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Grippewelle hat begonnen

Donnerstag, 23. Januar 2020

/fizkes, stock.adobe.com

Berlin – Die Grippewelle in Deutschland hat offiziell begonnen. Wie aus dem aktuellen Bericht der Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin hervor­geht, sind die Kriterien dafür inzwischen erfüllt.

„Die Welle wird sich noch etliche Wochen hinziehen“, sagte RKI-Expertin Silke Buda. Sich noch impfen zu lassen, sei möglich. Empfohlen wird die Impfung unter anderem Men­schen ab 60, chronisch Kranken, Schwangeren sowie Ärzten oder Pflegekräften.

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„Man sollte sich jetzt aber sputen: Bis der Schutz aufgebaut ist, dauert es bis zu 14 Tage“, sagte Buda. Laut Paul-Ehrlich-Institut (PEI) wurden mehr als 21 Millionen Impfdosen freigege­ben.

Seit Saisonbeginn im Oktober 2019 sind bundesweit 13.350 durch Laboranalysen bestä­tig­te Fälle gemeldet worden, davon 4.439 in der vergangenen Woche. Bisher starben da­ran nachweislich 32 Menschen. Mehr als 3.500 Patienten wurden wegen Grippe im Kran­kenhaus behandelt. Gemeldet wurden zudem zum Beispiel 15 Ausbrüche in Kindergärten.

Diese Zahlen zeigen nur einen Ausschnitt des tatsächlichen Geschehens: Nach RKI-Schätzungen werden im Verlauf von Grippewellen 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung an­gesteckt.

Mehrere Zehntausend Tote bei heftigen Wellen werden angenommen – meist sind Senioren betroffen, die das höchste Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben. Die Schwere der Welle schwankt von Jahr zu Jahr. Im vergangenen Winter wertete das RKI den Verlauf als moderat.

Das Wetter kann die Übertragung nach RKI-Einschätzung indirekt beeinflussen. Auch könnten die Tröpfchen, die von Kranken ausgehustet werden, bei Kälte länger in trocke­ner Raumluft schweben und damit über etwas größere Distanzen auf die Atemschleim­häute anderer Menschen gelangen.

„Für die Schwere einer Grippewelle und die Zahl der Erkrankungen sind aber andere Fak­toren sicher wichtiger, zum Beispiel die Immunität in der Bevölkerung durch vorausge­gangene Grippewellen“, betonte Buda.

Die Oberflächenstrukturen von Influenzaviren ändern sich von Jahr zu Jahr, wie der Di­rektor der Klinik für Pneumologie der Medizinischen Hochschule Hannover, Tobias Welte, erläutert. Für das Immunsystem bedeutet das wechselnde Herausforderungen.

Auch der Impfstoff muss jährlich an die veränderten Strukturen angepasst werden – Monate vor Saisonbeginn gemäß Empfehlungen der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO). Ein Piks alle zehn Jahre wie bei manch anderer Impfung ist bei Influenza daher nicht möglich.

Wiederholt war jedoch der Schutz, den die Impfung bot, nicht optimal. „In den vergan­genen zehn Jahren lagen die WHO-Empfehlungen in mindestens drei Jahren komplett falsch“, sagte Welte. Während die Herstellung von Millionen Impfdosen läuft, wandeln sich die Erreger weiter. So kann es kommen, dass der Impfstoff nicht mehr passt.

Bei älteren Menschen kommt hinzu, dass das Immunsystem oft nicht mehr so fit ist und die Impfung daher nur schwächeren Schutz bietet. Das RKI verwies allerdings immer wieder darauf, dass angesichts der Häufigkeit der Grippe immer noch zahlreiche Fälle mit der Impfung verhindert werden, sie gelte als wichtigste Schutzmaßnahme.

Wissenschaftler verfolgen international schon länger die Idee, andere, effizientere An­sätze zu finden: zum Beispiel einen Universalimpfstoff gegen alle Grippeerreger. Die Vor­stellung sei „ein großer Traum“, für dessen Erfüllung aber noch viel Arbeit nötig sei, sagte Welte.

Solche Impfstoffe, die etwa gegen weniger variable Kernstrukturen des Virus gerichtet sind, befänden sich in frühen Entwicklungsphasen, etwa im Tiermodell. Bis zur Zulassung für den Einsatz am Menschen vergingen ab dann mindestens noch zehn, eher 15 Jahre, so der Experte. Gegebenenfalls könne die Politik das Verfahren beschleunigen, solle eine geeignete Substanz gefunden sein. © dpa/aerzteblatt.de

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