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Medizin

Cochrane für konsequentere Veröffentlichung von Studienergebnissen

Dienstag, 28. Januar 2020

/lenets_tan, stock.adobe.com

Freiburg – Die Cochrane Deutschland Stiftung (CDS) kritisiert, dass viele Forschungs­institutionen auch in Deutschland die Ergebnisse ihrer Studien nicht oder zu spät in entsprechenden Registern zugänglich machen.

„Für die evidenzbasierte Gesundheitsversorgung und speziell für die Arbeit von Cochrane ist dies ein existenzielles Problem. Denn nur bekannte Evidenz ist gute Evidenz“, hieß es aus der Stiftung.

Aktueller Anlass für die Kritik der Stiftung ist eine Arbeit in der Fachzeitschrift Lancet (doi 10.1016/S0140-6736(19)33220-9).

Die Autoren überprüften dafür mehr als 4.200 klinische Studien, die zwischen März 2018 und September 2019 in dem amerikanischen Studienregister ClinicalTrials.gov erfasst wurden. Nach amerikanischem Recht müssen dort eigentlich innerhalb eines Jahres nach Abschluss der Studie auch Ergebnisse hinterlegt werden. Doch in Wirklichkeit war dies nur für etwas mehr als 40 % der Studien der Fall.

„In Deutschland sieht es mit dem zeitnahen und vollständigen Zugang zu klinischen Stu­dienergebnissen keineswegs besser aus“, kritisiert die CDS. Das zeige ein eben erschie­nener gemeinsamer Bericht von TranspariMED und der Buko Pharma-Kampagne.

Die beiden Organisationen, die sich für Transparenz in der medizinischen Forschung einsetzen, gehen darin der Frage nach, inwieweit die mehr als 30 deutschen Universitäts­kliniken der EU-weiten Regelung nachkommen, binnen Jahresfrist nach dem Abschluss einer Studie eine Zusammenfassung der Ergebnisse im europäischen Register EudraCT hochzuladen.

Dafür identifizierten die Autoren 477 klinische Studien, die seit mehr als 12 Monaten abgeschlossen sein sollten. Das Resultat der Zählung: Studienergebnisse lagen für 32 dieser Studien vor – das entspricht weniger als 7 %. Die CDS spricht daher von einem „erschreckend laxen Umgang“ mit der Verpflichtung, Studiendaten allgemein zugänglich zu machen.

„Die medizinischen Fakultäten und Unikliniken in Deutschland setzen sich intensiv mit dem Thema der Ergebnispublikation klinischer Studien auseinander. Wir unterstützen das Ziel einer möglichst vollständigen und zeitnahen Veröffentlichung der Kernergebnisse einer Studie“, erklärte Frank Wissing, Generalsekretär des Medizinischen Fakultätentages, gegenüber dem Deutschen Ärzteblatt.

Eine Arbeit im Journal of Clinical Epidemiology aus dem Jahr 2019 (doi 10.1016/j.jclinepi.2019.06.002), an der auch die CDS mitwirkte, habe gezeigt, dass Ergebnisse klinischer Studien aus Deutschland in verschiedensten nationalen und internationalen Datenbanken, Registern und über Publikationen in Fachjournalen veröffentlicht würden.

Der Anteil der laut der Publikation auffindbaren Studienergebnisse aus der Universitäts­medizin liege insgesamt bei 74 % – „es werden also mitnichten Ergebnisse von Studien in großem Umfang zurückgehalten“, so Wissing. Allerdings erfolge die Veröffentlichung oftmals mit bis zu 5-jähriger Verzögerung, so waren nach 2 Jahren erst 39 % der Studien­ergebnisse veröffentlicht.

„Um diesen Anteil weiter zu erhöhen und die Ergebnisveröffentlichung deutlich zu be­schleu­nigen, richten die meisten Standorte der Universitätsmedizin derzeit ihre Unter­stützungsmaßnahmen für forschende Ärzte und interne Prozesse noch konsequenter auf die Erfassung und aktive Unterstützung ihrer laufenden Studien bis hin zur Ergebnis­veröffentlichung aus. Förderlich wäre es zudem, die uneinheitliche Gesetzeslage und die Landschaft der Studienregister und Datenbanken weiter zu harmonisieren“, so Wissing. © hil/aerzteblatt.de

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