NewsMedizinZink-Lutschtabletten bleiben bei Erkältung in Studie erneut ohne Wirkung
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

Zink-Lutschtabletten bleiben bei Erkältung in Studie erneut ohne Wirkung

Donnerstag, 30. Januar 2020

Frau mit Schal hält eine Lutschtablette in der Hand. /Orawan, stock.adobe.com
/Orawan, stock.adobe.com

Helsinki – Der Versuch, die Dauer einer gemeinen Erkältung durch Zink-Lutschtabletten zu verkürzen, ist in einer randomisierten Studie in BMJ Open (2020; 10: e031662) ge­schei­tert. Die Patienten benötigten sogar 2 Tage länger als in der Placebogruppe, bis sie sich erholt hatten, und mehr als die Hälfte klagte über Nebenwirkungen.

Zink hilft bei Erkältungen. Davon sind nicht nur viele Verbraucher überzeugt, die bei banalen Infektionen in Hals und Rachen gerne zu Zink-Lutschtabletten greifen. Auch die klinische Forschung hat sich bereits mehrfach mit der Wirksamkeit von Zink beschäftigt, das Bestandteil zahlreicher Enzyme sowie Proteine und somit an einer Vielzahl von Reaktionen im Körper beteiligt ist.

Wenigstens 20 randomisierte Studien haben in den letzten Jahrzehnten untersucht, ob Zink bei Erkältungen wirkt. Lutschtabletten sind die beliebteste Anwendungsform, da sie eine langfristige Einwirkung auf die Mundschleimhaut ermöglichen. Von den 20 Studien haben 8 signifikante Vorteile der Zink-Lutschtabletten gefunden, die übrigen 12 dagegen nicht.

Harri Hemilä von der Universität Helsinki ist überzeugt, dass viele Negativergebnisse darauf zurückzuführen sind, dass Lutschtabletten häufig Zitronensäure enthalten. Die Zitronensäure verbessere vielleicht den Geschmack, sie binde aber die Zink-Ionen, sodass diese gar nicht an die Mundschleimhaut abgegeben würden.

Hemilä hat deshalb zusammen mit anderen finnischen Forschern eine Studie mit 253 Teilnehmern durchgeführt. Die Teilnehmer erhielten Lutschtabletten mit Zink oder Placebo ausgehändigt. Sie wurden gebeten, unmittelbar nach dem Beginn der Erkältung mit der Behandlung zu beginnen und über 5 Tage jeweils 6 Lutschtabletten pro Tag zu nehmen.

Geschmacksstörungen als Nebenwirkung

Bis zum Abklingen der Erkältung sollten sie dann täglich einen web-basierten Fragebogen ausfüllen. Dort wurde nicht nur nach 12 möglichen Symptomen gefragt, sondern auch nach Nebenwirkungen. Zink hat eine adstringierende Wirkung auf die Schleimhaut. Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Geschmacksstörungen.

Die Lutschtabletten wurden von der Universitätsapotheke in Helsinki hergestellt. Sie enthielten 13 mg elementares Zink oder 0,13 mg Saccharose als Placebo.

Bei 87 Patienten kam es während der Wintersaison 2017/18 zu einer Erkältung. Die Teilnehmer reagierten rasch und wendeten median 4 Stunden nach Symptombeginn die 1. Tablette an und dann im Verlauf der nächsten 5 Tage etwas mehr als 5 pro Tag.

Kein signifikanter Unterschied bei der Genesungsdauer

Doch die erhoffte Wirkung blieb aus. Statt die Erkältung zu verkürzen, erholten sich die Anwender der Lutschtabletten median erst nach 7 Tagen von der Erkältung gegenüber einer Krankheitsdauer von 5 Tagen in der Placebogruppe. Der Unterschied war allerdings nicht signifikant. Hemilä gibt die Erholungsrate mit 0,68 an mit einem 95-%-Konfidenzintervall von 0,42 bis 1,08.

