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Medizin

2019-nCoV: Zahl der Infektionsfälle in China deutlich gestiegen

Dienstag, 4. Februar 2020

Arbeiter arrangieren Betten in einem Kongresszentrum, das in ein provisorisches Krankenhaus in Wuhan umgebaut wurde. /picture alliance, AP Photo

Peking – Die Zahl der bestätigten Infektionen und Todesfälle durch das Corona­virus 2019-nCoV ist in der Nacht erneut angestiegen. Wie die chinesische Gesund­heits­behörde mit­teilte, gab es bis heute 20.471 bestätigte Erkrankungen – 3.235 neue Fälle im Ver­gleich zum Vortag. Die Zahl der Todesopfer stieg demnach um 64 auf 425. Es war erneut der bisher stärkste Anstieg der Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus und der Todes­fälle in­nerhalb eines Tages.

Die Sterblichkeitsrate der neuartigen Lungenkrankheit in China liegt im Schnitt bei 2,1 Prozent. Das bedeutet, dass rund jeder 50. nachweislich Erkrankte an dem Virus stirbt. In der schwer betroffenen Metropole Wuhan in Zentralchina erreicht sie allerdings 4,9 Pro­zent, wie Jiao Yahui von der Gesundheitskommission in Peking berichtete. In der gesam­ten Provinz Hubei, dessen Hauptstadt Wuhan ist, sind es demnach 3,1 Prozent. Die Zahl der Toten in der Volksrepublik stieg bis heute Mittag um 64 auf 425.

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An der neuen Lungenkrankheit sind in Festland-China damit mittlerweile mehr Menschen ge­storben als an der Sars-Pandemie vor 17 Jahren. Bei der Sars-Pandemie (Schweres Aku­tes Atemwegssyndrom) 2002/2003 hatte es 349 Todesfälle in Festland-China gegeben. Hinzu kamen 299 Tote in Hongkong. Weltweit waren es 774 Tote.

In Hongkong gab es heute den zweiten Toten außerhalb Festland-Chinas. Die Kranken­hausbe­hörde der chinesischen Sonderverwaltungsregionen bestätigte den Tod eines 39-Jährigen. Wie die South China Morning Post berichtete, hatte der Mann die schwer vom Virus be­troffene Stadt Wuhan besucht. Zuvor war auch ein Patient auf den Philippinen gestorben. Weltweit sind rund 200 Infektionen in rund zwei Dutzend Ländern bestätigt.

In Singapur haben sich erstmals Menschen innerhalb des Stadtstaates mit dem neuarti­gen Coronavirus angesteckt. Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium von Singapur meldete heute sechs neue Fälle, darunter vier Mensch-zu-Mensch-Übertragungen des Erregers. Insge­samt gibt es in Singapur damit 24 Coronavirus-Fälle.

Trotz der vier Ansteckungen in Singapur könne noch nicht von einer „weitverbreiteten und anhaltenden“ Übertragung des Erregers in Singapur gesprochen werden, erklärte das Ministerium. Im Falle einer starken Ausbreitung sei Singapur aber bereit, „menschliche Interaktionen“ einzuschränken, sagte Ge­sund­heits­mi­nis­ter Gan Kim Yong.

Zwölf Fälle in Deutschland

In Deutschland sind bislang zwölf Fälle von Infizierten bekannt. Zehn stehen in Zu­sammen­hang mit dem bayerischen Autozulieferer Webasto – darunter sind zwei Kinder eines Mitarbeiters. Bei Webasto war eine infizierte Kollegin aus China zu Gast gewesen, die ihre Erkrankung erst auf dem Rückflug bemerkt hatte. Außerdem war das Virus bei zwei Passagieren festgestellt worden, die am Wochenende mit einem Bundeswehrflug­zeug aus Wuhan zurückgeholt worden waren.

