NewsMedizin2019-nCoV kann in weniger als drei Tagen zur Erkrankung führen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...

Medizin

2019-nCoV kann in weniger als drei Tagen zur Erkrankung führen

Mittwoch, 29. Januar 2020

/bakhtiarzein, stock.adobe.com

Ho-Chi-Minh-Stadt – Die Inkubationszeit der Coronavirus 2019-nCoV ist offenbar kürzer als bisher angenommen. Mediziner berichten im New England Journal of Medicine (2020; doi: 10.1056/NEJMc2001272) über einen Patienten, der innerhalb von 3 Tagen nach dem Kontakt mit seinem Vater erkrankte. Zudem häufen sich Hinweise, dass auch symptomfreie Patienten in der Inkubationszeit bereits ansteckend sein können, weshalb das Robert-Koch-Institut (RKI) jetzt seine Empfehlungen anpassen will.

Mediziner an der Cho-Ray-Klinik in Ho-Chi-Minh-Stadt im Süden des Landes hatten zu­nächst einen 65-jährigen Patienten behandelt. Wie Lan Phan vom Pasteur Institut der Stadt und Mitarbeiter berichten, war der Mann 4 Tage zuvor aus Wuhan eingereist. Er war am 17. Januar mit Fieber erkrankt.

Am gleichen Tag erhielt er Besuch von seinem 27-jährigen Sohn. Die Familie verbrachte 3 Tage zusammen in einem Hotelzimmer mit Klimaanlage. Am 20. Januar erkrankte der Sohn mit trockenem Husten und Fieber. Er litt zudem unter Erbrechen und Durchfällen.

Der Sohn wurde ebenfalls an der Cho-Ray-Klinik behandelt. Bei beiden Patienten wurde die Erkrankung durch Gennachweis mit der Reversen-Transkriptase-Polymerase-Kettenre­ak­tion (RT-PCR) bestätigt.

Da der Sohn, der aus einer ländlichen Region 40 km von Ho-Chi-Minh-Stadt entfernt stammt, keine Gebiete bereist hat, in denen 2019-nCoV verbreitet ist, muss er sich nach Einschätzung von Phan im Hotel bei seinem Vater angesteckt haben. Ein Beweis durch Sequenzierung der Gene steht allerdings noch aus. Die Inkubationszeit kann maximal 3 Tage betragen haben.

Der Sohn erkrankte im Gegensatz zum Vater nur leicht, was den Erfahrungen aus anderen Kliniken entspricht. Das 2019-nCoV ist vor allem für ältere Menschen mit Begleiterkran­kun­gen (bei dem Vater: Typ 2-Diabetes, Hypertonie und koronare Herzkrankheit mit Stent) riskant. Jüngere gesunde Menschen scheinen sie meist ohne Komplikationen zu überste­hen.

Die Familie hatte mit dem erkrankten Vater vier Städte bereist und dort verschiedene Transportmittel benutzt. Bei 28 engen Kontakten ist es laut Phan bisher in keinem Fall zu einer Infektion gekommen.

Wir nehmen dies zum Anlass, unsere Empfehlungen anzupassen, ab wann Patienten als infektiös gelten und wie mit Kontaktpersonen umgegangen werden soll. Lars Schaade, RKI-Vizepräsident

RKI will Empfehlungen anpassen

Der Fall in Bayern, der vorgestern bestätigt wurde, unterstützt zudem die Annahme, die bereits Berichte aus China nahegelegt hatten: 2019-nCoV könnte von symptomfreien infizierten Patienten übertragen werden – in diesem Fall aus Deutschland von der Workshoptrainerin aus Shanghai, die erst auf dem Rückflug nach China Symptome entwickelte.

„Es scheint so zu sein, dass sich der Fall in Bayern angesteckt hat, während der Indexfall (die Person, von der die Ansteckung ausging) noch in der Inkubationszeit war“, erklärte Lars Schaade, Vizepräsident und Leiter des Zentrums für Biologische Gefahren und Spe­zielle Pathogene am RKI in Berlin.

Allerdings sei noch unklar, ob dies Einzelfälle seien und wie häufig asymptomatische Per­sonen das Virus tatsächlich ausscheiden. „Wir nehmen dies zum Anlass, unsere Empfeh­lun­gen anzupassen, ab wann Patienten als infektiös gelten und wie mit Kontaktpersonen umgegangen werden soll“, so Schaade.

