NewsAuslandErstmals früherer Chef von Opioid-Hersteller in den USA zu Haftstrafe verurteilt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Ausland

Erstmals früherer Chef von Opioid-Hersteller in den USA zu Haftstrafe verurteilt

Freitag, 24. Januar 2020

Insys Therapeutics Gründer John Kapoor auf dem Weg zur Gerichtsverhandlung vor dem Boston Federal Court. /picture alliance, AP Photo

New York – Inmitten der Opioid-Krise mit zehntausenden Toten ist in den USA erstmals der Ex-Chef eines Schmerzmittel-Herstellers zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden.

Der 76-jährige John Kapoor, Gründer des Pharmaunternehmens Insys, wurde gestern von einem US-Gericht zu einer Gefängnisstrafe von fünfeinhalb Jahren verurteilt. Bereits im Mai hatte ihn ein Gericht in Boston zusammen mit vier weiteren Angeklagten der Be­stechung von Ärzten schuldig gesprochen.

Anzeige

Sie hatten Ärzten jahrelang Gelder in einer Gesamthöhe von mehr als zehn Mill­ionen Dollar (neun Millionen Euro) gezahlt, damit diese Patienten das Fentanyl-Spray Subsys verschreiben – ein starkes und süchtig machendes Opioid für Krebspatienten im Endsta­dium. Das Mittel ist 50 bis 100 Mal stärker als Morphin.

Das Unternehmen verlangte von Ärzten, große Mengen des Medikaments zu verschreiben und auch Patienten eine hohe Dosierung zu empfehlen, die das Mittel eigentlich nicht benötigten. Die Zahlungen wurden als Honorare für Reden der Ärzte bei Veran­staltungen verschleiert.

In den USA sind Millionen Menschen von Opioiden abhängig. In weniger als zwei Jahr­zehn­ten starben mehr als 400.000 Menschen an einer Überdosis. Allein im Jahr 2017 gab es den Behörden zufolge landesweit rund 47.600 Todesfälle. © afp/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #79783
Practicus
am Dienstag, 4. Februar 2020, 23:39

Auch nicht ganz richtig

Die Mischung machts...
Ein Selbstzahler-Gesundheitssystem, das Kran­ken­ver­siche­rung an den Arbeitsplatz koppelt, irrsinnig hohe Arztkosten ( einige Hundert $ pro Konsultation) und Mondpreise in den Apotheken verlangt...
Ärzte, die starke Schmerzmittel im Vertrauen auf die Werbung unkritisch verordnet haben...
Die Mischung eines Systems, das die suchtpräventiv wichtig regelmäßige Einnahme behindert, um Kosten zu sparen... ein Wirtschaftssystem ohne Lohnfortzahlung mit hire and fire...
Lieber ein paar mehr Oxycontin einwerfen als einmal bei der Arbeit fehlen.... und irgendwann zum Dealer an der Ecke, der sein "black tar" billiger verkauft als der Apotheker sein Oxycontin...
Avatar #795409
Sarah K.
am Samstag, 1. Februar 2020, 23:54

Opioide

Erstens sind synthetische Opioide (wie z. B. Oxycodon) viel gefährlicher als natürliches Opium oder natürliches Codein und zweitens ist es gut, dass die Verantwortlichen bzw. die Hersteller der synthetischen Opiodie verurteilt wurden, jedoch müssten die Ärzte, die sich haben bestechen lassen und die Opioide verantwortungslos verordnet haben (ohne die Patienten auf gefährliche Nebenwirkungen oder Suchtproblematik kontrolliert zu haben), ebenfalls verurteilt werden. Gleiches müsste auch in Bezug auf die enorm vielen Opfer durch die Behandlung mit Neuroleptika geschehen.
Avatar #763956
dubito
am Freitag, 24. Januar 2020, 20:04

Unfassbar ... ignorant

Die Opioid-Krise in den USA ist ein Skandal.
Nicht weil die Firmen, deren Chefs jetzt zu Recht zur Rechenschft gezogen werden, Mittel wie z. B. Oxycodon angepriesen haben - Arzneimittel sind keine Markt-Ware. Sondern, weil sich alle anderen aus der Verantwortung gezogen haben: Die Ärzte, die diese Mittel begeistert verschrieben haben. Und die CDC, die für die Überwachung zuständig gewesen wären, aber untätig blieben.
Wir leben nicht mehr im Mittelalter. Kein europäischer Arzt hätte guten Gewissens derartige Medikamente in derart hoher Dosierung bei oftmals derartig lapidaren Krankheiten verschrieben (und deshalb haben wir dieses Problem hier auch nicht).
Bleibt die Frage, wie so etwas in den USA möglich werden konnte. Vielleicht ist es das immer wiederkehrende Problem mangelnden AUgenmaßes: Etwas ist entweder "gut" oder "schlecht" - erlaubt oder verboten.
Dieses Desaster ist unglaublich traurig, aber auch typisch amerikanisch.
LNS

Nachrichten zum Thema

17. Februar 2020
Karlsruhe – Ärztliche Zwangsbehandlungen sind nur gegen den Patientenwillen möglich, wenn die Therapie einem breiten medizinisch-wissenschaftlichen Konsens entspricht. Das hat der unter anderem für
Keine Zwangsbehandlung ohne breiten medizinisch-wissenschaftlichen Konsens
17. Februar 2020
Berlin – Die Grünen im Bundestag setzen sich für ein härteres Durchgreifen des Staats gegen zu hohen Alkoholkonsum ein – und nehmen dabei auch die Steuern auf Alkohol in den Blick. „Die
Grüne für härteren Kurs gegen Alkoholmissbrauch
13. Februar 2020
Berlin – In Berlin müssen sich seit heute vier Angeklagte wegen mutmaßlichen Betrugs in der Pflegebranche in Millionenhöhe vor Gericht verantworten. Eine 63-jährige Frau soll als Geschäftsführerin
Vier Angeklagte wegen Pflegebetrugs in Millionenhöhe vor Gericht
12. Februar 2020
Berlin – Die SPD-Bundestagsfraktion fordert eine Abkehr von der Cannabis-Verbotspolitik. In einem gestern beschlossenen Positionspapier spricht sich die Regierungspartei dafür aus, den Besitz kleiner
SPD für legale Abgabe von Cannabis zum Freizeitkonsum
12. Februar 2020
Berlin – Die Migrationspolitik der USA und Mexikos hat einem Bericht von Ärzte ohne Grenzen zufolge oft negative Auswirkung auf die Gesundheit von Geflüchteten. Flüchtlinge seien in ihren
US-Migrationspolitik schadet Gesundheit von Flüchtlingen
10. Februar 2020
Berlin – Wohlfahrtsverbände und Beratungsstellen haben zu einer stärkeren Unterstützung für Kinder von Suchtkranken aufgerufen. „Es ist wichtig, dass wir gerade die Kinder, die in Familien mit
Kinder von Suchtkranken benötigen mehr Unterstützung
10. Februar 2020
Erfurt – Die von den Bundesländern geplante Reform des deutschen Glücksspielmarkts stößt bei Suchtexperten weiter auf scharfe Kritik. „Die beabsichtigte Legalisierung von Online-Glücksspielen ist ein
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER