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Ausland

2019-nCoV: Mütter könnten Virus an Neugeborene weitergeben

Mittwoch, 5. Februar 2020

/picture alliance, Photoshot

Peking – Ein erster Infektionsfall an einem Kinderkrankenhaus von Wuhan deutet darauf hin, dass Neugeborene nicht von einer Ansteckung durch infizierte Mütter ausgenommen sind.

Eine solche vertikale Ansteckung sei bei einem Säugling nur 30 Stunden nach der Ge­burt festgestellt worden, berichtete der Chef der Neugeborenenabteilung des Kinder­kranken­hauses, Zeng Lingkong, nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur China News Service heute.

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Das Baby zeige stabile Lebenszeichen, habe aber eine Entzündung der Lungen und eine leicht abnormale Leberfunktion, berichtete der Arzt. Zuvor seien allerdings Kinder von infizierten Müttern zur Welt gebracht worden, bei denen der Test auf den Erreger negativ gewesen sei.

Viel Geld, aber ...

Die Welt­gesund­heits­organi­sation (WHO) teilte heute mit, sie benötige in den kommenden drei Monaten zusätzlich mehr als 600 Millionen Euro für die Eindämmung des in China aufgetauchten neuen Coronavirus.

Nach den Berechnungen seien 675 Millionen Dollar (613 Millionen Euro) nötig, um auch ärmeren Ländern zu helfen, sich auf einen möglichen Ausbruch vorzubereiten, sagte WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus heute in Genf. „675 Millionen Dollar ist viel Geld, aber es ist deutlich weniger als das, was auf uns zukommen könnte, wenn wir nicht jetzt in die Vorkehrungen investieren“, sagte Tedros.

Er äußerte Verständnis für die Menschen weltweit. „Wir verstehen, dass die Menschen besorgt sind“, sagte er. „Aber dies ist nicht der Zeitpunkt für Angst oder Panik. Dies ist ein Zeitpunkt für rationales Handeln, so lange wir noch ein Fenster haben, diesen Ausbruch unter Kontrolle zu bringen.“

China hatte am Morgen fast 4.000 neue Fälle gemeldet. Es sei der stärkste Anstieg inner­halb von 24 Stunden gewesen, sagte Tedros. Die WHO ver­schi­cke 250.000 Testsets an 70 Labore weltweit, um den Nachweis von Infektionen zu be­schleunigen, sagte Tedros. Zu­dem würden unter anderem eine halbe Million Gesichts­mas­ken und 350.000 Paar Hand­schuhe an Einrichtungen in 24 Länder verschickt.

Höhepunkt noch nicht erreicht

Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Jens Spahn (CDU) rechnet damit, dass die Zahl der nachge­wie­senen Infektionen durch das neue Coronavirus weiter steigen wird. „Der Höhepunkt ist noch nicht erreicht. In China nicht, was die Infektionszahlen und die Entwicklung an­geht, und damit auch für die Welt und für Deutschland nicht“, sagte er heute vor der Quarantäne-Station im pfälzischen Germersheim.

Er wünsche sich nichts mehr, als dass es keine weiteren Infektionen gebe, dies sei aber derzeit nicht auszuschließen. Deutschland sei gut vorbereitet und könne mit der „dynami­schen Lage“ gut umgehen. „Den zwölf Infizierten in Deutschland wünschen wir schnelle, vollständige Genesung.“

In der Bundeswehrkaserne in Germersheim sind rund 120 Menschen untergebracht, die am vergangenen Samstag an Bord einer Sondermaschine in Frankfurt gelandet waren. Bei zwei der Rückkehrer aus China wurde das Virus bereits nachgewiesen, worauf diese in die Uniklinik Frankfurt gebracht wurden. Außerdem gibt es zehn registrierte Infizierte in Bayern, die in Zusammenhang mit dem Autozulieferer Webasto stehen.

Unterdessen haben China und andere Ländern ihre Schutzvorkehrungen wegen des Virus weiter ausgeweitet. In mehreren Städten der ostchinesischen Provinz Zhejiang müssen die Ein­wohner seit heute zu Hause bleiben.

Hongkong ordnete für alle Ankömmlinge aus Festlandchina eine zweiwöchige Quaran­täne an. Von einem in Japan unter Quarantäne stehenden Kreuzfahrtschiff wurden zehn Infizierte von Bord gebracht, die deutschen Passagiere an Bord waren der Reederei zu­folge nicht betroffen.

Trotz weitflächiger Quarantäne-Maßnahmen in China stieg die Zahl der Todesfälle durch das neuartige Coronavirus auf dem Festland erneut deutlich auf mindestens 490 an. Hin­zu kommen jeweils ein Todesopfer in der chinesischen Sonderverwaltungszone Hong­kong sowie auf den Philippinen.

Mehr als 24.000 Menschen infizierten sich nach Angaben der chinesischen Behörden, seit das Virus im Dezember erstmals in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei, aufgetreten war. In Deutschland gibt es zwölf bestätigte Fälle.

Bewohner sollen zu Hause bleiben

Nachdem Dutzende Millionen Menschen in Hubei schon länger de facto unter Quaran­tä­ne stehen, wurden nun auch die Bewohner von Hangzhou und drei weiteren Städten in Zheijiang von den Behörden dringlich aufgerufen, zu Hause zu bleiben. „Bitte gehen Sie nicht hinaus, gehen Sie nicht hinaus“, lautete eine Lautsprecherdurchsage.

Die Bevölkerung wurde überdies aufgefordert, sich zum Schutz vor der Atemwegserkran­kung regelmäßig die Hände zu waschen und jeden aus Hubei Eingereisten zu melden. Auch in der Provinz Heilongjiang an der russischen Grenze wurde die Bewegungsfreiheit der Menschen eingeschränkt.

Die chinesische Regierung steht wegen der Ausbreitung des Virus massiv unter Druck. Das Ministerium für öffentliche Sicherheit erklärte heute, im Kampf gegen die Epidemie sei „politische Sicherheit“ die „Top-Priorität“. Gegen „jede Art Unruhe stiftender Aktivitä­ten feindlicher Kräfte“ müssten entschiedene Vorsichts- und Gegenmaßnahmen ergriffen werden.

Das chinesische Außenministerium kritisierte erneut Reisewarnungen für China, wie sie etwa die USA verhängt haben. „Panik ist tödlicher und ansteckender als jedes Virus“, sagte Außenamtssprecherin Hua Chunying.

WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus erklärte, es gebe „ein Fenster der Gelegenheit zu handeln“, um die Epidemie einzudämmen. In aller Welt versuchen die Behörden, mit Kontrollen des Reiseverkehrs die Ausbreitung des Virus zu verhindern. Die italienischen Flughäfen begannen, bei allen aus dem Ausland eintreffenden Passagieren die Tempera­tur zu überprüfen. © dpa/afp/gie/may/aerzteblatt.de

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