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Ärzteschaft

Homöopathie: Ärzte für Ende der Erstattung durch Krankenkassen

Montag, 27. Januar 2020

/Wolfilser, stockadobecom

Berlin – Bundes­ärzte­kammer (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) haben sich für ein Ende der Homöopathie als Satzungsleistung der Krankenkassen ausgespro­chen. Das haben KBV-Chef Andreas Gassen und Heidrun Gitter, BÄK-Vizepräsidentin der BÄK, in einer Dokumentation der ARD zur Homöopathie betont.

„Ich bin der Meinung, dass grundsätzlich die Homöopathie nicht erstattungsfähig sein kann“, sagte Gassen. Das gelte sowohl für verordnete Therapeutik als auch ärztliche Leis­tungen, die in dem Zusammenhang erbracht würden.

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Er mahnte, die Spielregeln müssten für alle gleich sein. „Wenn die Homöopathie ihren Nutzen tatsächlich im objektiven wissenschaftlichen Verfahren beweisen könnte, dann sollte man versuchen, sie in die Erstattung hineinzubekommen“, erklärte er. Solange das nicht der Fall sei – und das sei seit 150 Jahren so – dann habe sie in der Erstattungsland­schaft nicht verloren.

Heidrun Gitter sprach sich dafür aus, die Zusatzbezeichnung Ho­mö­­opathie abzuschaffen. Nur mit dieser können die Leistungen der Homöopathie ab­ge­rechnet werden. In der Do­ku­mentation heißt es, für das Erstanamnesegespräch erhalte ein Arzt mit Zusatzbezeich­nung Homöopathie 90 Euro. Das sei ungefähr zweieinhalb Mal so viel wie der Hausarzt für dieselbe Leistung erhalten würde, erklärte Gitter.

„Das finde ich eine befremdliche Schieflage“, sagte die BÄK-Vizepräsidentin. Sie würde sich wünschen, dass das hausärztliche Gespräch besser vergütet wird und dafür auch die Versichertengelder gezielt verwendet werden. Wer Homöopathie wünsche, solle diese privat bezahlen. Homöopathie gehöre nicht in die Erstattung.

Der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Erwin Rüddel (CDU), kündig­te an, sich des Themas anzunehmen. „Ich denke, hier geht es um die Glaubwürdigkeit un­se­res Systems“, sagte er. Entweder weise die Homöopathie ihre Evidenz nach. Könne sie dies nicht, dann müsse es den Krankenkassen untersagt sein, Homöopathie zu finanzie­ren. © may/aerzteblatt.de

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Avatar #759489
MITDENKER
am Sonntag, 2. Februar 2020, 08:19

Verbissenheit der Debatte

Wie man - leider - sieht, ist die Verbissenheit dieser Debatte total ausgeartet. Die Homöopathie-Kritiker scheuen nicht einmal vor Betrug und Beschiss zurück:

"Eine Abstimmung über Homöopathie wurde im Onlineportal des Südwestrundfunks manipuliert, das bestätigte ein SWR-Sprecher"
Quelle:
https://www.bph-online.de/haben-homoopathie-gegner-swr-abstimmung-manipuliert/
Avatar #79783
Practicus
am Samstag, 1. Februar 2020, 23:40

@Mitdenker

Leider trifft das in der Medizin oft zu - und die Beschränkung durch den "Fehler 2. Art" ird geflissentlich ignoriert.
Teilweise mit Absicht - man will schließlich publizieren - teilweise aus schlichter Unkenntnis, Statistikvorlesungen sind ja so langweilig, und man hat ja schließlich ein Statistikprogramm, das wundervolle p-Werte, Standardabweichungen, T-Werte und Chi-Quadrate rechnet. Leider poppt da kein Warnhinweis automatisch auf: "Achtung, Ergebnisse möglicherweise unzuverässig"
Deswegen gibt es ja auch die berühmten "Meta-Analysen", zB der Cochrane-Collaboration.
Avatar #759489
MITDENKER
am Samstag, 1. Februar 2020, 23:28

Probanden-Anzahl

Bin zwar kein Spezialist für wissenschaftliche Studien, aber ich halte eine Wette, dass viele medizinische Studien mit weit weniger Probanden als 100 durchgeführt und in Fachzeitschriften veröffentlicht werden. Wetten das?
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 31. Januar 2020, 23:19

@Hümmer

Wenn Sie Frau Grams schon zitieren, dann vollständig: Die Homöopathin stellte den Zusammenhang mit dem Unfall her und riet zu einer Psychotherapie, die Frau Grams auch machte - ihre Genesung führte sie jedoch auf die Globuli zurück...
Und was Ihre Studie zur Insomnie angeht: Die Studie umfasste lediglich 60 Individuen!
Nach den mathematischen Grundsätzen der Statistik wird bei einer Gruppengröße von 100 Personen (!) ein abweichendes, signifikantes Ergebnis mit einer Wahrscheinlichkeit von 25% (!) übersehen - das ist der zu erwartende "Fehler zweiter Art" , der JEDE statistische Untersuchung abhängig von der Zahl der Datensätz kompromittiert.
Die scheinbar unerklärliche Signifikanz ist dadurch ganz simpel erklärbar.
Man könnte diese Studie mit 1000 Teilnehmern exakt wiederholen - wenn sich dann das Ergebnis bestätigt, werde ich vom Saulus zum Paulus - versprochen!
Statistik ist die Wissenschaft der großen Zahl - zu kleine Gruppen führen zu großen Unsicherheiten der Ergebnisse - egal, auf wieviele Stellen genau Sie rechnen!
Avatar #781197
Hümmer
am Freitag, 31. Januar 2020, 17:27

Verehrter Herr @Practicus,

[klingt jetzt auch irgenwie komisch, oder?] [vielleicht hätten sie das Pseudonym Dr. oder Prof. Practicus nennen sollen]

Die Diskussion, die sich an den Ausspruch in Edzard Ernsts Bog-Beitrag anschloss ["a-new-study-of-homeopathy-suggests-that-highly-diluted-remedies-are-better-than-placebos-and-i-cannot-fault-it/ ] , konnte bei aller Mäkelei an der Studie keinen Betrug oder andere grobe Fehler finden, also blieb nur die Aussage:

"- eine tatsächliche Wirkung der Homöopathie".

