt werden. MIOs dienen dazu, medizinische Daten standardisiert, das heißt nach einem definierten Format, auszutauschen. Dadurch werden sie austauschbar und können sektorenübergreifend und interprofessionell genutzt werden. MIOs ermöglichen es, medizinische Daten und Informationen wiederverwendbar zu machen.

Man habe das Kommentierungsverfahren der gesetzlich vorgeschriebenen Benehmens­herstellung vorangestellt, um eine möglichst breite Beteiligung an den Spezifikationen zu ermöglichen und die Meinungen vieler einholen zu können, erläuterte Gassen. Den endgültigen Beschluss über die jeweilige Festlegung treffe der Vorstand der KBV.

Parallel zum Impfpass entwickelt die KBV derzeit gemeinsam mit der Kassenzahnärztli­chen Bundesvereinigung ein MIO für das Zahn-Bonusheft, das im März in die Kommentie­rungsphase gehen soll, berichtete Gassen.

Auch am Mutterpass und am U-Untersuchungsheft für Kinder (Gelbes Heft) werde bereits gearbeitet. Diese beiden Dokumente seien jedoch komplexer, weil sie auch Abbildungen enthielten und unterschiedliche Untersuchungen abdeckten, sodass erste MIOs erst im zweiten Halbjahr 2020 folgen werden. Weitere Teilprojekte sind der Krankenhaus-Ent­lass­brief sowie Labordaten.

Transparenz und Kooperation werden bei der MIO-Entwicklung großgeschrieben. So ko­operiert die KBV unter anderem mit der vom Bun­des­for­schungs­minis­terium geför­derten Medizininformatik-Initiative (MII) der Universitätsklinika. Darauf verwies KBV-Vorstand Thomas Kriedel in seinem Statement. Die MII arbeite an einrichtungs­übergreifenden Definitionen zu Datensatzstrukturen und deren syntaktischer Umsetzung.

Das sei für die KBV interessant, denn dabei gebe es natürlich viele Schnittmengen zu den MIOs. Bei medizinischen Fragen werden ihm zufolge vor allem Verbände einbezogen, die sich inhaltlich mit der Thematik MIO befassen, wie etwa den Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte beim Impfpass. Bei technischen Fragen würden hingegen Fachleute für Interoperabilität hinzugezogen.

Auch organisatorisch hat sich die KBV für ihre neue Aufgabe gerüstet: Die Leitung für das Großprojekt Standardisierung liegt in der KBV. In der kv.digital (ehemals KV Telematik GmbH) wurde jedoch zusätzlich für die MIO-Entwicklung ein eigener Geschäftsbereich geschaffen, der in naher Zukunft in eine eigene GmbH ausgegliedert werden soll. © KBr/aerzteblatt.de

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