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Politik

Vermittlungsagentur wehrt sich gegen Leasingverbot für Pflegekräfte

Donnerstag, 30. Januar 2020

/dpa

Berlin – Eine der größten deutschen Leiharbeitsplattformen für Pflegekräfte, InSitu, will eine Preisobergrenze für vermittelte Pflegekräfte einführen. Das teilte das Unter­neh­men kürzlich mit. Es ist die erste Reaktion der Branche auf den Vor­schlag der Berliner Gesund­heitssenatorin Dilek Kalayci (SPD), die Leasingkräftevermitt­lung in der Pflege zu verbie­ten.

Mehr Lohn, flexible Arbeitszeiten, kein Schichtdienst – immer mehr Pflegekräfte werden mit diesen Versprechen von Zeitarbeitsfirmen aus Krankenhäusern abgeworben. Das ha­ben sowohl die Politik als auch die Wirtschaft erkannt. Doch ein Verbot, das mehr Pfle­gen­de in die Krankenhäuser zurückholen soll, würde Pflege-Zeitarbeitsvermittlern die Arbeit unmöglich machen.

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„Ein Leasingverbot wird die Pflegenden nicht alle in die Stammbelegschaft zurückbrin­gen“, sagte Alexander Muschalle, Gründer und Geschäftsführer von InSitu, im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt. Viele hätten den Stationsalltag aufgrund der schlechten Arbeitsbedingungen verlassen und die Zeitarbeit sei ihre „letzte Station“ im Pflegeberuf. Er bezog sich dabei auf Mitarbeiterumfragen, die ihm vorliegen würden.

Auf ihrer Plattform vermittelt InSitu Leasingkräfte, die bei kooperierenden Zeitarbeitsun­ter­nehmen angestellt sind, an Krankenhäuser und Pflegeheime in Personalnot. Die Löhne könne man als Vermittler nicht direkt bestimmen, sagte Muschalle. Seine Firma will da­her dieses Jahr die akzeptierten Preise für vermittelte Pflege-Zeitarbeits-Angebote um etwa vier Prozent pro Quartal herabsetzen. In einem kurzen Rechenbeispiel sprach er von einer geschätzten Lohnreduktion von einem Euro pro Stunde.

„Zeitarbeit kann die Personalplanung sinnvoll ergänzen, muss aber weiterhin als Ausfall­konzept betrachtet werden und nicht als Ersatz für Planstellen zulasten des Stammper­so­nals“, sagte Muschalle. Daher wolle man bei InSitu den monetären Anreiz, in die Zeit­arbeit zu wechseln, reduzieren und die „in Teilen überhöhten Preise für Leiharbeit“ auf ein „wirtschaftliches und sozial verträgliches Maß“ herabsetzen.

Leasingarbeit sei aktuell Dauerzustand auf vielen Stationen in Ballungsgebieten, meinte der Unternehmer. Das zeigten auch Zahlen des Krankenhaus-Barometers für 2018 der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Demnach setzt jedes zweite Krankenhaus auf Allge­meinstationen Leiharbeitskräfte ein. In mehr als 40 Prozent der Krankenhäuser kamen Zeitarbeiter auf Intensivstationen zum Einsatz.

Die Personalanforderungen seien schwer planbar und die Patienten auf der anderen Seite hätten häufig keine Wahlfreiheit über den Behandlungsort. Beides führe, aus Muschalles Sicht, zu einer Marktverzerrung. „Krankenhäuser und Pflegeheime sind nicht Teil des frei­en Marktes“, erklärte er.

Arbeitsbedingungen verschlechtern sich

Der Geschäftsführer von InSitu hofft, mit seiner Strategie einen Marktdruck erzeugen zu können, sodass sich mittelfristig die Löhne in der Zeitarbeit knapp über dem Tarifniveau des Stammpersonals (TVöD-P) einpendeln. Dass die Flexibilität von Zeitarbeit grundsätz­lich etwas höher bezahlt werden müsste als die Zuverlässigkeit des Stammpersonals im Schichtdienst, sei für Muschalle klar.