Übrigens konnte auch Walach wie Ernst keine Fehler in der Studie finden und attestierte ihr:
"....Die Schlussfolgerungen bleiben: Wir haben eine Studie vor uns, die belegt, dass klassisch angewandte Homöopathie bei chronischen Schlafstörungen wirksam ist. Sie tut dies in einem Kontext einiger anderer positiver Studien."
https://www.homöopathie-forschung.info/aktuelle-forschung_schlafstoerung/
Und in dem Buch, das aus lauter Enttäuschung darüber entstand, dass der vorher von ihr so angebetete Guru Hahnemann die Erwartungen nicht erfüllen konnte, lese ich:
""Ich ging zu vielen Ärzten, aber keiner von ihnen konnte eine Ursache für mein Leiden finden. Erst eine Homöopathin ließ mich den Zusammenhang zum Autounfall herstellen. Ich hatte wohl eine posttraumatische Belastungsstörung und meine Beschwerden ließen sich durch einen innerlichen Stressprozess erklären.
Nachdem ich die von ihr verschriebenen GLOBULI EINGENOMMEN HATTE, ging es mir
AUF EINMAL BESSER."
Nach der "Läuterung" führt sie die Besserung natürlich nur noch auf das Gespräch zurück, aber irgendwie klingt obiges anders......
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 31. Januar 2020, 14:54

@Hümmer

Wie äußerte sich der Chef der "Veronica und Carl Carstens-Stiftung"? Wissenschaftlich sei die Homöopathie eine "Anomalie" (wie Astrologie, Voodoo etc), die von der Wissenschaft halt akzeptiert werden müsse...
Auf Rotbäckchen-Säften ist der Barcode mit einem Querstrich gedruckt, "weil Kunden an eine Beeinflussung der Ware durch die Strahlen des Laserscanners glauben und das Gegenteil ja wissenschaftlich nicht abschließend belegt sei"...
Drum ist ja auch die Gravitation noch nicht vollständig aufgeklärt und jeder darf Glauben, dass Gegenstände nur zufällig nach unten und nicht nach oben fallen...

Edzard hat ja auch geschrieben:
Das Ergebnis der Schlafstudie könne sein:
- Betrug
- zufälliges Zusammenwirken anderer Faktoren
- ein unbemerkter Verzerrungseffekt der Studienmethode
- eine tatsächliche Wirkung der Homöopathie

Der letzte Satz ist keine zusammenfassende Feststellung, sondern eine Aufzählung der Möglichkeiten, die zum gefundenen Ergebnis führen könnten - ohne Bewertung der Wahrscheinlichkeiten.
Wie Kollegin Grams in ihrem Buch schrieb, wirkt Homöopathie als eine Art "Gesprächstherapie" - das homöopathische Mittel selbst spielt überhaupt keine Rolle.
Übrigens verbitte ich mir die Duzerei - die mag ja sonst im WWW üblich sein, aber die Form sollte doch gewahrt bleiben. Ich Duze Sie ja auch nicht!
Avatar #781197
Hümmer
am Freitag, 31. Januar 2020, 09:02

Phantastisches Wissenschaftsverständnis!

"Sobald eine Studie
eine Wirksamkeit eines HOMÖOPATHISCHEN MITTELS belegt, ist das als Aufforderung zu verstehen, den Fehler zu suchen!"
Ahhh, da spricht der unvoreingenommene Wissenschafts-Theoretikus!
Da kommt Edzard angesichts der SchlafqualitätsStudie, die klar signifikante Ergebnisse lieferte, schon realistischer daher:

"– „As far as I can see, there are the following possibilities:
– fraud,
– coincidence,
– some undetected/undisclosed bias,
– HOMEOPATHY WORKS AFTER ALL.“
Und auch seine eigene Metaanalyse zu postoperativem Ileus hatte ja signifikante Wirkungen der Homöopathie ergeben....
Lieber Practicus:
Du bist halt einer von denen, die Walach als mit allen positiven Ergebnissen nicht überzeugbar darstellt, weil einfach UNwissenschaftlich total voreingenommen...BIAS!
Avatar #79783
Practicus
am Freitag, 31. Januar 2020, 00:47

Sobald eine Studie

eine Wirksamkeit eines HOMÖOPATHISCHEN MITTELS belegt, ist das als Aufforderung zu verstehen, den Fehler zu suchen!
Homöopathie wirkt, ob das gewählte Mittel verabreicht wird oder nicht, Akupunktur wirkt unabhängig davon, ob und wo gestochen wird... (ein kleines bißchen, wie Mamas Pusten aufs wehe Knie)
Studien, die eine vemeintliche Wirkung eines homöopathischen Mittels aufzeigen, haben regelmäßig schwere methodische Mängel: Unzureichende Verblindung, willkürliche Pseudorandomisierung, Missachtung von "Fehlern 2. Art", unzureichende Power, nachträgliche Definition von Subgruppen, fehlerhafte Anwendung statistischer Methoden, manipulationsgefährdete monozentrische Studien... all das, was regelmäßig der Pharmaindustrie (oft zurecht) vorgehalten wird, ist bei Homöopathie- UND Akupunkturstudien seit jeher übliches Vorgehen.
Ein kritischer Beobachter hat mal die Randomisierungstabellen (aus denen hervorgeht, wer zur Verum- oder Kontrollgruppe gehört), mit Folie unter die Decke des Studienleiterbüros geklebt und versiegelt - woraufhin die Wiederholung einer angeblich positiven Studie prompt misslang!
Schon der Donner-Report, dessen Basisdaten verloren sind, hat ja die katastrophalen Folgen wissenschaftlicher Untersuchungen für die Homöopathie eindrucksvoll geschildert - durchaus glaubwürdig!
Wenn Ärzte ihren wissenschaftlichen Verstand verlassen und sich esoterischen Strömungen anschließen - sei es aus irrationalem Aberglauben, sei es aus wirtschaftlichem Kalkül, ist das allenfalls bedauerlich und beschämend.
Heilpraktiker, die Homöopathie betreiben, wissen es ja nicht besser und glauben tatsächlich an das, was sie da tun (was übrigens die scheinbaren Erfolge gut erklärt: Täuschung des Patienten, verstärkt duch Selbsttäuschung des Behandlers)
Zur Ehrenrettung der "Naturheilverfahren":
Naturheilverfahren nutzen natürliche Reize aus der Umwelt dazu, eine Reaktion des Organismus zu provozieren, die eine Linderung oder Heilung bewirken.
Homöopathie ist KEIN Naturheilverfahren, sondern ein ausgedachtes Heilsystem - wie Bachblüten, Makrobiotik, (Teile der) Osteopathie, TCM/Akupunktur ohne jeden Bezug zu Anatomie, Physiologie, Psychologie oder Biochemie...
Vor allem können echte Naturheilverfahren erklären, wie ihre Wirkung zustande kommt!
Avatar #811820
Die Unbestechlichen
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 23:49

Ärzte fordern das nicht

Ärzte allg. fordern das nicht. Es gibt eine Vielzahl von Ärzten die selber Homöopathie in unterschiedlichem Umfang betreiben. Ärzte die zusätzlich eine Qualifikation in Naturheilkunde haben werden genau so wie Heilpraktiker von der sogenannten Pseudo-Skeptiker Lobby angegriffen. Diese hoch ideologische und den großen Pharmakonzernen nahe stehende Gruppe ist seit Jahren für ihre Lobbyarbeit bekannt.

