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Politik

Länder wollen ambulante Versorgung an Kliniken vergeben können

Freitag, 24. Januar 2020

/Monkey Business, stock.adobe.com

Berlin – Die Bundesländer haben die Ergebnisse ihrer Diskussionen aus der Bund-Län­der-Arbeitsgruppe zur Zukunft der sektorenübergreifenden Versorgung weiter konkreti­siert.

So soll das Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium noch im ersten Quartal 2020 einen Gesetz­entwurf vorlegen, in dem die Fragen zur Sicherstellung der ambulanten Versorgung durch Krankenhäuser neu geregelt werden.

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Zudem soll ein gemeinsamer fachärztlicher Versor­gungsbereich von Vertragsärzten und Krankenhäusern entstehen. Das geht aus einem „Fort­schritts­bericht“ der Arbeitsgruppe hervor, der dem Deutschen Ärzteblatt vorliegt.

Demnach sollen in dem Gesetzentwurf drei Möglichkeiten für die ambulante Versorgung besonders auf dem Land entstehen: Zum einen sollen rechtliche Möglichkeiten ge­schaff­en werden, wie Krankenhäusern die Teilnahme an der ambulanten Versorgung er­möglicht wird, „beziehungsweise die Voraussetzungen dafür bei entsprechendem ambu­lan­ten Ver­sorgungsbedarf vereinfacht werden“, heißt es.

Damit sollen die Länder die Möglichkeiten erhalten, in den ländlichen Regionen einen „Planungsbereich mit einem zusätzlichen ambulanten Versorgungsbedarf“ zu bestimmen, den Krankenhäuser vor Ort erfüllen können. Dabei sollen einzelne Versorgungsbereiche übertragen werden können.

Auch soll ein Bundesland entscheiden können, ob ein „Krankenhaus in ein ambulantes Gesundheits­zentrum oder in ein ambulant-stationäres Gesundheitszentrum umgewan­delt“ werden soll. Und als dritte Möglichkeit wollen die Länder sich die Option eröffnen, dass ein Krankenhaus einen ambulanten Versorgungsauftrag bekommen kann, „ohne, dass das Krankenhaus zwingend umgewandelt werden muss“.

Zudem wollen die Länder einen gemeinsamen fachärztlichen Versorgungsbereich schaff­en, der „künftig für den ambulanten und stationären Bereich einheitlich sektorübergrei­fend organisiert wird“. Ziel sei es, das System „patientenfokussierter“ zu organisieren, so dass Leistungen, die bisher in Kliniken erbracht werden, auch ambulant erfolgen können sowie auch ambulante Leistungen in stationären Einrichtungen.

„Die Leistungen werden konkret beschrieben und einheitlich vergütet“, heißt es in dem Papier. Die Länder sehen darin auch den Vorteil, dass Personalressourcen besser gebün­delt werden: „Die Stärkung ambulanter Versorgungformen verringert insgesamt den Pflegebedarf und entlastet das ärztliche und vor allem das pflegerische Personal.“

Um diese Fragen rund um einen gemeinsamen fachärztlichen Versorgungsbereich auch in einem Gesetzentwurf einzubringen, sehen die Länder eine „kurzfristige gutachterliche Unterstützung“ als notwendig an.

In diesen Gesetzentwurf soll auch eine bessere Koordination von Hausärzten und ambu­lanten Pflegediensten eingebracht werden. Da die Abstimmung zwischen Vertragsärzten und Pflegediensten oft von der „Initiative und Kooperationsbereitschaft der Akteure“ ab­hänge, soll es künftig eine strukturierte Koordination mit Hilfe von Fallbesprechungen und Qualitätszirkel geben.

In dem Bericht der Bund-Länder-Arbeitsgruppe werden auch weitere kurzfristige Pläne angekündigt: So sollen Krankenhäuser, die ihren gesetzlichen Verpflichtungen beim Ent­lass­management nicht nachkommen, künftig Vergütungsabschläge bekommen.

