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Medizin

Bei manchen Patienten mit B-Zell-Lymphom kann Chemotherapie reduziert werden

Montag, 27. Januar 2020

Maligne B-Zell-Lymphozyten /dpa

Homburg – Patienten mit einem aggressiven B-Zell-Lymphom werden üblicherweise mit einer Immunchemotherapie behandelt. Bestimmte Patienten mit geringer Tumorlast sind mit dem Standard-Behandlungsprotokoll aber übertherapiert.

Die Zahl der Behandlungszyklen kann bei ihnen reduziert werden, was die Nebenwir­kungen der Therapie vermindern kann. Das berichten Forscher um die Erstautorin Viola Pöschel in der Zeitschrift Lancet (DOI 10.1016/S0140-6736(19)33008-9).

Das aggressive B-Zell-Lymphom ist die häufigste Form des Non-Hodgkin-Lymphoms. Diese wiederum zählen zu den 10 häufigsten Krebserkrankungen in Deutschland.

Die bisherige Behandlung sieht 6 Zyklen einer Chemotherapie vor, die von ebenfalls 6 Gaben des Antikörpers Rituximab begleitet werden. „Die Chemotherapie sorgt dabei für viele Nebenwirkungen. Die gravierendste dabei ist sicherlich die Polyneuropathie“, erklärt Pöschel.

„Aber auch die akute Toxizität ist sehr belastend für die Patienten“, ergänzt Stephan Stilgenbauer, Direktor der Klinik für Innere Medizin 1 am Universitätsklinikum des Saarlandes .

Der 2018 verstorbene ehemalige Leiter der Studie, Michael Pfreundschuh, vermutete, dass es unter den Niedrigrisikopatienten auch Patienten gibt, die mit der bisherigen Standardtherapie übertherapiert sind.

Seine akademisch initiierte prospektive randomisierte Studie wurde von der Deutschen Krebshilfe gefördert. Es nahmen Ärzte aus 138 Zentren in Deutschland, Däne­mark, Norwegen, Israel und Italien teil.

Von Dezember 2005 bis Oktober 2016 wurden 592 Patienten im Alter von 18 bis 60 Jahren mit geringer Tumorlast eingeschlossen. Im Kern ging es um die Frage, ob bei diesen Patienten weniger Chemotherapie-Zyklen ebenso wirksam sind wie die bisher übliche Therapie mit 6 Chemo-Zyklen.

Das Ärzteteam hat die Patienten dabei in 2 etwa gleich große Gruppen von knapp 300 Personen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt die klassische Therapie mit 6 Chemotherapie-Zyklen, die andere Gruppe erhielt lediglich 4 Zyklen.

Die Studienergebnisse zeigen, dass bei jüngeren Patienten mit geringer Tumorlast eines aggressiven B-Zell-Lymphoms die Anzahl der Chemotherapiezyklen unter Beibehaltung der hervorragenden Therapiewirksamkeit reduziert werden kann.

„Nach 3 Jahren haben 96 % der Patienten, die lediglich 4 Zyklen Chemotherapie erhalten haben, progressionsfrei überlebt – fast alle waren völlig tumorfrei“, erläutert Pöschel. „Von den Patienten, die mit 6 Zyklen behandelt wurden, waren es 94 %“, so die Medizi­nerin weiter. Insgesamt lag die 3-Jahres-Überlebensrate bei Patienten, die mit 4 Zyklen Chemotherapie behandelt wurden, bei 99 %, mit 6 Zyklen bei 98 %.

Entscheidend ist laut den Autoren, dass die Heilungsraten der Patienten, die weniger Chemotherapie-Zyklen erhalten haben, genauso gut sind wie die der Patienten, die die volle Chemotherapie-Dosis erhalten haben. Dabei hatten sie weniger Nebenwirkungen zu erleiden wie die Patienten, die 6 Chemo-Zyklen bekommen haben. © hil/aerzteblatt.de

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