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Medizin

WHO warnt vor Gerüchten und Falsch­informationen über 2019-nCoV

Montag, 3. Februar 2020

China, Peking: Sicherheitsbeamte in einem Einkaufsviertel tragen bei ihrer Arbeit Atemschutzmasken. Der Ausbruch der neuartigen Lungenkrankheit hat in China schon mehr Menschenleben gefordert als die Sars-Pandemie vor 17 Jahren. /picture alliance, kyodo

Genf/Peking – Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) hat Falschinformationen über das neuartige Coronavirus 2019-nCoV den Kampf angesagt. WHO-Generaldirektor Tedros Ad­ha­nom Ghebreyesus warnte heute in Genf vor der Verbreitung von „Gerüchten“ über die Atemwegserkrankung. Mitarbeiter der WHO seien rund um die Uhr im Einsatz, um im In­ternet kursierende Fehlinformationen ausfindig zu machen.

Fehlerhafte Empfehlungen zu Medikamenten oder Vorsorgemaßnahmen gegen das Virus könnten gesundheitsgefährdend sein, sagte Tedros zum Auftakt der Tagung des WHO-Exe­kutivrats.

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Die WHO arbeite mit Google zusammen, um sicherzustellen, dass bei Such­anfragen zum Coronavirus die Informationen der Welt­gesund­heits­organi­sation als erstes Ergebnis angezeigt werden. Online-Netzwerke wie Twitter, Facebook, Tencent und Tiktok hätten ebenfalls Maßnahmen zur Eindämmung von Falschinformationen ergriffen.

Die WHO hatte wegen der rasanten Ausbreitung des Coronavirus vergangene Woche den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. WHO-Generaldirektor Tedros betonte heute, dass die Entscheidung nicht aus mangelndem Vertrauen in die chinesischen Ge­sund­heitsbehörden gefallen sei.

Als Hauptgründe nannte er die Mensch-zu-Mensch-Über­tragung des Virus außerhalb der Volksrepublik sowie die Sorge vor den Folgen einer Aus­breitung des Erregers in Ländern mit weniger gut ausgestatteten Gesundheitssystemen.

Weitere Anstieg

In China setzt sich die Ausbreitung von 2019-nCoV ungemindert fort. Die Gesundheits­kom­mission in Peking meldete heute den bisher stärksten Anstieg der Infektio­nen und Todesfälle innerhalb eines Tages. An dem neuen Coronavirus starben demnach erneut 57 Menschen.

Damit stieg die Gesamtzahl in Festland-China auf 361 Tote – mehr als es durch das schwe­­­re akute Atemwegssyndrom (Sars) 2002/2003 gegeben hatte. Damals waren es 349 Todesfälle. Hinzu kamen vor mehr als 15 Jahren aber noch 299 Tote in Hongkong, welt­weit waren es damals 774 Tote. Beim aktuellen Coronavirusausbruch gibt es außerhalb von Festland-China bislang erst einen bekannten Todesfall.

Die Zahl der bestätigten Infektionen in China kletterte sprunghaft um 2.829 auf 17.205 Fälle. Die Gesundheitskommission sprach zudem von mehr als 20.000 Verdachtsfällen. Der Höhepunkt der Krankheit wird später erwartet als bisher gedacht.

„Wir gehen davon aus, dass der Höhepunkt der Epidemie in 10 Tagen bis 2 Wochen erwartet wird“, sagte der Chef des nationalen Virus-Expertenteams, Zhong Nanshan. Er korrigierte damit seine Vorhersage von vor einer Woche, als er den Höhepunkt für Ende dieser Woche vorhergesagt hatte. Die Sterblichkeitsrate bezifferte er auf 2,4 bis 2,5 Pro­zent.

Mehrere Übertragungswege möglich

Neben einer Tröpfcheninfektion kann das Virus offenbar auch über das Verdauungssystem verbreitet werden. Chinesische Forscher haben das Virus in Stuhlproben und Rektalabstri­chen gefunden, nachdem sie festgestellt hatten, dass einige Patienten allein Durchfall statt üblicherweise Fieber bekommen haben, berichtete die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua gestern.

An der Forschung waren das Renmin Hospital der Universität Wuhan und das Virusinstitut der chinesischen Akademie der Wissenschaften in der betroffenen Pro­vinzhauptstadt von Hubei beteiligt.