GKV-Spitzenverband und die Deutsche Krankenhausgesellschaft sollen den Auftrag be­kommen, „das Nähere zu den sanktionierten Pflichtverletzungen sowie zu den Voraus­setzungen und zur Ausgestaltung der Abschläge zu vereinbaren.“

Auch die Fachabteilungen der Kinder- und Jugendmedizin, deren Personalengpässe in den vergangenen Wochen auch medial ein Thema war, sollen kurzfristig in die Regelun­gen zum Sicherstellungszuschlag einbezogen werden. Zum Thema sind auch mehrere Fachgespräche mit dem Ministerium geplant, deren Ergebnisse demnächst gemeinsam besprochen werden sollen.

Für die weitere Diskussion in der Arbeitsgruppe in diesem Jahr haben sich die Länder auch die Verbesserung der haus- und fachärztlichen Koordination auf die Agenda ge­schrieben. Dabei soll die „Zweckmäßigkeit der quartalsbezogenen Honorierung“ sowie die „Einführung einer kontaktunabhängigen Koordinierungspauschale“ diskutiert werden.

Auch sollen die gesetzlichen Rahmenbedingungen für das Belegarztwesen geprüft wer­den. Die Arbeitsgruppe soll auch darüber beraten, wie die Kurzzeitpflegeplätze weiter ausgebaut werden können. © bee/aerzteblatt.de

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Avatar #88767
fjmvw
am Samstag, 25. Januar 2020, 11:47

Länder wollen die Niedergelassenen abzocken

Ausgaben für die ambulante Versorgung werden aus der von den Kassen an die KV mit befreiender Wirkung gezahlten Gesamtvergütung bestritten. Wenn man den Bundesländern erlaubt, auf Kosten von Dritten, nämlich den KV-Mitgliedern, und völlig losgelöst von der Bedarfsplanung die ambulante Versorgung auszubauen, dann bedeutet dies nichts anderes, als dass am Ende für die Niedergelassenen weniger Geld zur Verfügung steht. Deren Honorare müssen fallen, mit allen bekannten Konsequenzen wie zunehmender Ärztemangel.

Wird realisiert, was in dem Fortschrittsbericht steht und von der Bund-Länder-Gruppe angedacht ist, stellt sich folgende Situation ein:
- Die Länder können Krankenhäuser mit deutlich weniger Nebengeräuschen (also Protesten der Bevölkerung) vom Markt nehmen, weil man sie durch ambulante oder ambulant-stationäre Gesundheitszentren ersetzet. Das lässt sich der Bevölkerung viel leichter verkaufen als eine vollständige Schließung des Krankenhauses. „Ihr bekommt dafür ein ambulant-stationäres Gesundheitszentrum, habt also zusätzlich sogar noch eine ambulante Versorgung.“
Bund und Länder werden schon deswegen diese Strategie befürworten, weil es sie nichts kostet. Weder Wählerstimmen noch Geld.
- Alle Leistungen sollen einheitlich vergütet werden. Egal ob sie stationär oder ambulant erbracht werden. Das betrifft aber nur die Einrichtungen, die Krankenhäuser substituieren oder in denen die Krankenhäuser für die ambulante Versorgung geöffnet werden. Für Otto Normalarzt wird sich nichts ändern.
Daraus folgt: Wird eine Leistung A in einer solchen Einrichtung ambulant (oder stationär) erbracht, erhält das Krankenhaus oder das Gesundheitszentrum 1.000 Euro aus der Gesamtvergütung, wobei 1.000 Euro zugleich der Preis für die stationäre Versorgung ist.
Wird dieselbe Leistung A von einem KV-Mitglied ambulant erbracht, erhält es dafür 400 Euro. Das war der Preis der Vergangenheit in der ambulanten Versorgung. Wenn der eine Anbieter 1.000 und der andere für dieselbe Leistung nur 400 bekommt, dann ist das eine Preisdiskriminierung.
- Da solche Krankenhäuser/Gesundheitszentren viel, viel mehr Geld pro Leistung aus der Gesamtvergütung erhalten als ein KV-Mitglied, wird der Honorartopf im Vorwegabzug deutlich stärker geleert werden. Damit sinkt das Volumen, dass die KV für die Honorarverteilung an die Mitglieder noch zur Verfügung hat. In der Folge sinkt das Honorar pro Leistung für die KV-Mitglieder weiter ab. Nicht mehr 400 sondern nur noch 300.
- Fallende Honorare machen es für den Nachwuchs noch unattraktiver, sich als Vertragsarzt niederzulassen. Damit beschleunigt sich der Ärztemangel, das Versorgungsniveau für die Patienten fällt drastisch. Dem kann die Politik nur entgegenwirken, indem das Angebot, erst nur in solchen Einrichtungen und später notwendigerweise in allen Krankenhäusern, ausgeweitet werden wird. Anders kann man den Niedergang der ambulanten Versorgung durch Vertragsärzte nicht kompensieren, wenigstens zu einem kleinen Bruchteil.