Z.B. musste das Buch "die andere Medizin" 2005 nach Anordnung des Gerichts vom Markt genommen werden weil die Autorin aus den Skeptikerkreisen dort behauptet hat ein homöopathisches Mittel hätte in Studien nicht besser abgeschnitten als Placebo, obwohl es das hat.

https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/daz-az/2006/daz-1-2006/uid-15195

Nach dem die Übersichtsstudien der letzten Jahrzehnte überwiegend zu Gunsten der Homöopathie ausgegangen sind, was die Pseudo-Skeptiker nicht interessiert hat, beruft man sich seit kurzem auf die australische Übersicht bei der es gravierende Mängel gab.

M.e. zeigt die Studienlage ein recht rundes Bild nach dem Homöopathie nicht immer aber in manchen Fällen helfen kann.

Das entspricht weder dem Wunsch der Homöopathen, das Homöopathie immer hilft noch dem der Gegner.

Es wäre also weiterhin interessant zu forschen unter welchen Umständen die Homöopathie ihr volles Potenzial entfaltet, wann es als Begleitung nützlich sein kann und wann es kaum zusätzlichen hat.

Das Anamnestische Gespräch und die Zuwenung durch den klassichen Homöopathen ist dabei etwas, das unumstritten Nutzen bringt und was auch den Großteil der Kosten ausmacht, während die Globuli an sich vergleichsweise wenig kosten.

Daher ist die menschenverachtende Grundhaltung und Hetze aus den Kreisen der Gegner gegen klassische Homöopathen und Homöopathie-Nutzer, besonders in den Foren im Internet in denen es schon teilweise Richtung Hassrede geht, ein sehr deutliches Zeichen woher der Wind weht und weshalb diese Gruppe mit Vorsicht zu genießen ist.
Avatar #811702
Nominell
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 13:12

höchste form der heilkunst

Da läuft bei den Skeptizisten einiges an neurotischen Mustern ab. Was die Homöopathie täglich leistet, sieht man an exzellenten Kasuistiken, einschließlich bei schwerer Pathologie, etwa Autoimmunerkrankungen oder z.B. epidermolysis bullosa. Was hat die Schulmedizin da zu bieten? Und jeder Homöopath hat reichlich Patienten, wo der Schulmediziner nichts mehr zu bieten hatte. Oder gar die Beschwerden verursacht hat. Zur Kostenfrage: wenn ein Patient im tv erzählt, dass sein MS-Medikament 30 000 € kostete -wohlgemerkt: nur das Medikament. Der Arzt nimmt auch ein Honorar.- und auf der anderen Seite ein Homöopath seinem MS-Patienten für eine 2-jährige, erfolgreiche Behandlung lediglich 2000€ in Rechnung stellte, dann kann jeder nur für die Homöopathie plädieren. - Übrigens wirken Homöopathika auch bei Pflanzen, bei Koma-Patienten und bei eingefleischten Skeptikern.
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 12:40

Schreibfehler - und "When Science becomes a Religion"

Homplus schrieb: "90 Min. bekommt der Arzt vergütet."
Er meint wohl: "90 Euro bekommt der Arzt vergütet."

Aber das nur nebenbei. Spannend finde ich die psychologische Analyse des Skeptizisten-Syndroms:

Scientism
When science becomes a religion.
https://www.psychologytoday.com/us/blog/out-the-darkness/201911/scientism
Avatar #781197
Hümmer
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 11:39

Danke Mitdenker, Sie sprechen mir aus der Seele!

Ja, woher kommt die Energie gerade gegen die Homöopathie?
Wen oder was bedroht Sie?
Diese Fragen bewegen mich gerade in diesen Tagen, wo objektive Fakten wie in einem Neglekt weggewischt oder absichtlich übersehen werden und Reportagen wie die vom SWR an einseitiger Polemik definitiv nicht mehr zu überbieten sind....
Warum wird von ansonsten klar denkenden Personen wie Dr. Aust mit der Kampagne, die Homöopathie aus der täglichen (kassenärztlichen) Patientenversorgung zu eliminieren, sogar der Kollaps unserer ambulanten Patientenversorgung in Kauf genommen, nur zum Versuch der Bestätigung: "Ich habe recht!"
Warum wird versucht, die Zunft der Heilpraktiker, die in unserem Gesundheitssystem ebenso wie wir Ärzte eine UNSCHÄTZBAR große Aufgabe der medizinischen und v.a. psychischen Betreuung übernehmen, zu diskreditieren [schwarze Schafe gibt es überall; die Patienten kommen zu diesen ebenso wie zu uns homöopathisch arbeitenden Ärzten GANZ BEWUSST, nachdem sie von den Versprechungen und Möglichkeiten der SCHULMEDIZIN ENTTÄUSCHT SIND, zahlen das auch noch, und sind durchaus in der Lage zu SPÜREN, WAS IHNEN GUT BZW. BESSER TUT].
Die Aussage von @PRACTICUS: ""Homöopathie wünschen", ist das ein Kennzeichen für einen erbärmlichen Wissensstand bzw, erschreckend weit verbreiteten Aberglauben!" ist in diesem Kontext eine fast schon an ungute Zeiten erinnernde Demagogik und erbärmlicher Versuch, den Andersdenkenden zu diffamieren.
Auch wenn er seine Aussage inzwischen zurückgezogen hat ["Die Homöopathie wirkt nicht über den Placeboeffekt hinaus.
Dr.-Ing. Norbert Aust, Schopfheim, den 28.11.2019"] bleibt die Aussage von Dr. Aust, die er am 18.10.2019 in seinem Blog getätigt hat:
"Außerdem sollten Sie meine Äußerungen und die des INH noch einmal genauer lesen: Unsere Aussage ist, dass es keine belastbare / zuverlässige / überzeugende Evidenz für eine Wirksamkeit über Placebo hinaus gibt. Also nicht „keine“ sondern „keine aussagekräftige“, was in der absoluten Anzahl ja einen Unterschied macht. So wie „kein Bier“ etwas anderes ist als „kein gutes Bier“.

für mich der einzige kurze Lichtblick einer offenen und ehrlichen Aussage in den Argumentationen der Szientisten [denn Skeptiker sind sie nicht wirklich]!
Nachdem die Medien nicht bereit sind, ohne INH- und gwup-Indoktrination zu berichten, erhebe ich (u.a. hier) die Stimme, denn ich möchte mir nicht dereinst vorwerfen lassen, dass ich [auch wenn mir die "Inquisition" droht] wie die Mitläufer zu unseligen Zeiten geschwiegen hätte.....
Avatar #811682
HOMPLUS
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 11:36