Aufgrund der Entwicklungen in den vergangenen Tagen müsse man annehmen, dass das Virus leichter übertragen wird als zu Beginn des Ausbruchs angenommen, räumt der Vi­ze­präsident des RKI ein. „Das zeigen die Fallzahlen, aber auch die wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Berechnung der Basisreproduktionsrate. Sie ist in etwa so hoch wie die des SARS-Coronavirus von 2003.“

2019-nCoV: Wie hoch ist die Basisreproduktions­zahl R0?

Genf – Mit den ersten Berichten über eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung außerhalb von China sinken die Chancen, dass die Epidemie in absehbarer Zeit gestoppt werden kann. Entscheidend für den weiteren Verlauf ist die Basisreproduktionszahl R0. Das ist die Zahl der Menschen, die ein Infizierter im Durchschnitt ansteckt. Ein Team um Neil Ferguson vom WHO Collaborating Centre for Infectious Disease [...]

Beunruhigt über den Fall in Deutschalnd äußerte sich auch Paul Hunter, Medizinprofessor an der Norwich Medical School der University of East Anglia im Vereinigten Königreich: „Wenn die chinesische Frau zum Zeitpunkt des Trainings tatsächlich asymptomatisch war, würde dies Standardkontrollstrategien weniger wirksam machen.“

Diese neuen Informationen unterstreichen seiner Ansicht nach die Bedeutung des aktu­ellen Ratschlags der Britischen Gesundheitsbehörde ‚Public Health‘: Wenn jemand in den letzten 14 Tagen aus Wuhan zurückgekehrt ist, sollte er ‚im Haus bleiben und den Kon­takt mit anderen Menschen vermeiden, wie man es mit anderen Grippeviren tun würde‘. Im Vereinigten Königreich wird zudem geraten, den National Health Service (NHS) zu kontaktieren, um über seine kürzliche Reise in die Stadt zu informieren.

Ein Stück weit Entwarnung gab hingegen der Präsident des RKI, Lothar Wieler, gestern beim Pressestatement zusammen mit Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU): Die Fälle, die zum Tode führen, würden abnehmen und auch die Schwere der Erkrankung gehe zurück. © rme/gie/aerzteblatt.de

Liebe Leserinnen und Leser,

diesen Artikel können Sie mit dem kostenfreien „Mein-DÄ-Zugang“ lesen.

Sind Sie schon registriert, geben Sie einfach Ihre Zugangsdaten ein.

Oder registrieren Sie sich kostenfrei, um exklusiv diesen Beitrag aufzurufen.

Loggen Sie sich auf Mein DÄ ein

E-Mail

Passwort


Mit der Registrierung in „Mein-DÄ“ profitieren Sie von folgenden Vorteilen:

Newsletter
Kostenfreie Newsletter mit täglichen Nachrichten aus Medizin und Politik oder aus bestimmten Fachgebieten
cme
Nehmen Sie an der zertifizierten Fortbildung teil
Merkfunktion
Erstellen Sie Merklisten mit Nachrichten, Artikeln und Videos
Kommentarfunktion und Foren
Kommentieren Sie Nachrichten, Artikel und Videos, nehmen Sie an Diskussionen in den Foren teil
Job-Mail
Erhalten Sie zu Ihrer Ärztestellen-Suche passende Jobs per E-Mail.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Avatar #687997
Pro-Natur
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 21:14

Soviel Begeisterung, deshalb noch einen Vorschlag

Mit den drei Vitaminen A, C und D könnte man jetzt schon beginnen. Sie sind für den Körper in mäßiger Dosierung keineswegs belastend, sondern ertüchtigend. Falls eine Infektion tatsächlich beginnt, kann man dann mit Echinacea beginnen. Dieses Heilmittel wirkt nicht direkt antiviral, sondern stimuliert das Immunsystem im Kampf gegen Viren (erhöht die Zahl von Leukozyten, wirkt als T-Zell-Aktivator). Wer ein intaktes Immunsystem hat und es noch bewahren möchte, sollte Naturheilmittel bevorzügen, bevor man zur chemischen Keule greift. Wenn es zum Fieber kommt, nicht senken sondern die Hydrotherapie als Brustwickel über Nacht anwenden (empfiehlt ein befreundeter Naturarzt -- es wirkt), eine Alternative, die manche Schulmediziner noch kennen.
Avatar #106067
dr.med.thomas.g.schaetzler
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 21:24

Vitamin A, C, D goes antiviral?

