NewsPolitikBundeswehr: Einsatzbedingte psychische Erkrankungen weiterhin hoch
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Politik

Bundeswehr: Einsatzbedingte psychische Erkrankungen weiterhin hoch

Dienstag, 28. Januar 2020

/dpa

Berlin – Die Anzahl der Soldaten, die sich wegen einer einsatzbedingten psychischen Erkrankung erstmals in fachärztliche oder psychotherapeutische Behandlung begeben haben, bewegt sich weiterhin auf hohem Niveau. Das geht aus dem 61. Jahresbericht des Wehrbeauftragten des Bundestages hervor, der heute in Berlin vorgestellt wurde.

„Gerne würde ich über durchgreifende Verbesserungen der Bedingungen für den Dienst berichten, aber eine Trendwende ist noch nicht spürbar“, sagte Hans-Peter Bartels (SPD) zur allgemeinen Situation der Bundeswehr. Die Soldaten trugen immer wieder die glei­chen Sorgen vor: zu wenig Material, zu wenig Personal und zu viel Bürokratie.

Anzeige

Im Jahr 2019 litten dem Jahresbericht zufolge 982 Soldaten an einer einsatzbedingten psychischen Erkrankung. Die Zahl hat von 784 in 2017 über 867 in 2018 kontinuierlich zugenommen. Entsprechend stieg auch die Zahl der Neuerkrankungen von 274 in 2017 über 279 in 2018 auf 290 im Jahr 2019.

Die Zahlen zeigten, dass sich einsatzbedingte psychische Erkrankungen nicht kurzfristig therapieren lassen, sich eine Behandlung in der Regel über Jahre hinziehe. „Zu berück­sich­tigen ist auch, dass Traumatisierte oft erst mit mehrjähriger Verspätung in die Be­hand­lung kommen“, heißt es in dem Bericht.

Betroffene Soldaten werden überwiegend in den Sanitätseinrichtungen und Krankenhäu­sern der Bundeswehr behandelt. Dafür müssten aber „ausreichend Therapiekapazitäten vorhanden sein“, fordert der Wehrbeauftragte. Zahlen werden im Jahresbericht nicht ge­nannt, nur der Satz: „Jahr für Jahr klagen Betroffene über Defizite bei der personellen Besetzung der Bundeswehrkrankenhäuser mit Fachpersonal.“

Das Gespräch mit Oberstarzt Priv.-Doz. Dr. med. Peter Zimmermann, Psychotraumazentrum am Bundeswehrkrankenhaus Berlin: „Wir arbeiten gern Hand in Hand mit zivilen Ärzten und Therapeuten“

Posttraumata bei Soldaten sind leicht rückläufig, dafür steigen Depressionen und Sucht. Um sie bestmöglich zu behandeln, sollten sich Niedergelassene mit dem militärischen Kontext vertraut machen oder mit dem Sanitätsdienst kooperieren. Mali und Afghanistan sind zurzeit die Hauptregionen, aus denen Soldaten mit einsatzbedingten posttraumatischen Belastungsstörungen (PTBS) zurück nach Deutschland [...]

Zur Prävention von einsatzbedingten psychischen Erkrankungen verweist Bartels auf die Regel, dass zwischen zwei Auslandseinsätzen immer eine einsatzfreie Zeit von fünf Mo­na­ten pro geleistetem Einsatzmonat liegen soll, um sich wieder vollständig in das „nor­male“ Leben integrieren zu können. „Es kommt immer wieder zur Umgehung dieser Re­gel, weil es von bestimmten Spezialisten zu wenige bei der Bundeswehr gibt“, heißt es im Jahresbericht. Das schaffe zusätzliche Probleme.

Mehr fachliche Unterstützung nötig

Neben der Behandlung von Soldaten mit einsatzbedingten psychischen Erkrankungen thematisiert der Wehrbeauftragte Bartels auch die Wiedereingliederung der Betroffenen in den Dienst als „wichtiges Element im Rahmen der Rehabilitation“.

Soldaten sollten Dienst leisten, sobald dies unter therapeutischen Gesichtspunkten mög­lich ist. Schwierig sei es jedoch oftmals, ein Umfeld zu finden, wo sich die Betroffenen entsprechend ihrer aktuellen Möglichkeiten sinnvoll einbringen könnten.

Zum anderen sei es für die aufnehmenden Dienststellen oft „eine Herausforderung“, die notwendige Betreuung zu gewährleisten. „Vorgesetzte und Kameraden brauchen mehr fachliche Unterstützung und Schulung zum Umgang mit psychisch Einsatzgeschädigten“, heißt es im Jahresbericht des Wehrbeauftragten. © PB/aerzteblatt.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #571768
Drbra
am Dienstag, 28. Januar 2020, 21:45

Tja

Um die Ärzte kümmert sich niemand, die haben zwischen traumatisierenden Erlebnissen noch die Bürokratie als Ausgleich
LNS

Nachrichten zum Thema

22. September 2020
Lugano/Köln – Krebserkrankungen werden die Gesundheitssysteme der Europäischen Union (EU) auch in Zukunft stark belasten. In den 27 Ländern der europäischen Union wird die Zahl der Neuerkrankungen für
Befinden der Ärzte: Welle von posttraumatischen Belastungsstörungen durch Pandemie vermeiden
27. Juli 2020
Berlin – Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) plant einem Medienbericht zufolge Entschädigungen für Soldaten, die in der Vergangenheit wegen ihrer Homosexualität
Rehabilitierung homosexueller Soldaten geplant
8. Juli 2020
Berlin – Die Zahl der Fälle gemeldeter posttraumatischer Belastungsstörungen sowie versuchter Selbsttötungen von Soldaten ist gestiegen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine
Mehr Soldaten mit posttraumatischen Belastungsstörungen
27. April 2020
Leipzig − Die Bundeswehr hat heute mehr als zehn Millionen medizinische Schutzmasken aus China nach Deutschland transportiert. Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) nahm
Bundeswehr liefert zehn Millionen Schutzmasken
7. April 2020
Berlin – Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat die Unterstützung der Bundeswehr in Gesundheitsämtern und Pflegeheimen in Aussicht gestellt. „Die Bundeswehr steht da zur
Kramp-Karrenbauer: Bundeswehreinsatz in Gesundheitsämtern möglich
6. April 2020
Berlin − Die Bundeswehr-Denkfabrik GIDS erwartet in Folge der Corona-Pandemie weitreichende Konsequenzen für die Sicherheitspolitik und einen Wiederaufbau strategischer Reserven. Ungeachtet
Bundeswehr-Denkfabrik: COVID-19 offenbart Deutschlands Defizite
3. April 2020
Berlin − Zur Bewältigung der Coronakrise hält die Bundeswehr von heute an 15.000 Soldaten bereit zur Unterstützung von Ländern und Kommunen. Die Männer und Frauen seien dann unterschiedlich
LNS LNS

Fachgebiet

Stellenangebote

    Anzeige

    Weitere...

    Aktuelle Kommentare

    Archiv

    NEWSLETTER