Die Arbeit eines Homöopathen

90 Min. bekommt der Arzt vergütet. Das ist wenig für die Arbeit eines wahrhaften Homöopathen. Dazu gehört: Anamnese meist 1-2 Std., dann Repertorisation in einem qualitativen Repertorium, dass meist als Computerprogramm für viel Geld erworben werden muss. Dann Materia-Media-Abgleich für infragekommende Mittel und Heraussuchen eines passenden Arzneimittels. Daneben körperliche Untersuchung, ggf. Laboruntersuchung und/oder Studium der zuvor teils von Kollegen erhobenen Befunde. Dann Erarbeitung eines Verständnisses des Krankheitsgeschehens. Da geht schon mal ein halber Tag bei drauf. Da möchte doch sicher kein anderer Arzt für arbeiten. Drum Hut ab für Ärzte, die sich entscheiden, in Zukunft ganz, überwiegend oder teils am Abend oder Samstag so zu arbeiten und es werden immer mehr, wenn man ihnen das Änderung der Strukturen nicht kaputt macht. Meines Wissens gibt es nur eine Ärztin, die einen anderen Weg gegangen ist und nun als Gallionsfigur der sog. Pseudoskeptikerbewegung vehement gegen die Homöopathie zu Felde zieht. Warum nur?
Womit versucht man es den Ärzten und auch anderen Therapeuten kaputt zu machen? Man versucht ihnen die Grundlage zu entziehen durch Änderung der Strukturen, durch Hinwegnahme der Zusatzbezeichnung, damit sie ihre Arbeit nicht vergütet bekommen, von Seiten der Pseudoskeptiker mit beispiellosen Kampagnen, die in den Medien nicht nur ein offenes Ohr finden, sondern max. Platz für so einen kleinen Teil der Therapieform. Man versucht, den Therapeuten die Therapiefreiheit zu nehmen. Man versucht der Bevölkerung, die zunehmend Homöopathie, Akupunktur und Naturheilkunde als Therapie wollen, das zu nehmen. Womit? Indem man Unwahrheiten über Studien verbreitet, Therapeuten falsch und aus dem Zusammenhang zitiert und Interviews so einkürzt, dass ein merkwürdiger Eindruck entsteht und das auch noch von unerfahrenen Menschen, die keinerlei medizinisches Wissen oder Wisssen in der Therapie mit Homöopathie haben, kommentieren läßt.
Wenn man Unwahrheiten oft wiederholt, werden sie nicht wahrer.
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 10:40

"Keinerlei Belege"

Kann man wirklich ernsthaft behaupten? Naja, man hilft ja gerne weiter, Wissenslücken sind ja kein Verbrechen:

Klinische Forschung:
https://www.informationen-zur-homoeopathie.de/?page_id=41

Fundstelle auf dieser Seite (nur auszugsweise daraus und exemplarisch):
"“Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es ausreichend Belege für eine präklinische Wirkung und klinische Wirksamkeit (Evidenzgrad I und II) gibt, und dass sie absolut und insbesondere im Vergleich zu konventionellen Therapien eine sichere und kostengünstige Intervention darstellt. Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist hoch.”

(15) Bornhöft G, Wolf U, von Ammon K, Righetti M, Maxion-Bergemann S, Baumgartner S, Thurneysen AE, Matthiessen PF: Effectiveness, safety and cost-effectiveness of homeopathy in general practice – summarized health technology assessment. Forsch Komplementmed 2006;13 Suppl 2:19-29 http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/16883077

(16) Panmedion Stiftung: Health Technology Assessment Bericht Homöopathie. Im Rahmen des Programms Evaluation Komplementärmedizin (PEK) des Schweizer Bundesamtes für Gesundheit.Zusammenfassung. Januar 2005. Download: http://panmedion.org/files/HTA_Homoeo_Zus.pdf

Klar, das ist alles ein Beleg für "keinerlei" :-)
Avatar #759489
MITDENKER
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 10:18

Woher kommt die Energie GEGEN etwas?

Es ist schon verblüffend, wieviel Zeit, Energie und Geld die Skeptiker seit Jahren GEGEN eine bewährte und beliebte Therapieform aufbringen. Ich hätte weder die Zeit, noch das Geld, noch die Energie jahrelang GEGEN eine bestimmte Therapieform (z.B. gegen die umstrittene Knietoilette) zu wettern. Wenn jemand FÜR etwas kämpft, ist das schon verständlicher, denn er will in den meisten Fällen der Menschheit etwas Gutes tun. Die Menschheit vor der Hom. zu retten, kann ich kaum als einen konstruktiven Impuls wahrnehmen, denn es geht offensichtlich darum, den Ruf der Homöopathie als Therapieform zu ZERSTÖREN (Stichwort "Globukalypse"). Das funktioniert im Internet und bei am Zeitgeist orientierten Politikern einigermaßen, zum Glück wissen selbst gebildete Patienten und Freunde nicht, was da seit Jahren läuft.
Die leidige Frage wie man die Studienlage interpretiert, mag zwar einigermaßen interessant sein, doch für mich ist das keineswegs der Weisheit letzter Schluß (vor allem weil man das offenbar so oder so interpretieren kann). Schließlich merke ich, dass gerade die Therapieformen, die nicht von der Pharmindustrie bereits mit Studien positiv geredet wurden, in der Praxis am besten helfen. Die (angeblich) evidenzbasierte Vorgehensweise des vorher behandelnden Arztes konnte das nicht leisten, sonst wäre der Patient ja nicht zu mir gekommen.
Die Diskussion um die Wirksamkeit der Hom. wird m.E. kaum zu einem Ergebnis kommen, wenn solche Platitüden immer wieder bemüht werden (wie von Practicus hier):
"Die Homöopathen verstehen gut zu verschleiern, dass es KEINERLEI wissenschaftliche Grundlage für Homöopathie gibt". Man könnte hier wohl Tausende Studien posten, der Sermon der Skeptiker bliebe immer der Gleiche. Solche Sätze riechen nach einer sektenartigen Absolutheit, die mich - und andere wissenschaftlich denkende Zeitgenossen - abschreckt.
Was wirklich NICHT einleuchtet ist, dass selbst wenn man beispielsweise folgend pubmed-Studien postet/kennen müßte, man immer noch behaupten kann (ohne ausgelacht zu werden), dass es "KEINERLEI wissenschaftliche Grundlage..." gäbe:

Haidvogl M, Riley DS, Heger M, Brien S, Jong M, Fischer M, Lewith GT, Jansen G, Thurneysen AE. Homeopathic and conventional treatment for acute respiratory and ear complaints: a comparative study on outcome in the primary care setting. BMC Complement Altern Med. 2007 Mar 2;7:7. Abstract

Witt C, Keil T, Selim D, Roll S, Vance W, Wegscheider K, Willich SN. Outcome and costs of homoeopathic and conventional treatment strategies: a comparative cohort study in patients with chronic disorders. Complement Ther Med. 2005 Jun;13(2):79-86. Abstract

Steinsbekk A, Lüdtke R. Patients' assessments of the effectiveness of homeopathic care in Norway: a prospective observational multicentre outcome study. Homeopathy. 2005 Jan;94(1):10-6. Abstract