Selten so gelacht, Pro-Natur. Einfach unvalidiert bzw. ohne wissenschaftliche Expertise ein paar Vitamine einwerfen: Schon scheinen alle aktuellen infektiologischen Bedrohungen Schnee von gestern zu sein?

Zugleich konfabulieren Sie: "Die Masern konnte er nicht schwarz genug malen, als es um die Impfpflicht ging." Damit entlarven Sie sich als infektiologischer Laienschauspieler und medizinischer Scharlatan.

Mf + kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
Avatar #780765
elusive
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 21:23

@Pro-Natur

Masern rufen deutlich schwerwiegendere Erkrankungen hervor und gehen mit einer erhöhten Mortalität auch lange nach Abklingen der Infektion einher. Von daher kann ich Ihre Kritik an Spahn in diesem Fall nicht so ganz nachvollziehen.

Und den Coronavirus im Gegensatz zu Masern gar als "echte Gefahr" zu bezeichnen, obwohl letzterer deutlich harmloser ist, lässt bei mir alle Fakenews-Alarmglocken läuten...
Avatar #758867
RN82
am Mittwoch, 29. Januar 2020, 20:12

zoonose

So nennt man den Übergang von Viren oder Bakterien vom Tier zum Menschen.... mit Vitaminen ist da nichts zu machen. Am besten ist Hygiene und die fehlt definitiv in vielen chinesischen Märkten. Dort werden zum Verzehr gedacht- lebendige Hunde, Katzen und exotische Tiere in engen Käfigen gehalten, nah am Menschen, nah an frisch geschlachtetem Fleisch. Hygiene=null. Daher kann man nicht argumentieren das es mit Vitaminen getan sei zur Prävention beziehungsweise zu behaupten, das Viren nicht einfach so „von Tier zu Mensch springen“. Die meisten Menschen die an corona sterben sind multimorbid, da ist die Mortalität bei jeder noch so kleinen Infektion erhöht. Panikmache ist nicht angebracht- impfen wäre toll. Es wird sicher bald einen Impfstoff geben, die arbeiten ja in Australien schon daran.
LNS

Nachrichten zum Thema

21. Februar 2020
Peking – Ein erster Impfstoff gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 könnte nach Einschätzung der chinesischen Behörden ab Ende April bei Menschen getestet werden. Mehrere Forscherteams arbeiteten mit
Sars-CoV-2-Impfstoff: Peking hält baldige Testphase für möglich
20. Februar 2020
Austin/Texas – US-Forscher haben das Spike (S)-Protein, mit dem das Sars-CoV-2 an den Epithelzellen bindet, gentechnisch hergestellt und seine 3D-Struktur analysiert. In Science (2020; DOI:
Sars-CoV-2: Forscher schaffen Voraussetzung für ersten Impfstoff
20. Februar 2020
Guangzhou – Das Sars-CoV-2, das sich weiterhin rasch in China ausbreitet, ist in der Nasenschleimhaut in höheren Konzentrationen enthalten als im Rachen. Dies zeigt eine Studie im New England Journal
Studie: Sars-CoV-2 wird wie Grippe übertragen
20. Februar 2020
Stockholm – Orte, an denen sich mit Sars-CoV-2 infizierte Menschen aufgehalten haben, müssen nicht großflächig mit Desinfektionsmitteln besprüht werden, wie dies derzeit stellenweise in China
Sars-CoV-2: Wie Schulen, Fahrzeuge und öffentliche Räume dekontaminiert werden können
20. Februar 2020
Peking – Schon vor einem Jahr haben chinesische Wissenschaftler eindringlich vor dem möglichen Auftauchen eines neuen Coronavirus gewarnt. Das Forschungspapier liest sich wie das Skript für den
Chinesische Forscher befürchteten schon im März 2019 neues Coronavirus
19. Februar 2020
Frankfurt am Main – Ein symptom- und kontaktbasiertes Screening allein kann eine Infektion mit dem neuartigen Sars-CoV-2 bei Reisenden aus Endemie-Gebieten nicht ausschließen. Dies zeigen die
Sars-CoV-2: Screening von Reiserückkehrern ohne Rachenabstrich lückenhaft
19. Februar 2020
Peking – In China sind nach offiziellen Angaben inzwischen mehr als 2.000 Menschen am neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 gestorben. Die Gesundheitskommission in Peking teilte heute mit, die Zahl der
LNS LNS

Fachgebiet

Anzeige

Weitere...

Aktuelle Kommentare

Archiv

NEWSLETTER