Länder wie die USA, Australien, Neuseeland oder Israel haben Einreisebeschränkungen für Chinesen oder Ausländer erlassen, die aus China kommen. Auch Taiwan will künftig keine Chinesen und Ausländer mehr ohne besondere Erlaubnis ins Land lassen, wenn sie in den 14 Tagen zuvor in der Volksrepublik waren. Reisende könnten aber Visa beantra­gen, solange sie nicht in der schwer betroffenen Provinz Hubei sowie in den Provinzen Guangdong und Zhejiang waren, die ebenfalls hohe Zahlen mit Infektionen haben.

Ein Ende der Epidemie ist noch nicht in Sicht. Chinesische Experten schätzen, dass der Ausbruch seinen Höhepunkt in 10 bis 14 Tagen erreichen könnte. Dafür müssten aber vor­beugende Maßnahmen verstärkt werden.

Keine Pandemie

Nach Einschätzung der Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) handelt es sich bei 2019-nCoV noch nicht um eine Pandemie. Das sei im Moment noch nicht der Fall, sagte die Direktorin der WHO-Abteilung zur Vorbereitung auf Infektionsgefahren, Sylvie Briand, heute. Derzeit handele es sich um eine Epidemie mit „mehreren Brennpunkten“.

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) hat heute in London mit seinem britischen Kollegen Matt Hancock über die Coronavirus-Epidemie beraten. Die Ausbreitung des Virus unterstreiche die Wichtigkeit internationaler Zusammenarbeit, sagte Spahn nach Anga­ben der deutschen Botschaft in London nach dem Treffen.

Der Minister hatte gestern bereits in einer Telefonkonferenz mit seinen Amtskollegen der anderen G7-Staaten USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada über eine einheitliche Strategie im Kampf gegen das Coronavirus beraten. Nach Angaben des Minis­teriums verabredeten sie „ein so weit als möglich abgestimmtes Vorgehen bei den Reise­bestimmungen und Vorsichtsmaßnahmen“.

Chinas Führung räumt „Unzulänglichkeiten“ ein

Unterdessen hat die chinesische Führung „Unzulänglichkeiten und Defizite“ in der Re­aktion auf den Ausbruch der Lungenkrankheit eingeräumt. Nach einem Treffen unter Vor­sitz von Staats- und Parteichef Xi Jinping ließ das Politbüro nach Angaben des Staatsfern­sehens mitteilen, man müsse „die Erfahrungen zusammenfassen und Lehren daraus zie­hen.“ Das nationale Krisenmanagement müsse verbessert werden. Das Gesundheits­sys­tem solle un­tersucht – und „Mängel“ müssten beseitigt werden.

Auf dem Treffen des Politbüros in Peking forderte Jinping „rasche und entschlossene“ Maß­nahmen zur Eindämmung der Krankheit, wie die staatliche Nachrich­ten­agentur Xin­hua berichtete. Er rief zu einer „strikten Durchsetzung“ von Anordnungen und Verboten auf. Im Kampf gegen die Epidemie gehe es nicht nur um das Leben und die Gesundheit der Menschen, sondern auch um die wirtschaftliche und soziale Stabilität.

Die Versorgung mit medizinischem Schutzmaterial müsse gesichert und die Infektions- und Sterblichkeitsrate gesenkt werden, wurde auf dem Parteitreffen weiter betont. Partei­komitees und Regierungen auf allen Ebenen wurden aufgerufen, die Epidemie unter Kon­trolle zu bringen, aber auch „die Ziele der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung“ in diesem Jahr zu erreichen. Der Ausbruch sei ein „wichtiger Test für Chinas System und die Fähigkeit zur Regierungsführung“.

Bei dem Treffen wurde auch eine entschlossene Umsetzung des gerade erlassenen Ver­bots für den Handel mit wilden Tieren gefordert. Es müsse entschieden gegen illegale Märkte mit Wildtieren vorgegangen werden, so das Politbüro. Die Behörden vermuten, dass das neuartige Coronavirus von Wildtieren von einem Markt in Wuhan ausgegangen war. Die ersten Infektionen traten bei Besuchern des Marktes auf. © dpa/afp/aerzteblatt.de

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