Spence DS, Thompson EA, Barron SJ. Homeopathic treatment for chronic disease: a 6-year, university-hospital outpatient observational study. J Altern Complement Med. 2005 Oct;11(5):793-8. Abstract

Van Wassenhoven M, Goossens M, Anelli M, Sermeus G, Kupers P, Morgado C, Martin E, Bezerra M. Pediatric homeopathy: a prospective observational survey based on parent proxy-reports of their children's health-related Quality of Life in six European countries and Brazil. Homeopathy. 2014 Oct;103(4):257-63. Abstract

Keil T, Witt CM, Roll S, Vance W, Weber K, Wegscheider K, Willich SN. Homoeopathic versus conventional treatment of children with eczema: a comparative cohort study. Complement Ther Med. 2008 Feb;16(1):15-21. Abstract

Die grosse EPH-3 Kohortenstudie aus Frankreich

Rossignol M, Begaud B, Engel P, Avouac B, Lert F, Rouillon F, Bénichou J, Massol J, Duru G, Magnier AM, Guillemot D, Grimaldi-Bensouda L, Abenhaim L; EPI3-LA-SER group. Impact of physician preferences for homeopathic or conventional medicines on patients with musculoskeletal disorders: results from the EPI3-MSD cohort. Pharmacoepidemiol Drug Saf. 2012 Oct;21(10):1093-101. Abstract

etc. etc. etc.
Avatar #781197
Hümmer
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 18:37

Herr Aust: Die Homöopathie noch nicht ganz verstanden

Lieber Herr Aust,
so gut Sie in der Homöopathie auch bewandert sind, so haben Sie doch einen wesentlichen Wesenszug noch nicht ganz verstanden:
Die Kopfschmerzen müssen aus keinem der Mittel gestrichen werden, da es immer auf das Gesamtbild ankommt, das eben MÖGLICHST genau mit dem vorliegenden Bild übereinstimmen sollte aber nie total übereinstimmen wird. Wenn ein Mittel Kopfschmerzen in seinem Bild beinhaltet, heißt es noch nicht, dass es dann auch das erforderliche Simillimum FÜR DAS GESAMTBILD ist. Wenn die ausgewählten Mittel die Kopfschmerzen nicht beheben konnten, waren es einfach aus den ca.200 theoretisch möglichen Mitteln nicht die WIRKLICH am besten passensten. Das Versagen der Münchner Kopfschmerzstudie, die ich damals schon genau mit beobachtet hatte, hat andere Gründe, die ich Ihnen mal gesondert auseinandersetzen kann. Die mit Ihnen angedachte Merc-c-Studie, die Sie dann doch nicht weiter verfolgt haben, würde die möglichen Fehlerquellen umgehen.
Avatar #801457
Norbert Aust
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 11:11

Evidenz für Homöopathie / evidenzbasierte Medizin

@ Herr Hümmer,
Sie haben vergessen, auf einen wesentlichen Unterschied in der Evidenz zwischen evidenzbasierter Medizin und Homöopathie hinzuweisen:
In der evidenzbasierten Medizin werden aus den Ergebnissen von Studien bzw. Cochrane Reviews Folgen abgeleitet. Therapien werden ausgesondert, Arzneimittel vom Markt zurückgezogen, Vorgehensweisen werden verbessert etc.
In der Homöopathie ist das grundsätzlich anders, indem unvorteilhafte Ergebnisse schlicht ignoriert werden. Beispiel: Walach hat in seiner Münchner Kopfschmerzstudie gezeigt, dass Kopfschmerzen nicht erfolgreich homöopathisch behandelt werden können . Welche Konsequenz wurde daraus gezogen? Aus welchem Arzneimittelbild wurden diue Kopfschmerzen als Symptom gestrichen?
Avatar #801457
Norbert Aust
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 10:57

Zum Papier von Herrn Matthiessen

Herr Peter H,
unsere Position, also des INHs, zu dem Papier von Herrn Matthiessen können Sie hier nachlesen:
https://netzwerk-homoeopathie.info/homoeopathie-deklaration-2019-das-inh-nimmt-stellung/

Ist ein bisschen lang, um es hier in die Kommentare zu kopieren. Ich denke, das müsste auch so Ihre Frage (die ich leider übersehen hatte, sorry!) hinreichend beantworten.
Avatar #103488
KuhnJ
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 01:50

Zum Papier von Herrn Matthiessen

@ Peter H.:

Zu dem von Ihnen genannten Papier: http://scienceblogs.de/gesundheits-check/2018/06/16/wissenschaftstheorie-und-lobbyismus/

Avatar #79783
Practicus
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 01:10

Wenn 72% der Bevölkerung

"Homöopathie wünschen", ist das ein Kennzeichen für einen erbärmlichen Wissensstand bzw, erschreckend weit verbreiteten Aberglauben! Die Homöopathen verstehen gut zu verschleiern, dass es KEINERLEI wissenschaftliche Grundlage für Homöopathie gibt, sondern sich Dr Hahnemann dieses Heilsystem aufgrund unzulässiger Verallgemeinerung fragwürdiger Versuchsergebnisse am heimschen Küchentisch AUSGEDACHT hat!
Allein die Bezeichnung "Schulmedizin für die wissenschaftliche Medizin ist reine PR, gut gelungen..
Bei Schulmedizin denkt jeder an verknöchert, entwicklungsunfähig, schematisch - dabei sind das GANZ GENAU die Merkmale der Homöopathie, die seit 200 Jahren überhaupt keine Veränderung oder Weiterentwicklung durchlaufen hat!
Während die wissenschaftliche Medizin mit Riesenschritten neue Erkenntnisse und Behandlungsmethoden schafft (30 Lebensjahre gewonnen in 100 Jahren!), hängen die Flechten wie Bärte am ehrwürdigen Gemäuer der Homöopathie, jedem Fortschritt eisern trotzend!
Arzneiprüfung, Repertorisation, Potenzierung - das folgt immer noch UNVERÄNDERT dem "Organon der Heilkunst" in dessen Vorwort sich Hahnemann gar auf Gott als Inspirator beruft.
Leichtfertiges journalistisches Bejubeln der vermeintlich "sanften" Medizin, die überhaupt keine Medizin ist, hat diesen Aberglauben fest im Volksglauben verankert, ssogar in mein Unterstufen-Lesebuch von 1960 hatte es Hahnemanns "Chininexperiment" geschafft (dessen Wiederholung noch niemand gelungen ist!)
Avatar #754654
Peter H.
am Dienstag, 28. Januar 2020, 23:44

