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Medizin

Synthetischer Wirkstoff hemmt Coronaviren in Laborexperiment

Donnerstag, 30. Januar 2020

/Alexander Raths, stock.adobe.com

Gießen – Das synthetische Molekül CR-31-B, das einer in Mahagonigewächsen vorkomm­enden Substanz ähnelt, aber leichter herzustellen ist, hat in Laborexperimenten in Antiviral Research (2020; doi: 10.1016/j.antiviral.2020.104706) unter anderem die Vermehrung von Coronaviren in Zellkulturen blockiert. Für einen Einsatz in der gegen­wärtigen Epidemie kommt das Mittel mangels präklinischen und klinischer Erfahrungen nicht infrage.

Das tropische Mahagonigewächs wird in Borneo als traditionelle Heil­pflanze gegen eine Vielzahl von Krankheiten eingesetzt. Pharmakologen haben deshalb nach möglichen Wirkstoffen in der Pflanze gesucht. Dabei sind sie auf den Inhaltsstoff Silvestrol gestoßen.

Das Molekül hat in früheren Laborstudien den „eukaryotischen Initiationsfaktor 4A“ (eIF4A) gehemmt, der an der Translation, also der Umsetzung von Boten-RNA in Proteine beteiligt ist. Da viele RNA-Viren diesen Weg für die Replikation in den infizierten Zellen nutzen, könnte Silvestrol als Mittel gegen Viruserkrankungen wirken.

Ein Team um Arnold Grünweller von der Universität Gießen konnte in früheren Studien zeigen, dass Silvestrol die Vermehrung von Zikaviren und Ebolaviren in Zellkulturen hemmt (Viruses 2018; 10: 149 und Antiviral Research 2017; 137: 76-81). Sie stufen Silvestrol deshalb als ein mögliches Breitband-Virustatikum ein, das im Prinzip gegen eine Vielzahl von RNA-Viren eingesetzt werden könnte.

Leider ist Silvestrol chemisch sehr schwer herzustellen. Die Forscher experimentieren deshalb mit CR-31-B, einer synthetischen Variante von Silvestrol, die schneller und kostengünstiger produziert werden könnte.

In ihren aktuellen Experimenten haben die Forscher die Wirksamkeit von CR-31-B an Zellkulturen untersucht, die mit dem humanen Coronavirus 229E infiziert wurden. Es handelt sich bei 229E um einen Erreger von Erkältungskrankheiten und entfernten Verwandten des neuen Coronavirus 2019-nCoV.

CR-31-B erzielte in den Experimenten eine gleich gute Wirkung wie Silvestrol. Die Unter­schiede in der Molekülstruktur zwischen den beiden Substanzen scheinen deshalb nicht von Bedeutung zu sein. CR-31-B ist laut Grünweller auch gegen Zika-, Lassa- und Krim-Kongo-Fieber-Viren wirksam. Es könne deshalb wie Silvestrol ein mögliches Breit­band-Virustatikum sein.

Von einem klinischen Einsatz ist das Mittel jedoch nach Einschätzung von Grün­weller noch weit entfernt, zumal noch keine tierexperimentellen geschweige denn kli­nischen Studien durchgeführt wurden.

Ein Wirkstoff mit einer ähnlichen Molekülstruktur wie CR-31-B ist jedoch bereits in einer klinischen Studie an Krebspatienten getestet worden, berichtet Grünweller. Dies lasse hoffen, dass auch CR-31-B sich in der weiteren Entwicklung als verträglich und vielleicht auch wirksam erweisen könnte. © rme/aerzteblatt.de

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Avatar #748578
Ferdinand Wolfbeißer
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 19:31

Es ist immer wieder erfreulich,

zur Kenntnis nehmen zu können, dass für fast alle medizinischen Bedürfnisse die Natur etwas anzubieten hat. Das Problem ist jedoch, dass solche Wirkstoffe, selbst wenn ihre Wirkung keinen Wünsche offen lassen, dann dennoch mangels Patentierbarkeit nicht eingesetzt werden. Es gibt eine Menge Hinweise, dass es diesbezüglich gegen Krebs Besseres gibt als Zytostatika.
LNS

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