NewsPolitikVerdachtsfälle auf 2019-nCoV in Deutschland nicht bestätigt
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Verdachtsfälle auf 2019-nCoV in Deutschland nicht bestätigt

Montag, 27. Januar 2020

Coronavirus (rot) auf dem Hintergrund einer Weltkarte, auf der China rot markiert ist./ Naeblys, stock.adobe.com
Der neuartige Coronavirus ist inzwischen in fast jeder Region Chinas aufgetaucht. Als weitere Maßnahme gegen die Ausbreitung kündigte die Regierung in Peking an, dass die allgemein geltenden Ferien für die Beschäftigten im Land über das laufende Neujahrsfest um drei Tage bis einschließlich Sonntag verlängert werden. /Naeblys, stock.adobe.com

Frankfurt am Main – In Deutschland konnten die Unikliniken in Marburg und Frankfurt sowie das bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit bisher kei­nen der Verdachtsfälle auf Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus (2019-nCoV) be­stätigen. Dennoch haben die Behörden angesichts von Fällen in Europa die Sicherheits­vor­kehrungen erhöht.

Frankreich ist bisher das einzige Land in Europa, in dem drei Fälle aufgetreten sind. Be­stätigte Erkrankungen gab es zudem in Thailand, Japan, Südkorea, Vietnam, Singapur, Malaysia, Nepal und Australien. Kanada zählte einen ersten „vorläufig bestätig­ten“ Fall.

Anzeige

In den USA wurden zwei neue Fälle in Kalifornien und Arizona bestätigt, wie die US-Ge­sundheitsbehörde berichtete. Damit steigt die Zahl in den USA auf fünf. Bei einem der neuen Fälle erklärte das Gesundheitsamt in Orange County bei Los Angeles, dass die Per­son zuvor von einer Reise nach Wuhan zurückgekehrt war.

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat am frühen Abend ihre eigene Angaben zum internationalen Gefährdungsniveau durch das Virus korrigiert. Weltweit sei die Gefähr­dung „hoch“, erklärte die Organisation. Zur Begründung sagte eine Sprecherin, es habe einen „Formulierungsfehler“ gegeben. Die WHO schätze das Risiko „sehr hoch in China, hoch in der Region und hoch auf weltweitem Niveau“ ein, hieß es nun.

In Erklärungen der WHO vom Donnerstag, Freitag und Samstag vergangener Woche hatte es dagegen immer geheißen, das Risiko sei „sehr hoch in China, hoch in der Region und moderat auf weltweitem Niveau“. Eine Sprecherin betonte, dass die neue Formulierung nicht die Ausrufung eines internationalen Gesundheitsnotstandes bedeute. Dieser wird nur äußerst selten erklärt.

Noch keine Screenings an deutschen Flughäfen

Am Frankfurter Flughafen wurden nach Angaben einer Sprecherin bisher keine besonde­ren Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Neu seien lediglich die Hinweise auf Monitoren im Sicherheitsbereich, mit denen Reisende unter anderem an Hygienemaßnahmen wie re­gelmäßiges Händewaschen und Vorsicht bei Kontakt mit Kranken erinnert würden.

Der Kontakt mit Kranken in einem der chinesischen Risikogebiete gilt als starkes Indiz für eine mögliche Ansteckung. Eine spezielle Diagnostik zum Coronavirus wird eingeleitet, wenn Symptome einer Lungenerkrankung (wie Fieber oder Husten) vorliegen, die erkrankte Person sich in den letzten 14 Tagen in einem Risikogebiet aufgehalten hat und ein Influenzaschnelltest negativ verlief.

Passagiere aus China würden zudem durch mehrsprachige Flyer informiert, erläuterte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU).

Dabei gehe es vor allem darum, dass sich Passagiere mit Symptomen aus den entspre­chenden Regionen „sehr zügig“ zu erkennen geben und einen Arzt aufsuchen. „In einem nächsten Schritt würden die Kontaktpersonen identifiziert, die die betreffende Person in Deutschland, in Europa gehabt hat“, so Spahn weiter.

Eine Sprecherin des Ge­sund­heits­mi­nis­teriums ergänzte, sie könne nicht ausschließen, dass es auch Kontrollen in Form von Screenings an den Flughäfen geben werde. Derzeit rate die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) von Screenings aber ab.