Homöopathie, Demokratie und Astroturfing

Fassen wir mal zusammen: Ein Großteil der Bevölkerung (72%-siehe unten) wünscht sich ein Miteinander von konventioneller und komplementärer Medizin(inkl. Homöopathie). Die Homöopathie gilt zu Recht als besonderes Therapieverfahren, weil jeder Laie nach einer Stunde VHS-Homöopathiekurs weiß, dass es dabei um sie Stimulation der Eigenregulation des individuellen Organismus geht und dies nicht einfach mit "chemischer Pharmakologie" verglichen werden kann. Wer für die Homöopathie die exakt gleichen Wirkungsnachweise wie für chemische Pharmazeutika fordert, fordert eigentlich das Ende für Homöopathie(ganz abgesehen von den immer teurer werdenden Studien, die für kleine Homöopathiehersteller nicht finanzierbar sind). Das wissen sie aber sicherlich.
Die Studienlage zur Homöopathie zeigt, besonders in der Versorgungsforschung, positive Ergebnisse, und ja, Herr Dr. Behnke ist der Experte für Homöopathieforschung in Deutschland. Deshalb nochmals meine Empfehlung für diesen kurzen Überblick zur Forschungslage zur Homöopathie:
https://www.youtube.com/watch?v=HBecbS2A0gM

Schade, dass Frau Grams und Sie, Herr Aust keine Stellung zu meinen Fragen nehmen. So können die Leser nicht erfahren, wie sie zum von mir genannten Dossier von Herrn Prof. Matthiessen stehen:
Prof. Matthiessen: Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit-Eine … Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2018; 50: 172–177
http://dialogforum-pluralismusindermedizin.de/dpm_.dll?pageID=174
Auf Ihrer Webseite finde ich dazu wenig inhaltlich stichhaltiges und viel Polemik.
Vielleicht mag sich ja auch noch jemand von ihnen dazu äußern, wie es auf Twitter und in den Kommentarspalten zu so einem – demokratiegefährdenden - Ungleichgewicht bezüglich realer Bevölkerungsmehrheiten kommt und dadurch politische Entscheidungen kontra Homöopathie - wie in diesem Artikel ersichtlich - forciert werden und ob dies alles nur durch eine Gruppe mit einer Art "überstarker Überzeugung"(Skeptiker, GWUP, INH) oder auch mithilfe von professioneller PR-Unterstützung(Astroturfing) erfolgt.
Vielen Dank.
Stichwort: „Skeptiker“ siehe hier:
https://swprs.org/das-skeptiker-syndrom/?fbclid=IwAR31S2KaQBiyWbxluo-wRgj8vKsUzrR289ergXOAXE0dyiXtqf7Oo1RS64U
Avatar #691359
Staphylococcus rex
am Dienstag, 28. Januar 2020, 22:50

Wissenschaftliche Theorie oder Glaubensbekenntnis?

Wissenschaftliche Theorien haben ihre Geschichte und keine Theorie war von Anfang an perfekt. Deshalb haben praktisch alle wissenschaftlichen Theorien anfangs willkürlich erscheinende Elemente, sogenannte Postulate oder Axiome, von denen weitere Erkenntnisse abgeleitet werden. Diese Postulate sind wichtig als Einstieg in die Theorie, sind aber auch eine wesentliche Schwachstelle. Deshalb kann keine wissenschaftliche Theorie als ausgereift gelten, wenn diese Postulate nicht mathematisch hergeleitet oder experimentell bewiesen werden, im Idealfall sollten beide Bedingungen erfüllt sein. Im Gegensatz dazu haben Glaubensbekenntnisse auch ihre Postulate bzw. Axiome, nur können diese weder wissenschaftlich hergeleitet noch experimentell bestätigt werden, deshalb müssen diese Postulate von den Gläubigen als Dogmen einfach hingenommen werden.

Als die Homöopathie vor etwa 200 Jahren entstanden ist, hatte auch sie einige Postulate, in Anbetracht des medizinischen Wissens jener Zeit war es durchaus legitim sie damals als wissenschaftliche Theorie zu bezeichnen. Nur sind seitdem 200 Jahre vergangen, das was bisher als wissenschaftliche Erklärungsversuche präsentiert wurde ist aus naturwissenschaftlicher Sicht einfach nur peinlich, deshalb verzichte ich auch darauf Herrn Hümmers Exkusionen in die Quantenphysik hier eingehender zu kommentieren.

Das wäre alles halb so schlimm, wenn es saubere experimentelle Belege für die grundlegenden Postulate geben würde. Auf die Postulate, die auf eine experimentelle Bestätigung warten, hatte ich bereits in meinem letzten Beitrag hingewiesen:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/107852/Neue-Weiter%C2%ADbildungs%C2%ADordnung-in-Niedersachsen-ab-Juli-2020

Das Ähnlichkeit nicht Identität bedeutet, ist mir schon klar. Erstaunlicherweise kommen solche Postulate immer dann, wenn die Gefahr besteht, auf einer klaren Aussage festgenagelt zu werden (wobei dann wieder die Frage steht, wie Nosoden den Weg in die Homöopathie finden konnten). Der Pferdefuß dabei ist, eine derartige Aussage schreit nach einer experimentellen Untersuchung des Grenzbereichs, wie viel Ähnlichkeit ist notwendig und wie viel Identität ist schädlich? Genau wie die Frage, wie viel Schütteln ist notwendig beim Potenzieren? Und all dies in einem Studiendesign, welches auch einen kritischen Geist befriedigt. Im Gegensatz zu den hier aktiven Anhängern der Homöopathie hatte dies Fritz Donner in den 30-er Jahren sehr wohl verstanden. Den Inhalt des Donner-Berichts setze ich als bekannt voraus. Seit über 80 Jahren warten wir alle gespannt auf eine saubere experimentelle Bestätigung der grundlegenden Postulate der Homöopathie.

Ohne diese experimentelle Bestätigung ist die Homöopathie ein totes Pferd, welches seit über 80 Jahren exzessiv beritten wird (was nur deshalb nicht sofort auffällt, weil es zwischen Placebo, Ritual und Selbstbetrug festgezurrt ist), es ist sozusagen der große Wiedergänger der Alternativmedizin. Daran werden auch zahlreiche methodisch unsaubere Studien in alternativmedizinischen Journalen nichts ändern. Mit dem Thema Homöopathie und Studiendesign hatte ich mich bereits in einem früheren Beitrag auseinandergesetzt:
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/107261/Bayerischer-Landtag-fuer-Homoeopathiestudie
Solange der experimentelle Nachweis der Postulate und Axiome der Homöopathie aussteht, müssen sich die Anhänger der Homöopathie den Vorwurf gefallen lassen, einem Glaubensbekenntnis anzugehören. Nach 200 Jahren sollte die Zeit für eine frühe Nutzenbewertung verstrichen sein. Ein Glaubensbekenntnis ist bekanntlich Privatsache und liegt nicht im Verantwortungsbereich einer Erstattung durch die Sozialversicherungen.

Übrigens Herr Hümmer, wenn Sie schon Ihre eigene Webseite auf wordpress verlinken, dann sollten Sie dies im Text vorher auch so kommunizieren. Ich persönlich habe die schlechte Angewohnheit mir auf einer fremden Seite zuerst das Impressum anzuschauen und reagiere allergisch darauf, wenn die eigene Meinung als externes Expertenwissen verkauft wird.
Avatar #103488
KuhnJ
am Dienstag, 28. Januar 2020, 22:26

Fakten oder Fake?