Künftig wolle man nur noch Pflegekräfte vermitteln, die unterhalb der von InSitu festge­legten Preisdeckelung angeboten werden, so Muschalle weiter. Dadurch rechne er zu­nächst mit einem Rückgang der Angebote seiner Kooperationspartner, aber das gehöre zum Risiko. Zum Jahresende wolle man Bilanz ziehen.

Daran, dass sich die Arbeitsbedingungen des Stammpersonals aktuell bereits im Verhält­nis zum Zeitarbeitspersonal dramatisch verschlechtern – auch durch die Abwanderung zu Leasingfirmen – könne sein Unternehmen nichts ändern. Hierfür benötige es einer Ver­besserung der Rahmenbedingungen seitens der Politik, sagte Muschalle. Er betonte, dass das Vorgehen aus seiner Sicht „das mildeste Mittel“ sei, mit der Marktsituation umzuge­hen.

Pflegemanagement befürwortet die Preisbegrenzung

Auch aus Sicht der Landesgruppe Berlin-Brandenburg des Bundesverbands Pflegema­nage­ment steigen die Angebotspreise derzeit überproportional an. Krankenhäuser seien gezwungen ihren Versorgungsauftrag in Zeiten von gesetzlichen Personaluntergrenzen zu erfüllen, teilte der Verband mit.

Zeitarbeitsfirmen würden Pflegekräfte „mit teilweise unmoralischen Angeboten“ abwer­ben, heißt es weiter. Britta Schulze, Vorsitzende der Landesgruppe, schlug vor, „Einrich­tun­gen müssen verstärkt auf alternative, innovative Arbeitszeitmodelle setzen, um ihre Abhängigkeit von den Leasingfirmen zu reduzieren“.

Berlin will Pflege-Leiharbeit vom Bundesrat verbieten lassen

Die Berliner Gesundheitssenatorin hatte im Dezember des vergangenen Jahres eine Bun­desratsinitiative angekündigt, die Leiharbeit in der Pflege verbieten soll. „Krankenhäuser beklagen, dass Pflegepersonal insbesondere im intensivmedizinischen Bereich von den Leasingfirmen gezielt abgeworben wird“, sagte Kalayci damals. In der Folge nehme die Arbeitsbe­lastung der verbleibenden Kollegen weiter zu.

Pflegekräfte, die die Strukturen und Prozesse einer Station nicht kennen – ob im Kran­ken­haus oder einer Pflegeeinrichtung –, würden zudem die Patientensicherheit und die Pflegequalität gefährden, erklärte sie. „Pflege ist eine Mensch-zu-Mensch-Beziehung. Die ist bei kurzen Einsätzen der Leiharbeitskräfte schwer aufzubauen“, meinte die Senatorin.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) sah Leiharbeit in der Pflege hingegen in einem Interview mit dem Tagesspiegel Mitte Januar eher weniger kritisch. Wo es regelhaft Leiharbeit gebe, sorge sie für schlechte Stimmung, erklärte er. „Im Zweifel muss das Stammpersonal die weniger schönen Dienstzeiten übernehmen. Und häufig wechselndes Personal ist weder gut fürs Team noch für die Patienten“, sagte Spahn weiter. Aber es sei auch „Ausdruck des Arbeitsmarktes, wie er eben ist“. © jff/aerzteblatt.de

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Avatar #749292
bluedreams54
am Donnerstag, 30. Januar 2020, 21:49

Leasingverbot

Warum? Um billige Pflege zu gewährleisten? Und dann nur für due Pflegeberufler? Das ist Diskriminierung und zeigt deutlich, wie es mit der Wertschätzung des Pflegeberufes hierzulande aussieht.
Letztendlich ists eine Frage von Angebot und Nachfrage. Und eigtl kann man von Glück sagen, dass überhaupt noch Jemand hier beruflich pflegen will. Ausgequetscht wie eine Zitrone werden hierzulande Pflegekräfte in Gesundheitskonzernen. Aber auch bei Kirchens siehts kaum besser aus.
LNS

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