Weltweit sind rund 180 Erkrankungen durch das Virus in zwei Dutzend anderen Ländern bestätigt. Den 1. Todesfall außerhalb Chinas gab es am Wochenende auf den Phili­ppi­nen. Es handelte sich um einen eingereisten Chinesen aus Wuhan.

Asiatische Staaten haben Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um eine Einschleppung des Coronavirus zu verhindern. Aus Angst vor einer Verbreitung schloss Vietnam sogar die Schulen in 26 von 64 Provinzen für eine Woche. 15 von 24 Millionen Schülern gehen damit nicht zum Unterricht. Das Nachbarland Chinas hat 8 bestätigte Infektionen.

Zehn Infizierte in Deutschland

In Deutschland ist das Virus bei 10 Menschen nachgewiesen. Unter ihnen sind 2 vorges­tern mit einer Bundeswehrmaschine aus Wuhan ausgeflogene Deutsche. Den beiden in­fizierten deutschen Heimkehrern geht es nach Einschätzung der Ärzte gut.

„Sie werden gegenwärtig isoliert stationär betreut und sind medizinisch wohlauf“, sagte der Ärztliche Direktor des Uniklinikums Frankfurt, Jürgen Graf. Sie waren mit 122 weite­ren Deutschen und deren Angehörigen mit einem Bundeswehrflugzeug aus Wuhan nach Frankfurt am Main ausgeflogen worden.

Nach Angaben von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hatten die beiden zu­nächst keine Symptome gezeigt. So wurden sie nach medizinischen Untersuchungen mit anderen Passagieren zu der Kaserne nach Germersheim gebracht. Da die Erkrankung bis zu 2 Wochen nach der Infektion ausbrechen kann, ist die 2-wöchige Quarantäne nötig.

Der Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, René Gottschalk, warnte derweil vor Panik­mache: „Ich habe vor der Grippe deutlich mehr Angst – aus Sicht der Gesundheitsbehör­den – als vor diesem Virus. Nach allem, was wir wissen, ist der Verlauf in Europa sehr mild.“

Die anderen 8 Infizierten in Deutschland haben sich allesamt hierzulande mit dem Er­reger angesteckt. Ihre Fälle stehen im Zusammenhang mit der Firma Webasto in Bay­ern, die chinesische Mitarbeiter zu Besuch hatte.

Angesteckt haben sich 7 Angestellte des Autozulieferers und das Kind eines Infizier­ten. Alle 8 sind in guter Verfassung. Ein weiterer infizierter Deutscher wurde auf der Kanaren­insel La Gomera registriert. Er soll Kontakt zu einem in Deutschland infizierten Patienten gehabt haben.

China hat seinen Staatsbürgern von Reisen ins Ausland abgeraten und bekämpft die Aus­breitung im Land mit radikalen Maßnahmen. In der Krisenregion in Zentralchina wurden 45 Millionen Menschen in mehreren Städten abgeschottet, indem die Verkehrsverbin­dun­gen gekappt wurden.

Auch andere Städte in der Volksrepublik haben Überlandverbindungen mit Bussen ausge­setzt sowie Flüge und Züge reduziert. Die Metropole Wenzhou – mehr als 800 Kilometer östlich von Wuhan – hat praktisch eine Ausgangssperre für die 9 Millionen Einwohner verhängt. Jede Familie darf lediglich ein Mitglied auswählen, das alle 2 Tage zum Einkau­fen rausgehen kann.

Im Kampf gegen das Coronavirus hat China in weniger als 2 Wochen das 1. von 2 Not­krankenhäusern in Wuhan hochgezogen. Das „Huoshenshan“ („Berg des Vulkan-Gottes“) genannte Hospital in Schnellbauweise hat rund 1.000 Betten und wurde heute eröffnet.

Rund 1.400 medizinische Kräfte des Militärs betreiben das Behelfshospital, in dem Lun­gen­kranke zentral in Quarantäne kommen und behandelt werden. An den Unterkünften war seit 23. Januar Tag und Nacht gearbeitet worden.

Ein 2. Hospital mit mehr als 1.000 weiteren Betten soll übermorgen eröffnet werden. Es wird „Leishenshan“, „Berg des Feuergottes“, genannt. Nach dem chinesischen Volks­glauben sollen die Götter des Feuers oder des Vulkans helfen, Krankheiten zu be­kämpfen. Die beiden Nothospitäler sollen helfen, den akuten Mangel an Krankenbetten zu beheben. © afp/dpa/aerzteblatt.de

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