Herr Hümmer, als Quelle Ihrer Fakten geben sie eine Homöopathie-Organisation an. Das erinnert mich an die Bemühungen früherer Zeiten, den Forschungsrat Rauchen ernsthaft als Quelle für Aussagen ins Feld zu führen, dass Rauchen bzw. Passivrauchen nicht schädlich sei.

Avatar #760158
wilhem
am Dienstag, 28. Januar 2020, 21:38

Ganz so einfach ist es nicht

Homöopathie kann schaden
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/m/pubmed/23163497/



Avatar #781197
Hümmer
am Dienstag, 28. Januar 2020, 20:57

Für Herrn Kuhn zur Auffrischung des Wissensstandes: Die FAKTEN

Bis Ende 2014 wurden 189 randomisierte kontrollierte Studien zur Homöopathie bei 100 verschiedenen Erkrankungen in peer-reviewed Zeitschriften veröffentlicht.
Darunter fallen 104 Studien, die placebo-kontrolliert und für eine weitere detaillierte Bewertung in Frage kommen:
•41 % fielen positiv aus (43 Studien) – sie stellten fest, dass Homöopathie wirksam ist
•5 % fielen negativ aus (5 Studien) – sie stellten fest, dass Homöopathie unwirksam ist
•54 % waren nicht eindeutig (56 Studien)
Eine Analyse von 1016 systematischen Übersichtsarbeiten von RCTs zu schulmedizinischen Behandlungen kam zu einem auffällig ähnlichen Ergebnis:
•44 % fielen positiv aus – die Behandlung war wahrscheinlich nützlich
•7 % fielen negativ aus – die Behandlung war wahrscheinlich schädlich
•49 % waren nicht eindeutig – die Ergebnisse zeigten weder einen Nutzen noch einen Schaden
https://www.hri-research.org…
Quod erat.....
Avatar #103488
KuhnJ
am Dienstag, 28. Januar 2020, 20:06

Herr Hümmer irrt in Sachen Evidenz

Herr Hümmer, Ihre Behauptung, die Evidenz für die Homöopathie sei nicht schlechter als die von Therapien der wissenschaftlichen Medizin, ist entweder uninformiert oder absichtlich irreführend.

Es stimmt, dass es in der Medizin viele Behandlungsverfahren gibt, denen keine oder keine gute Evidenz zugrundeliegt. Das hat viele Gründe, u.a., weil viele dieser Verfahren keine Rolle im Praxisalltag spielen und teure Studien dazu daher nicht sinnvoll wären. Bei der Homöopathie ist die Sachlage anders: Da gibt es, wie Sie selbst immer hervorheben, hunderte von Studien - und trotzdem keine belastbare Evidenz pro Homöopathie, außer in den Augen der Behnkes dieser Welt.

Und nicht zu vergessen: Nur die "besonderen Therapierichtungen" genießen den Binnenkonsens, nur sie sind im Kassenrecht und im Arzneimittelrecht davon befreit, ordentliche Wirksamkeitsnachweise zu erbringen. Das ist keine gute Basis, um die Evidenz anderer Verfahren infrage zu stellen, schon gar nicht mit Bemerkungen wie "sog. wissenschaftliche Medizin".
Avatar #801457
Norbert Aust
am Dienstag, 28. Januar 2020, 19:00

Sie irren, Herr Peter H

... wenn Sie schreiben, wir Kritiker würden inzwischen zugeben, dass es "Studien gibt, die Belege für Homöopathioewirkung (über Placebo) gibt". Solche Studien hat selbst Herr Mathie, der für das Homeopathy Research Institute arbeitet, in seinen Reviews nicht finden können. Ich weiß nicht, wo Sie wohnen, aber vielleicht haben Sie Gelegenheit, am 6.2. an der VHS in München meinen Vortrag zu besuchen. Herr Hümmer kommt ja vielleicht auch. Dann können Sie sich überzeugen, was wir Skeptiker sagen und wir können das auch diskutieren. Ich würde mich freuen.
Avatar #759489
MITDENKER
am Dienstag, 28. Januar 2020, 14:28

Frau Grams

Richtig, jetzt meldet sich eine der Galionsfiguren der "Globukalypse"-Kampagne. Die jahrelang selbst mit Hom. in ihrer Praxis therapiert hat und jahrelang gebraucht hat um zu erkennen, dass das alles nur Placebowirkungen waren. Schon peinlich, dass man mit einem naturwissenschaftlichen (?) Studium so lange dafür braucht...
Und aberwitzigerweise kann man als einzige, die von der "Alternativmedizin" in die Schulmedizin konvertiert ist, auf allen medialen Hochzeiten tanzen, während 100e von Medizinern (pro Jahr), die ihre Kassenpraxen aufgeben, den medizinischen Leitlinien den Rücken kehren u. Privatpraxen eröffnen u. zukünftig primär komplementärmedizinisch behandeln, den Medien keine Zeile und schon gar keinen Auftritt bei Maischberger wert ist.
Das ganze Rummel um Frau Grams ist offensichtlich eine gezielte mediale Kampagne incl. Buch "Die Homöopathie Lüge", schöne Bilder mit Hirschhausen & Co. und sicher deutlich mehr Aufmerksamkeit als ein Dasein in einer kleinen Homöopathie-Praxis, geschickt inszeniert, Respekt!

PS: Dr. med. Lion sagt dazu:
http://www.ulm-homoeopathie.de/wp-content/uploads/2017/12/Kommentar-zur-Thematik-Homoeopathie.pdf
Dann sind wir mal gespannt, was Frau Grams auf die Fragen von Peter H. zu sagen hat...
Avatar #781197
Hümmer
am Dienstag, 28. Januar 2020, 11:10

@Peter H. : Danke für Ihre Fragen. Die gehen an den Kern!

Vielen Dank für Ihre Fragen, wir warten gespannt auf die Begründungen für die Inquisition!
Avatar #754654
Peter H.
am Dienstag, 28. Januar 2020, 10:00

Die Kampagne - Frau Grams

@ Frau Grams: Schön, dass sie als Gallionsfigur der Anti-Homöopathie-Fraktion sich melden. Wie ich hörte, geben sie mittlerweile zu, dass es Studien gibt, die Belege für Homöopathiewirkung(über Placebo) liefern, sie wollen diese aber aufgrund der "Unplausibilität" der Homöopathie nicht gelten lassen.
Frage: Halten sie dieses "Ausblenden" für saubere Wissenschaft und wie stehen sie zu den Argumenten von Herrn Prof. Matthiessen: Homöopathie und intellektuelle Redlichkeit-Eine … Deutsche Zeitschrift für Onkologie 2018; 50: 172–177
http://dialogforum-pluralismusindermedizin.de/dpm_.dll?pageID=174

Außerdem würde es mich interessieren, ob sie bezüglich Ihrer Anti-Homöopathie-Tätigkeit direkt oder indirekt(über das INH) in Kontakt zur PR-Agentur Akampion oder anderen PR-Agenturen stehen?

