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Politik

Zwischenziel der HIV-Bekämpfung in Berlin-Brandenburg erreicht

Dienstag, 28. Januar 2020

Dilek Kalayci (SPD), Berliner Senatorin für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, spricht bei der Eröffnung des Zentrums für sexuelle Gesundheit Checkpoint BLN. /picture alliance, Fabian Sommer

Berlin – In Berlin kennen 89 Prozent der HIV-Infizierten ihren Status, 93 Prozent davon erhalten eine Therapie und bei 95 Prozent ist die Viruslast unter Therapie unterhalb der Nachweisgrenze. Damit habe man das Zwischenziel für 2020 praktisch erreicht, sagte Berlins Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) gestern. Sie wolle sich für eine weitere Verbesserung einsetzen.

„Wir wollen, können und werden Aids bis zum Jahr 2030 beenden. Zur Umsetzung dieses Zieles ist der neue Checkpoint BLN schon jetzt ein sehr wichtiger Baustein“, sagte Kalayci auf der Eröffnung einer neuen Berliner Beratungs- und Teststelle für HIV und andere sexuell übertragbare Erkrankungen, mit dem Namen Checkpoint BLN. „Mitentscheidend für das Erreichen der Ziele wird auch die Frage der Entstigmatisierung der HIV-Infektion sein“.

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Die Senatorin stellte eine Anti-Stigmatisierungs-Kampagne in Aussicht, für die 150.000 Euro im Berliner Haushalt des Jahres 2021 vorgesehen seien. Wenn man das Stigma be­kämpfe, würden sich auch mehr Menschen testen lassen, meinte sie.

Berlin war 2016 der internationalen Initiative „Fast-Track Cities“ (FTC) beigetreten, die sich das Ende von globalen Infektionskrankheiten, besonders aber der HIV-Epidemie, zum Ziel gesetzt hat. Mit der Unterzeichnung der sogenannten Pariser Erklärung verbriefen Städte ihre Absicht, notwendige Schritte zur HIV- und Aids-Bekämpfung gehen zu wollen.

Das nächste Ziel der Initiative ist für das Jahr 2030 in der 95-95-95-Formel definiert: 95 Pozent der infizierten Menschen sollten über ihren HIV-Status Bescheid wissen, davon sollten 95 Prozent eine Therapie erhalten. Wiederum 95 Prozent davon sollten unter an­ti­viraler Therapie einen Abfall der Viruslast unter die Nachweisgrenze erreichen, was eine Übertragung des Virus deutlich unwahrscheinlicher macht.

Ende der HIV-Epidemie medizinisch und technisch möglich

21 engagierte niedergelassene Ärzte arbeiten aktuell beim Checkpoint BLN mit. Das Zen­trum würde die bereits guten Versorgungsstrukturen in Berlin sinnvoll ergänzen, sagte Axel Baumgarten, Vorstandsmitglied der Deutschen Arbeitsgemeinschaft niederge­lasse­ner Ärzte in der Versorgung HIV-Infizierter (dagnä).

Es sei aus medizinischer wie auch technischer Sicht heute möglich, die HIV-Epidemie zu beenden, erklärte der Infektiologe. Doch rund 50 Prozent der Erstdiagnosen wären wei­ter­hin bereits in fortgeschrittenen Stadien. Er plädierte daher für eine Sensibilisierung von Ärzten für Marker-Krankheiten und weitere Studien zur Verbesserung der Früher­kennung von HIV.

Beratung und Testung auch ohne Geld und Kran­ken­ver­siche­rung

Seit etwa einem Jahr biete man im Checkpoint BLN in Berlin Neukölln „vorurteilsfreie, nie­derschwellige Beratung“ an, sagte Christoph Weber, medizinischer Leiter des Zen­trums, „auch für Menschen ohne Geld oder Kran­ken­ver­siche­rung“. Über Prä- und Post­expositionsprophylaxe hinaus werden auch Beratungen und Tests zu anderen sexuell übertragbaren Krankheiten sowie Hepatitis-Impfungen ermöglicht.

Das Angebot richte sich vornehmlich an Männer mit sexuellem Kontakt zu Männern, aber auch an Trans- und Interpersonen, betonte Jacques Kohl, psychosozialer Leiter im Check­point BLN. Zu Beginn habe man dort zwei Personen am Tag versorgt, inzwischen nutzten etwa 200 Menschen pro Woche die Gesundheitsangebote. © jff/aerzteblatt.de

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