Von drei Fachärzten beim Start des Gesundheitszentrums werden es in wenigen Jahren 3 Internisten plus Kardiologen plus Nephrologen plus Urologen plus 2 Orthopäden plus 2 Augenärzten plus 2 Frauenärzte plus Radiologen plus …. geben (müssen). Das ambulante Angebot wird explodieren (falls man dafür genügend Ärzte findet; die Nachfrage ist sicherlich da).
Je mehr Patienten diese Einrichtungen behandeln, desto stärker fällt das noch zur Verteilung zur Verfügung stehende Honorar. Bekam das KV-Mitglied am Anfang statt 1€ noch 95Ct, werden es nach kurzer Zeit nur noch 75Ct und noch weniger werden. Für diese Einrichtungen bleibt alles gleich. Vorher 3€ und künftig 3€ plus Anpassung in Höhe der Inflationsrate.

Man darf davon ausgehen, dass der hochrangig besetzten Bund-Länder-Arbeitsgruppe die Nebenwirkungen der von ihr vorgestellten Vorgehensweise bewusst sind:
- Ärztemangel nimmt weiter zu.
- Kostengünstige Anbieter, also die Niedergelassenen, werden aus dem Markt gedrängt.
- Die Versorgung, sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich, wird viel stärker zentralisiert. Die Wege für die Patienten werden viel länger.
- Das Versorgungsniveau sinkt ab.
- Die Ausgaben werden deutlich steigen, weil die Anbieter ineffizienter sind. Demzufolge steigen auch die Lohnnebenkosten deutlich an.
- Die Marktmacht der Krankenhäuser bzw. Eigner von solchen Gesundheitszentren nimmt schlagartig zu.
- Ausgestattet mit mehr Marktmacht, werden die Anbieter sowohl im ambulanten als auch im stationären Bereich deutlich höhere Preise durchsetzen.
Die Nebenwirkungen sind zweifelsfrei äußerst schwerwiegend. Für wie bedrohlich muss man eine Situation halten, wenn man trotz dieser Nebenwirkungen auf die Öffnung/Umwandlung von Krankenhäusern hin zu solchen Einrichtungen setzt?

Aus ökonomischer Sicht eindeutig der falsche Weg.
Für Politiker offenkundig der beste Weg.
Für die Patienten ein Weg, der mit deutlich steigenden Wartezeiten, längeren Wegen zum Arzt und sehr viel höheren Ausgaben für Gesundheit verbunden sein wird.

Was wird wohl der Wähler zu einem sinkenden Versorgungsniveau bei gleichzeitig steigenden Preisen an der Wahlurne sagen?
Avatar #550935
Dr. med. Armin Conradt
am Freitag, 24. Januar 2020, 19:02

Neue Aufgaben für die Kliniken?

Bevor die Bundesländer den Krankenhäusern neue zusätzliche Aufgaben aufdrücken, sollten sie erst einmal ihrer gesetzlichen Zahlungsverpflichtung für die Investitionskosten nachkommen, anstatt die Kliniken mit der Hälfte abzuspeisen.
LNS

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