Herzlichen Dank für Ihre Antworten!
Avatar #781197
Hümmer
am Dienstag, 28. Januar 2020, 09:35

Was ist Ihr wirkliches Problem, Frau Grams, warum das Missionieren?

Einfach nochmal zur Klarstellung die FAKTEN zur Homöopathie

•Die Homöopathie schadet niemandem (bei verantwortlicher Anwendung und mit Blick auf ihre Grenzen)

•80% der Bevölkerung spricht sich für den Erhalt der Therapievielfalt einschließlich Homöopathie aus

•Sie hilft sehr vielen Menschen und dies offensichtlich laut überwiegender Anzahl der Metaanalysen auch über Placebo-Effekt hinaus (Conclusions wörtlich!)

•Die Evidenz ist nicht schlechter als die von Therapien der sog. wissenschaftlichen Medizin (laut Cochrane-Analysen)

•Ebenso wie die Studienlage der sog. wissenschaftlichen Medizin verbesserungswürdig ist, wird auch die Homöopathie noch eine eindeutigere Evidenz nachweisen müssen

•Wo und wie die homöopathische Wirkung ansetzt wissen wir (noch) nicht wirklich (Genexpression?)

•Das Prinzip der Wirkung potenzierter Substanzen erscheint (bisher) noch unplausibel

•Die Homöopathie kostet einen Bruchteil anderer Therapien

•Möglicherweise kann sie zur Einsparung von Antibiotika beitragen.

WARUM wird sie also wie die Hebammen des Mittelalters (die „zu viel“ wussten!) zum Scheiterhaufen getrieben?

Nachdem sich also DEFINITIV KEINE RATIONALEN ARGUMENTE GEGEN die Homöopathie anführen lassen, was ist das wirklich Bedrohliche an ihr?
https://homoeopathiewirkt.wordpress.com/2019/11/23/bedrohliche-homoopathie-oder-bedrohte-homoopathie/
Avatar #734349
Natalie Grams
am Dienstag, 28. Januar 2020, 08:56

Endlich!

Wer Homöopathie trotz Aufklärung, was sie wirklich ist, weiter für sich anwenden möchte, kann das gerne auf eigene Kosten und Verantwortung tun. Diese Entscheidung ist überfällig und ich zähle schwer auf den Deutschen Ärztetag 2020.
Avatar #759489
MITDENKER
am Montag, 27. Januar 2020, 22:16

wo bleiben die Ärzte?

...die ca. 6000 in D, die auch Homöopathie anwenden? Wo ist der Aufschrei?
Mir könnte es ja Recht sein, wenn die Patienten zu uns Heilpraktikern abwandern...
Avatar #754654
Peter H.
am Montag, 27. Januar 2020, 22:07

Lobbying vom Feinsten

@"Dr Who" : Die von ihnen so titulierte "Pro-Homöopathie-Kampagne", sind 72% der Patienten, die sich laut Robert-Koch-Institut/Statistisches Bundesamt(2002) ein Miteinander von Komplementärmedizin und Schulmedizin wünschen. Die Anti-Kampagne besteht aus religiösen Fanatikern ähnelnden Anti-Homöopathisten(GWUP/INH) flankiert von professioneller PR.

Das von ihnen "en passant" diskreditierte YouTube Video ist übrigens vom wohl am besten informierten Studien-Experten zur Homöopathie: Jens Behnke. Vielleicht sollten sie sich dies einfach mal zu Gemüte führen, bevor sie hier die Plattitüden der Anti-Homöopathie-Fraktion rekapitulieren:
https://www.youtube.com/watch?v=HBecbS2A0gM
Avatar #559876
Kabess
am Montag, 27. Januar 2020, 22:07

Opfer der einseitigen Stimmungsmache

Seit längerem kommen zum Thema Homöopathie nur noch die sogenannten Skeptiker zu Wort, die die Studienlage zum Thema nicht korrekt darstellen: es gibt sehr wohl etliche qualitativ hochwertige Studien zur Wirksamkeit der Homöopathie. Große Metaanalysen wie das sogenannte australische Rewiew wurden obendrein im Ergebnis manipuliert. Erst durch zunehmenden internationalen öffentlichen Druck wurde im vergangenen Jahr das wahre Ergebnis publiziert, welches in etlichen Indikationsgebieten einen positiven Effekt dokumentierte. In der Bevölkerung erfreut sich die Homöopathie zudem immer größerer Beliebtheit.
Durch Voreingenommenheit und Hetze werden unsere therapeutische Optionen nicht besser sondern ärmer und die betreffenden Verfahren aus der ärztlichen Hand gegeben!
Avatar #810471
Elisabeth Schnakenberg
am Montag, 27. Januar 2020, 21:41

Weltanschauung – bitte ohne Vorurteile

A. v. Homboldt: "Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Menschen, die die Welt nicht angeschaut haben." Viele heute anerkannte Theorien wurden genutzt, lange bevor sie die spätere wissenschaftlichen Anerkennung bekamen. Mancher Nachweis steht noch aus. Etlichen Arzneimittelwirkstoffen fehlt noch heute die Evidenz und sie werden dennoch reichlich verordnet - ja zulasten der Kran­ken­ver­siche­rungen und ohne, dass die Patient*innen darüber informiert werden. Ob sich auch nur eine der benannten Personen die Mühe gemacht hat, sich vorurteilsfrei mit der Homöopathie zu beschäftigen? Eigene, ergebnisoffene Recherchen wären angebracht.
Avatar #811228
Doktor Who
am Montag, 27. Januar 2020, 21:06

Endlich gegen die Lobby

Zum Glück wird jetzt der Homöopathie-Kampagne mal entgegen getreten.
Geld ist eben nicht alles und YouTube-Videos noch immer keine evidenzbasierten Studien.
Danke für die klaren Worte.

Auch sehr wichtig, dass jemand mal die Problematiken der Bezahlung und fehlenden Zeit für Patienten anspricht.
Weiter so!
Avatar #754654
Peter H.
am Montag, 27. Januar 2020, 19:10

Lobbying vom Feinsten

Die Zielsetzung der Anti-Homöopathie-Kampagne durch GWUP/INH unterstützt von PR-Profi Ludger Wess(Akampion) scheint am ersten Ziel angekommen zu sein. Chapeu - 1 : 0 beim Spiel Lobbying gegen Patienten.
Evidenz zur Homöopathie existiert übrigens reichlich, gerade bei immer relevanter werdenden Versorgungsstudien. Siehe:
https://www.youtube.com/watch?v=HBecbS2A0gM
LNS
VG Wort

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