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Medizin

Akutes Nierenversagen: Proteinurie weist auf langfristige Schädigung hin

Mittwoch, 29. Januar 2020

/Adiano, stock.adobe.com

San Francisco – Patienten, die sich von einem akuten Nierenversagen erholten, hatten in einer prospektiven Kohortenstudie in JAMA Internal Medicine (2020; doi: 10.1001/jamainternmed.2019.6390) ein erhöhtes Risiko auf eine chronische Nierenin­suffi­zienz, wenn bei einer Nachuntersuchung nach drei Monaten eine Proteinurie nach­weis­bar war.

Ein akutes Nierenversagen ist eine häufige Komplikation bei Intensivpatienten. Bei den meisten Patienten erholt sich die Nierenfunktion zunächst wieder, selbst wenn zwischen­zeitig eine Dialyse erforderlich war. Frühere Studien haben jedoch gezeigt, dass das Ri­siko auf eine spätere chronische Niereninsuffizienz erhöht ist. Bei etwa 1/5 kommt es innerhalb von 3 bis 5 Jahren zu einer dauerhaften Verschlechterung der Nierenfunktion.

In der „ASSESS AKI“-Studie („Assessment, Serial Evaluation, and Subsequent Sequelae in Acute Kidney Injury“) wurde untersucht, welche Faktoren die drohende chronische Nie­ren­insuffizienz am besten anzeigt. Derzeit wird in der Nachsorge in der Regel nur der Kre­­a­tinin-Wert bestimmt, aus dem sich (umgekehrt proportional) die glomeruläre Filtra­tionsrate (eGFR) abschätzen lässt.

Die jetzt von Hi-yuan Hsu, Universität San Francisco, und Mitarbeitern vorgestellten Er­gebnisse der „ASSESS AKI“-Studie zeigen jedoch, dass es einen besseren Prognose-Indi­kator gibt. An der Studie hatten 1.538 Patienten teilgenommen, die 3 Monate nach der Entlassung aus der Klinik untersucht wurden.

Die Hälfte der Patienten hatte im Krankenhaus ein akutes Nierenversagen erlitten. Daru­nter waren 188 Patienten im Stadium 2 und 98 im Stadium 3 (einschließlich 26 Patien­ten, die vorübergehend dialysiert werden mussten). Die andere Hälfte der Patienten hatte in der Klinik keine erkennbare Nierenschädigung erlitten und bildete deshalb die Kon­troll­gruppe.

Während einer Nachuntersuchung nach 90 Tagen wurden Tests zur Nierenfunktion durch­geführt. Dazu gehört die Bestimmung der eGFR und ein Nachweistest für Proteine im Urin. Eine Proteinurie ist ein Indikator für eine Nierengewebeschädigung, während die eGFR ein allgemeiner Funktionstest für die Nieren ist. Die Proteinurie wird üblicherweise als Albumin/Kreatinin-Quotient bestimmt.

Die Patienten wurden über einen Zeitraum von 4,7 Jahren nachbeobachtet. Während dieser Zeit kam es bei 138 Patienten (9 %) zu einer Verschlechterung der Nierenfunktion: Darunter waren 97 Patienten (12,6 %), die in der Klinik ein akutes Nierenversagen erlitten hatten, und 40 Patienten (5,2 %) ohne akutes Nierenversagen in der Klinik.

Der wichtigste Hinweisgeber für die Verschlechterung der Nierenfunktion war der Albumin/Kreatinin-Quotient. Jede Verdopplung war nach den Berechnungen von Hsu mit einem Anstieg des Risikos auf eine Verschlechterung der Nierenfunktion von 53 % asso­ziiert. Die Hazard Ratio von 1,53 war mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 1,43 bis 1,64 signifikant. In der C-Statistik, die Sensitivität und Spezifität kombiniert, erreichte der Proteinnachweis im Urin einen Wert von 0,82 (0,5 wäre ein Zufall und 1,0 eine 100-%-ige Vorhersage gewesen).

Die Bestimmung der eGFR erreichte in der C-Statistik dagegen nur einen Wert von 0,77. In der Praxis dürften beide Werte, Albumin/Kreatinin-Quotient und eGFR, bestimmt werden. In der Studie verbesserte dies die Vorhersage. Wenn dann noch der Blutdruck und demo­grafische Faktoren (Alter, Geschlecht, ethnische Herkunft) berücksichtigt wurden, stieg der C-Wert auf 0,85 an.

Die Früherkennung könnte es den Ärzten ermöglichen, rechtzeitig gegenzusteuern und durch eine optimale Betreuung die Entwicklung einer chronischen Niereninsuffizienz zu verhindern oder wenigstens hinauszuzögern. Ob dies möglich ist, müsste allerdings noch in weiteren Studien untersucht werden. © rme/aerzteblatt.de

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