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Ärzteschaft

Notfallmediziner hinterfragen ambulantes Management bei milden 2019-nCoV-Infekt­ionen

Mittwoch, 29. Januar 2020

WHO Situation Report vom 28.1.2020. Inzwischen wurden weitere Fälle in Deutschland bestätigt. / WHO

Peking/München – Trotz drastischer Maßnahmen steigt in China die Zahl der Patienten mit der neuen Lungenkrankheit weiter deutlich an. Innerhalb eines Tages bis heute kletterte sie dort um 1.459 bekannte Fälle. Damit sind weltweit mehr als 6.000 Patienten registriert. Die Gesamtzahl der Todesfälle in China stieg um 26 auf 132.

In Deutschland sind mittlerweile vier Infektionen mit dem Coronavirus bestätigt. Dabei handelt es sich um Mitarbeiter des oberbayerischen Autozulieferers Webasto, die sich am Firmensitz in Gauting nahe München angesteckt hatten.

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Dort hatte eine aus China angereiste Kollegin, die mit dem Virus infiziert war, an einer Schulung teilgenommen. Sie hatte sich bei ihren Eltern in der schwer betroffenen chine­sischen Metropole Wuhan angesteckt. Webasto schließt seinen Stammsitz bis Sonntag.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) rief dazu auf, wachsam zu sein. Er betont aber immer wieder, dass Deutschland „gut vorbereitet“ sei und dass kein Anlass für über­triebene Sorge bestünde. Um Verdachtsfälle früher zu erkannen und besser nachverfol­gen zu können, hat er gestern neue Verordnungen für Flughäfen, Passagiere und Kliniken erlassen.

Auch die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) will die Bevölkerung beruhigen: „Deutschland droht keine Epidemie. Wir sind nicht ge­fähr­det“, sagt DIVI-Präsident Uwe Janssens, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Internistische Intensivmedizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler.

Der Fall in Bayern werfe allerdings Fragen zum ambulanten Management auf, die mo­men­tan auch mit den zuständigen Behörden diskutiert werden, ergänzt Martin Möckel, Ärztlicher Leiter der Notfallmedizin und der zentralen Notaufnahmen am Campus Mitte und Virchow-Klinikum der Charité aus der Sektion Notfall- und Katastrophenmedizin der DIVI.

Sein Vorschlag: Mild verlaufende Fälle sollten zum Beispiel nicht in die Klinik eingewie­sen, sondern zu Hause isoliert werden, um die Ressourcen der Kliniken zu schonen und Infektionsrisiken für anderweitig kritisch Kranke zu minimieren – das sei eine Aufgabe für das öffentliche Gesundheitswesen, insbesondere die Gesundheitsämter und Hausärzte.

Ohne zusätzliche Stellen in den Gesundheitsämtern ist der Öffentliche Gesundheitsdienst nicht in der Lage, seine wichtigen bevölkerungsmedizinischen Aufgaben zu bewältigen. Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des ÖGD

Ärztemangel beim öffentlichen Gesundheitsdienst

Gleichzeitig meldet der öffentliche Gesundheitsdienst (ÖGD) Engpässe an: In den vergan­genen Monaten und Jahren wurde immer wieder deutlich, dass der ÖGD trotz allem En­gagement insbesondere in Krisensituationen an die Grenzen seiner Belastbarkeit stoße.

Das hätte sich schon bei epidemiologischen Herausforderungen wie Ebola, EHEC, der Vogel- und Schweingrippe sowie SARS gezeigt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Die rund 2.500 Ende 2018 in den kommunalen Gesundheitsämtern tätigen Ärzte machen weniger als ein Prozent der insgesamt in Deutschland berufstätigen Ärzte aus.

Zwischenzeitlich habe sich die Situation in den Gesundheitsämtern weiter verschärft. Ein entscheidender Grund dafür seien die mangelnden personellen Ressourcen, die im ÖGD bundesweit in zunehmendem Maß offenkundig würden.

So sei die Zahl der Ärzte in den Gesundheitsämtern in den vergangenen 20 Jahren um etwa ein Drittel zurückgegangen – die Folge eines stetigen Personalabbaus und nicht besetzter Stellen.

„Ohne zusätzliche Stellen in den Gesundheitsämtern ist der Öffentliche Gesundheits­dienst nicht in der Lage, seine wichtigen bevölkerungsmedizinischen Aufgaben zu bewäl­ti­gen“ mahnt daher Ute Teichert, Vorsitzende des Bundesverbandes der Ärztinnen und Ärzte des ÖGD.

„Im Falle des neuen Coronavirus kann das erhebliche Auswirkungen auf die Eindämmung der Erkrankungsausbreitung und damit für die Bevölkerung haben“, warnt die Verbands­vor­sitzende. © gie/dpa/aerzteblatt.de

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