Wie erwartet kam es in der Gruppe mit Zink-Lutschtabletten häufiger zu Geschmacks­störungen (52 versus 7 %) und zu anderen Nebenwirkungen (24 versus 2 %). Dazu ge­hörte eine vermehrte Trockenheit an Zähnen und Mundschleimhaut, die manchmal als schmerzhaft empfunden wurde. Trotz der Nebenwirkungen errieten die Anwender der „echten“ Lutschtabletten nicht häufiger, ob sie einen Wirkstoff oder Placebo erhalten hatten.

Die Nebenwirkungen waren insgesamt nicht so stark, dass die Anwender deshalb häufiger auf die Lutschtabletten verzichtet hätten. Sie können deshalb den negativen Ausgang der Studie nicht erklären. Vielleicht sei die Dosis zu gering und vielleicht müssten die Tabletten über einen längeren Zeitraum eingenommen werden, meint der Forscher. © rme/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #699215
textmarkerin
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 21:13

Selbstheilungskräfte

Nun, ja. Wundert mich nicht. Andererseits sind so viele Menschen von der Wirkung von Zink oder auch Vitamin C bei Erkältung überzeugt, dass es sicher im Rahmen des Placeboeffekts doch was bringt. Finde ich persönlich nicht gänzlich verkehrt. Gute Erfahrungen habe ich auch mit natürlichen Mitteln wie Kaloba gemacht, die dazu beitragen können, dass Patienten schneller wieder gesund werden können. Und das ist der aktuellen Studienlage nach wohl Placebo tatsächlich überlegen.
LNS

Nachrichten zum Thema

12. März 2020
Frankfurt – Die niedergelassenen Ärzte in Deutschland haben im vergangenen Jahr weniger Medikamente über das sogenannte grüne Rezept verordnet als noch 2018. Das berichtet der Statistikdienstleister
Einsatz des grünen Rezepts zurückgegangen
11. Juli 2019
Brüssel – Die EU-Wettbewerbshüter haben den Zusammenschluss von GlaxoSmithKline (GSK) und Pfizer bei rezeptfreien Medikamenten unter Auflagen erlaubt. Das US-Unternehmen Pfizer müsse dafür seine
Brüssel erlaubt GSK-Pfizer-Zusammenschluss bei rezeptfreien Arzneimitteln
1. Juli 2019
Frankfurt am Main – Der Wachstumskurs des Apothekenversandhandels mit rezeptfreien Produkten hat sich 2018 abgeschwächt. Das geht aus aktuellen Zahlen des Marktforschungsunternehmens IQVIA hervor.
Umsätze der Apothekenversandhändler wachsen langsamer
24. Juni 2019
Berlin – Eins von vier rezeptfreien Arzneimitteln ist Stiftung Warentest zufolge nicht empfehlenswert. Darunter sind auch bekannte Mittel und viele Kombipräparate mit mehreren Inhaltsstoffen. „Nur
Stiftung Warentest bewertet viele rezeptfreie Medikamente als nicht empfehlenswert
18. Januar 2019
Magdeburg – Ein Apotheker aus dem Harz darf weiter über Amazon rezeptfreie, apothekenpflichtige Medikamente vertreiben. Das Landgericht Magdeburg entschied heute, dass dies nicht gegen das
Apotheker darf Onlineplattform für Verkauf nutzen
22. Oktober 2018
Frankfurt am Main – In der vergangenen Erkältungssaison – von Oktober 2017 bis März 2018 – sind in Apotheken und über den Versandhandel 194 Millionen Packungen von Erkältungsmitteln im Wert von rund
Fast 200 Millionen Packungen Erkältungsmittel verkauft
28. Juni 2018
Frankfurt am Main – Der Apothekenversandhandel mit rezeptfreien Arznei- und Gesundheitsmitteln, Kosmetika, Produkten zur Ernährung und zum medizinischen Sachbedarf ist im vergangenen Jahr weiter
LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER