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Ärzteschaft

Ärger um Approbation: Medizinstudierende aus Polen reichen Petition ein

Montag, 3. Februar 2020

/picture alliance, Julian Stratenschulte

Potsdam/Berlin – 20 Absolventen des Asklepios Studiengangs der Pommerschen Medizi­nischen Universität in Stettin, die auf ihre deutsche Approbation warten, haben jetzt eine Petition eingereicht, um in Deutschland als Ärzte arbeiten zu können. Noch immer wird jungen Ärzten, die im Juni 2019 ihr Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen haben, die Approbation in Deutschland verwehrt.

Das Problem ist, dass den Absolventen das polnische sogenannte „Staz podyplowy“ (Staz) fehlt, das einem bis zum Jahr 2004 in Deutschland vorgesehenen AiP (Arzt im Praktikum) entspricht, sowie das LEK, eine Aufnahmeprüfung für das Staz.

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Wie Absolventen des Studiengangs dem Deutschen Ärzteblatt berichteten, handelt es sich bei Staz und LEK um landesinterne Zusatzprüfungen, die beim internationalen Studi­um nicht vorgesehen sind. Für beide sei das Beherrschen der polnischen Sprache erfor­der­lich, während das von deutschen Studierenden absolvierte internationale Programm vollständig aus englischen Studieninhalten bestehe.

Es umfasse 5.500 Unterrichtsstunden und sehe ein Praktisches Jahr vor. Laut der Richtli­nie 2005/36/EG (aktuelle Fassung vom 15.04.2019) der Europäischen Union gilt in Polen eine ärztliche Ausbildung aber erst als abgeschlossen, wenn neben dem Diplom der aus­bildenden Universität zusätzlich noch eine Bescheinigung über das Staz und die ent­sprechende mündliche Prüfung LEK beigebracht wird.

„Polen muss die EU-Richtlinie präzisieren. Diese Präzisierung brauchen wir dringend, da­mit wir die Approbation rechtssicher erteilen können“, sagte Ursula Nonnemacher (Die Grünen), Ministerin für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Lan­des Brandenburg.

Laut Asklepios hat das polnische Ge­sund­heits­mi­nis­terium aber bereits vor Monaten in zwei Briefen schriftlich bestätigt, dass die Staz- und LEK-Regelung nur gelte, wenn der Arzt in Polen arbeiten möchte. Den deutschen Behörden genüge diese Klarstellung aber nicht.

„So fordert das Brandenburgische Ge­sund­heits­mi­nis­terium von der polnischen Seite eine Änderung der europäischen Richtlinien. In Warschau sieht man wiederum keine Veran­lassung, diesen Schritt zu unternehmen, weil man sich ja bereits zweimal und in eindeu­tiger Weise erklärt habe und alle anderen EU-Staaten die polnischen Abschlüsse aner­kennen“, erklärte der Krankenhauskonzern.

Die Leidtragenden seien die deutschen Absolventen polnischer Universitäten, junge Ärz­te, die seit nunmehr sieben Monaten auf der Straße stünden – obwohl gerade in Bran­den­burg Ärzte händeringend gesucht würden.

Deshalb haben die „Deutschen Medizinstudierenden im Ausland“ eine entsprechende Pe­tition gestartet. 2.000 Menschen haben die Petition in zwei Tagen unterzeichnet. Insge­samt 50.000 Unterzeichner müssen es bis Ende April 2020 sein, um das Quorum zu er­füllen.

„Wir drücken den jungen Menschen die Daumen, dass diese bürokratische Posse endlich ein Ende findet und sie auch in Deutschland als Ärzte arbeiten dürfen, sagt Rüdiger Hei­cappell, Ärztlicher Direktor des Asklepios Klinikums Uckermark in Schwedt, der als Aka­demischer Koordinator mit der Universität Szczecin (Stettin) zusammenarbeitet. © hil/aerzteblatt.de

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Avatar #812791
Rabenstein
am Freitag, 7. Februar 2020, 16:15

Asklepios arbeitet nicht mehr mit Stettin zusammen

Liebes Team des Ärzteblattes,

nach neuesten Informationen,hat sich die Asklepios Klinik mit den ,,nur'' 20 Medizinstudenten aus der Zusammenarbeit mit der Pommerschen Medizi­nischen Universität in Stettin zurück gezogen. Ebenfalls haben mehrmals Herrn Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Spahn aufgefordert,sich dieser Problematik anzunehmen,denn hier ist eine zügige Entscheidung notwendig. Wie kann es sein,dass Herr Spahn sich in Schweigen hüllt? Wir würden gerne helfen.
Avatar #79783
Practicus
am Donnerstag, 6. Februar 2020, 00:04

Erstaunlich

Berufsabschlüsse von Ärzten aus nicht-EU-Ländern werden doch problemlos und mit minimalen Hürden anerkannt. Da reicht eine Urkunde vom Basar und ein Sprachkurs für die "Erlaubnis nach §10".
Avatar #812791
Rabenstein
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 13:17

Berufsverbot durch Behördenwillkür

Warum werden erneut nur 20 Studenten des Asklepios Programm benannt? Es sind MEHRERE TAUSEND STUDENTEN,zukünftige Ärzte,die in Polen studieren .Haben wir in Deutschland ausreichend Fachpersonal? Sind in Kliniken mehr Ärzte als Patienten? Sind auf dem Land eine Überzahl an Ärzten vorhanden? Meine Tochter betrifft es ebenfalls und es versteht niemand,was dieses Berufsverbot durch Behördenwillkür soll.
Avatar #812791
Rabenstein
am Mittwoch, 5. Februar 2020, 13:09

Berufsverbot durch Behördenwillkür

Bitte unterstützen Sie diese openpetition:

https://www.openpetition.de/petition/online/endlich-arzt-berufsverbot-durch-behoerdenwillkuer#petition-main
Avatar #770947
applequeen
am Montag, 3. Februar 2020, 21:18

Ärzte mit Grenzen

Das Problem betrifft nicht nur das Asklepios Programm an der Pomeranian Medical University, sondern alle Polnischen Medizinuniversitäten mit einem internationalen Studiengang. Somit sind es über tausend Betroffene.

Aktuell sind die meisten von ihnen als arbeitslos gemeldet und erhalten staatliche Unterstützungen. Ist dies im Sinne Aller?

Bei einem bestehen Ärztemangel und vorallem einen EU konformen Studium ist all dies absurd!

Ich bitte die alle hier teilzunehmen:
https://www.openpetition.de/petition/online/endlich-arzt-berufsverbot-durch-behoerdenwillkuer#petition-main
LNS

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