An einer Grippe, wenn sie schwer verläuft, sterben in Deutschland bis zu 20.000 Menschen im Jahr. Jens Spahn, Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter

Zur „Einordnung“ betonte Spahn, dass der Krankheitsverlauf beim Coronavirus milder sei als etwa bei einer Grippe. „An einer Grippe, wenn sie schwer verläuft, sterben in Deutsch­land bis zu 20.000 Menschen im Jahr.“

Auf die Frage, ob in Deutschland wie in China auch die Abschottung ganzer Städte mög­lich sei, führte Spahn das Beispiel von Masern an, die deutlich ansteckender seien als das Coronavirus. „Und wir bekommen auch einen Masernausbruch in Deutschland mit deut­lich milderen Maßnahmen in den Griff, als wir sie derzeit in China sehen.“

Etwa 90 Deutsche im Raum Wuhan – Bundesregierung prüft Evakuierung

Eine mögliche Evakuierung ausreisewilliger Deutsche aus China werde in Betracht gezo­gen, sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) heute in Berlin. Andere Länder wie Frankreich und die USA haben solche Rückholaktionen bereits in die Wege geleitet.

In der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan in Zentralchina, dem Ausgangsort der Epidemie, lebten etwa 90 Deutsche, sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts heute.

Das seien „Staatsbürger, die dort leben, arbeiten, studieren, verheiratet sind“. Das Aus­wär­­tige Amt stehe mit den Deutschen dort seit Tagen regelmäßig in Kontakt. „Momentan haben wir keine Hinweise darauf, dass Deutsche von der Krankheit betroffen sind“, sagte sie.

Zahl der Infektionen steigt weiter an

Die Zahl der Toten durch die neuartige Lungenkrankheit in China ist bis heute Abend um 25 auf 81 gestiegen. Heute gab es einen ersten Todesfall in Peking. Ein 50-Jähriger sei der Krankheit erlegen, teilte das Gesundheitsamt der chinesischen Hauptstadt mit. Der Mann habe Anfang Januar Wuhan besucht und eine Woche nach seiner Rückkehr Fieber bekommen. Heute sei er an Lungenversagen gestorben.

Innerhalb eines Tages kletterte die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem neuen Coro­navirus in der Volksrepublik sogar um mehr als 700 auf 2.744, wie das Staatsfernsehen un­ter Berufung auf die chinesischen Behörden berichtete. Mit den rund 50 Fällen außer­halb Chinas sind damit bislang fast 2.800 Fälle weltweit bestätigt.

Die Zahl der Infizierten in China kann weiter stark steigen, da es rund 5.800 Verdachts­fälle gibt, bei denen die Diagnose noch nicht abgeschlossen ist. In Hongkong, Taiwan und Macao gibt es 17 bestätigte Erkrankungen – in anderen Ländern Dutzende mehr.

Wie die WHO berichtete, war die große Mehrheit der außerhalb Chinas Erkrankten zuvor in der besonders schwer betroffenen Metropole Wuhan in Zentralchina gewesen, dem Ausgangsort der Epidemie. © dpa/afp/gie/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

LNS

Nachrichten zum Thema

4. April 2020
Berlin − Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sieht erste Anzeichen für eine Verlangsamung der Ausbreitung des Coronavirus, hält die Zeit für eine Lockerung der Schutzmaßnahmen aber noch nicht
Merkel sieht Anlass zu „ein wenig Hoffnung“ in Coronakrise
4. April 2020
Berlin − Die gesetzliche Pflegeversicherung ist bereit, in der Coronakrise für Altenpflegekräfte eine Sonderzahlung von bis zu 1.500 Euro zu finanzieren. Das erfuhr das RedaktionsNetzwerk
Pflegeversicherung will Altenpflegekräften Sonderzahlung gewähren
4. April 2020
Göttingen – Die Beschränkungen im öffentlichen Leben, die am 8. und 16. März in Kraft traten, haben die Ausbreitung von SARS-CoV2 in Deutschland abgeschwächt, eine weitere exponentielle Zunahme der
Studie: Maßnahmen gegen Ausbreitung von SARS-CoV-2 zeigen erste Wirkung
3. April 2020
Berlin – Wirken die Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2 und wie lange müssen sie noch aufrecht gehalten werden? Kaum eine andere Frage beschäftigt Deutschland derzeit mehr. Nun äußerte sich das
RKI bestätigt Wirksamkeit der Maßnahmen zur Eindämmung von SARS-CoV-2
3. April 2020
Berlin – Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina beschäftigt sich derzeit mit Hochdruck mit der Frage, wie ein nachhaltiges „Wiederhochfahren“ des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft
Leopoldina plädiert für Einsatz von Mund-und Nasen-Schutz sowie Corona-App
3. April 2020
Berlin – Über das Tragen von Masken in der Öffentlichkeit wird in der Coronakrise viel diskutiert. Nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) könnte das vorsorgliche Tragen eines
Behelfsmasken könnten laut RKI bei fehlendem Abstand sinnvoll sein
3. April 2020
Bremen – Eine der großen Herausforderungen in der Corona-Pandemie ist die Beschaffung von medizinischer Schutzausrüstung. Durch die weltweit stark gestiegene Nachfrage und durch zeitweise
LNS LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER