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Politik

Westerfellhaus erwartet konstruktiven Dialog mit Ärzteschaft über Substitution

Donnerstag, 23. Januar 2020

Pflegebevollmächtigter Andreas Westerfellhaus. /picture alliance, Andreas Gora

Berlin – Der Bevollmächtigte der Bundesregierung für Pflege, Andreas Westerfellhaus, erwartet ab kommender Woche einen „konstruktiven Dialog“ mit der Ärzteschaft über die Substitution von ärztlichen Leistungen.

„Ich erwarte nach unserem Treffen am 27. Januar eine schnelle Einigung, denn wir haben keine Zeit mehr über die Verteilung von medizinischen Ressourcen zu diskutieren“, sagte er auf einer Pressekonferenz im Vorfeld des „Kongress Pflege“, der morgen zum 25. Mal in Berlin startet.

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„Es geht hier um die Versorgungssicherheit der Patienten und nicht um liebgewonnene Privilegien.“ Er sehe eine neue Aufgabenverteilung auch deshalb als notwendig an, weil sonst viele gut ausgebildete Pflegekräfte den Beruf verlassen würden.

Im Rahmen der Konzertierten Aktion Pflege der Bundesregierung ist geplant, dass ein Strategieprozess für veränderte Zusammenarbeiten der Gesundheitsberufe angestoßen wird. Die Auftaktsitzung findet am kommenden Montag statt.

Mehr Hilfe für pflegende Angehörige

Westerfellhaus rief auf der Pressekonferenz auch dazu auf, dass pflegende Angehörige besser unterstützt werden müssen. „Das ist ein Thema für die Zukunft, aber auch im hier und heute und eigentlich auch schon gestern.“ Von der Pflege von Angehörigen seien alle Menschen in allen Altersklassen irgendwann betroffen.

„Wir wissen, dass es etwa eine halbe Million pflegender Kinder gibt und wir vermuten, dass die Dunkelziffer noch höher ist“, so der Pflegebeauftragte. Da die Situation, einen Ange­hörigen pflegen zu müssen, oftmals sehr plötzlich eintrete und damit viele Unsi­cher­heiten und eine hohe auch seelische Belastung entstehen, wolle er demnächst ein Konzept für einen „Pflege-Co-Piloten“ vorstellen.

Eine solche Person solle vertrauensvoll der Familie beratend zur Seite stehen und bei der Vielzahl der Angebote in solch einer Situation helfen. Ebenso wolle sich Westerfellhaus dafür einsetzen, dass es mehr Kurzzeitpflegeplätze gebe. Zwar habe der Gesetzgeber diese Entlastung für Angehörige beschlossen, aber in der Praxis funktioniere oftmals weder ein Pflegeplatz während eines Urlaubes der Angehörigen noch als Überbrückung nach einem Kranken­haus­auf­enthalt.

Insgesamt seien die Pflegereformen der Bundesregierung als Prozess zu verstehen. „Wir haben jetzt Halbzeit und es geht auch weiter. Gute Ideen dürfen nicht an den Grenzen der Sozialgesetzbücher halt machen“, so Westerfellhaus. Denn: „Die Herausforderungen heute sind nicht mehr mit den Instrumente aus den vergangenen 30 Jahren zu lösen.“

Für mehr neue Ideen in der Unterstützung von Pflegenden Angehörigen plädierten auch zwei Vertreter von Angehörigen-Gruppen. So müsse bedacht werden, dass viele Pflegebe­dürftige von weiblichen Angehörigen, oftmals Ehefrauen oder Töchter, betreut werden.

„Da entstehen Konflikte die viel mit ihrer gemeinsamen Lebensgeschichte zu tun haben“, erklärte Marie-Luise Müller, Ehrenpräsidentin des Deutschen Pflegerates und seit rund einem Jahr selbst pflegende Angehörige. Die Rollenkonflikte zwischen Eheleuten in der Situation dürften nicht unterschätzt werden, ebenso der Wunsch nach weiterer Teilhabe am sozialen Leben.

Sie forderte für Menschen in der Situation eine „gute Beratung in den Anlaufstellen, da viele Menschen erst beim Pflegefall mit den Sozialgesetzbüchern in Kontakt kommen.“ Ebenso wolle sie sich für die Gründung einer Bundesarbeitsgemeinschaft der Pflegeange­hö­rigen einsetzen, damit deren Interessen auch in der Politik besser Gehör finden.

Für mehr Kreative Ideen warb auch Elimar Brandt, Vorstand der Pflege-Zukunfts-Initiati­ve. Da viele Angehörige heute nicht mehr am gleichen Ort lebten, müsse es auch Pflege­pa­tenschaften mit anderen Familien geben können.

„Ich kann jemanden in München pflegen, deren Angehörige pflegen meine in Berlin.“ Hier dürfe es keine Denkverbote geben. „So können wir uns auch SeTas vorstellen, also Tages­stätten für Senioren, in denen Menschen betreut werden, während ihre Angehörigen ar­beiten. Verrückte Ideen dürfen nicht ausgeschlossen werden“, so Brandt.

Auch in Betrieben sollte es Pflege-Guides geben, die auch im betrieblichen Umfeld hel­fen, wenn es zum Pflegefall kommt. „Die Scham, einen Angehörigen zu pflegen, muss weg“, so Brandt.

Für mehr Beratung stünden auch die Krankenkassen bereit, erklärte Hans-Joachim Frit­zen, Vorstand von der AOK Nordost. So habe man über 300 Kundenberater in den vergan­genen Jahren auch zu Pflegeberatern ausgebildet, damit Menschen in der Situation auch die richtigen Angebote bekommen würden. Dazu kommen Online- wie Print-Publikatio­nen, die bei der Pflege zu Hause unterstützten sollen. © bee/aerzteblatt.de

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