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Politik

Patientenakte: Kein „Alles-oder-Nichts“-Prin­zip

Mittwoch, 5. Februar 2020

/metamorworks, stock.adobe.com

Berlin – Die elektronische Patientenakte (ePA), die ab 2021 für jeden gesetzlich Kran­kenversich­erten als freiwillige Anwendung zur Verfügung stehen soll, gibt dem Nutzer auch in der ersten Ausbaustufe bereits Möglichkeiten der Zugriffssteuerung.

Darauf hat der Ge­schäfts­führer der gematik GmbH, Markus Leyck Dieken, heute in einem Hintergrund­gespräch in Berlin verwiesen. Es gelte nicht das „Alles-oder-Nichts-Prinzip“, wie dies häufig dargestellt werde, sagte Leyck Dieken.

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So sehe die Struktur der ePA drei Fächer vor – eines für die Leistungserbringer, eines für die Krankenkassen und eines für vom ePA-Inhaber selbst eingestellte Daten, die sich je­weils separat öffnen ließen. Der Nutzer könne Dokumente verschieben und dadurch bei­spielsweise verbergen.

Zudem sei die Dauer des Zugriffs nach dem Entwurf des Patientendaten-Schutzgesetzes (PDSG) standardmäßig auf eine Woche beschränkt und könne maximal auf 18 Monate aus­ge­dehnt werden. Um Missbrauch auszuschließen, werde zudem für die Dauer von zwei Jahren protokolliert, wer auf welche Daten zugegriffen hat.

Erst in der zweiten Ausbaustufe der ePA ab 2022 sieht das PDSG vor, dass der Versicherte auch „feingranular“ Zugriffsberechtigungen für spezifische Dokumente und Datensätze erteilen kann. Dann sollen auch weitere Nutzerkreise, wie Pflege, Hebammen oder Phy­sio­­­therapeuten, an die Tele­ma­tik­infra­struk­tur angebunden werden, sodass sie potenziell auch auf die ePA zugreifen können.

Anwendungen für KOM-LE ab Mitte 2020

Über den Kommunikationsdienst KOM-LE, der als Standardverfahren zur Übermittlung medizinischer Dokumente im Gesundheitswesen entwickelt wird, werden laut Leyck Dieken der elektronische Arztbrief, die elektronische Arbeits­unfähigkeits­bescheinigung sowie der ärztliche Entlassbrief Mitte des Jahres verfügbar sein.

Mitte März ist demnach der erste Feldtest für diese Anwendungen vorgesehen, Mitte des zweiten Quartals soll der bundesweite Rollout starten. Perspektivisch sollen über KOM-LE sämtliche Anwendungen abgebildet werden, die derzeit noch über KV-Connect, den Kommunikationsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen laufen, betonte er.

Im Hinblick auf die Spezifikation für das elektronische Rezept, die bis zum 30. Juni veröff­ent­licht werden soll, befinde sich die gematik im Zeitplan. Die interne Kommentierung sei abgeschlossen, sodass der Versand an die Gesellschafter, das Bundesamt für Sicher­heit in der Informationstechnik und den Bundesbeauftragten für den Datenschutz erfol­gen könne.

Darüber hinaus arbeite die gematik daran, dass das E-Rezept künftig auch in den elektro­nischen Medikationsplan eingelesen werden kann, erläuterte der gematik-Chef. Für ver­schreibungspflichtige Medikamente dürfte sich das ihm zufolge relativ problemlos lösen lassen, weil sie mit einem Barcode gekennzeichnet sind. Schwieriger sei es, auch OTC-Präparate zu berücksichtigen, da diese nicht mit einem einlesbaren Code versehen sind.

Der Gesetzgeber hat die gematik zudem neu damit beauftragt, eine neutrale Web-App zur Übermittlung ärztlicher Verschreibungen über mobile Endgeräte zu entwickeln und zur Verfügung zu stellen, um die Einführung des E-Rezepts zu beschleunigen. Derzeit sei die gematik dabei, sich einen Überblick zu verschaffen und sämtliche relevanten E-Rezept-Projekte vor Ort zu prüfen. © KBr/aerzteblatt.de

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