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Belegschaft bei Ameos enttäuscht von neuem Regionalchef

Mittwoch, 29. Januar 2020

/picture alliance, Klaus-Dietmar Gabbert

Aschersleben – Ein schnelles Ende der unbefristeten Streiks an den Ameos-Krankenhäu­sern ist trotz des Führungswechsels beim Gesundheitskonzern nicht in Sicht. Grund sind auch Äußerungen des neuen Regionalgeschäftsführers, Frank-Ulrich Wiener.

Dieser hatte gestern betont, am Ziel seines Vorgängers festzuhalten, eine außertarifliche Einigung zu erzielen. „Im Moment setzen wir weiter auf unser bestehendes Angebot“, sagte Wiener, der vorgestern unerwartet den bisherigen Verhandlungsführer Lars Timm abgelöst hatte. Der Konzern sei aber gesprächsbereit, betonte Wiener.

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Die Arbeitnehmerseite zeigte sich ernüchtert über die Personalie. „Bei den Beschäftigten gab es zunächst Erleichterung, weil die Angst um Standortschließungen und Kündigun­gen an die Person Timm geknüpft waren“, sagte Bernd Becker von der Gewerkschaft Verdi.

„Umso größer ist die Enttäuschung, dass es bisher kein Signal für Verhandlungen gibt.“ Unklar sei noch, ob der Konzern generell Tarifverträge ablehne, oder ob die Ablehnung auf Wieners Vorgänger Timmm zurückgehe.

Unklarheit über Ameos-Ziele

Auch bei der Ärztegewerkschaft Marburger Bund, die den Streik unterstützt, war man sich über die Ziele des neuen Ameos-Chefs noch nicht im Klaren. Ein Gesprächs­angebot sei bisher nicht eingegangen, sagte die Landesgeschäftsführerin des Marburger Bundes, Andrea Huth, gestern Abend. Abschreiben wollte Huth Wiener aber noch nicht - zumal der ja gerade erst angefangen habe. „Die Hoffnung stirbt zuletzt“, sagte Huth.

Der Streit an den Ameos-Krankenhäusern in Aschersleben-Staßfurt, Bernburg und Schö­ne­beck (alle Salzlandkreis) und Haldensleben in der Börde schwelt seit Monaten. Seit langem fordert die Belegschaft, unterstützt von Verdi, einen Tarifvertrag.

Ex-Ameos-Regionalleiter Timm hatte das kategorisch abgelehnt und gewarnt, dass Tarif­löhne Standorte und Arbeitsplätze gefährden würden. Im November gab es erste Warn­streiks, in deren Folge Ameos laut Verdi mehreren Mitarbeitern gekündigt haben soll. Das hatte Timm stets bestritten und auf Erlösausfälle verwiesen.

Verdi ließ seine Mitglieder daraufhin über unbefristete Streiks abstimmen und bekam da­für knapp 100 Prozent Zustimmung. Vorgestern legten dann rund 600 Ameos-Beschäftig­te auf unbestimmte Zeit die Arbeit nieder. Der Notfallbetrieb sei abgesichert, man gehe aber Davon aus, dass der Normalbetrieb durch den Streik gestört werde, sagte Becker. Laut Marburger Bund beteiligten sich auch 40 bis 50 Ärzte an dem Streik.

Ameos bewertete die Auswirkungen des Arbeitskampfes hingegen betont gelassen. „Die Folgen sind recht überschaubar“, sagte Wiener gestern. „Alle Patienten werden aufge­nommen, alle werden behandelt“. Um die Notfallversorgung aufrecht zu erhalten, seien wenige geplante Operationen in Absprache mit Ärzten und Patienten verschoben worden.

„Wir sprechen da von zwei bis drei Operationen pro Standort“, sagte Wiener. Der neue Re­gionalchef will sich in den kommenden Tagen an den verschiedenen Standorten vor­stellen und das Gespräch mit der Belegschaft suchen.

Alle Streik-Standorte besuchen will auch Sozialministerin Petra Grimm-Benne. Gestern begann sie am Ameos-Krankenhaus Haldensleben und stärkte der Belegschaft dabei er­neut den Rücken. Diese sei fest entschlossen, im Zweifel auch länger zu streiken, teilte die SPD-Politikerin anschließend mit.

„Es muss auch im Gesundheitswesen in Sachsen-Anhalt darum gehen, gut qualifizierte Fachkräfte auch gut zu bezahlen“, so die Ministerin. Nur so könne eine hohe Qualität in der Patientenversorgung gewährleistet werden. In den kommenden Tagen will Grimm-Benne auch die anderen Streik-Standorte besuchen.

Auch die Grünen stellten sich neuerlich auf die Seite der Streikenden. „Wir stehen solida­risch an der Seite der Beschäftigten bei Ameos“, heißt es in einem Beschluss des Landes­vorstandes vom Wochenende. „Wir fordern die Landesregierung auf, in jeder geeigneten Form darauf hinzuwirken, dass der Klinikkonzern soziale und arbeitsrechtliche Standards einhält.“ © dpa/aerzteblatt.de

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