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Klimawandel: Privatwirtschaft soll Forschungszentrum mitfinanzieren

Donnerstag, 6. Februar 2020

/dpa

Berlin/Potsdam – Das geplante Berliner Forschungszentrum zum Thema Klimawandel soll von der Privatwirtschaft mitfinanziert werden. Man habe mehrere Unternehmen angesprochen, die etwa in der Energieerzeugung und -verteilung tätig seien und damit ein Eigeninteresse an der Reduktion des Klimawandels hätten, sagte der Präsident der Technischen Universität Berlin (TU), Christian Thomsen. Dennoch sei die Unabhängigkeit der Einrichtung gewährleistet.

Als mögliche Arbeitsfelder nannte der Universitätspräsident die Folgen des Klimawandels für die menschliche Gesundheit, für Flugreisen oder die Energieversorgung. „Die Frage ist auch, welche soziologischen, juristischen, technischen Möglichkeiten es gibt, um den Kli­ma­wandel zu reduzieren oder zu verhindern.“

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Wichtig sei der Austausch mit Bürgern: „Es geht darum, die Sorgen der Einzelnen mit ein­zubeziehen.“ Angestrebt wird dem Vernehmen nach, dass das Institut in fünf Jahren inter­national Ansprechpartner in Sachen Klima und Klimawandel-Lösungen sein soll.

Das Institut hatten die drei großen Berliner Unis und die Charité im Sommer 2019 als gemeinsames Vorhaben angekündigt – die TU hat es nach eigenen Angaben initiiert und nun die Sprecherfunktion bei der Antragsstellung inne. Man habe die Unterstützung des Landes Berlin, so Thomsen.

Ein erstes Gespräch mit möglichen Partnern in Potsdam sei im Februar geplant. Wo ge­nau das neue Zentrum angesiedelt werden soll, stehe noch nicht fest. „Wünschenswert wäre zentral in Berlin, vielleicht zwischen Berlin und Potsdam“, sagte Thomsen.

Mit der Vielfalt an Disziplinen an den Berliner Universitäten und Forschungseinrichtun­gen sowie der Nähe zum Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, dem Deutschen Geoforschungszentrum und dem Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung seien die Voraussetzungen in der Region international einzigartig, sagte Thomsen. Mit der Metropole Berlin und dem Land Brandenburg habe man hier auch ein Reallabor, zum Beispiel bei Energiefragen.

Eine Konkurrenzsituation zwischen dem neuen Institut und den Potsdamer Einrichtungen sieht Thomsen nicht, wie er sagte: Diese verfolgten primär den tatsächlichen Effekt von Kohlenstoffdioxid (CO2) auf das Klima und Auswirkungen des Klimawandels.

Das neue Forschungszentrum werde sich hingegen wissenschaftsbasierten Lösungen aus einer möglichst breiten Palette von Perspektiven widmen. Angestrebt werde, bestehende Arbeitsbereiche zu vernetzen und neue Fachgebiete über zusätzliche Professuren zu etablieren.

Namen möglicher Geldgeber aus der Wirtschaft nannte Thomsen nicht. „Wir sind am Anfang der Anfragen.“ Ziel sei, etwa 30 private Geldgeber zu finden, die bereit seien, jeweils rund 650.000 Euro für eine Professur für sechs Jahre zu investieren. Angestrebt werde, dass das Land pro eingeworbenem Euro von Unternehmen 50 Cent hinzugibt.

Möglich werden solle das über einen Förderantrag bei der Einstein Stiftung. Zu deren Zielen gehört, „die Sichtbarkeit des Forschungsstandortes Berlin“ zu erhöhen. Mit dem Antrag, der bis Ende 2020 bewilligt werden könnte, geht Thomsen zufolge eine Begut­achtung des Konzepts durch ein internationales Gremium einher.

Eine Beeinflussung der Forschung oder eine Mitsprache bei Stellenbesetzungen durch die Geldgeber sei nicht möglich, betonte Thomsen: „Die Unabhängigkeit ist gewährleistet.“

Die Unternehmen spendeten an die Stiftung und hätten keinen Einfluss auf die Verwen­dung dieser Mittel. Das werde den Unternehmen vorab mitgeteilt. Die Spender hätten jedoch ein Vorschlagsrecht, in welchem Bereich die Professur angesiedelt werden soll – ob etwa im Energiesektor oder in der Medizin.

Erfahrungen mit einer solchen Konstruktion gibt es schon: am 2017 eröffneten Einstein Center Digital Future, an dem die Digitalisierung erforscht wird. Nach eigenen Angaben auf der Webseite fließen von 20 Unternehmen insgesamt rund 12 Millionen Euro in die Finanzierung von Professuren. Unter den Geldgebern sind zum Beispiel der Software­konzern SAP, die Telekom und der Online-Händler Zalando. © dpa/aerzteblatt.de

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