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Medizin

Industrie-gespon­serte Studien spielen häufig Risiken von Sonnenstudios herunter

Donnerstag, 6. Februar 2020

/Tono Balaguer, stock.adobe.com

Palo Alto/Kalifornien – Wes Brot ich ess, des Lied ich sing. Auch in der Forschung zu den Risiken von Solarien auf die Gesundheit besteht offenbar bei vielen Wissenschaftlern die Neigung, sich den Sponsoren gefällig zu zeigen.

Eine Untersuchung im Britischen Ärzteblatt (BMJ 2020; 368: m7) kommt zu dem Ergebnis, dass die Autoren sich 14-mal häufiger positiv zu den gesundheitlichen Auswirkungen von Solarien äußern, wenn sie von der Industrie gefördert wurden.

Wie stark finanzielle Interessen das Urteil von Experten beeinflussen, die von der Indus­trie häufig als Meinungsbildner umworben werden, zeigte sich vor 20 Jahren in der Disku­ssion um mögliche Risiken des Passivrauchens. Die Autoren von Übersichtsartikeln kamen damals 88-mal häufiger zu dem Schluss, dass Passivrauchen unschädlich sei, wenn sie finanzielle Beziehungen zur Industrie hatten (JAMA 1998; 279: 1566-70).

Auch für die biomedizinische Forschung ist der Einfluss von Interessenkonflikten auf die Studienergebnisse gut belegt. Nach einer Übersicht kommen Experten 3,6-fach häufiger zu einem Industrie-freundlichen Urteil, wenn sie finanzielle Kontakte mit ihnen hatten (JAMA 2003; 289: 454-465). Eine Untersuchung zur Arzneimittelforschung ermittelte eine Odds Ratio von 4,05 für einen günstigen Ausgang einer Studie, wenn sie vom Hersteller finanziert wurde (BMJ 2003; 326: 1167-70).

Dass auch die Hersteller von Solarien ein wirtschaftliches Interesse daran haben, die Aus­wirkungen ihrer Produkte auf die Gesundheit in ein günstiges Licht zu setzen, liegt auf der Hand. Das Sponsoring ist allerdings (noch?) nicht so weit verbreitet wie in anderen Bereichen.

Von den 691 wissenschaftlichen Publikationen, die ein Team um die Dermatologin Eleni Linos von der Stanford University in Palo Alto analysiert hat, wurden nur in 50 Fällen finan­zielle Verbindungen zu Herstellern von Solarien offengelegt (was natürlich nicht ausschließt, dass sie in dem einen oder anderen Fall verschwiegen wurden).

In 39 der 50 Publikationen (78 %) kamen die Autoren mit einem Interessenkonflikt zu einer insgesamt günstigen Einschätzung der gesundheitlichen Auswirkungen von Sola­rien. In den übrigen 620 Publikationen ohne Interessenkonflikt der Autoren fiel das Fazit nur in 27 Fällen (4,4 %) positiv aus. Linos ermittelt eine Risk Ratio von 14,3, die mit einen 95-%-Konfidenzintervall von 10,0 bis 20,4 statistisch signifikant war.

Die Möglichkeiten, das Image von Sonnenstudios zu manipulieren, sind groß. Die Risiken, die neben Hautkrebserkrankungen in einer schnelleren Hautalterung bestehen, um nur einige zu nennen, werden zumeist ignoriert oder heruntergespielt.

Als Vorteile lässt sich der Einsatz von UV-Strahlen in der Medizin (Phototherapie von Hautkrankheiten), die Bildung von Vitamin D in der Haut (Vermeidung eines Vitamin­mangels) oder auch eine Photoprotektion gegen UV-Strahlen durch ein „Vorbräunen“ (mit Stimulierung der Melanozyten) anführen.

Dass die Verbraucher anfällig für solche Botschaften sind, ergibt sich aus der ästhe­tischen Bedeutung, die (zumindest in westlichen Gesellschaften mit einer hellen Haut­farbe) einer Hautbräunung beigemessen wird. Ein dunkler Teint wird als gesund und sport­lich eingestuft.

Eine Analyse des Kurznachrichtendienstes Twitter ergab, dass nur 2,56 % der Tweets, die sich mit dem Thema Sonnenstudios befassten, ein mögliches Hautkrebsrisiko themati­sierten. Mit einem Anteil von 4,75 % waren die Tweet-Autoren fast doppelt so häufig besorgt, sich Verbrennungen zuzuziehen (Lancet 2014; 384: 131-2). © rme/aerzteblatt.de

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